28.04.09 | 20.15 vorgestellt von Gregor Stadlober WANDA (1970) ist der einzige Film der us-amerikanischen Regisseurin Barbara Loden. Loden wurde 1932 geboren. Sie wuchs in einem White Trash Haushalt in North Carolina auf, mit ~Mitte 20 ging sie nach New York, wurde Schauspielerin und heiratete später Elia Kazan. Das Drehbuch für WANDA hat sie schon 1960 geschrieben, ursprünglich nicht mit der Absicht, es selber zu verfilmen. 1970 hat der Film in Venedig den Kritikerpreis gewonnen. Er bekam in Europa mehr Aufmerksamkeit als in den USA, wo er weitgehend unter der Wahrnehmungsschwelle geblieben ist. Mittlerweile ist er als New Hollywood-Klassiker kanonisiert, und als (für diese Zeit sehr rarer) autonomer filmkünstlerischer Ausdruck einer Frau ist er ein Meilenstein der Filmgeschichte. Bis sie 1980 an Krebs starb, konnte Loden kein Filmprojekt mehr realisieren. Wanda (von Loden selbst gespielt) ist eine sehr autobiografische Figur. Sie driftet ziel- halt- und nutzlos durch die Gegend. Das Leben und die Anforderungen der Gesellschaft sind für sie ein Mysterium. Als sie an einen kleinen Gangster gerät, entwickelt sich eine Art Noir-Version von Bonnie&Clyde, die über einige Strecken fast wie ein Dokumentarfilm wirkt (was auch am Kameramann und Cutter Nicholas Proferes liegt, der beim direct cinema-Veteranen Richard Leacock gelernt hat). Als Referenzen nennt Loden AUSSER ATEM, BATTLE OF ALGIERS, Warhol-Filme (weil sie zeigen, dass man ohne gutes Handwerk gute Filme machen kann) und aus der Literatur Zola, Celine und de Maupassant. Links:
Samstag, 25. April 2009
WANDA - Barbara Loden
Samstag, 18. April 2009
NENETTE ET BONI - Claire Denis
Ich habe Nenette et Boni zum ersten und letzten Mal vor ungefähr 12 Jahren gesehen und kann mich nur mehr daran erinnern, dass Valeria Bruni Tedeschi Vincent Gallo Vincenzo ruft, dass mich ein ungefähr halbsekündiger, scheinbar völlig zusammenhangloser Zwischenschnitt nachhaltig beeindruckt hat und dass ich dabei zum ersten Mal die Tindersticks gehört habe.
Isabella Reicher:
Nénette et Boni trägt die Namen seiner Protagonisten, so, wie sie einmal unter eine Kinderzeichnung gekritzelt auftauchen. Antoinette (Alice Houri) und Boniface (Grégoire Colin), Schwester und Bruder, werden für kurze Zeit zusammengeführt, als die schwangere 15jährige Nénette aus dem Internat abhaut und sich bei Boni einquartiert.
Die beiden Hauptdarsteller haben schon in US Go Home (1994), Claire Denis’ Beitrag zur Reihe "Tous les garçons et les filles de leur âge", ein Geschwisterpaar dargestellt. Mit ihnen hat Denis ihr Interesse an Jugendlichen beibehalten. In seiner Konstruktion ähnelt Nénette et Boni jedoch viel mehr J'ai pas sommeil (1994).
Wie dort bleiben auch hier Motive und Hintergründe (Familie, Mordgeschichte, Vaterschaft) weitgehend unerklärt und unbewertet – obwohl der Film sich nahe an seinen Personen bewegt. Nénette et Boni ist weniger von einer Erzählung dominiert als von Details, vielen Großaufnahmen, Blicken und wenig Dialog. Er zeigt konzentriert Verschiebungen, Veränderungen, Übertragungen, die in kleinen und in großen Zusammenhängen vor sich gehen.
Links:
Samstag, 11. April 2009
BEAU TRAVAIL - Claire Denis
14.04.09 | 20.15
vorgestellt von Gregor Stadlober

BEAU TRAVAIL (1999) ist der bekannteste Film der französischen Regisseurin Claire Denis, die sich im Lauf der Jahre ähnlich wie A. Weerasethakul einen Namen als eine in der Form sehr freie Filmemacherin erarbeitet hat, deren Filme mit herkömmlichen Bewertungskriterien schwer in den Griff zu bekommen sind. Die meisten Kritiker sind von ihr begeistert, wissen aber oft nicht recht, wie sie das aufschreiben sollen.
http://www.filmzentrale.com/filmliste/filme_b.htm
Denis redet aber gern über ihre Filme und es gibt einige interessante Gespräche im Netz.
http://film.guardian.co.uk/interview/interviewpages/0,,338784,00.html
http://archive.sensesofcinema.com/contents/05/35/claire_denis_interview.html
BEAU TRAVAIL ist eine Variation von Herman Melvilles letztem Prosatext BILLY BUDD. Während das Original auf einem Marineschiff spielt, siedelt Denis ihren Film im Camp einer Einheit der Fremdenlegion in Djibouti an. Im isolierten Soldatenmilieu entwickelt sich eine homoerotisch aufgeladene Neid-/Eifersuchtsgeschichte zwischen einem Ausbildner, dem Kommandanten und einem neu rekrutierten Legionär. Sie endet mit dem Rauswurf des Ausbildners, der sie retrospektiv erzählt.
Von einem Kritiker wurde der Film als visuelles Tongedicht bezeichnet. Von weniger wohlmeinenden Leuten hat es der Regisseurin Vergleiche mit einer die soldatischen Körper verherrlichenden’faschistischen Ästhetik’ eingetragen.
