04.08.09 | 20.30 Uhr
vorgestellt von Josephine Frydetzki

DIE DINGE DES LEBENS; LES CHOSES DE LA VIE | F/I/A 1970 | Regie: Claude Sautet | Autor: Jean-Loup Dabadie, Paul Giumard, Claude Sautet | Sprache: Französisch | 92min | Farbe
Claude Sautet war einer der bedeutendsten Chronisten der französischen Gesellschaft in der Nachkriegszeit. Zunächst begann Sautet mit dem Studium der Malerei und Bildhauerei, dann wechselte er zur Pariser Filmhochschule. Er begann seine Karriere als Filmassistent, später als Fernsehproduzent und Drehbuchautor.
Damit erarbeitete er sich erste Aufmerksamkeit bis er 1955 mit Die Tolle Residenz seinen ersten Spielfilm drehte. Bedeutend ist sein zweiter Film DER PANTHER WIRD GEHETZT (1960), der allerdings in der Masse der jungen Nouvelle-Vague-Regisseure der damaligen Zeit unterging. Mit DIE DINGE DES LEBENS aus dem Jahr 1970 fand Sautet das erste mal sein Thema und seinen Stil, mit der exakt beobachteten Studie einer durch einen Autounfall ausgelösten Mid-Life Crisis. Wie in vielen seiner folgenden Filme waren die Hauptdarsteller Romy Schneider und Michel Piccoli.
Sautets Selbstbekenntnis: „Seit meiner kleinbürgerlichen Kindheit in Montrouge, einem Vorort von Paris, liebe ich Orte, wo sich die vielfältige Melange von Menschen aus meiner Jugendzeit finden lässt: die Bistros und Cafés.“ Dieses Geflecht von sozialen Beziehungen, Konflikten und gegenseitiger Abhängigkeit zwischen Menschen der gehobenen Mittelschicht findet sich in fast allen Filmen Sautets aus den 1970er und 1980er Jahren wieder. Auslöser der Filmhandlung stellt meist eine Krise dar, durch die Sautet die Verletzlichkeit und damit Menschlichkeit seiner Figuren bloßlegt. Sautet hat den Schriftsteller Henry James geschätzt, der für die epische Schilderung innerer Vorgänge bei seinen Figuren und der feinen Zeichnung weiblicher Charaktere bekannt ist und an die Tradition französischer Moralisten anknüpft.