Dienstag, 27. Oktober 2009
ROBERT FRANK | FLORIAN BARON
Samstag, 24. Oktober 2009
AURAEUS SOLITO zu Gast

TULI spielt in einem entlegenen Dorf auf den Philippinen, wo bis heute traditionelle Beschneidungsriten an Jungen durchgeführt werden. Malteng, der im Dorf für die Beschneidungen zuständig ist, verlangt von seiner Tochter Daisy, von klein auf bei den Zeremonien zu helfen. Als junge Frau stellt sich Daisy gegen ihren Vater und das Patriarchat des Dorfes, als sie eine Liebesbeziehung mit einer anderen Frau beginnt. Schlimmer noch, sie entschließt sich, vom einzigen unbeschnittenen Jungen des Dorfes schwanger zu werden.
Erste internationale Aufmerksamkeit in Filmkreisen erlangte Auraeus Solito mit 'Ang Pagdadalaga ni Maximo Oliveros' (The Blossoming of Maximo Oliveros), einem Film über einen Jungen, der lernt, seine Homosexualität zu akzeptieren. Als das Drehbuch zu TULI verfilmt werden sollte, dachte Viva-Produzent Vincent del Rosario sofort an Auraeus Solito: „Er hat ein einmaliges Gespür für das Thema Homosexualität bei den Philippinos“, sagt Vincent. „Ich war mir absolut sicher, dass es ihm gelingen würde, das alltägliche Leid der Homosexuellen zu zeigen. Vor allem in den ländlichen Regionen der Philippinen wird ihnen das Leben schwer gemacht: Üblicherweise dreht sich in Familien auf dem Land alles um einen diktatorischen
Patriarchen – Männer wie Ka Malteng in TULI. Da erfordert es sehr viel Mut, für die eigenen Rechte zu kämpfen, so wie Daisy das tut, die sich entschließt, schwanger zu werden, oder wie Nanding, der ablehnt, sich um der Tradition willen beschneiden zu lassen.“
TULI konnte in den Philippinen nur in einer stark zensierten Fassung in die Kinos kommen. Obwohl es im Film keine expliziten Sex- oder Nacktszenen gibt, war den Zensoren die Geschichte von Daisy, die sich gegen die traditionellen, patriarchalen Strukturen eines Dorfes auflehnt, zu brisant.
English Synopsis:
In remote barrios of the Philippines, traditional circumcision rites are still carried out on young boys. Daisy‘s father, specialized in these procedures, often takes out his unhappiness with his life on his daughter by forcing her to remove the little boys’ foreskins. In order to get back at her father, Daisy flaunts her love affair with another woman. Worse, she decides to get pregnant by the only boy in town who is not circumcised.
Biofilmografie:
Auraeus Solito wurde in Manila geboren. Er studierte Theaterwissenschaft an der Universität der Philippinen und nahm an einem Filmworkshop des Mowelfund Film Instituts teil, der zum Ausgangspunkt seiner Karriere als Filmemacher wurde. Sein erster Langfilm, 'The Blossoming of Maximo Oliveros', ist bis heute der erfolgreichste independent-Film auf den Philippinen, und gewann Preise auf zahlreichen internationalen Festivals, u.a. bei Sundance und der Berlinale.
Filme:
1995: Ang Maikling Buhay ng Apoy; Act 2, Scene 2; Suring at ang Kuk-ok (The Brief Lifespan of Fire, Act 2, Scene 2: Suring and the Kuk-ok). 1997: Ang Huling El Bimbo (The Last El-Bimbo Dance). 1998: Impeng Negro. 2002: Basal Banar (The Sacred Ritual of Truth). 2005: Ang Pagdadalaga ni Maximo Oliveros (The Blossoming of Maximo Oliveros). 2007: TULI. 2008: Pisay (Philippine Science). 2009: BOY
Montag, 19. Oktober 2009
MYSTERIOUS OBJECT AT NOON - Apichatpong Weerasethakul
Montag, 5. Oktober 2009
ROUTE ONE/USA – Robert Kramer

Robert Kramer begleitet als Filmemacher und Kameramann einen Mann, der im Film stets Doc genannt wird, auf einer Reise durch die USA, entlang der Route 1. Doc, mal Objekt des Films, mal Cicerone, oft auch im Hintergrund, besucht Bekannte aus einem früheren Leben, vor allem gibt es Begegnungen am Wegesrand, Städte und Landschaften, Personen und Institutionen, Ereignissen. Kramer spinnt aus der Anschauung der Reise Beobachtungen und Portraits, ein dichtes Gewebe an thematischen Bezügen: der Zustand einer Gesellschaft, Beziehungen zwischen Eltern und Kindern, Abwesenheit und Nähe, politische Kämpfe und private und immer wieder staatliche Herrschaft und Rebellion.
Doc, der Reisende in ROUTE ONE ist die fiktive Hauptfigur von Robert Kramers Spielfilm DOC'S KINGDOM von 1987, hier wie da verkörpert vom Schauspieler Paul McIsaac. Ehemaliger linksradikaler Aktivist, Arzt, der viele Jahre in Afrika gearbeitet hat. Doc's Kingdom zeigt ihn in Lissabon, am Rande Europas, am Rande der Verzweiflung, krank. Arbeit in einem Armenspital, Begegnung mit einem erwachsenen Sohn, den er nicht kennt. (Bemerkenswerte frühe Rolle von Vincent Gallo).
Dieser Doc kehrt in ROUTE ONE, mehr als ein Jahrzehnt seit seiner Abkehr, in die USA zurück.
"I wanted to talk to you about our work together in the movies, or about the character we created, the doctor. Who is you Paul and not you. Who is also me. A fiction that blurred our separateness. Like love, or work."
So hat sich Robert Kramer (1939-1999) in einem unbeantworteten, wunderbaren Brief an Bob Dylan vorgestellt. (Über Dylan hat Kramer einmal bemerkte: "Everything I’ve ever wanted to say was sung by Bob Dylan."). Die Wiedergeburt in den 60er Jahren war die New Left und ihre Kämpfe, gegen den Rassismus, gegen Vietnam. Kramer war ein Gründungsmitglied des Newsreel Collective, einer Gruppe von Aktivist/inn/en die mit einer Reihe von Filmen über die politischen Kämpfe der 60er und 70er ebenso Bericht erstatteten, wie sie in sie eingriffen. Kramer drehte im weiteren Umfeld von Newsreel auch einige Spielfilme, darunter sein bekanntestes Frühwerk, ICE von 1970, dystopische Fantasie eines faschistischen Amerikas, gedreht als Direct Cinema. Seine Arbeiten werden oft als filmische Essays beschrieben, in denen Kramer der oft selbst die Kamera führt als Chronist des Zustandes einer Gesellschaft, aber auch seiner selbst auftritt.
Im Werk von Kramer, stets engagiert, findet weniger eine Grenzüberschreitung der Demarkationslinie zwischen Fiktion und Dokument statt, als dass diese Grenze, obwohl existent, in seiner Arbeit zunehmned an Bedeutung verliert.
Ich meine mich zu erinnern, dass Alexander Kluge mal über DAS HIMMLER PROJEKT gesagt hat, Romuald Karmakar würde Manfred Zapatka wie ein Pendel in den Himmlerschen Text versenken. Über ROUTE ONE könnte man sagen, dass Kramer eine Landschaft, eine Gesellschaft, ein Land, Ort und Zeit, auslotet, in dem er den Doc in sie versenkt, wie ein Pendel.
An dem Film liegt mir viel.
Ein Dossier über Robert Kramer in der neunten Ausgabe der australischen Onlinefilmzeitschrift Rouge.
Ein Text von Paul MacIsaac über die Zusammenarbeit mit Kramer und die Erschaffung der Figur des 'Doc' auf der (ehemaligen) Homepage von Robert Kramer.
