Sonntag, 9. November 2014

BORDERLINE - Kevin Macpherson

Dienstag 11.11.2014
20:30 Uhr
vorgestellt von Sebastian Markt




GB 1930 63 min., Regie, Buch, Kamera: Kevin Macpherson / Produktion: The Pool Group / Schnitt: The Pool Group / Musik: Courtney Pine (2006) / Besetzung: Paul Robeson, Eslanda Robeson, Gavin Arthur, Helga Doorn (HD), Bryher


[Ein filmisches Unikum], das seiner Zeit so weit voraus war, dass seine Existenz fast schon einer größtmöglichen Unwahrscheinlichkeit gleichkommt: »Borderline« aus dem Jahre 1930. Kenneth MacPhersons Stummfilm-Experiment ist einer der ersten Filme, der »race« und »gender« dekonstruiert und dabei formal durchweg auf Improvisation aufbaut, deren Konsequenz mit den frühen Filmen von John Cassavetes und Andy Warhol vergleichbar ist. Für die Hauptrolle in dem Film über ein schwarzes und ein weißes Ehepaar, die sich ihren sexuellen Obsessionen hingeben und dabei rassistischen Stereo­typen erliegen, konnte MacPherson niemand Ge­ringeren als den Schauspieler, Musiker und afroamerikanischen Bürgerrechtler Paul Robeson gewinnen. Die hervorragenden Liner Notes kontextualisieren den Film des britisch-jüdischen Regisseurs, der mit den Mitteln der Psychoanalyse und des Expressionismus einen intellektuellen europäischen Boheme-Film gedreht hat, welcher zugleich Elemente des ameri­kanischen Avantgarde- und Blaxploitation-Films der sechziger Jahre vorwegnimmt.
 
Martin Büsser in der Jungle World, 2008

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