Mittwoch, 22. Juni 2011

SOMMERPAUSE



Wir gehen ab sofort in die Sommerpause!


Erst am 13. September wird es regulär weitergehen.

Einladungen zu spontanen "Sommer-Specials" werden wir nicht hier bekanntgeben, sondern über unseren Emailverteiler.

Wer gerne in unseren Verteiler aufgenommen werden will, der schreibt uns einfach eine Email.



Mittwoch, 15. Juni 2011

I DON'T WANT TO SLEEP ALONE - Tsai Ming-Liang

Dienstag 21.06.2011
20.30 Uhr
vorgestellt von Jan Krüger



I DON'T WANT TO SLEEP ALONE
| Malaysia/Taiwan 2006 | Regie und Buch: Ming-liang Tsai | Kamera: Pen-jung Liao, Ming-liang Tsai | Schnitt: Sheng-Chang Chen | Darsteller: Kang-sheng Lee, Shiang-chyi Chen, Norman Atun … | 115 min


Eröffnung: Venedig 2006

Shooting for the first time in Malaysia after seven features set primarily in Taipei, director Tsai Ming-Liang returns to his birthplace with a film unlike any of his prior works. Different in texture, mood and feel, and featuring a cast of multi-cultural and multi-lingual characters, the vivid, crowded, neon-lit streets of Kuala Lumpur come alive as only master director Tsai Ming-Liang can capture...

(Text des Verleihs axiomfilms)


A group of immigrants from Bangladesh find a rotten old mattress abandoned in the street, then a Chinese man left for dead by a band of local villains. Rawang is Malaysian and lives with them in an apartment block, which is only half-built due to the economic crisis. He nurses Hsiao Kang and gets him back on his feet again. In the same building lives Chyi, a Chinese girl employed by a restaurant owner to look after her son, who is the man in the coma from the opening scene. Hsiao Kang becomes the object of desire of Rawang, Chyi and her boss, and the circulation of the mattress accompanies the flow of affections.

(Cyril Neyrat: http://www.cahiersducinema.com/Critique-I-don-t-want-to-sleep,1169.html )


Wie eine ironische Anspielung auf den Mozart-Auftrag wirkt es, wenn der Taiwanese Tsai Ming-liang in einer Einstellung seines Films einen im Wachkoma liegenden jungen Mann zeigt, während aus dem Radio recht penetrant die Koloraturen der Königin der Nacht kieksen. I Don’t Want to Sleep Alone spielt in einem abgerissenen Viertel in Kuala Lumpur. Ein junger Chinese wird zusammengeschlagen, von einem Bauarbeiter aufgenommen und gesund gepflegt. In aller Ausführlichkeit filmt Tsai Ming-liang diese Fürsorge und ihre verhaltene Zärtlichkeit. Rwang, der Illegale aus Bangladesch, füttert und wäscht seinen Gast, bringt ihn auf die Toilette, kühlt ihm die Blutergüsse und kremt ihn ein. Berührungen scheinen in diesem Film nur unter dem Signum des Pflegens, Kümmerns, Helfens möglich. So wie bei der jungen Kellnerin Chyi, die den reglos im Krankenbett liegenden Sohn ihrer Chefin betreut und befriedigt.

In Tsai Ming-liangs enger düsterer Stadtlandschaft gibt es keinen privaten Raum. Seine Helden wohnen in Zimmerwinkeln, auf rumpeligen Dachböden, teilen sich Matratzen und treffen sich in den gigantischen Zementruinen des abgeflauten Wirtschaftsbooms. Und doch ist I Don’t Want to Sleep Alone alles andere als ein Sozialdrama der malaysischen Unterschicht. Es ist ein wunderbar zarter Film über die Sehnsucht nach Berührung und womöglich auch ein freies Spiel mit den Liebesmotiven der Zauberflöte. Ihre Wasser- und Feuerproben erleben die Paare dieses Films an den schwarz glänzenden Seen der still gelegten Baugruben und im Qualm der unterirdischen Müllbrände. Sie küssen sich hustend unter Rauchmasken und angeln friedlich an toten Gewässern.

(Katja Nicodemus: http://www.zeit.de/2006/37/Venedig-Zwischenbericht )


Mittwoch, 8. Juni 2011

LES TEMPS QUI CHANGENT - André Téchiné

Dienstag 14.06.2011
20.30 Uhr
vorgestellt von Jan Künemund




LES TEMPS QUI CHANGENT - CHANGING TIMES
| FR | 2004 | Regie: André Téchiné | Buch: André Téchiné, Pascal Bonitzer, Laurent Guyot | Kamera: Julienn Hirsch | Schnitt: Martine Giordano | Musik: Juliette Garrigues | Ton: Jean-Paul Muguel, Francis Wargnier | gedreht 2004 in Marokko | 90 Minuten | Darsteller: Catherine Deneuve (Cécile), Gerard Depardieu (Antoine), Gilbert Melki (Nathan), Malik Zidi (Sami), Lubna Azabal (Nadia / Aïcha), Tanya Lopert (Rachel), Nadem Rachati (Bilal)


Berlinale Wettbewerb 2005


Antoine kommt nach Tanger, um die Bauarbeiten eines Medienzentrums voranzutreiben. Der heimliche und eigentliche Grund seiner Anreise ist allerdings Cécile, seine Ex-Geliebte, die er nun nach über 30 Jahren der Suche in Marokko ausfindig gemacht hat und die er für sich zurückgewinnen will. Cécile ist verheiratet mit dem Arzt Nathan. Gemeinsam haben sie einen Sohn, Sami, der zur Zeit mit Freundin Nadia und deren Sohn Said in Paris lebt, nun aber über die Sommerferien zu Besuch kommt. Beide haben jedoch noch einen weiteren Grund, ihre Ferien ausgerechnet in Tanger zu verbringen. Nadia ist auf der Suche nach ihrer Zwillingsschwester Aicha, einer traditionsbewusst lebenden Muslimin, die sie seit vielen Jahren nicht mehr gesehen hat. Und Sami lässt seine Affäre mit Bilal wieder aufleben, den er dazu überreden will, ihn zurück nach Paris zu begleiten. Eine Zeit der Veränderung hat begonnen.


Das Kino von André Téchiné ist eine feste Arthouse-Größe, findet aber nur ab und zu auf deutschen Leinwänden statt. Téchiné macht ein ausgesprochen experimentelles Kino mit großen Stars (hier mit Deneuve und Depardieu in ihrem siebten gemeinsamen Film), das passt für viele nicht zusammen. Er hat eine sehr eigenständige Melodram-Konzeption, die nicht über psychologische Konflikte funktioniert, sondern im empfindlichen, physischen Sinn in Bewegung begriffen ist: den Filmen ist ein ungeheurer Drive eigen, die Protagonisten handeln obsessiv, die Montage (fast immer: Martine Giordano) ist hysterisch, dem Zuschauer stockt der Atem. Téchinés Kino geht von solchen Figuren aus, die außer sich sind – und lagert um sie herum Geschichten, Konflikte, Gesellschaft, Welt an. Menschen bewegen sich (im Kleinen) voneinander weg oder verlassen (im Großen) Kontinente.


“In CHANGING TIMES, Mr. Téchiné, the great French director, is near the peak of his form. Weaving a half dozen subplots, he creates a set of variations on the theme of divided sensibilities tugging one another into states of perpetual unrest and possible happiness. This microcosm of a world in transition might seem painfully schematic had it been conceived by a less subtle filmmaker. But for the most part Mr. Téchiné carries it off without its seeming heavy-handed. When it’s time to end the movie after a swift, compact 95 minutes, he refuses to wind his stories into a tight knot and lets most of the threads dangle.

Much of the movie’s charm lies in its sheer vitality.” (Stephen Holden, The New York Times)


„Das ist das Zittern des Lebens. Das verführt mich, weil es am meisten von den Schauspielern und den Figuren offenbart. Es interessiert mich, mit der Kamera lebendige Materie einzufangen. Diese lebendige Materie befindet sich in permanenter, unaufhörlicher Bewegung. Diese Bewegung möchte ich einfangen: was die Figuren, die Menschen und auch die Schauspieler voneinander entfernt und annähert. Dieses Zittern des Lebens in den menschlichen Beziehungen versuche ich mit meiner Kamera einzufangen. (...)

Man kann so tun - das ist ein wenig meine Idealvorstellung von Regie - , als sei die Kamera überall gleichzeitig. Das ist nicht sehr akademisch. Ich glaube, auf der Filmschule lernt man, zunächst einen Schauplatz mit einer Totalen einzuführen und sich dann immer mehr anzunähern. Der Anfang einer Szene muss immer eine Einleitung sein. Ich mache das nicht so gern. Mir ist es lieber, unvermittelt und augenblicklich ins Herz, ins Fleisch einer Szene vorzudringen. Oft beginne ich mit sehr nahen Einstellungen und erweitere nach und nach den Horizont.“ (André Téchiné im Gespräch mit Gerhard Midding)


„Und wie es oft geht, wenn einem zur eigentlichen Geschichte nichts einfällt: Man lässt sich weitere Geschichten einfallen, zu denen einem auch nichts einfällt, aber man kriegt die Zeit herum. So kommen die übrigen Figuren ins Bild, leblos, ziellos, keiner Notwendigkeit geschuldet, es wäre genauso gut, es gäbe sie nicht, vielmehr: es wäre besser, keiner hätte sie sich je ausgedacht. Was für eine Verschwendung der Schauspielerlegenden Deneuve und Depardieu.“ (Ekkehard Knörer, perlentaucher.de)

Mittwoch, 1. Juni 2011

COMMENT JE ME SUIS DISPUTE... (MA VIE SEXUELLE) - Arnaud Desplechin


Dienstag 07.06.2011
20.30 Uhr
vorgestellt von Thomas Moritz Helm




COMMENT JE ME SUIS DISPUTE... (MA VIE SEXUELLE) | Frankreich 1996 | Regie: Arnaud Desplechin | Buch: Emmanuel Bourdieu| Kamera: Eric Gautier | Montage: Laurence Briaud, François Gédigier | Musik: Krishna Levy | Produzent: Pascal Caucheteux | Darsteller: Mathieu AMALRIC, Jeanne BALIBAR, Thibault DE MONTALEMBERT, Marianne DENICOURT, Fabrice DESPLECHIN, Emmanuelle DEVOS, Chiara MASTROIANNI, Bruno PODALYDES, Emmanuel SALINGER | 178 Minuten | Farbe | Französisch, Engl. UT

Da der Film Überlänge hat, werden wir wieder (und ab jetzt ja auch sowieso immer) ABSOLUT PÜNKTLICH um 20.30 Uhr mit der Vorführung beginnen!


“My movies are not for everyone, but anyone.” (Arnaud Desplechin)


Inhalt:

Paul is 29 years old; he is an assistant professor in a University just outside of Paris. Since Paul has been teaching without wanting to, he wants to quit his 'provisional' job he's been in for the last two years, but cannot seem to do it. He wants to quit so bad he hasn't even taken his exams to become a full-time teacher. So he lives a part time life with a modest income waiting to start what would be hard for him to call, without a doubt, his life as a man. Paul lives with his cousin Bob, and has been seeing the same girlfriend, Esther, for 10 years. They don't get on and they have spent 10 years trying to get rid of each other. Paul has been having an adventure with another girl he met 2 years ago. But he finds out that she is engaged to his best friend, Nathan, whom he admires greatly. Since Paul doesn't believe in 'taking' a women from another man, this is where his problems start...

Quelle: Festival de Cannes (Der Film lief im Jahre 1996 in Cannes im Wettbewerb)

"The title lets you know that this is a rambling, self-conscious film trying hard to be sexy and not knowing when to stop... It could be seen as an entire season of "Friends" episodes, strung together without commercials. It speaks meaningfully to intellectual 20-somethings who still deem friendship more important than family or love or career. Jean Eustache's "The Mother and the Whore" did the same thing in 1974 for my generation..."

(Karen Jaehne)


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