Donnerstag, 29. November 2012

O FANTASMA - João Pedro Rodrigues

Dienstag 4.12.2012
20.30 Uhr
vorgestellt von Jan K.





O FANTASMA | Portugal 2000 | 87 min, 35mm color, 1.66:1 | directed by João Pedro Rodrigues | written by João Pedro Rodrigues  José Neves  Alexandre Melo | produced by Amândio Coroado | starring Ricardo Meneses | Cinematography Rui Poças | Editing by  Paulo Rebelo   João Pedro Rodrigues


Inhalt

Sergio (Ricardo Meneses) works the night shift as a trash collector in Lisbon. He is uninterested in his pretty female co-worker Fatima, who displays an avid interest in him, so instead Sergio roams the city. Eventually Sergio becomes fascinated with a sleek motorcycle and its arrogant owner - a young man totally indifferent to Sergio. Sergio's surfacing desires unleash his darkest impulses, sending him down a dangerous path of violence, depravity, and degradation.

The film premiered at the 2000 Venice International Film Festival. It won the prize for best feature film in the New York Lesbian & Gay Film Festival and the Entrevues Film Festival. Ricardo Meneses was nominated for the 2001 Portuguese Golden Globe award for best leading actor.

Trailer



Pressestimmen

Rodriguez' Film fängt da an, wo alle Zivilisationskritik aufhört oder schamesrot verstummen würde. Sein Held ist ein Müllmann in Lissabon, dieser prachvollen Stadt, die nach Mitternacht allerding auch nicht viel anders aussieht als Brooklyn. Der Müll, die Stadt und der Sex - das bedeutet für Sérgio, den jungen Streuner mit knackigem Hintern und Waschbrettbauch, die unablässige Befriedigung seiner polymorph-perversen Gelüste. Was die anderen wegwerfen, wird für ihn zur Schatzkammer der Sekrete und Gerüche. Ständig sieht man ihn in diesem ausschließlich in der Dunkelheit spielenden Film an irgendetwas schnüffeln, alte Lumpen kneten oder auch mal die Duschkabine eines öffentlichen Schwimmbades ablecken. Ob nun das schwarze Kunstleder eines Motorradsitzes, die Unterhose der Nachbarin oder der eigene Hund, für Sérgio ist potenziell alles Fetisch. Und die Stadt gehorcht willig den Phantasmen ihres animalischen Helden, bis hin zu Polizisten, die ihn beim Spannen ertappen, dann aber gleich lüstern mit dem Schlagstock zustoßen. Überhaupt wird in "O Fantasma" hinter jeder Tür gerubbelt, gerammelt, masturbiert und gefummelt. Wenn dann auch noch Latexsex ins Spiel kommt, erleben wir auf der Leinwand endgültig die Apotheose eines sexualisierten Nosferatu.

Der kleine schräge Portugiese im Wettbewerb wurde auf dem Lido zwar mit einigen Igittigitts bedacht, aber welcher andere Film hat schon ein solches Schlussbild zu bieten: eine spinnenartige Gestalt im Gummianzug, die in der Morgendämmerung auf allen Vieren durch die Müllsümpfe am Stadtrand von Lissabon kriecht - fehlen eigentlich nur noch die postapokalyptischen Klangteppiche von Gustav Mahler. Zwar befindet sich "O Fantasma" jenseits aller Chancen auf einen Preis, die Vorstellung, dass sich ein Regisseur seinen Goldenen Löwen im schwarzen Latexanzug abholt, hätte allerdings was für sich.

(Katja Nicodemus, taz )


Nicht um einen Hund, der Mensch, sondern um einen Menschen, der Hund wird, geht es jedoch in "O Fantasma". Der Film hat keinen Plot. Er hat ein Gesetz, und das ist sehr einfach: Wo Ich ist, muss Es werden, und zwar restlos. Zu sehen sind Passanten, Passionen, Passagen der Nacht - doggie style. Ob Utopie oder Dystopie eines triebgesteuerten Lebens, ist kaum zu sagen. Sérgio, der Müllmann, entdeckt das Leben als Hund und bespringt schamlos die Welt. Er wühlt im Abfall, sucht, schnüffelt, findet und genießt, wortlos fast, abgetragene Lust. Die gebrauchte Badehose, die Motorradhandschuhe, den Latexanzug. Das Hexeneinmaleins der Instantanfetischisierungen: Alles meins, aus Müll mach Lust, bell mir die Hunde-Konjugation: Ich besorg es dir, du besorgst es mir, wir besorgen es uns.

(Ekkehard Knoerer, taz )


Einen wirklichen Reim kann man sich auf diesen Film nicht machen. Zwar gibt es ein paar explizite Sexualszenen, doch als voyeuristische Schwulenpornografie taugt "O Fantasma" wohl auch nicht. Oder wollte Regisseur Rodrigues ausdrücken, dass Schwule sich wie der Müll der Gesellschaft fühlen?

(abendblatt.de)


"There's this gay garbageman who roams the city at night in a black rubber catsuit and searches out dangerous anonymous sexual encounters. Would you care to invest?"

(rotten tomatoes)

Mittwoch, 21. November 2012

UNTEN MITTE KINN - Nicolas Wackerbarth


Dienstag 27.11.2012
19.30 Uhr
vorgestellt von Nicolas Wackerbarth




UNTEN MITTE KINN | Deutschland 2011| Länge: 89 Min. | Format, Ton: HD, 1:1,85, Stereo | deutsche OV | UA: Filmfest München 2011

Buch und Regie: Nicolas Wackerbarth | Kamera: Bernhard Keller | Licht: Henry Notroff | Ton: Bernd von Bassewitz | Dramaturgie: Irene Rudolf | Szenenbild und Kostüm: Kathrin Krumbein | Montage: Janina Herhoffer | Tongestaltung & Mischung: Adrian Baumeister | Redaktion: Burkhard Althoff | Produzenten: Florian Koerner von Gustorf, Michael Weber | Darsteller: Kathleen Morgeneyer, Anne Müller, Luise Berndt, Grit Paulussen, Lucie Heinze, Konstantin Frolov, Christoph Letkowski, Ole Lagerpusch,Jan Neumann, Alfred Hartung, Karl Ludwig Otto, Daniela Holtz, Ursula Werner und Fritz Schediwy



ACHTUNG: 
Das Screening findet im großen Kinosaal statt - deshalb beginnen wir ausnahmsweise bereits um 19:30 Uhr!


INHALT:
 

Die Angst vor dem Scheitern geht um. Jeder will so früh und so schnell wie möglich "nach oben". Das Intendantenvorsprechen der Abteilung Schauspiel aber droht, ein Desaster zu werden. Um sich zu retten, probt die Abschlussklasse den Aufstand. Doch sie wird zum Spielball von Gerüchten und Intrigen, Panikattacken und Eitelkeiten. Eine improvisierte psychotische Komödie über eine Generation junger Schauspieler im Kampf gegen das Kunstbeamtentum.


DIRECTORS STATEMENT:


 "UNTEN MITTE KINN ist in Gänze improvisiert. Ohne Kenntnis der Filmerzählung haben sich die Schauspieler auf offenes Feld hinausgewagt in der Absicht, sich selbst zu überraschen und den eigenen Kontrollverlust anzusteuern. So haben wir gemeinsam daran gearbeitet, ´reale´ Zustände hervorzubringen. ´Real´ in dem Sinne, dass die Schauspieler in einer vertrauten Lebenswelt sich bewegen, diese aber auch jederzeit ironisch brechen und reflektieren konnten. Als Ergebnis schwebte uns eine Mischung aus dem Dokument psychotischer Gruppen-Sessions und einer amerikanischen High School-Komödie vor. Gleich der Fabel von den zwei Fröschen, die in einem Milchbottich gefallen sind, haben wir uns in dieses Projekt geworfen. Getragen von der Annahme, dass sich die Produktionsgeschichte in den Film einschreiben wird. Und es erging uns wie den Fröschen: zu Beginn schien es keine Chance zu geben, dem Bottich zu entkommen. Dann aber fing einer hysterisch zu strampeln an, was die anderen mit Spott kommentierten. Die Filmhandlung selbst maß sich an der Wirklichkeit der Improvisation. Und allmählich wurde mit jedem neuerlichen Durchlauf der vorgegebenen Situationen die Milch zu Butter.

Schauspieler arbeiten in Abhängigkeitsverhältnissen, die selten durchscheinen und noch seltener als schmerzliche Machtkämpfe erfahrbar werden. Situationen aushalten heißt, nicht den Wunsch, sondern die Enttäuschung für eine Zukunft fruchtbar zu machen. Und im historischen Abstand zwischen der existentiellen Not der Figuren in Maxim Gorkis 1901 geschriebenem ´Nachtasyl´und den bürgerlichen Ängsten, eitlen Hoffnungen und hysterisierten Phantasmen der Schauspielschüler in UNTEN MITTE KINN lag die Chance, nicht nur Komik zu erzeugen, sondern auch das Verhältnis zu untersuchen, das ein hierarchisch aufgebauter staatlicher Kulturbetrieb heute zu selbstbestimmtem Handeln unterhält. ´Warum machen wir das alles überhaupt hier?´ fragt eine Schauspielstudentin gegen Ende des Films. Eine gute Frage, finde ich. Wenn es zutrifft, dass die Generation der Mittzwanziger ihr Leben ausschließlich nach den Anforderungen des Marktes ausrichtet, was für einen Begriff macht sie sich von der Freiheit? Wenn sie etablierte Verhältnisse zu stürzen versucht: um welchen Preis? Verwirklicht sich der Protest der Schauspielstudenten in UNTEN MITTE KINN gegen die Selbstläufe und Irrgänge einer Institution im Ruf nach einer autoritären Projektionsfigur oder findet er zu einem eigenen Ausdruck?

Die Frösche sind ja nicht abgesoffen und wir hatten einen Film." (Nicolas Wackerbarth)


PRESSESTIMMEN:

„Was "Unten Mitte Kinn" über die spezifische Schauspielschulen-Situation hinausweisen lässt, ist der Umstand, dass Wackerbarth furchtlos einem zentralen Widerspruch des Kulturbetriebs ins Auge schaut: Man tut so, als drehe sich alles um so noble Dinge wie die Kunst, um das Hervorbringen neuer Ausdrucksformen, um neue Erkenntnisformen und ästhetische Genüsse. In Wirklichkeit regieren Eitelkeit und Geltungsdrang, und das Machtstreben kann sich umso besser durchsetzen, je mehr man sich als Künstler von den Konventionen des zivilisierten Miteinanders befreit wähnt." (TAZ - Cristina Nord)

 „Wackerbarth ist mit diesem in viele Richtung offenen Konzept eine wunderbar neurotische Komödie über die Produktionsmechanismen des Egos gelungen, die weit über das Schauspielschulen-Milieu hinaus zur pointierten Studie über Gruppen und ihr Verhältnis zur Macht gerät. Durch Angst werden Verbindungen aufgekündigt und neue Allianzen eingegangen, Strategien und Intrigen ausgeheckt und Gerüchte gestreut, dabei scheint der Egoismus des Einzelnen kaum weniger fragwürdig als der naive Glaube an den Erfolg der kollektiven Rebellion.” (FILMDIENST - Esther Buss )

"Das Ambiente, in dem sich die Studenten und Professoren bewegen - Informationsbretter, belagerte Kopierer im engen Flur, Proberäume mit Turnhallenatmosphäre, ein Heizungskeller als Fluchtraum - erscheint gleichwohl ohne Abstriche realistisch und verengt sich zu einem labyrinthartigen Gefängnis, das nur noch für staatlich besoldete Gutachter durchlässig ist. Gleich mehrmals werden, fast demonstrativ, Vorhänge zugezogen, die laut Corinna Trampe `kunstfeindliche Natur` bleibt ausgesperrt. Ein klaustrophobischer Ort, der die Kanäle nach außen streng reguliert und der die, die ihm ausgeliefert sind, dem unbarmherzigen Blickregime der Erkenntnis eher verhindernden als befördernden totalen wechselseitigen Beobachtung aussetzt. Ein Blickregime, in das über die ebenso unbarmherzig beobachtende Kamera auch der Kinozuschauer eingespannt wird."  (PERLENTAUCHER - Lukas Foerster)

„Was wie ein interessantes Behind the scenes einer Schauspielakademie beginnt, entwickelt einen überraschenden, fiktionalen Sog und geht dabei seltsam an die Nieren – vor allem durch die enorme Authentizität. Nichts ist unglaubwürdig, selbst der `Theatersprech´ gleitet nie in Klischees ab, die Figuren wirken (und sind wohl) beängstigend lebensecht und menschlich. Der Film landet beim Zuschauer volle Treffer: Man spürt die Handlung, fast wie bei einem echten Boxkampf.” (SZ - Hanno Raichle)

„Die Jungschauspieler, welche die Schauspielschüler spielen, haben alle Szenen ohne umfassende Kenntnis der Geschichte improvisiert. Ihre Improvisationstechnik führt einem die ausgefeilte, pointierte Kunstsprache, wie sie sonst in Drehbüchern gestaltet wird, so richtig vor Augen. Sie fehlt hier völlig und sie fehlt einem überhaupt nicht.” (TAZ - Jens Müller)


NICOLAS WACKERBARTH:

geb. 1973 in München. 1993-95 Schauspielstudium an der Bayerischen Theaterakademie in München. Als Schauspieler: 1996-97 Schauspiel Frankfurt, 1997–2000, Städtischen Bühnen Köln, sowie diverse Kino- und TV-Filme. Studium der Filmregie an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin bis 2011. Lebt und arbeitet als Regisseur, Autor und Schauspieler in Berlin. Mitherausgeber der Filmzeitschrift „Revolver“. Filme (Auswahl): „Anfänger!“ (Kurzfilm, 2004), „Westernstadt“ (Dokumentarfilm, 2005), „Halbe Stunden“ (Kurzfilm, 2007), "Unten Mitte Kinn" (Spielfilm, 2011), "Halbschatten" (Spielfilm, 2013)

Montag, 19. November 2012

NUIT#1 - Anne Émond


Dienstag 20.11.2012
20.30 Uhr
vorgestellt von Thomas Moritz Helm



NUIT#1 | Canada 2011 | frz. Original, englische UT | 91 Minuten | Toronto Int. Film Festival 2011: Best Canadian First Feature Film & Special Jury Citation, Vancouver Int. Film Festival: Best Canadian Feature Film, Genie Awards: Claude Jutra Award für Anne Émond + Nominierung für Beste Hauptdarstellerin & Bestes Drehbuch, Jutra Award: Nominiert für Bester Film, Beste Regie und Beste Hauptdarstellerin.

Regie & Buch: Anne Émond | Kamera: Mathieu Laverdière | Schnitt: Mathieu Bouchard-Malo | Ausstattung: Eric Barbeau | Produzentin: Nancy Grant | Darsteller: Catherine de Léan & Dimitri Storoge
Anne Émonds dazzling debut feature is a bold and intimate study of a one-night stand. Clara and Nikolai meet at a sweat-soaked rave and end their night at his apartment. The first part of the film is an erotic and candid portrait of their lovemaking: we witness the mystery, sensuality and awkwardness of that first encounter. They know very little about each other, and we know very little about them. When Nikolai catches Clara trying to sneak out without saying goodbye, this typical hookup takes an unexpected turn.

Set almost entirely in Nikolais unadorned apartment, Nuit #1 focuses closely on the two captivating lead actors, the camera scrutinizing their faces and small, nuanced gestures. Émond has deftly combined spare but elegant form with maximum impact (...) in this sharply perceptive first feature. In a world of technology-mediated contact and fleeting encounters, Nuit #1 is a cathartic chamber piece about two modern young people who dare to go much further. (Toronto Int. Film Festival)


Using long stream-of-consciousness-styled dialogue, the film begins to sweep across a series of issues that infect and reflect relationships these days. It is an intriguing discourse, but it doesn't take advantage of what a film can give a story — the ability to move around, occupy various spaces, create more personal interaction than declamation. As a result, "Nuit #1" often plays like a play rather than a movie: Two characters, three pretty clear acts, almost all of the action unfolding within the confines of an apartment. (Betsy Sharkey, Los Angeles Times)


Here's the thing: This movie would be easy to mock as maudlin and self-important, but there's something about it that can't be dismissed. The monologues may be theatrical and presentational - director Anne Émond made this film when she was 29 and too young to be subtle.
But the characters' voices are alive; and the financial and emotional traps they're in are believable and ultimately moving. These are young lives derailed, people without hope, purpose or moral grounding. "Nuit #1" is an expression of all this and perhaps a symptom of it, too.
What's more - there's no point in denying this - somehow the monologues' effectiveness is partly tied to the fact that we see the actors put it all on the line in that first scene. It throws them into the same stewpot as the characters and raises the stakes all around.
So this is a different kind of movie, as graphic as porn, but not porn, not titillating and not unintelligent. It's committed - some new and highly disturbing version of a really good movie.


Read more: http://www.sfgate.com/movies/article/Nuit-1-review-Real-sex-raw-emotion-3776134.php#ixzz2Cgc1Ewl7
Here's the thing: This movie would be easy to mock as maudlin and self-important, but there's something about it that can't be dismissed. The monologues may be theatrical and presentational - director Anne Émond made this film when she was 29 and too young to be subtle.
But the characters' voices are alive; and the financial and emotional traps they're in are believable and ultimately moving. These are young lives derailed, people without hope, purpose or moral grounding. "Nuit #1" is an expression of all this and perhaps a symptom of it, too.
What's more - there's no point in denying this - somehow the monologues' effectiveness is partly tied to the fact that we see the actors put it all on the line in that first scene. It throws them into the same stewpot as the characters and raises the stakes all around.
So this is a different kind of movie, as graphic as porn, but not porn, not titillating and not unintelligent. It's committed - some new and highly disturbing version of a really good movie.


Read more: http://www.sfgate.com/movies/article/Nuit-1-review-Real-sex-raw-emotion-3776134.php#ixzz2Cgc1Ewl7
Here's the thing: This movie would be easy to mock as maudlin and self-important, but there's something about it that can't be dismissed. The monologues may be theatrical and presentational - director Anne Émond made this film when she was 29 and too young to be subtle.
But the characters' voices are alive; and the financial and emotional traps they're in are believable and ultimately moving. These are young lives derailed, people without hope, purpose or moral grounding. "Nuit #1" is an expression of all this and perhaps a symptom of it, too.
What's more - there's no point in denying this - somehow the monologues' effectiveness is partly tied to the fact that we see the actors put it all on the line in that first scene. It throws them into the same stewpot as the characters and raises the stakes all around.
So this is a different kind of movie, as graphic as porn, but not porn, not titillating and not unintelligent. It's committed - some new and highly disturbing version of a really good movie.


Read more: http://www.sfgate.com/movies/article/Nuit-1-review-Real-sex-raw-emotion-3776134.php#ixzz2Cgc1Ewl7
Here's the thing: This movie would be easy to mock as maudlin and self-important, but there's something about it that can't be dismissed. The monologues may be theatrical and presentational - director Anne Émond made this film when she was 29 and too young to be subtle.
But the characters' voices are alive; and the financial and emotional traps they're in are believable and ultimately moving. These are young lives derailed, people without hope, purpose or moral grounding. "Nuit #1" is an expression of all this and perhaps a symptom of it, too.
What's more - there's no point in denying this - somehow the monologues' effectiveness is partly tied to the fact that we see the actors put it all on the line in that first scene. It throws them into the same stewpot as the characters and raises the stakes all around.
So this is a different kind of movie, as graphic as porn, but not porn, not titillating and not unintelligent. It's committed - some new and highly disturbing version of a really good movie.


Read more: http://www.sfgate.com/movies/article/Nuit-1-review-Real-sex-raw-emotion-3776134.php#ixzz2Cgc1Ewl7
Here's the thing: This movie would be easy to mock as maudlin and self-important, but there's something about it that can't be dismissed. The monologues may be theatrical and presentational - director Anne Émond made this film when she was 29 and too young to be subtle. But the characters' voices are alive; and the financial and emotional traps they're in are believable and ultimately moving. These are young lives derailed, people without hope, purpose or moral grounding. "Nuit #1" is an expression of all this and perhaps a symptom of it, too.

This is a different kind of movie, as graphic as porn, but not porn, not titillating and not unintelligent. It's committed - some new and highly disturbing version of a really good movie. (Mike LaSalle, SFgate)

Sonntag, 11. November 2012

WOLFZEIT - Michael Haneke


Dienstag 13.11.2012
20.30 Uhr
vorgestellt von Jan Künemund



Le Temps du Loup | Frankreich, Deutschland, Österreich 2003 | frz. Original, deutsche UT | 113 Minuten | Cannes-Wettbewerb 2003 (außer Konkurrenz), Sitges: Bester Film & Kritikerpreis
Regie & Buch: Michael Haneke | Kamera: Jürgen Jürges | Schnitt: Monika Willi, Nadine Muse | Ausstattung: Christoph Kanter | Ton: Guillaume Sciama, Jean-Pierre Laforce | Produzenten: Veit Heiduschka, Margaret Ménégoz, Michael Weber | Darsteller: Isabelle huppert, Béatrice Dalle, Patrice Chéreau, Olivier Gournmet, Anais Demoustier.


Inhalt:
Anne und George fahren mit ihren beiden Kindern aufs Land. Doch in ihrem Wochenendhaus hat sich eine Flüchtlingsfamilie einquartiert. George wird erschossen. Für Anne und ihre Kinder beginnt eine lange Odyssee durch ein Niemandsland.

„Der Ausgangspunkt in WOLFZEIT war ganz simpel: Stellt euch einmal vor, der Strom kommt nicht mehr aus der Steckdose und das Wasser nicht mehr aus der Leitung. Das ist alles. Ich wollte einen Film drehen ohne das übliche Spektakuläre des Katastrophenfilms. Im Katastrophenfilm gibt es immer einen Retter, der das Problem löst. Danach geht die Welt wieder weiter. Das ist das klassische Schema, und ich habe es nur etwas variiert. (…) Das Drehbuch ist vor dem 11. September entstanden, aber die Terroranschläge von Al-Qaida waren der Auslöser, es zu realisieren.“ (Michael Haneke im Gespräch mit Thomas Assheuer in NAHAUFNAHME, Berlin 2008) 

„Die Spitzen, die fast schon genüsslich verteilt werden, die Drastik der Bilder (…) und die so strikte wie angesichts des Stoffes auffällige Verweigerung einschlägiger Genrekonzessionen scheinen allesamt bloß einem einzigen Zweck verpflichtet zu sein: Der Inszenierung ihres Urhebers als von sich eingenommenem Mahner zur Moral, als Erretter der Filmkunst vor dem Profanen des Genre-Einerlei. Das ist, gelinde gesagt, zu wenig.“ (Thomas Groh, jump cut) 

„Lässt man WOLFZEIT eine Weile wirken, zeigt sich, wie weit der Film über den genretypischen Umgang mit der Extremsituation hinausweist. Dies liegt vor allem an der Subtilität der mise en scène. Haneke versteht sich darauf, Bilder zu komponieren: Allein in der Art, wie er die Totalen von Feldwegen und Landstraßen montiert, stellt sich diese Fähigkeit unter Beweis. Er weiß, wie er Bildachsen und Linien anordnet und wie er mit Stillstand und Bewegung umgeht. Am deutlichsten tritt diese visuelle Gestaltungsgabe im Umgang mit dem Licht zu Tage: Obwohl "Wolfzeit" auf künstliche Lichtquellen verzichtet, geraten die Einstellungen erstaunlich präzise. Ein so virtuoser Umgang mit Dunkelheit ist im Kino selten zu sehen.“ (Cristina Nord, TAZ)
 
„Irgendwann nervt diese aufgesetzte und bedeutungsschwangere Symbolik nur noch, weil sich nichts klärt, geschweige denn entwickelt. Der Film versagt als sozialdarwinistische Fallstudie des Menschen in Extremsituationen. Übrig bleibt nur ein Kafka für Arme.“ (Bodo Beuchel, CineZone)

„WOLFZEIT, diese steife filmische Allegorie, ist auch ein Abgesang auf die Schauspielerei. Isabelle Huppert, Beatrice Dalle, Patrice Chereau, Olivier Gourmet sind wie immer großartig, aber man sieht es kaum. Ihr Spiel geht unter im Planspiel des Regisseurs. Irgendwann hat man so gut wie vergessen, daß dies eigentlich Annes Geschichte ist, ihr Blick, ihre Stimme verschwinden im Einerlei exemplarischer Szenen.“ (Andreas Kilb, FAZ)

„In der Tat ist mein Spiel eher matt und neutral. Eine weiße, unbeschriebene Darstellung, in die man viel hineinlesen kann. Das ist für mich aber durchaus auch Ausdruck einer Wirklichkeit. Das Leben besteht nämlich eher aus matten, neutralen Attitüden und nicht aus expressiven Grimassen. Schauen Sie uns beide doch an!“ (Isabelle Huppert im Gespräch mit Katja Nicodemus, Die Zeit)

„Der Titel ‚Wolfzeit‘ spielt auf den Gesang der Seherin am Anfang der älteren Edda an. In der 46. Strophe der ‚Völuspâ‘ heißt es: ‚Unerhörtes ereignet sich, großer Ehbruch. Beilalter, Schwertalter, wo Schilde krachen, Windzeit, Wolfszeit eh die Welt zerstürzt‘. Neun Welten aber kennt die Seherin der Edda immerhin. Hanekes Exhibitionismus, seine prophetische Protzerei ist heillos. Er kennt nur diese eine Welt - und er will weitermarschieren, bis alles in Scherben fällt.“ (Jan Brachmann, Berliner Zeitung)

„I would rather have a more interesting group of desperate people to spend my post-apocalyptic time with.“ (Desson Thomson, Washington Post)

Donnerstag, 1. November 2012

SÖHNE - Volker Koepp


Dienstag 6.11.2012
20.30 Uhr
vorgestellt von Maik Teriete





Deutschland 2007 | 111 Minuten | Regie: Volker Koepp | Buch: Volker Koepp, 
Barbara Frankenstein | Kamera: Thomas Plenert | Ton: Andreas Mücke, 
Klaus-Peter Schmitt, Jens Pfuhler | Schnitt: Beatrice Babin | Musik: 
Rainer Böhm | Produktionsleitung: Fritz Hartthaler | Redaktion: Dr. 
Gudrun Hanke-El Ghomri (SWR), Jutta Krug (WDR) | Produzent: Dr. Thomas 
Geyer | Produktion: Thomas Geyer Filmproduktion und Vineta Film in 
Koproduktion mit SWR, WDR und Koppfilm
mit freundlicher Unterstützung durch FFA, Medienboard 
Berlin-Brandenburg, MFG Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg;

im Verleih der Edition Salzgeber
Grand Prix Visions du Réel 2007

"In seinem neuen Film "Söhne" dokumentiert Volker Koepp die Geschichte einer deutschen Familie
Einen Mann wie Rainer Paetzold gibt es in einem gut organisierten Land wie der Bundesrepublik Deutschland selten. Er weiß nicht, wie er eigentlich heißt, noch, wo und wann er geboren ist. Die Geburtsurkunde teilt er sich mit Jerzy Choinacki aus Heidelberg, der eigentlich Joachim Rainer Paetzold heißt, aber lange Jahre in Polen gelebt hat. Es gab eine Zeit, sagt Rainer Paetzold, "da gab es mich gar nicht". 1945, in den Wirren des letzten Kriegsjahres, wurde er durch eine Verwechslung zum Teil der Familie, deren Schicksal Volker Koepp in seinem neuen Film "Söhne" rekonstruiert.
Fünf Männer, alle schon über sechzig, erzählen die komplizierte Familiengeschichte, die vor dem Zweiten Weltkrieg in Westpreußen beginnt und sich von dort aus über Polen und Deutschland erstreckt. 1938 wurde Klaus Paetzold in Danzig geboren, zwei Jahre später sein Bruder Wolf auf dem Gut Heinrichshof unweit der Ostsee. 1942 kommt Hans Friedrich zur Welt, und 1944 schließlich noch Joachim Rainer. Der Vater ist im Krieg, die Mutter lebt mit dem Großvater und den Kindern auf dem Gut. 1945 trifft sie unter dem Druck der Ereignisse eine folgenreiche Entscheidung: Sie flüchtet mit den zwei ältesten Jungen nach Westen. Die beiden jüngeren Söhne bleiben zurück - das ist der Riss, der durch diese Geschichte geht.
(...)
Der Film "Söhne" besteht fast ausschließlich aus Interviews und Schauplätzen, ganz sparsam setzt Volker Koepp die wenigen historischen Fotografien ein - das Panorama, das sich zwischen Vergangenheit und Gegenwart und bis in die Enkelgeneration hinein dabei entfaltet, ist enorm detailreich und anschaulich und bestätigt den Regisseur als einen der großen Geschichtsschreiber in Deutschland."
 

Bert Rebhandl, taz.de

"Wie in jedem Film Volker Koepps zeichnet Söhne eine Heimat- und Identitätssuche nach, die hier in der Zusammenschau der geschwisterlichen Lebenswege besonders bewegend ist. Denn durch den puren Zufall der Geschichte erfahren fünf Brüder eine vollkommen unterschiedliche Sozialisation. Drei von ihnen werden kulturell fremd geprägt: der vermeintlich leibliche Bruder ungeklärter Herkunft und die beiden als Polen aufwachsenden Brüder. (...) Koepp fragt sie, was ihnen Heimat bedeute, und ob sie sich eher als Deutsche oder als Polen fühlen. Ihre Antworten führen jede nationalistisch gefärbte Debatte ad absurdum. Den Paetzolds ist ihre persönliche deutsch-polnische Versöhnung gelungen. Insbesondere im Epilog des Films wird auch ansatzweise spürbar, welche Tragödie die Familiengeschichte für Elisabeth Paetzold darstellte. (...) Der Begriff der Muttersprache wird in diesem Zusammenhang völlig auf den Kopf gestellt."
 
Almut Steinlein, critc.de

Donnerstag, 25. Oktober 2012

WOLFSKINDER - Eberhard Fechner


Dienstag 30.10.2012
20.30 Uhr
vorgestellt von Natali Barrey






Deutschland 1990 | 120 min | deutsche OF | Buch und Regie: Eberhard Fechner | Assistenz: Jannet Gefken-Fechner Kamera: Karsten H. Müller | Ton: Henner Reichel | Produktion: Eberhard Fechner-Filmproduktion | Redaktion: Franz Neubauer 


Gerhard und Edith sind noch Kinder, sieben und neun Jahre alt, als ihre Familie 1947 durch den Einmarsch der Roten Armee auseinandergerissen wird. Der Hunger treibt sie nach Litauen, dort finden und verlieren sie ihre Angehörigen erneut.
Erst vier Jahre später endet die Odyssee des achtköpfigen Clans in Hamburg, wo Gerhard und Edith noch heute leben. Gemeinsam mit ihren vier Geschwistern berichten sie von Not und Flucht, von Verzweiflung und Hilfe, von Wundern und Katastrophen.

Eberhard Fechner ist dafür bekannt, daß er mehr Filmmaterial braucht als jeder andere Dokumentarfilmer: "Jeder Gesprächspartner erzählt mir ausführlich vor der Kamera von seinem Leben. Aber Erinnerungen sind sprunghaft und Menschen vergeßlich. Diese Interviews sind Rohmaterial, weiter nichts. Während der Dreharbeiten wüßte ich auch nicht zu sagen, wie der spätere Film aussehen wird." Das Puzzle wird erst im nachhinein geordnet.

So unerläßlich sein Talent ist, Menschen zum Reden zu bringen, ihnen ein Gefühl der Geborgenheit vor der Kamera zu vermitteln, so entscheidend ist ein anderer Teil von Fechners Kunst. Kein anderer Regisseur beherrscht die Schnittechnik wie Fechner (unterstützt von seinen Cutterinnen Brigitte Kirsche und Barbara Büscher-Grimm).

Diese (dialoghafte) Montage-Technik, 1969 mit dem Film "Klara Heydebreck" (eine Spurensuche zum Selbstmord einer 72-jährigen Frau) begonnen, setzte Fechner 1971 mit "Klassenphoto" fort, einem Drei-Stunden-Epos über das Schicksal einer Berliner Schulklasse aus den dreißiger Jahren. 1975 folgte "Unter Denkmalschutz", die Geschichte der Bewohner eines Frankfurter Bürgerhauses und 1977 Fechners schönster Film: "Die Comedian Harmonists", die tragische und ergreifende Geschichte des legendären Sextetts, das Ende der zwanziger Jahre von Berlin aus seinen musikalischen Siegeszug antrat und das 1935 an den Rassengesetzen Hitlers zerbrach.

In allen Filmen Fechners, die gemeinsam ein deutsches Panorama quer durch alle Gesellschaftsschichten dieses Jahrhunderts darstellen, ist spürbar, wie die Herrschaft des Nationalsozialismus und die Wirren des Zweiten Weltkriegs entscheidend jedes Schicksal beeinflußt haben. "Jeder von denen, die in meinen Filmen zu Wort kommen", sagt Fechner, "hat diese Zeit anders erlebt und somit auch andere Erinnerungen. Aber bei keinem ist das private Leben unbeeinflußt geblieben durch geschichtliche Ereignisse. Kaum einer hat sich zeitlebens um Politik gekümmert. Die Politik hat aber keinen von ihnen unbeachtet gelassen und ihm ihre Spuren aufgedrückt."

 "Wolfskinder" ist der achte (und letzte) Film im Panorama der deutschen Geschichte, das Fechner in den letzten 22 Jahren nach ähnlichem Muster erarbeitet hat.

Auszüge aus dem Spiegel-Artikel "Zum Reden gebracht", 1991

Mittwoch, 24. Oktober 2012

TV HORIZONTALE

Sonntag 28.10.2012
16.00 Uhr
Collegium Hungaricum Berlin (Haus Ungarn)
Ungarisches Kulturinstitut
Dorotheenstraße 12
10117 Berlin
eingeladen von Franz Müller



Liebe Filminteressierte,
am Sonntag wollen wir uns über die Situation der deutschen TV Serie im Rahmen der Werkstattreihe "Hands on Fassbinder" unterhalten. Das könnte interessant werden, weil wir nicht vorhaben, ein Jammergespräch zu führen, sondern anhand des Rostocker Polizeirufs und anhand von Stromberg, aber auch anhand von anderen Serien und Reihen darüber sprechen wollen, was wie warum funktioniert in Deutschland und was nicht. Und natürlich soll es auch darum gehen, wie man diese Ansätze ausbauen könnte. Wir werden unsere Gäste dazu befragen: Wie viel Raum gibt es bei der Entwicklung? Wie “horizontal” darf erzählt werden? Wie unsympathisch dürfen Figuren sein im deutschen Fernsehen? Wie viel Plot braucht eine einzelne Folge? Wie geht man mit den tollen Vorbildern um? …
Wir freuen uns auf ein lebendiges Gespräch.

Mit von der Partie sind am Sonntag um 16.00 Uhr im Collegium Hungaricum
Daniela Mussgiller (Redaktion NDR)
Eoin Moore (Regisseur)
Iris Kiefer (Produzentin filmpool)
alle drei am Rostocker Polizeiruf beteiligt
sowie
Ekkehard Knörer (Filmkritiker und Autor)
und Klaus Wolfertstetter (Autor für Film und TV Serie).
Ralf Husmann (Autor/Stromberg) musste leider kurzfristig absagen.
Ob Arne Feldhusen, der bei Stromberg und Tatortreiniger Regie macht, kommen kann, ist noch nicht klar. Fest zugesagt hat aber
Benjamin Ikes (Cutter),
der beide Serien schneidet.
Und natürlich ist das Gespräch offen für alle, die mitfragen und diskutieren wollen.
Alle genaueren Daten findet Ihr auf der Web Seite www.handsonfassbinder.de. Dort findet Ihr auch Informationen zu den anderen Veranstaltungen, die an dem Wochenende stattfinden - allesamt spannend für Filmemacher und Neugierige.
Wir freuen uns, wenn Ihr kommt.
Franz