Montag, 21. Dezember 2009
Mittwoch, 9. Dezember 2009
THE HURT LOCKER - Kathryn Bigelow
Dienstag 15.12.09 | 20.30 Uhr
vorgestellt von Gregor Stadlober und Sebastian Markt

THE HURT LOCKER | USA 2008 | Regie Kathryn Bigelow |Buch: Mark Boal | Darsteller/inn/en: Jeremy Renner, Anthony Mackie, Brian Geraghty, Guy Pearce, Ralph Fiennes, David Morse, Evangeline Lilly, Connie James, Christian Camargo, Suhail Aldabbach u.a. | Kamera: Barry Ackroyd | Montage: Chris Innis | Szenographie: Karl Júlíusson, David Bryan | Musik: Marco Beltrami, Buck Sanders | Produzent: Tony Mark, Kathryn Bigelow, Mark Boal, Nicolas Chartier, Greg Shapiro u.a. | Sprache: Engl. m. U. | 131 min |
Der Kriegsfilm ist ein Sonderfall des Kinos. Seine Besonderheit ist nicht einem vermeintlichen Wesen des Kinos geschuldet, von dem er in seinen Erscheinungsformen, Regeln, Erzählweisen, abweichen würde, sondern dem, was er imaginiert: den Krieg. Aus ihm, als scheinbarem Grenzfall aller Sozialität, werden besondere Ansprüche an ein Kino abgeleitet, das ihn darzustellen sucht. Das Reden über den Kriegsfilm ist geprägt von einer spezifisch moralischen Dimension: erwartet wird nichts weniger, als dass er die Wahrheit über den Krieg zu sagen vermöge, eine Wahrheit die eine schreckliche zu sein hat, weniger Darstellung als Urteil über Wirklichkeit, die zuallererst eine außerfilmische ist.
Für THE HURT LOCKER gilt nichts anderes. Ob er die Wahrheit über den Krieg zu sagen imstande ist, zeichnet ihn , je nach Blickwinkel und Vergleichsmatrix, aus oder macht ihn problematisch. THE HURT LOCKER will weniger und mehr, also anderes. Kathryn Bigelows Thriller, der auf einer Reportage des Journalisten und Drehbuchautors Mark Boal beruht, fokussiert in enger Konzentration auf ein Team der US Army, das im Irak des gegenwärtigen Krieges mit der Entschärfung von Bomben, Sprengfallen und IEDs betraut ist. Auf ihren Erfahrungs- und Handlungsraum beschränkt sich der Film, alles andere, der Kontext und die Politik des Krieges, dieses spezifischen Krieges, bleiben ebenso außen vor, wie die Gesellschaft in der er wütet. Feinde und Gegner sind weniger greifbar als ein permanenter Zustand der Bedrohung und Anfeindung. Ein Rest von Plot löst sich auf in eine Abfolge von Einsatzsituationen, unterbrochen von wenigen Sequenzen die in knappen aber genauen Skizzen die Beziehungen zwischen den zwei bis drei im Zentrum stehen Soldaten umreißen. Und die einzige Szene zivilen Lebens gibt keinen Hintergrund sondern ein Gegenbild der Orientierungslosigkeit.
THE HURT LOCKER erschafft damit kein Bild vom Irakkrieg, das als Kommentar missverstanden werden könnte, sondern modelliert in handwerklicher Meisterschaft eine aus Räumen, Bewegung, Blicken konstruierte Wahrnehmungssituation, zeichnet keinen spezifischen geopolitischen Konflikt, sondern einen spezifischen Ausnahmezustand (männlicher) Körper.
Mittwoch, 2. Dezember 2009
W. - Oliver Stone

08.12.09 | 20.30 Uhr
vorgestellt von Stefan Zierock
W. | USA 2008 | Regie: Oliver Stone | Drehbuch: Stanley Weiser | Darsteller/inn/en: Josh Brolin, Elizabeth Banks, James Cromwell, Ellen Burstyn, Richard Dreyfuss, Toby Jones, Thandie Newton, Jeffrey Wright, Scott Glenn, Bruce McGill, Jennifer Sipes, Noah Wyle, Iona Gruffudd u. a. | Kamera: Phedon Papamichael Jr. | Montage: Julie Monroe | Produzent/inn/en: Moritz Borman, Jon Kilik, Bill Block, Oliver Stone | Musik: Paul Cantelon | Sprache: Engl. m. U. | 129 min
Seit dem Einzug Barack Obamas ins Weiße Haus ist es still geworden um seinen Vorgänger. Vergessen wird George W. Bush aber so bald niemand. Nicht nur, weil er der Welt zwei nicht enden wollende Kriege beschert hat. Auch seine Erscheinung hat sich uns eingeprägt: die kleinen Augen, der latent zum Grinsen gebogene Mund, der texanische Akzent, diese Art, über die eigenen Witze zu lachen. Merkmale, die derart markant sind, dass Imitatoren wie Frank Caliendo, indem sie Gesicht und Stimme entsprechend verstellen, dem Original frappierend ähnlich werden und entsprechend für Gelächter sorgen.
Doch so witzig seine eigentümliche Art und die für einen Präsidenten unglaubliche Naivität anmuten, so fatal sind die Folgen seiner Macht. Die Figur des George W. Bush ist eine wahrlich tragikomische. Was brachte diesen Mann dazu, so unbeirrt seinen Weg zu gehen und bis zum Ende daran zu glauben? Wie konnte er felsenfest davon überzeugt sein, dass sein wieder und wieder bekräftigtes Ziel, das amerikanische Volk zu beschützen und Freiheit in die Welt zu bringen, notfalls jedes Mittel rechtfertige? Was für ein Mensch ist George W. Bush?
Als ich zuerst von Oliver Stones W. hörte, der noch vor dem Ende von Bushs Amtszeit erschien, dachte ich, der Film sei eine Komödie, welcher Art auch immer, jedenfalls voller schlagender Häme. Als ich ihn dann sah, war ich überrascht: zum einen darüber, dass W. eben keine Komödie ist, zum anderen über Josh Brolins viel gerühmte Darstellung des Protagonisten und Richard Dreyfuss' regelrechte "Verkörperung" (Roger Ebert) von Dick Cheney. Vor allem aber auch über die erstaunliche Unterhaltsamkeit und Geschwindigkeit dieses Films, der hauptsächlich talking heads zu sehen gibt.
Stone versucht, basierend unter anderem auf der Lektüre von siebzehn Büchern, ein authentisches Bild von der Person George W. Bush zu zeichnen und uns diese somit näher zu bringen. Inwieweit ihm das gelingt, werden wir sehen.
"I want a fair, true portrait of the man. How did Bush go from an alcoholic bum to the most powerful figure in the world? It's like Frank Capra territory on one hand, but I'll also cover the demons in his private life, his bouts with his dad and his conversion to Christianity, which explains a lot of where he is coming from. It includes his belief that God personally chose him to be President of the United States, and his coming into his own with the stunning, preemptive attack on Iraq. It will contain surprises for Bush supporters and his detractors. " –Oliver Stone
(Quelle: http://www.variety.com/VR1117979349.html)
Weitere Infos und Kritiken unter:
Doch so witzig seine eigentümliche Art und die für einen Präsidenten unglaubliche Naivität anmuten, so fatal sind die Folgen seiner Macht. Die Figur des George W. Bush ist eine wahrlich tragikomische. Was brachte diesen Mann dazu, so unbeirrt seinen Weg zu gehen und bis zum Ende daran zu glauben? Wie konnte er felsenfest davon überzeugt sein, dass sein wieder und wieder bekräftigtes Ziel, das amerikanische Volk zu beschützen und Freiheit in die Welt zu bringen, notfalls jedes Mittel rechtfertige? Was für ein Mensch ist George W. Bush?
Als ich zuerst von Oliver Stones W. hörte, der noch vor dem Ende von Bushs Amtszeit erschien, dachte ich, der Film sei eine Komödie, welcher Art auch immer, jedenfalls voller schlagender Häme. Als ich ihn dann sah, war ich überrascht: zum einen darüber, dass W. eben keine Komödie ist, zum anderen über Josh Brolins viel gerühmte Darstellung des Protagonisten und Richard Dreyfuss' regelrechte "Verkörperung" (Roger Ebert) von Dick Cheney. Vor allem aber auch über die erstaunliche Unterhaltsamkeit und Geschwindigkeit dieses Films, der hauptsächlich talking heads zu sehen gibt.
Stone versucht, basierend unter anderem auf der Lektüre von siebzehn Büchern, ein authentisches Bild von der Person George W. Bush zu zeichnen und uns diese somit näher zu bringen. Inwieweit ihm das gelingt, werden wir sehen.
"I want a fair, true portrait of the man. How did Bush go from an alcoholic bum to the most powerful figure in the world? It's like Frank Capra territory on one hand, but I'll also cover the demons in his private life, his bouts with his dad and his conversion to Christianity, which explains a lot of where he is coming from. It includes his belief that God personally chose him to be President of the United States, and his coming into his own with the stunning, preemptive attack on Iraq. It will contain surprises for Bush supporters and his detractors. " –Oliver Stone
(Quelle: http://www.variety.com/VR1117979349.html)
Weitere Infos und Kritiken unter:
Kritiken in Slate, Faz, Zeit und der Süddeutschen.
Abonnieren
Posts (Atom)