Montag, 26. März 2012

EIN KLEINER FILM FÜR BONN. Sommer ´99 - Klaus Wildenhahn

Dienstag 27.03.2012
20.30 Uhr
vorgestellt von Jan Künemund





EIN KLEINER FILM FÜR BONN. Sommer ´99
| D 1999/2000 | 116 Minuten | Erstsendung: 19.11.2000, 3sat

Regie, Filmerzählung, Ton: Klaus Wildenhahn | Kamera: Gisela Tuchtenhagen, Rainer Komers | Schnitt: Margot Neubert-Maric | Sprecher: Klaus Wildenhahn | Produktion: Strandfilm GmbH, Frankfurt/M. | Co-Produktion: Filmwerkstatt Dokumentarisch Arbeiten, Hamburg | Für: ZDF/3sat | Produzent: Dieter Reifahrt | Redakteurin: Inge Claassen| Drehzeit: Juni 1999, Juni 2000| Drehort: Bonn.


Klaus Wildenhahn dreht 1999 als Pensionär nach 5 Jahren Abstinenz seinen mutmaßlich letzten Dokumentarfilm – ein Porträt seiner Geburtsstadt. Die Bonner Regierung packt. Bilder werden von den Wänden genommen, Schreibtische leergeräumt; Umzugskartons werden verladen, leere Korridore, Pläne, auf denen die Einrichtung des Büros in Berlin zu sehen ist. Aus dem Fenster der Blick auf den Rhein. Bonn ist vieles, auch: die Stadt der kurzen Wege und der kurzen Kontakte. Der Presseclub — am 30. Juni wird er zugemacht. Ein Kellner geht nach 27 Jahren, 2 Monaten und 21 Tagen. Die Fahrbereitschaft des Bundestages. Die aufgereihten Fahrzeuge werden zum 30. Juni abgemeldet — die Autos verkauft. Abschiedsbriefe, auf denen man aufmunternde Reden hört und Tränen sieht; die Bonner Sommerkonzerte, immer wieder der Rhein, die Melancholie der verlassenen Räume.

„Noch einmal Augenzeuge sein, aber nicht notwendigerweise Zusammenhänge verstehen. Am Täglichen kleben, dem Unübersichtlichen, ohne Metaphysik. Etwas außer Atem, nicht selbst betroffen und doch hineinverwickelt und nicht fähig, sich zu lösen. Noch einmal die schöne Neugier, zuhören, merkwürdig Vertrautes. Oberflächen. Die kleinen Zwischenräume. Dann vorbei.“ (Klaus Wildenhahn)

Wildenhahn verwendet im Film eine Reihe von Zeitungszitaten, im ersten Teil beziehen sie sich eher auf Bonn und den "Abschied", im zweiten Teil werden frei Zitate aus Feuilletons vorgetragen. So betont er eine Subjektivität des Blicks. Das Hantieren mit Sprache im Film sei ihm immer schon ein Anliegen gewesen. Er will den analytischen Kommentar vermeiden. Wie schon in früheren Filmen kann man auch in seinem jüngsten Film die Verschränkung von Cinéma Vérité und unabhängigen Textfragmenten als Stilmittel feststellen. Diese Annäherung an den Essayfilm ermöglicht die freie Assoziation. Im Gegensatz zur Kontinuität des Konzeptuellen haben sich in Wildenhahns Filmen die Bilder gewandelt. Durch die Technik (und die günstigen Kosten) der Digitalkamera, die das Suchen nach Bildern ermöglicht und auch verlangt, erhalten diese eine "Schmutzigkeit", die gewollt belassen wird. (Protokoll der Duisburger Filmwoche 2000)


Biographie Klaus Wildenhahn
1949 Abitur;1950-1954 Studium der Soziologie, Publizistik und Politologie an der Freien Universität in Berlin und den USA (abgebrochen).
Bis 1958 in London, vorwiegend als Krankenpfleger in einer Londoner Nervenheilanstalt tätig.
Seit 1959 als Regieassistent beim NDR in Hamburg, zuerst in der "Fernsehlotterie".
1960-1964 in der Abteilung "Zeitgeschehen" (Panorama-Redaktion). Seit 1964 in der Abteilung "Fernsehspiel" als fest angestellter Dokumentarfilmer.
1968-1972 Regie-Dozent an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB). Lehraufträge an verschiedenen Filmhochschulen. Einflussreiche Publikation zur Dokumentarfilmtheorie: „Über synthetischen und dokumentarischen Film. 12 Lesestunden.“ (1975)
Seit 1981 im Bildungsprogramm (NDR III) tätig. 1995 Pensionierung.
Mitbegründer des Arbeitskreises „Dokumentarisches Arbeiten“, Hamburg

Montag, 19. März 2012

SOMETHING TO DO WITH THE WALL - Marylin Levine & Ross McElwee

Dienstag 20.03.2012
20.30 Uhr
vorgestellt von Thomas Moritz Helm





SOMETHING TO DO WITH THE WALL | USA 1990 | 88min | englische Originalversion | Buch, Regie, Kamera und Schnitt: Marilyn Levine & Ross McElwee | Mit: Ross McElwee und Marilyn Levine

Nach SHERMAN'S MARCH zeige ich heute SOMETHING TO DO WITH THE WALL. Ross McElwee drehte den Film zusammen mit seiner Freundin Marylin Levine. Die beiden begannen mit der Arbeit an dem Film im Jahr 1986, als sie zur Premiere von SHERMAN'S MARCH in Berlin waren. Insofern gibt es zwischen den beiden Filmen eine ganz praktische Verbindung. Ich kenne den Film zwar noch nicht, aber ausgehend von dem was ich gelesen habe, scheinen die Filmmemacher hier in gewisser Weise das Ende der aus SHERMAN'S MARCH bekannten "Era of Nuclear Weapons Profileration" zu dokumentieren und somit einige Themen aus dem letzten Film wieder aufzunehmen. Ich bin gespannt wie es dem "filmmaker protagonist, this character that I've created" diesmal ergeht und auf welche Weise sich die zweite Regisseurin Marylin Levine in den Film einbringt.

''A meditation on the absurd vagaries of history: Growing up in 1950s America, McElwee and Marilyn Levine were brought up on a steady diet of Cold War paranoia. So were the West Germans they began filming in 1986. But as the Berlin Wall came down three years later and hard-line Communism collapsed with it, the filmmakers and their subjects were suddenly faced with a new world order''
(Museum of Modern Art)


"The Wall had been erected in 1961, during my childhood, and was the seminal Cold War monument of the era - a flashpoint between the US and Russia which made the possibility of nuclear armageddon very real to everyone alive then. I hadn't thought much about the Wall since we had been in Berlin - I'd been to dazzled and distracted by the film festival - but when I first saw it snaking across the snow- covered cityscape, so startling with its bright spray-painted graffiti, I was quite amazed by it. What must it be like to live next to this thing, as many people obviously did? It had become the elephant in the room that everyone wanted to ignore. And the elephant had been there for almost a quarter century."
(Ross McElwee)


Our friends back in Boston became fond of telling a joke about us:

Question: Who are the only three people in the world who are sad that the wall has come down?
Answer: East German communist party boss Erich Honecker, Ross, and Marilyn.


Trailer: http://rossmcelwee.com/somethingtodowiththewall.html

Nochmal das Video-Interview auf Cargo: http://www.cargo-film.de/thema-reihe/us-indie/southern-stories-ross-mcelwee-im-gesprach/




Samstag, 10. März 2012

SHERMAN'S MARCH - Ross McElwee

Dienstag 13.03.2012
20.30 Uhr
vorgestellt von Thomas Moritz Helm




* WEGEN ÜBERLÄNGE FANGEN WIR PÜNKTLICH AN *


SHERMAN'S MARCH | USA 1986 | 157min | englische Originalversion | Regie, Kamera, Ton, Schnitt: Ross McElwee | Mit: Ross McElwee, Dede McElwee, Ann McElwee, Mary, Pat, Winnie, Charleen, Lee, Claudia, Ashley und Burt Reynolds

Ross McElwee bewegt sich auf den Spuren von General William Tecumseh Sherman, der während des Sezessionskrieges einen historischen Feldzug (Sherman's March to the Sea) anführte, durch Georgia und die Carolinas. Wie man in der ersten Szene des Films erfährt, ist der Filmemacher vor kurzem von seiner Freundin verlassen worden. Seine Schwester rät ihm daraufhin, seine Kamera als Hilfsmittel zu nutzen um Frauen kennen zu lernen. Also bereist McElwee auf der Suche nach einem "nice southern girl" den Süden der USA und trifft allerhand interessante Menschen: Die angehende Schauspielerin Pat, eine Linguistin namens Winnie, seine alte Freundin Charleen und viele andere.


"A Meditation on the Possibility Of Romantic Love in the South During An Era of Nuclear Weapons Profileration"


"I had no firm idea as to how to begin shooting Sherman's March. That is, I only knew that I wanted to make some sort of film about my homeland, the South, and I was interested in the degree to which the South was still haunted by the Civil War - Sherman's campaign in particular - but I never intended for it to be an historical documentary ... I thought I would probably narrate it with first-person voice-over, as I had done in Backyard, but I wasn't enthusiastic about stepping in front of the camera to perform monologues. I was more comfortable behind the camera. But as I finished my first month of shooting in North Carolina and realized that this film was going to be more directly autobiographical than I had anticipated, I began filming monologues. I thought it would be best at least to get them on film. I could decide whether to use them later"

"I'd never presume to make a pronouncement concerning what I think relationships between men and women are all about. I think it's abundantly clear, from Sherman's March, that I myself, haven't a clue--at least at that point in my life. I guess the one lesson I might have garnered from the experience of making Sherman's March was that true love, whatever that is, was unlikely to present itself as long as I was determined to track it down with a camera, and the audience knows this."

(Ross McElwee)


Trailer: http://rossmcelwee.com/shermansmarch.html

Interview: http://www.cargo-film.de/thema-reihe/us-indie/southern-stories-ross-mcelwee-im-gesprach/




Sonntag, 4. März 2012

BOTTLE ROCKET - Wes Anderson

Dienstag 06.03.2012
20.30 Uhr
vorgestellt von Maik




BOTTLE ROCKET | USA 1996 | 92 Min. | Regie: Wes Anderson | Buch: Wes Anderson, Owen Wilson| Kamera: Robert D. Yeoman| Schnitt: David Moritz| Darsteller: Luke Wilson, Owen Wilson, Robert Musgrave, Lumi Cavzos, James Caan


Dignan, ein realitätsfremder Typ, der von einer Karriere in Mr. Henrys Gangsterbande träumt, überredet seine Freunde Anthony und Bob zu einem “grossen Ding” in einer Buchhandlung, um Mr. Henry auf sich aufmerksam zu machen. Nach dem erfolgreichen “Coup” steigt das Trio in einem Motel ab, wo sich Anthony in das scheue südamerikanische Zimmermädchen Inez verliebt. Die Arbeit für Mr. Henry, der die drei schliesslich einen eigenen Überfall für seine “Firma” machen lässt, erweist sich als furchtbarer Reinfall…

They´re not really criminals, but everybody´s got to have a dream. (DVD-Logline)

"Der Debütfilm von Wes Anderson um ein Trio von amateurhaften Dieben entwickelt seine Stärke aus skurrilen Figuren und absurden Situationen, vermag dabei aber dramaturgisch nicht immer zu überzeugen. Dennoch beeindruckt Durchgeknallt (Bottle Rocket) durch eine eigene Stilistik, die sich vor allem aus dem Changieren von Melancholischem und Komischem ergibt." (citic.de)

AVC: You've become sort of a polarizing figure in film-buff circles, in that you have some people who are devoted to your work and others who absolutely can't stand what you do, and use you as an example of what's wrong with indie filmmaking. How do you react to that?

WA: Well, it's a bit of a drag. I guess I try to insulate myself from it by not reading too much of that kind of material. It's not usually that great of an idea to read lots of reviews of your movies, because even if somebody's saying nice things, there'll still be something in there that pushes the wrong button, and it's not really that helpful. Having said that, I am aware of what you're talking about. [Laughs.] Even when we did Bottle Rocket, that was just exactly the experience the audience had with that movie. There were people who loved it, but there were lots of people who just hated it. I still don't understand why what I do tends to inspire those kinds of reactions.
(Interview Noel Murray für A.V.Club aus 2008)

„Im Grunde lassen sich die Ereignisse in jedem Wes-Anderson-Film so zusammenfassen: Etwas kommt gewaltig, dreht eine Runde und verschwindet wieder.“ (Ekkehard Knörer)