Samstag, 29. März 2014

DRACHENLAND - Florian Gärtner

Dienstag 01.04.2014
21:30 Uhr pünktlich!
vorgestellt von Florian Gärtner & Jan Künemund
Sputnik Kino Berlin



D 1999, 90 Minuten, deutsche OF
Buch & Regie: Florian Gärtner | Kamera: Judith Kaufmann, BVK | Ton: Martin Ehlers | Ausstattung: Kade Gruber | Kostüm: Dorothee Kriener | Maske: Parul Banerjee | Schnitt: Bettina Böhler | Redaktion „Das kleine Fernsehspiel“: Claudia Tronnier | Drehbuchberatung: Sabine Holtgreve | Eine Produktion der Schramm Film Koerner & Weber im Auftrag des ZDF
mit
Marek Harloff (Hannes), Peggy Lukac (Frau Kahnt), Julia Richter (Sophie), Matthias Matz (Frank), Inga Busch (Karin), Laura Tonke (Marie), Hans Peter Hallwachs (Vater), Angela Schanelec (Mutter), u.a. 

Vor sieben Jahren hat Hannes Berlin verlassen und arbeitet nun in den USA mit einigem Erfolg als Computergrafiker. Bei seiner Rückkehr nach Berlin sieht er sich plötzlich mit Bildern und Ereignissen aus seiner Vergangenheit konfrontiert, die ihn verfolgen und die er – so sehr er es auch versucht – nicht loswerden kann:
Die Präsenz seines toten Vaters, die Frau, die er damals verließ und deren Bild ihn noch immer mit Schuldgefühlen quält, und seine großen Ängste vor menschlicher Nähe verbinden sich in den magischen virtuellen Welten des Computerspiels „Dragonland“, an dem er zur Zeit arbeitet, in der Gestalt des Drachens, vor dem er vor sieben Jahren geflohen ist.

„Faszinierend an Drachenland ist seine Erzählweise: Nur langsam enthüllen sich für den Zuschauer die Partikel aus der Vergangenheit, und auch am Ende des Films hat sich noch längt nicht alles offenbart, bleibt um die auf den ersten Blick so rational wirkende Figur ein Geheimnis.“ (epd Film)

„Eine Überraschung war Florian Gärtners Drachenland, das durch hohe Professionalität bestach. Mit der langsamen und detailgenauen Studie eines (...) zum Ausdruck von Gefühlen unfähigen Computerfreaks, die an die Arbeiten von Michael Haneke denken läßt, zeichnet der dreißigjährige Regisseur das Bild einer Generation, das zugleich scharfsinnig und beängstigend ist.“ (FR)

„Gärtner zeigt hier das seltene Talent, klug zu dosieren, was er verrät und was er verrätselt.“ (FAZ)


Florian Gärtner
Geboren 1968 in Korbach/Waldeck, aufgewachsen in Marburg und London. Ab 1987 Studium der Anglistik und Medienwissenschaften. Arbeit als Schauspieler, Cutter und Regie-Assistent bei Filmen und Theaterstücken in Marburg, Berlin, Babelsberg und München. 1990 Mitbegründer des "Berliner Grundtheaters". Super-8-Autodidakt mit eigenen Kurz- und Langfilmen auf Super-8mm, Preise auf verschiedenen Festivals.
1993 Regie, Buch und Produktion des Films "ausserirdische" als Auftragsproduktion für das "Kleine Fernsehspiel" des ZDF, ebenso 1995 der Film „Niemand außer mir“.
Nach „Drachenland“ diverse Auftragsproduktionen für Degeto, Pro 7 und ARD, u.a. „Sex Up - Jungs haben's auch nicht leicht“ (2003), „Das zweite Leben“ (2007), „Morgen Ihr Luschen: Der Ausbilder-Schmidt-Film“ (2007), „Das Feuerschiff“ (2008), „Die Mongolettes“ (2011), „Trennung auf italienisch“ (2013).

Montag, 17. März 2014

GESCHWISTER - Thomas Arslan

Dienstag 18.03.2014
20:30 Uhr
vorgestellt von Sabine Herpich





D 1997 / 82 Min. / Buch und Regie:  Thomas Arslan / Kamera: Michael Wiesweg  / Ton: Heino Herrenbrück / Montage: Thomas Arslan, Bettina Blickwede, Heidi Reuscher / Tonmischung: Martin Steyer / Produktion: Käte Caspar, Sibylle Hubatschek-Rahn - Das kleine Fernsehspiel, Alberto Kitzler/ Darsteller/innen: Tamer Yiğit, Savaş Yurderi, Serpil Turhan, Faszli Yurderi, Hildegard Kuhlenberg  u. a.
"Geschwister " ist der erste Teil einer Trilogie ...
 

Die Idee einer Trilogie hat sich aus der Arbeit an dem Film "Geschwister" entwickelt. Im zweiten Film, der im Frühjahr gedreht wird, geht es um Kleinkriminelle und im dritten steht ein türkisches Mädchen im Zentrum. Mehr kann ich jetzt noch nicht dazu sagen.
Auch in "Geschwister - Kardesler" stehen junge Leute im Mittelpunkt, diesmal sind es türkische Jugendliche in Berlin ...
Ich versuche immer von Dingen auszugehen, die ich kenne. Abgesehen davon war ich unzufrieden damit, wie Türken bisher in deutschen Filmen dargestellt werden. Das war einer der Gründe, diesen Film zu machen.
 

In "Geschwister" werden, im Gegensatz zu den meisten anderen deutschen Filmen, die sich mit Minderheiten auseinandersetzen, keine stereotypen Vorstellungen abgespult. Gibt es inzwischen eine positive Veränderung in der deutschen Filmlandschaft? 
Was man auf jeden Fall beobachten kann ist, daß jetzt mehr Türken, insbesondere in Serien oder in Fernsehfilmen auftauchen, aber wenn man näher hinguckt, sind das doch wieder die üblichen Klischees. Gerade sind wohl ein paar Filme von türkischen Filmemachern und Filmemacherinnen in Arbeit, die wahrscheinlich zu anderen Resultaten kommen werden. Da muß man abwarten. Es scheint sich schon ein bißchen was zu tun.
 

Hast du Kontakt zu anderen türkischen Filmemachern?
 

Kaum. Es scheint so zu sein, daß sie, wie die meisten anderen Filmemacher auch, eher für sich allein arbeiten. Insofern kann man hier sicher noch nicht von einer Bewegung reden.
 

Entstehen in den anderen europäischen Ländern die besseren Filme zum Thema Migranten? 
Das kann ich so allgemein nicht beantworten. Es ist auch nicht so, daß ich Filme primär auf ihren thematischen Inhalt hin abklopfe. Ich habe auch ein formales Interesse an Filmen, also nicht nur daran, was ein Film im anekdotischen Sinne vorgibt zu erzählen, sondern wie er etwas erzählt, oder mit welchen Mitteln er etwas zeigt. Ich finde zum Beispiel einige der neuen französischen Filme, die zur Zeit in Tradition der Nouvelle Vague entstehen, sehr interessant. Da gibt es eine ganze Reihe von Filmen, von denen man den Eindruck hat, daß in ihnen etwas behandelt wird, was die jeweiligen Filmermacher auch wirklich angeht und daß sie ihren Alltag als etwas betrachten, über das sich zu arbeiten lohnt.
 

Und in Deutschland ? 
In Deutschland scheint im Augenblick das Wichtigste zu sein, hysterisch an irgendwelchen Erfolgsrezepten herumzubasteln. Alles andere muß zur Zeit sehr weit hinten stehen.
 

Kann man in Deutschland einen deutsch-türkischen Film äquivalent zu dem italo-amerikanischen Kino eines Martin Scorsese etablieren? 
Theoretisch ja. Aber die Voraussetzungen sind schon andere. Die USA waren schon immer ein Einwanderungsland und haben sich auch als solches verstanden. - Im Gegensatz zu Deutschland, das zwar historisch von jeher auch ein Einwanderungsland ist, sich aber nie so begriffen hat. Insofern haben ethnische Minderheiten in Deutschland immer noch einen anderen Status und ein anderes Selbstverständnis als in den USA.
 

Welches Kino interessiert dich?

Ich liebe die Filme von Renoir, Rossellini, Cassavetes, Eustache. Mich interessiert ein Film, der nicht einzig und allein auf der dramatischen Narration beruht, sondern der sich auch andere Formen des Erzählens zu erabeiten versucht, wo nicht die Abwicklung einer Story im Vordergrund steht, sondern wo die Personen einen Raum kriegen, so zu agieren, wie es klassische Erzählstrukturen nicht zulassen würden. Mir geht es darum, eine Form zu finden, die das, was da ist, nicht einfach mit vorgefertigten Ideen zustellt. Man muß versuchen die Dinge zum Klingen zu bringen.

[Thomas Arslan im Interview mit Claudia Basrawi und Mario Mentrup/ Jungle World Nr. 3, 8. Januar 1998]

Montag, 10. März 2014

FERIEN - Thomas Arslan

Dienstag 11.03.2014
20:30 Uhr
vorgestellt von Sabine Herpich



D 2007 / 91 Min. / Buch und Regie: Thomas Arslan / Kamera: Michael Wiesweg / Andreas Mücke-Niesytka / Montage: Bettina Blickwede / Produktion: Thomas Arslan, ZDF und 3Sat / mit: Angela Winkler, Karoline Eichhorn, Uwe Bohm, Anja Schneider, Gudrun Ritter, Wigand Witting, Amir Hadzic, Babette Semmer, Leyla Bobaj, Aaron Raabe, Maria Hengge


"Der Film mit dem einladenden Titel, dessen Plakat den Tisch unterm Kirschbaum zeigt, mit großen Lettern FERIEN darüber und der derart direkt dafür wirbt, sich niederzulassen und ein Stück selbst gebackenen Obstkuchen zu essen, ist beim Anschauen von einer umwerfenden Präsenz, aber zugleich auch von einer Künstlichkeit, die nicht nur die Personen ergreift, sondern – so scheint es nach kurzer Zeit - auch die Bäume, Sträucher und selbst die Strasse auf der Max und seine Freundin auf dem Moped der Abendsonne entgegenfahren. Durch die Bilder verläuft ein Riss, der die Idylle spaltet und der die Erwachsenen bei der Ankunft erfasst und die ganze Zeit über nicht mehr loslässt.

Die Kinder scheinen davon unberührt. Ganz ins Spielen vertieft, verschwinden sie einfach zwischen den Bäumen oder werfen aus dem Off bunte Ringe ins kadrierte Filmbild hinein. Ihre Spiele sind (wenigstens dramaturgisch) vom elterlichen Konflikt abgekoppelt. Als wären die Kinder immer friedlicher und unschuldiger, die Bäume immer grüner und das Rauschen des Windes in den Blättern immer betörender, je weiter der Konflikt zwischen Laura und Paul voranschreitet. Der Riss, der sich durch die Idylle zieht, verläuft nicht durch das Sujet Natur – es gibt keine Bilder von toten Bäumen oder stinkenden Müllhalden, welche ausdrücklich auf die Kehrseite der unberührten Landschaft verweisen würden. Dass wir Natur und zugleich 'Natur' (in Anführungszeichen) sehen, hat vielmehr mit den diese Bilder umgebenden, konfliktreichen Sujets zu tun."

[Sabine Nessel: Der Hund und die Blätter im Wind / Nach dem Film No 9: Schreiben über Film]

Sonntag, 2. März 2014

ARCHIPELAGO - Joanna Hogg

Dienstag 04.03.2014
20:30 Uhr
vorgestellt von Jan Künemund




UK 2010 | 114 min  |  engl. Originalfassung (mit engl.Untertiteln) | Regie: Joanna Hogg | Produzentin: Gayle Griffith | Drehbuch: Joanna Hogg |Kamera: Ed Rutherford | Schnitt: Helle le Fevre | Ton: David F. Mitchell, Rebecca Morgan | Casting: Lucy Bevan | Künstlerische Leitung: Sonya Yu | Kostüm: Stéphane Collonge
mit Christopher Baker, Kate Fahy, Tom Hiddleston, Lydia Leonard, Amy Lloyd



Archipelago spielt auf Tresco, der zweitgrößten der vielen kleinen Isles of Scilly, die im äußersten Südwestens Großbritanniens liegen, 45 Kilometer vor Land's End. Eine Familie verbringt hier einige Tage, bevor der Sohn Edward auf eine einjährige freiwillige Hilfsmission nach Afrika aufbricht. Mutter Patricia und Tochter Cynthia und Christopher, der Künstler, sind schon auf der Insel, Edward und die eigens engagierte Köchin Rose treffen zu Beginn des Films ein, nur der Vater lässt auf sich warten. Man verbringt die Zeit mit Ausflügen und Picknick am Strand, Malunterricht und Gesprächen bei gutem Essen. Unter der zivilisiert-bourgoisen Oberfläche aber rumourt es. Alte Eifersüchteleien und Überforderung im Umgang miteinander bedrohen das Idyll, und der Vater, von dem Patricia Hilfe erwartet, vertröstet sie von Tag zu Tag am Telefon.

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How much of the script is done beforehand and how much is work-shopped with the actors or improvised?
Joanna Hogg:  Again, my method is changing as I go along, really, with each film. With Archipelago I just wrote a short story because I wanted to describe it in that sort of way. I find a script - the physical lay-out of it - not very inspiring, and I did that very conventional screenplay writing for Unrelated and I found that once I'd written it and we were shooting, I hardly looked at it. It just seemed dead to me once I'd created it and then it was all in my head and it was about changing things as I went along. Because we shoot in story order, I can write as I go along, actually.

So the actors all understand that that's part of the deal, that there will be daily changes to the script and you'll workshop it together?
Yes. Yes.

So is there a rehearsal period then? What happens beforehand?
Well, not very much, actually. I mean, I don't really workshop it. With both films we were in the place, in the location for a week before shooting. And in that week, a lot happens. I'm not rehearsing specific moments, specific scenes, but the actors and the non-actors are in that place for that long. It doesn't sound like that long when I describe it now but in a week you can let a place sort of get under your skin. Then there is a sort of discussion about the background of the characters and who these people are, so a lot of ideas come up. There's not really any formal rehearsal, it's more about keeping the spontaneity.

How important was the location to the film then? What was it that the location brought out?

The location was really important, it was one of the first ingredients that I decided upon when I was writing. It was almost the first thing I thought, that I'm going to set something there, because it was a place I already knew very well. I think the character of the place is very strong and I'd never been there at that time of year. We were shooting in October/November, whereas I'd always been there in the springtime, when the island is covered in daffodils, and in October/November it's much bleaker. So the place entered into the story like a character, really, because we're shooting in story order. And then we take what weather comes up on any particular day, so the fact that the storm arrives in the story on the day that it does, was a real gift.

[Joanna Hogg im Interview / View London]

“As I watched the picture, I had a powerful sense of the English landscape and its intimate relationship with the culture, the sense of life. It struck me as very similar to Powell and Pressburger’s A Canterbury Tale…. I marvelled at Archipelago, and I think Joanna Hogg is a uniquely gifted filmmaker.” (Martin Scorsese)