Freitag, 25. Oktober 2013

MANENÉ - Christoph Lemmen & Maïté Delcourt


Dienstag 29.10.2013
20.30 Uhr
 in Anwesenheit von Christoph Lemmen (Regie)




MANENÉ / D 2009 / 58 min / Regie, Produktion: Christoph Lemmen & Maïté Delcourt / Kamera: Christoph Lemmen / Montage: Christoph Lemmen, Maïté Delcourt, Thomas Krause / Koproduktion: HFF Potsdam

Drei Tagesreisen von Panama City entfernt, nahe der kolumbianischen Grenze, treffen wir im Dorf Manené auf Reynaldo, einen jungen Mann vom Volk der Emberá. Die ‚ursprüngliche’ Kultur der Emberá, die auf dem Prinzip mündlicher Überlieferung basiert, gerät zunehmend in Vergessenheit.
Auf der Suche nach kultureller Identität realisiert Reynaldo sein eigenes Filmprojekt. Zugleich ist sein Blick nach vorne gerichtet und er wehrt sich gegen klischeehafte Vorstellungen von ‚Indianern’ bzw. Indigenen.
Rogelio Cansarí, der ebenfalls aus Manené stammt, lebt und arbeitet hingegen in Panama City. Zugunsten seines Studiums der Anthropologie verzichtete er auf die ‚Lehrjahre’ bei seinem Großvater, dem letzten großen Schamanen des Dorfes. Eine Entscheidung, aus der er trotz allem mit gestärktem Selbstbewusstsein sowohl für sein Volk als auch für sich selbst hervortritt.

Christoph Lemmen

Freitag, 18. Oktober 2013

AUF DER SUCHE NACH WISSEN - Ulrike Folie

Dienstag 22.10.2013
20.30 Uhr
 in Anwesenheit von Ulrike Folie (Regie)
und Veronika Labas (Montage)




AUF DER SUCHE NACH WISSEN / D 2013 / 59 min / Regie: Ulrike Folie / Kamera: Dieter Heuemann (1981/1983); Ulrike Folie (2011) / Montage: Veronika Labas / Produktion: Ulrike Folie


1981 und 1983 filmte der Kameramann Dieter Heunemann bei den Yalenang im Hochland von Papua, dem westlichen indonesischen Teil der Insel Neuguinea. Der Linguist Volker Heeschen hatte ihn engagiert um neben seinen linguistischen und ethnologischen Forschungen visuelle Dokumente aus dem Leben der Yalenang zu erstellen. Nachdem Dieter Heunemann begonnen hatte einen Film aus den Aufnahmen zu schneiden, verstarb er. Im März 2011 nahm Volker Heeschen die Ethnologin Ulrike Folie mit, damit sie den Film fertig stelle. Die Aufnahmen wurden denen gezeigt, die sie sehen wollten und die etwas dazu sagen oder der Kamera etwas erzählen wollten, kamen zu Wort. Alle Gespräche fanden auf Indonesisch statt, was sowohl für die Yalenang, als auch für die beiden Europäer eine Fremdsprache darstellt. Der Film wechselt zwischen Vergangenheit und Gegenwart und überlässt es dem Zuschauer die Bilder nach diesen Kriterien zu ordnen.
Der Zuschauer wird mitgenommen auf eine Reise zu den Yalenang und wird mit der Frage konfrontiert, was Wissen schafft. Was ist alt, neu oder allgemeingültig?

Mittwoch, 9. Oktober 2013

ZARTE PARASITEN - Christian Becker und Oliver Schwabe

Dienstag 15.10.2013
20.30 Uhr
 +++  in Anwesenheit des Regisseurs Oliver Schwabe +++




ZARTE PARASITEN / D 2009 / 87 min / 35mm / Regie und Buch: Christian Becker und Oliver Schwabe / Kamera: Oliver Schwabe / Schnitt: Florian Miosge / Musik: Aurelio Valle / Produktion: RheinFilm / Darsteller: Robert Stadlober, Sylvester Groth, Maja Schöne, Corinna Kirchhoff, Gerda Böken, Max Timm, Rainer Laupichler, Paul Nickel u.a. / Kinostart: September 2010

Filmtrailer
 
Zum Regisseur:
 
Oliver Schwabe ist Dokumentarist, Kameramann und Regisseur. Nach "Egoshooter" (mit Tom Schilling) ist "Zarte Parasiten" sein zweiter abendfüllender Spielfilm, den er als 'Regieduo' zusammen mit Christian Becker geschrieben und inszeniert hat. Studiert hat er an der Kunsthochschule für Medien in Köln, wo er auch mit Jan Krüger gearbeitet hat. Daneben hat Ollie im Laufe der Jahre mehrere 'Videotagebücher', meist mit jugendlichen Protagonisten, produziert. Eine andere Leidenschaft sind Musikdokumentationen - nach Filmen über Disco und die Berliner Punkszene beendet er gerade den Schnitt einer Dokumentation über 'Heino'...



Kritiken:

"Parasiten haben einen schlechten Ruf. Dabei sind sie, wie man nicht erst seit Michel Serres' Unter­su­chungen zum Thema weiß, außer­or­dent­lich nützliche Wesen. Ohne Parasiten gäbe es kein Leben und ohne para­sitäres Verhalten keinen Fort­schritt, sie sind dieje­nigen, die den Übergang von einer Lebens­form zur anderen meistern, und am Ende noch jede Kata­strophe überleben. Ande­rer­seits könnten sie alleine gar nicht überleben, sondern sie nähren sich immer von anderen. (…)" 
Rüdiger Suchsland


"Die Augen sind der Spiegel der Seele; das Gesicht wie ein Buch, in dem man über das Leben lesen kann. Das müssen sich auch Christian Becker und Oliver Schwabe gedacht haben, als sie die Schauspieler für ihren Film Zarte Parasiten ausgewählt haben: Robert Stadtlobers eigentlich nicht schönes, doch immer schön inszeniertes Gesicht mit der großen Nase, die feinen Züge der Entdeckung Maja Schöne mit dem hübschen Mund und dunklen, geschwungenen Brauen, das zerfurchte, ausdruckstarke Gesicht von Silvester Groth und die traurigen Augen von Corinna Kirchhoff.   (…)"
Susan Noll


"Einmal noch die Liebe erleben, das ist der letzte Wunsch der bettlägerigen alten Dame. Manu (Maja Schöne) und Jakob (Robert Stadlober) sind gekommen, um ihn zu erfüllen. Sie ziehen sich aus, um auf dem Bettvorleger der Frau miteinander zu schlafen. Die jungen nackten Körper gleiten ineinander, die Greisin lächelt, im Hintergrund laufen uralte Chansons. (...)

Es ist die große Kunst dieses kleinen Films von Christian Becker und Oliver Schwabe ("Egoshooter"), dass die beiden Regisseure ganz konkret von emotionalen und körperlichen Tauschgeschäften erzählen, ohne dass dem Zuschauer einmal das P-Wort in den Sinn kommt: Nein, Prostitution geht anders." 

Christian Buß


Interview mit Christian Becker und Oliver Schwabe

"filmtogo: Wie sieht das auf der anderen Seite der Kamera bei euch mit der Zusammenarbeit aus? Euer zweiter Langfilm. Viele Köche verderben den Brei. Vielleicht auch bei der Regie? Ist das immer harmonisch oder gibt es auch Streitigkeiten, wo jeder mal seinen Kopf durchsetzen möchte?

Schwabe: Es ist sicherlich, sagen wir mal, eine seltene Zusammenführung. Oft arbeiten nur Paare oder Geschwister so. Bei uns beiden ist das nicht der Fall. Aber wir ergänzen uns sehr gut. Das Schreiben ist zu Zweit ist zum Beispiel sehr schön. Normalerweise ist das ein sehr einsames Geschäft und es ist gut, dass man direkt jemanden hat, der sofort Bescheid sagt, wenn man sich in eine falsche Richtung bewegt. Der Arbeitsprozess an sich läuft abwechselnd, einer hört zu, der andere formuliert und schreibt und umgekehrt. Am Set ist eigentlich nur wichtig, dass beide die gleiche Vision haben, dass beide den gleichen Film machen wollen. Ich mache auch noch die Kamera, so haben wir zwei unterschiedliche Perspektiven auf das Geschehen. Und das tut der Sache zum Beispiel auch gut. Wir haben ein relativ offenes System. Robert sagt, dass es für ihn spannend war, weil wir auch diskutieren. Wir wissen natürlich, wo wir hin wollen, aber es ist ein schönes Arbeiten, weil am Set noch viele Ideen entstehen können.

Becker: Ich glaube, es ist sogar noch ein viel engeres Arbeiten, als wenn man jetzt der alleinige Regisseur wäre und mit einem Kameramann, der nicht Regie führt, arbeiten würde. Das wir das Schreiben, Kamera- und Regie führen in zwei Personen vereinen stärkt uns. Und es ist über die Jahre hinweg eigentlich immer produktiver geworden. (…)"

filmtogo

Sonntag, 6. Oktober 2013

UN HOMME SANS L'OCCIDENT - Raymond Depardon

Dienstag 08.10.2013
20.30 Uhr
vorgestellt von Sabine Herpich




UN HOMME SANS L'OCCIDENT/VOM WESTEN UNBERÜHRT - Frankreich 2002 / 105 Min / Drehbuch: Louis Gardel, Raymond Depardon (nach einem Buch von Diego Brossét) / Regie, Kamera: Raymond Depardon / Montage: Roger Ikhlef / Musik: Valentin Silvestrov / Darsteller: Ali Hamit, Wodji Ouardougou, Hassan Yoskoï, Issa Mauli, Hamat Adoum / Produktion: Palmeraie et Desert, Claudine Nougaret


"In Wahrheit läßt sich die Wüste nicht filmen. Unmöglich. Was man filmt, ist immer das Gegenteil dessen, was man sieht. Deshalb wollte ich zurück zur Einfachheit der Stummfilme von Murnau und Flaherty. Bei meinen Farbfilmen fand ich, daß es zu schnell zu schön wirkt. Der Himmel, der Sand, dessen Farbe mit dem Alter wechselt. Je älter er ist, desto wechselhafter. In der Vorstellung der Leute ist der Sand ja weiß, in Wirklichkeit ist er aber eher lachsfarben.” 
Raymond Depardon, zititert von Michael Althen