Dienstag 28.8.2012
20.30 Uhr
vorgestellt von mehreren
+ Five Ways to Kill Yourself
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+ Five Ways to Kill Yourself
RESTLESS | USA 2011 | 91 min | Format: 1,85:1 | Regie: Gus van Sant | Drehbuch: Jason Lew | Kamera: Harris Savides | Schnitt: Elliot Graham | Musik: Bill Abbott | Produktion: Brian Grazer, Bryce Dallas Howard, Ron Howard, Gus Van Sant | Darsteller/innen: Henry Hopper, Mia Wasikowska, Ryo Kase |
Nach Maßgabe der technischen Möglichkeiten wird außerdem Gus Van Sants Kurzfilm FIVE WAYS TO KILL YOURSELF gezeigt. Der Tagebuchfilm von 1986 ist einer von über einem Dutzend Kurzfilmarbeiten die Van Sant realisiert hat und gewann 1987 den Kurzfilmteddy.
FIVE WAYS TO KILL YOURSELF im Katalog der Berlinale
RESTLESS
>>Restless […] erzählt eine Liebesgeschichte. Enoch (gespielt von Henry Hopper, dem Sohn von Dennis Hopper) besucht die Beerdigungen von Fremden. Eines Tages begegnet er dabei Annabel (Mia Wasikowska). Beide sind Teenager, doch dem Tod viel näher, als ihre Jugend erwarten ließe. Annabel leidet an einem Gehirntumor, Enoch hat seine Eltern bei einem Autounfall verloren, lag selbst drei Monate im Koma und war, wie er sagt, für einige Minuten klinisch tot.
"Restless" fällt sehr viel konventioneller aus als die Filme, die Gus van Sant in den letzten Jahren gedreht hat. In "Paranoid Park", "Elephant", "Gerry" und "Last Days" ging es zwar um ähnliche Sujets, um junge Menschen, die sich an der Schwelle von Leben und Tod bewegten, doch Ellipsen, Zeitschleifen und Perspektivaufsplitterungen stellten sich dem geradlinigen Erzählen kunstvoll in den Weg. "Restless" dagegen hält sich an die Chronologie und die Konventionen des Dreiakters. Schöne Ideen entwickelt der Film dennoch […]<<
[Christina Nord, Tageszeitung]
>>Der Film ist Dennis Hopper gewidmet, der sich ebenfalls zwischen Mainstream und Independent bewegen konnte und ist mit dessen Sohn Henry Hopper in der Hauptrolle besetzt. Mögliche daraus resultierende, rein formal erkennbare These: Indiewood steht in der Tradition von Hollywoodfilmen wie Rebel without a cause, die zwar Mainstream waren (und dies vor allem heute sind!) aber mit andersartigen Gedanken versehen wurden von Außenseitern Hollywoods. Die Eltern des Protagonisten sind, wie Henry Hoppers Vater, ebenfalls tot. Ist Junior besetzt, weil es seine erste größere Rolle ist und die Dopplung es ihm erleichtern soll zu spielen? Oder wird dadurch und durch die Handlung, dass Beerdigungen von Fremden besucht werden, ebenfalls etwas über die Filmlandschaft ausgesagt, in der sich Restless verorten lässt? Die Vorbilder sind tot, die Filme, die Hollywood machen sollte, werden nicht mehr gemacht. Statt echter Trauer bleiben nur noch Ersatzveranstaltungen. Wer eigentlich trauern sollte, dem bleibt nichts weiter übrig, als diese zu besuchen. Van Sant, der, wenn er in Hollywood dreht, gute, kritische Unterhaltung wie To Die For oder Good Will Hunting machen sollte, oder ehrerbietende Experimente wie Psycho, oder wenn Biopic mit Milk, dann aus seiner Außenseiter-Rolle heraus, kann diese Filme anscheinend nicht mehr machen. Oder konnte es zumindest in diesem Fall nicht. Restless kommt sehr schwerfällig daher, mit dem Zwang zu Originalität. Nette Ideen wie der japanische Geist eines Kamikaze-Fliegers aus dem zweiten Weltkrieg, der nicht für alle sichtbar ist, werden ganz in den Dienst einer platten Figurenpsychologie, noch unlustigeren „süßen“ Witzen und einer endgültig enttäuschenden Moral geopfert, die von vorne bis hinten absehbar ist. Aber dennoch: Van Sant bewegt sich weiter auf den üblichen Feldern des Außenseitertums und des Todes mitsamt seiner Symboliken. Nur dass ihm diesmal seine Figuren spürbar nicht am Herzen liegen. Ebenso scheint es mit dem Film zu sein. Restless ist für sich genommen ein schlechter Film. Er fügt sich damit nahtlos in das unangenehme, nicht immer erfreuliche, nur für die, die bereit sind Unbefriediegendes befriedigend zu rezipieren, befriedigende Ouevre Van Sants ein. Für “wahre” Außenseiter dürften so einige Filme Hollywoods über Außenseiter zutiefst nerv tötend sein. Gus Van Sant tut gut daran und hat ein Anrecht darauf, zu zeigen, wie tot Indiewood ist. Restless mag nicht dessen Beerdigung gewesen sein, aber ein deutlich ausgestellter Totenschein.<<
[Leander Ripchinski, Negativ]
>>Van Sants 14. Kinofilm ließe sich schließlich als Versöhnung zwischen seinen beiden Filmwelten verstehen, als kleine, charmante und widerborstig-tragische Lovestory, von Hollywood produziert (Ron Howard! Brian Grazer!), doch mit genügend Abseitigkeit ausgestattet, die dem Mainstream schwer im Magen liegt. Gänzlich unprätentiös und stets die leisen Töne anschlagend spielt Van Sant mit der Routine eines Meisters auf der Klaviatur der Gefühle, die hier leicht rührselig und tränenziehend hätten ausfallen können, und trifft durchgehend die rechte Balance und die unglaublich schwer zu erreichende Leichtigkeit und Durchlässigkeit, die der Erzählung Raum zum Atmen geben, und die bittersüße, wenn auch nicht neue Erkenntnis, daß nicht unbedingt die Länge des Lebens, sondern vielmehr die Intensität entscheidend ist.<<
[Carsten Happe, Schnitt]
Nach Maßgabe der technischen Möglichkeiten wird außerdem Gus Van Sants Kurzfilm FIVE WAYS TO KILL YOURSELF gezeigt. Der Tagebuchfilm von 1986 ist einer von über einem Dutzend Kurzfilmarbeiten die Van Sant realisiert hat und gewann 1987 den Kurzfilmteddy.
FIVE WAYS TO KILL YOURSELF im Katalog der Berlinale
RESTLESS
>>Restless […] erzählt eine Liebesgeschichte. Enoch (gespielt von Henry Hopper, dem Sohn von Dennis Hopper) besucht die Beerdigungen von Fremden. Eines Tages begegnet er dabei Annabel (Mia Wasikowska). Beide sind Teenager, doch dem Tod viel näher, als ihre Jugend erwarten ließe. Annabel leidet an einem Gehirntumor, Enoch hat seine Eltern bei einem Autounfall verloren, lag selbst drei Monate im Koma und war, wie er sagt, für einige Minuten klinisch tot.
"Restless" fällt sehr viel konventioneller aus als die Filme, die Gus van Sant in den letzten Jahren gedreht hat. In "Paranoid Park", "Elephant", "Gerry" und "Last Days" ging es zwar um ähnliche Sujets, um junge Menschen, die sich an der Schwelle von Leben und Tod bewegten, doch Ellipsen, Zeitschleifen und Perspektivaufsplitterungen stellten sich dem geradlinigen Erzählen kunstvoll in den Weg. "Restless" dagegen hält sich an die Chronologie und die Konventionen des Dreiakters. Schöne Ideen entwickelt der Film dennoch […]<<
[Christina Nord, Tageszeitung]
>>Der Film ist Dennis Hopper gewidmet, der sich ebenfalls zwischen Mainstream und Independent bewegen konnte und ist mit dessen Sohn Henry Hopper in der Hauptrolle besetzt. Mögliche daraus resultierende, rein formal erkennbare These: Indiewood steht in der Tradition von Hollywoodfilmen wie Rebel without a cause, die zwar Mainstream waren (und dies vor allem heute sind!) aber mit andersartigen Gedanken versehen wurden von Außenseitern Hollywoods. Die Eltern des Protagonisten sind, wie Henry Hoppers Vater, ebenfalls tot. Ist Junior besetzt, weil es seine erste größere Rolle ist und die Dopplung es ihm erleichtern soll zu spielen? Oder wird dadurch und durch die Handlung, dass Beerdigungen von Fremden besucht werden, ebenfalls etwas über die Filmlandschaft ausgesagt, in der sich Restless verorten lässt? Die Vorbilder sind tot, die Filme, die Hollywood machen sollte, werden nicht mehr gemacht. Statt echter Trauer bleiben nur noch Ersatzveranstaltungen. Wer eigentlich trauern sollte, dem bleibt nichts weiter übrig, als diese zu besuchen. Van Sant, der, wenn er in Hollywood dreht, gute, kritische Unterhaltung wie To Die For oder Good Will Hunting machen sollte, oder ehrerbietende Experimente wie Psycho, oder wenn Biopic mit Milk, dann aus seiner Außenseiter-Rolle heraus, kann diese Filme anscheinend nicht mehr machen. Oder konnte es zumindest in diesem Fall nicht. Restless kommt sehr schwerfällig daher, mit dem Zwang zu Originalität. Nette Ideen wie der japanische Geist eines Kamikaze-Fliegers aus dem zweiten Weltkrieg, der nicht für alle sichtbar ist, werden ganz in den Dienst einer platten Figurenpsychologie, noch unlustigeren „süßen“ Witzen und einer endgültig enttäuschenden Moral geopfert, die von vorne bis hinten absehbar ist. Aber dennoch: Van Sant bewegt sich weiter auf den üblichen Feldern des Außenseitertums und des Todes mitsamt seiner Symboliken. Nur dass ihm diesmal seine Figuren spürbar nicht am Herzen liegen. Ebenso scheint es mit dem Film zu sein. Restless ist für sich genommen ein schlechter Film. Er fügt sich damit nahtlos in das unangenehme, nicht immer erfreuliche, nur für die, die bereit sind Unbefriediegendes befriedigend zu rezipieren, befriedigende Ouevre Van Sants ein. Für “wahre” Außenseiter dürften so einige Filme Hollywoods über Außenseiter zutiefst nerv tötend sein. Gus Van Sant tut gut daran und hat ein Anrecht darauf, zu zeigen, wie tot Indiewood ist. Restless mag nicht dessen Beerdigung gewesen sein, aber ein deutlich ausgestellter Totenschein.<<
[Leander Ripchinski, Negativ]
>>Van Sants 14. Kinofilm ließe sich schließlich als Versöhnung zwischen seinen beiden Filmwelten verstehen, als kleine, charmante und widerborstig-tragische Lovestory, von Hollywood produziert (Ron Howard! Brian Grazer!), doch mit genügend Abseitigkeit ausgestattet, die dem Mainstream schwer im Magen liegt. Gänzlich unprätentiös und stets die leisen Töne anschlagend spielt Van Sant mit der Routine eines Meisters auf der Klaviatur der Gefühle, die hier leicht rührselig und tränenziehend hätten ausfallen können, und trifft durchgehend die rechte Balance und die unglaublich schwer zu erreichende Leichtigkeit und Durchlässigkeit, die der Erzählung Raum zum Atmen geben, und die bittersüße, wenn auch nicht neue Erkenntnis, daß nicht unbedingt die Länge des Lebens, sondern vielmehr die Intensität entscheidend ist.<<
[Carsten Happe, Schnitt]


