Donnerstag, 1. November 2012

SÖHNE - Volker Koepp


Dienstag 6.11.2012
20.30 Uhr
vorgestellt von Maik Teriete





Deutschland 2007 | 111 Minuten | Regie: Volker Koepp | Buch: Volker Koepp, 
Barbara Frankenstein | Kamera: Thomas Plenert | Ton: Andreas Mücke, 
Klaus-Peter Schmitt, Jens Pfuhler | Schnitt: Beatrice Babin | Musik: 
Rainer Böhm | Produktionsleitung: Fritz Hartthaler | Redaktion: Dr. 
Gudrun Hanke-El Ghomri (SWR), Jutta Krug (WDR) | Produzent: Dr. Thomas 
Geyer | Produktion: Thomas Geyer Filmproduktion und Vineta Film in 
Koproduktion mit SWR, WDR und Koppfilm
mit freundlicher Unterstützung durch FFA, Medienboard 
Berlin-Brandenburg, MFG Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg;

im Verleih der Edition Salzgeber
Grand Prix Visions du Réel 2007

"In seinem neuen Film "Söhne" dokumentiert Volker Koepp die Geschichte einer deutschen Familie
Einen Mann wie Rainer Paetzold gibt es in einem gut organisierten Land wie der Bundesrepublik Deutschland selten. Er weiß nicht, wie er eigentlich heißt, noch, wo und wann er geboren ist. Die Geburtsurkunde teilt er sich mit Jerzy Choinacki aus Heidelberg, der eigentlich Joachim Rainer Paetzold heißt, aber lange Jahre in Polen gelebt hat. Es gab eine Zeit, sagt Rainer Paetzold, "da gab es mich gar nicht". 1945, in den Wirren des letzten Kriegsjahres, wurde er durch eine Verwechslung zum Teil der Familie, deren Schicksal Volker Koepp in seinem neuen Film "Söhne" rekonstruiert.
Fünf Männer, alle schon über sechzig, erzählen die komplizierte Familiengeschichte, die vor dem Zweiten Weltkrieg in Westpreußen beginnt und sich von dort aus über Polen und Deutschland erstreckt. 1938 wurde Klaus Paetzold in Danzig geboren, zwei Jahre später sein Bruder Wolf auf dem Gut Heinrichshof unweit der Ostsee. 1942 kommt Hans Friedrich zur Welt, und 1944 schließlich noch Joachim Rainer. Der Vater ist im Krieg, die Mutter lebt mit dem Großvater und den Kindern auf dem Gut. 1945 trifft sie unter dem Druck der Ereignisse eine folgenreiche Entscheidung: Sie flüchtet mit den zwei ältesten Jungen nach Westen. Die beiden jüngeren Söhne bleiben zurück - das ist der Riss, der durch diese Geschichte geht.
(...)
Der Film "Söhne" besteht fast ausschließlich aus Interviews und Schauplätzen, ganz sparsam setzt Volker Koepp die wenigen historischen Fotografien ein - das Panorama, das sich zwischen Vergangenheit und Gegenwart und bis in die Enkelgeneration hinein dabei entfaltet, ist enorm detailreich und anschaulich und bestätigt den Regisseur als einen der großen Geschichtsschreiber in Deutschland."
 

Bert Rebhandl, taz.de

"Wie in jedem Film Volker Koepps zeichnet Söhne eine Heimat- und Identitätssuche nach, die hier in der Zusammenschau der geschwisterlichen Lebenswege besonders bewegend ist. Denn durch den puren Zufall der Geschichte erfahren fünf Brüder eine vollkommen unterschiedliche Sozialisation. Drei von ihnen werden kulturell fremd geprägt: der vermeintlich leibliche Bruder ungeklärter Herkunft und die beiden als Polen aufwachsenden Brüder. (...) Koepp fragt sie, was ihnen Heimat bedeute, und ob sie sich eher als Deutsche oder als Polen fühlen. Ihre Antworten führen jede nationalistisch gefärbte Debatte ad absurdum. Den Paetzolds ist ihre persönliche deutsch-polnische Versöhnung gelungen. Insbesondere im Epilog des Films wird auch ansatzweise spürbar, welche Tragödie die Familiengeschichte für Elisabeth Paetzold darstellte. (...) Der Begriff der Muttersprache wird in diesem Zusammenhang völlig auf den Kopf gestellt."
 
Almut Steinlein, critc.de

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