Montag, 21. Dezember 2009
Mittwoch, 9. Dezember 2009
THE HURT LOCKER - Kathryn Bigelow

THE HURT LOCKER | USA 2008 | Regie Kathryn Bigelow |Buch: Mark Boal | Darsteller/inn/en: Jeremy Renner, Anthony Mackie, Brian Geraghty, Guy Pearce, Ralph Fiennes, David Morse, Evangeline Lilly, Connie James, Christian Camargo, Suhail Aldabbach u.a. | Kamera: Barry Ackroyd | Montage: Chris Innis | Szenographie: Karl Júlíusson, David Bryan | Musik: Marco Beltrami, Buck Sanders | Produzent: Tony Mark, Kathryn Bigelow, Mark Boal, Nicolas Chartier, Greg Shapiro u.a. | Sprache: Engl. m. U. | 131 min |
Mittwoch, 2. Dezember 2009
W. - Oliver Stone

Doch so witzig seine eigentümliche Art und die für einen Präsidenten unglaubliche Naivität anmuten, so fatal sind die Folgen seiner Macht. Die Figur des George W. Bush ist eine wahrlich tragikomische. Was brachte diesen Mann dazu, so unbeirrt seinen Weg zu gehen und bis zum Ende daran zu glauben? Wie konnte er felsenfest davon überzeugt sein, dass sein wieder und wieder bekräftigtes Ziel, das amerikanische Volk zu beschützen und Freiheit in die Welt zu bringen, notfalls jedes Mittel rechtfertige? Was für ein Mensch ist George W. Bush?
Als ich zuerst von Oliver Stones W. hörte, der noch vor dem Ende von Bushs Amtszeit erschien, dachte ich, der Film sei eine Komödie, welcher Art auch immer, jedenfalls voller schlagender Häme. Als ich ihn dann sah, war ich überrascht: zum einen darüber, dass W. eben keine Komödie ist, zum anderen über Josh Brolins viel gerühmte Darstellung des Protagonisten und Richard Dreyfuss' regelrechte "Verkörperung" (Roger Ebert) von Dick Cheney. Vor allem aber auch über die erstaunliche Unterhaltsamkeit und Geschwindigkeit dieses Films, der hauptsächlich talking heads zu sehen gibt.
Stone versucht, basierend unter anderem auf der Lektüre von siebzehn Büchern, ein authentisches Bild von der Person George W. Bush zu zeichnen und uns diese somit näher zu bringen. Inwieweit ihm das gelingt, werden wir sehen.
"I want a fair, true portrait of the man. How did Bush go from an alcoholic bum to the most powerful figure in the world? It's like Frank Capra territory on one hand, but I'll also cover the demons in his private life, his bouts with his dad and his conversion to Christianity, which explains a lot of where he is coming from. It includes his belief that God personally chose him to be President of the United States, and his coming into his own with the stunning, preemptive attack on Iraq. It will contain surprises for Bush supporters and his detractors. " –Oliver Stone
(Quelle: http://www.variety.com/VR1117979349.html)
Weitere Infos und Kritiken unter:
Mittwoch, 25. November 2009
OBSERVE AND REPORT - Jody Hill

Ronnie Barnhardt (Seth Rogen) ist Mall Cop, das heißt, er ist nicht wirklich Cop und seine Befugnisse beschränken sich denn auch weitgehend, wie der Titel angibt, auf’s Observieren und Bericht erstatten. Monument einer krisengebeutelten Männlichkeit (einer Krise, die man, wie wir bald feststellen, in ihrer spezifischen Form auch im ICD-10 nachschlagen kann), gibt ihm das Auftauchen eines Exhibitionisten, der wiederholt auf dem Parkplatz der Mall Angst und Schrecken verbreitet, die Gelegenheit seinem kompensatorischen Größenwahn freien Lauf zu lassen. Wobei ihm, mehr noch als die tatsächlich zu vermeidenden Verstöße und Devianzen, ein tatsächlicher Polizist (Ray Liotta) in die Quere kommt.
"Rancid and unpleasant" urteilte David Denby im New Yorker, was zweifelsohne richtig, aber so wie von Denby gemeint doch zu einfach ist. OBSERVE AND REPORT verfügt über einer Hauptfigur, für die Sympathien zu mobilisieren schwierig bis unmöglich ist und deren schrittweisen Amoklauf der Film in seiner Form in gewisser Weise nachvollzieht: Um Konventionen allerart (ethische, politische, dramaturgische) schert der Film sich gerade soweit, als er recht genau um all das Bescheid weiß, wogegen zu verstoßen er wild entschlossen ist. Wild entschlossen, wenn auch nicht immer auf dem direktesten Weg: denn OBSERVE AND REPORT befindet sich an dem eigenwilligen Ort, von dem aus eine Koketterie mit dem Guten möglich ist.
Wenn es einen spezifischen Realismus der zeitgenössischen jugendunfreien Hollywood-Komödie gibt, dann ist OBSERVE AND REPORT dessen extremistische Variante. Welches Kino das ergibt und was davon zu halten ist, darüber wird zu sprechen sein.
Jody Hill besuchte, ebenso wie sein Freund David Gordon Green die Filmschule in Winston-Salem, NC. Danny McBride (hier und in Gordon Greens ALL THE REAL GIRLS in einer Nebenrolle zu sehen und der Star von Hill’s Debut als auch EASTBOUND & DOWN) sowie der mit Green als auch Hill arbeitende Kameramann Tim Orr waren weitere Kommilitonen. Hills erste große Regiearbeit "The Foot Fist Way" über einen Taekwondo Lehrer, der nicht viel mehr Tassen im Schrank hat als Ronnie Banhardt, fand einflussreiche Fans in Will Farell und Adam McKay, den nunmehrigen Executive Producers von Hills Serie EASTBOUND & DOWN auf HBO.
FILMOGRAPHIE:
Freitag, 20. November 2009
ENDSTATION DER SEHNSÜCHTE - Sung-Hyung Cho
Denn das Dorf in der malerischen Bucht mit den roten Ziegeldächern und den sauberen Vorgärten ist tatsächlich deutscher als deutsch, es gibt sogar Vollkornbrot und Bockwürste. Eine skurrile Kulisse, in der Touristen durch ihre Vorgärten trampeln und die Ehemänner als "Langnasen-Opas" belachen, bis die Polizei eingreift.
Es ist ihre neue, alte Heimat, in die ihnen Willi, Ludwig und Armin mit über sechzig Jahren in der Hoffnung auf einen beschaulichen Lebensabend gefolgt sind. Und doch fehlt den Frauen etwas. Denn "Am Abend, wenn die Sonne untergeht, kommt das Heimweh. Egal, ob du 40, 50 oder 60 bist." Das war in Deutschland so, wo sie die Hälfte ihres Lebens verbracht haben und doch immer fremd blieben. Und das ist jetzt in Südkorea so, wo sie nicht mehr nahtlos an ihre alten Wurzeln anknüpfen können.
Sie tragen traditionelle, koreanische Trachten in Wohnzimmern mit Schrankwänden aus deutscher Eiche. Wenn ihre Ehemänner über mangelnde Ordnung und Disziplin der Koreaner schimpfen, können sie das gut nachvollziehen. Und doch macht es sie glücklich, wenn der Gatte mit Hingabe koreanische Volkstänze erlernt.Mit diesem kulturellen Spagat ist die Regisseurin Sung-Hyung Cho aus eigener, biografischer Erfahrung vertraut. Ihre humorvolle, einfühlsame Beobachtung der drei Ehepaare spürt mit gemischten Gefühlen der Frage nach, was Heimat eigentlich ist und ob man sie wieder finden kann.
Samstag, 14. November 2009
FULL METAL VILLAGE - Sung-Hyung Cho

Ursprünglich hatte sie einen mörderischen Twist in der Mitte Films geplant (als Referenz erwähnt sie From Dusk Till Dawn). Im Lauf der Arbeit sei sie aber drauf gekommen, dass der Kontrast der Welten zwar fünf Minuten beste Unterhaltung hergeben, in einem Feature Film aber auf Dauer zu einer nichtssagenden Redundanz verkommen würde. Deshalb habe sie sich mit der Zeit immer mehr auf die Perspektive der Dorfbevölkerung zu konzentrieren begonnen. Festival und Todesmetaller sind Aufhänger für ein katastrophenfilmähnliches Szenario und Kontrastmittel für die Ambivalenzen im Landidyll.
Sung-Hyung Cho wendet sich ihrem Objekt mit viel Sympathie zu. Sie zeigt sich fasziniert von dieser Welt (die Outtakes legen nahe, dass sie aus ihrem Material auch einen Film über Milchkuhhaltung im 21. Jahrhundert machen hätte können), ohne dabei die Grenze zur Romantisierung zu überschreiten oder das skurrile Potential der Figuren auszubeuten. Methodisch orientiert sie sich an Jean Rouch, dem Ethnografen, der die teilnehmende Beobachtung für den Dokumentarfilm nutzbar gemacht hat. Stilistisch hält sie sich an Robert Altman, in dessen Montagetechnik sie versucht, das vielstimmig verschachtelte Porträt einer Dorfgesellschaft zu zeichnen, in dessen Zentrum die Leitmotive Fremdheit und Entfremdung stehen.
Dienstag, 10. November 2009
GEORGE WASHINGTON - David Gordon Green

Ein Ort: eine heruntergekommene Kleinstadt im Süden der USA, wo genau das wird nie ganz klar, ist vielleicht auch nicht so wichtig. Ein alter Güterbahnhof, ein letzter Rest von Industriearbeit. Ein paar Häuser, die Heime sind, obwohl viele nicht mehr danach aussehen. Es gibt wohl ein Zentrum, jedenfalls etwas, an dem sich eine Parade abhalten lässt, aber der Film verweilt die längste Zeit an der Peripherie.
Ein Ort: Kindheit. Freundschaft und Rivalität, erste Beziehungen. Möglichkeiten die Zeit totzuschlagen, was manchmal auch einfach leben heißt. Die erwachsene Welt lauert immer am Rand, und manchmal bricht sie herein.
GEORGE WASHINGTON ist die elliptische Erzählung eines Sommers, wie er von einem halbes Dutzend Kinder gelebt wird, die meisten von ihnen schwarz, wobei die Differenz keine große Bedeutung zu haben scheint. Nasia trennt sich von Buddy, will lieber mit George zusammen sein. Buddy weiß nicht recht wie damit umgehen, es war gut jemand zu haben "to talk about what you feel n’stuff". George hat ein merkwürdiges Problem an der Fontanelle, er muss einen Helm tragen und sein Kopf darf nicht nass werden.
Der Film nimmt sich viel Zeit dafür, auf nichts besonderes hinauszuwollen, Alltag und Umwelt der Kinder nachzuzeichen, wie sie sprechen, ihre Ängste und Träume. Bis eine Tragödie passiert, mit der eine Handlung im konventiellen Sinn einsetzt, eine Tragödie in der auch die coming-of-age Geschichte, die der Film in seiner Eigenwilligkeit auch ist, ihr Zentrum hat.
Das Territorium das GEORGE WASHINGTON in ruhigen, epischen Einstellung, gedreht auf Breitwand 35mm Film konstruiert verschmilzt die konkrete soziale Landschaft eines postindustriellen North Carolinas mit der emotionalen Geographie von Kindheit, die eingebettet in erste, auch darüber hinausragt.
Der historische George Washington, der dem Film den Titel leiht, ist keine Figur darin, sondern ein symbolischer Horizont, der die Restbestände des politischen Pathos der Vereinigten Staaten verzeichnet. Eine konkrete Utopie.
GEORGE WASHINGTON ist das Spielfilmdebut von David Gordon Green, entstanden nach Studienabschluss, vorwiegend in der Gesellschaft von Freunden und Kollegen aus der Filmhochschule (der University of North Carolina School of Arts in Winston-Salem, wo auch der Film gedreht wurde). Der Film hatte eine komplizierte Karriere, wurde von Sundance abgelehnt, im Forum der Berlinale gefeiert, schließlich auch in USA aufmerksam wahrgenommen und begründete so eine recht ungewöhnliche Karriere, die Green inzwischen unter anderem zu Judd Apatow und Terrence Malick als Produzenten brachte, und zu einer Serie auf HBO.
Dienstag, 27. Oktober 2009
ROBERT FRANK | FLORIAN BARON
Samstag, 24. Oktober 2009
AURAEUS SOLITO zu Gast

TULI spielt in einem entlegenen Dorf auf den Philippinen, wo bis heute traditionelle Beschneidungsriten an Jungen durchgeführt werden. Malteng, der im Dorf für die Beschneidungen zuständig ist, verlangt von seiner Tochter Daisy, von klein auf bei den Zeremonien zu helfen. Als junge Frau stellt sich Daisy gegen ihren Vater und das Patriarchat des Dorfes, als sie eine Liebesbeziehung mit einer anderen Frau beginnt. Schlimmer noch, sie entschließt sich, vom einzigen unbeschnittenen Jungen des Dorfes schwanger zu werden.
Erste internationale Aufmerksamkeit in Filmkreisen erlangte Auraeus Solito mit 'Ang Pagdadalaga ni Maximo Oliveros' (The Blossoming of Maximo Oliveros), einem Film über einen Jungen, der lernt, seine Homosexualität zu akzeptieren. Als das Drehbuch zu TULI verfilmt werden sollte, dachte Viva-Produzent Vincent del Rosario sofort an Auraeus Solito: „Er hat ein einmaliges Gespür für das Thema Homosexualität bei den Philippinos“, sagt Vincent. „Ich war mir absolut sicher, dass es ihm gelingen würde, das alltägliche Leid der Homosexuellen zu zeigen. Vor allem in den ländlichen Regionen der Philippinen wird ihnen das Leben schwer gemacht: Üblicherweise dreht sich in Familien auf dem Land alles um einen diktatorischen
Patriarchen – Männer wie Ka Malteng in TULI. Da erfordert es sehr viel Mut, für die eigenen Rechte zu kämpfen, so wie Daisy das tut, die sich entschließt, schwanger zu werden, oder wie Nanding, der ablehnt, sich um der Tradition willen beschneiden zu lassen.“
TULI konnte in den Philippinen nur in einer stark zensierten Fassung in die Kinos kommen. Obwohl es im Film keine expliziten Sex- oder Nacktszenen gibt, war den Zensoren die Geschichte von Daisy, die sich gegen die traditionellen, patriarchalen Strukturen eines Dorfes auflehnt, zu brisant.
English Synopsis:
In remote barrios of the Philippines, traditional circumcision rites are still carried out on young boys. Daisy‘s father, specialized in these procedures, often takes out his unhappiness with his life on his daughter by forcing her to remove the little boys’ foreskins. In order to get back at her father, Daisy flaunts her love affair with another woman. Worse, she decides to get pregnant by the only boy in town who is not circumcised.
Biofilmografie:
Auraeus Solito wurde in Manila geboren. Er studierte Theaterwissenschaft an der Universität der Philippinen und nahm an einem Filmworkshop des Mowelfund Film Instituts teil, der zum Ausgangspunkt seiner Karriere als Filmemacher wurde. Sein erster Langfilm, 'The Blossoming of Maximo Oliveros', ist bis heute der erfolgreichste independent-Film auf den Philippinen, und gewann Preise auf zahlreichen internationalen Festivals, u.a. bei Sundance und der Berlinale.
Filme:
1995: Ang Maikling Buhay ng Apoy; Act 2, Scene 2; Suring at ang Kuk-ok (The Brief Lifespan of Fire, Act 2, Scene 2: Suring and the Kuk-ok). 1997: Ang Huling El Bimbo (The Last El-Bimbo Dance). 1998: Impeng Negro. 2002: Basal Banar (The Sacred Ritual of Truth). 2005: Ang Pagdadalaga ni Maximo Oliveros (The Blossoming of Maximo Oliveros). 2007: TULI. 2008: Pisay (Philippine Science). 2009: BOY

