Donnerstag, 27. Oktober 2011

HOME - Ursula Meier

Dienstag 1.11.2011
20.30 Uhr
vorgestellt von Jan Künemund




HOME | B/F/CH 2008, 97 Min., OmU. R,B: Ursula Meier. B: Antoine Jaccoud, Raphaëlle Valbrune, Gilles Taurand, Olivier Lorelle. K: Agnès Godard. S: Susana Rossberg, François Gédigier, Nelly Quettier. P: Box Productions, Archipel 35, Need Productions. D: Isabelle Huppert, Olivier Gourmet, Adélaïde Leroux, Madeleine Budd, Kacey Mottet Klein, Renaud Rivier, Kilian Torrent, Nicolas Del Sordo u.a.


Eine Familie, Mutter (Huppert), Vater (Gourmet), drei Kinder, leben in einem Einfamilienhaus am Rande einer nicht fertig gebauten, also nicht befahrenen Autobahn nach völlig eigenen Regeln. Eines Tages erscheinen Bulldozer und Arbeiter. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann sich das Leben der Familie grundlegend verändern wird.

Ursula Meiers Debütfilm ist eine reine Kinospekulation, wie man sie vielleicht nur von Tati oder Polanski kennt. Mit ihren Schauspielern und der Kamerafrau Agnès Godard inszeniert sie kein sur-reales, sondern ein genuin filmisches Setting: ein Haus, eine Straße, ein prekäres Zusammenleben, ohne Außen, Hintergrund, Vergangenheit, Vektoren, die aus dem Film-Raum herausführen. Und genau dieses zerbrechlich zusammenhängende Setting gerät in Gefahr, wird unter Druck gesetzt, plötzlich durch Blicke und Bewegungen kommentiert. Obwohl die Kamera genau hinsieht, was jetzt mit den Körpern und der Landschaft passiert, bleibt sie doch Teil ihrer Welt, hängt an ihnen, bleibt bei ihnen. HOME ist keine Formstudie, keine Parabel, keine Versuchsanordnung, sondern ein zitterndes Kinomoment, schwer zu klassifizieren, einzuordnen, zu verarbeiten. Er lief auf diversen Festivals und erhielt keine Preise. Er fand kein Publikum in den Kinos. Auch die Kritik tat sich schwer:

„HOME ist eine bizarre Mischung aus grotesker Komödie und Drama, aus Thriller, Öko-, Katastrophen-, Horror- und Science-Fiction-Film. Vor allem aber ist es ein Film über die Instanz der Familie – als widerständige Zelle gegen die Außenwelt, aber ebenso als destruktiver Apparat, der sich gegen sich selbst richtet, implodiert.“ (Esther Buss, jungle world)

„In beinahe jedem Bild steckt ein Widerhaken. Der verblüffendste dieser Widerhaken ist die Komik des Films. Über alles kann man, so bitter es ist, fast immer auch lachen. HOME ist ein Film, der sich nach Ansicht so ohne weiteres nicht von der Haut schrubben lässt.“ (Ekkehard Knörer, perlentaucher.de)

„Immer beklemmender wird die Atmosphäre, die der Film mit gnadenloser Konsequenz zum Höhepunkt führt. Die Befreiung haut das Heim in Stücke. Willkommen in der Wirklichkeit.“ (Christina Tilmann, Tagesspiegel)

„Die Kulisse war sehr schwer zu finden. Da der Film weder zeitlich noch örtlich einzuordnen sein durfte, suchte ich eine lange Strecke halb verwüstet mitten im Niemandsland. Wir haben zuerst in Frankreich, Belgien und der Schweiz nach verlassenen Straßen, militärischen Landebahnen oder Autobahnen im Bau gesucht. Später weiteten wir die Suche aus, bis wir die Kulisse in Bulgarien fanden. Diese Trasse war 2,3 km lang, um dann eine kleine Landstraße zu werden. Sie wurde zu der Zeit erweitert, um der Gegend als Landebahn zu dienen. Wir konnten also mit der Straße umgehen wie wir wollten: asphaltieren, weiße Streifen malen, Sicherheitsschranken anbringen, die Komparserie von Autos, Wohnwagen, Motorräder und LKWs fahren lassen. Für die Stauszenen haben wir bis zu 300 Fahrzeuge gebraucht. Das Haus aber wurde ganz neu gebaut.“ (Ursula Meier)


TEASER:

http://www.youtube.com/watch?v=OnNH_SpAaeI

Montag, 24. Oktober 2011

CÉSAR ET ROSALIE - Claude Sautet

Dienstag 25.10.2011
20.30 Uhr
vorgestellt von Gerd Galonska




CÉSAR ET ROSALIE | Frankreich 1972 | Regie: Claude Sautet | Drehbuch: Claude Sautet, Jean-Loup Dabadie, Claude Néron | Kamera: Jean Boffety | Schnitt: Jacqueline Thiédot | Musik: Philippe Sarde | Darsteller: Yves Montand, Romy Schneider, Sami Frey, Bernard Le Coq, Eva Maria Meineke, Henri-Jacques Huet, Isabelle Huppert, Gisela Hahn, Betty Beckers, Hervé Sand, Jacques Dhéry, Pippo Merisi, Carlo Nell u.a. |110 Minuten | Französisch mit englischen Untertiteln



César liebt Rosalie. David liebt Rosalie. Antoine hat Rosalie einmal geliebt. Und wen liebt Rosalie? Rosalie liebt das Leben, das Meer, die Sonne, das Töchterchen und ihre Mutter Lucie. Vor allem liebt Rosalie die Liebe. César hält Rosalie für sein Eigentum, droht, tobt und lügt, damit sie bei ihm bleibt. Und David? Nach fünf Jahren der Trennung gehören er und Rosalie immer noch zueinander. Auf Lucies Hochzeit begegnet David César. Rosalie fühlt sich mal mehr von dem einen, mal mehr von dem anderen angezogen. Da erträgt César den unhaltbaren Zustand nicht länger und zerstört Davids Atelier. Die verärgerte Rosalie und David verlassen Paris und beginnen ein einfaches, glückliches Leben. Doch César findet das Paar, und Rosalie zieht nun mit ihm in ein großes, schönes Haus. Diesmal ist es David, der den Rivalen sucht, dabei aber plötzlich das Wunder der Freundschaft entdeckt.

"César und Rosalie" ist eine tragikomische Dreiecksgeschichte von Claude Sautet über eine junge Frau, die sich nach romantischer Liebe sehnt, aber auch ihren älteren Lebenspartner nicht aufgeben möchte. Neben der charismatischen Hauptdarstellerin Romy Schneider glänzt Yves Montand in der Rolle des angeberischen Partylöwen César, bei dem alles nur Fassade zu sein scheint, der jedoch, wenn es um seine große Liebe Rosalie geht, mit allen Mitteln kämpft.

Die Liebesgeschichte wird mit viel Lyrik, etwas Leidenschaft und verschiedenen Bögen zum Stil von „Jule und Jim“ und „Zwei Mädchen aus Wales und die Liebe zum Kontinent“ erzählt... Es gibt wirkliche Vorzüge in dem Film. Romy Schneider, zum Beispiel, die niemals gelassener schön war; und die aufregenden, schnellen Überlandfahrt-Sequenzen, von denen es mehrere gibt ... Die hoch gepriesene Leistung von Yves Montand scheint weniger eine Charakterisierung als ein Konstrukt zu sein, behutsam betrachtet aber sehr fremd. 'César und Rosalie' bleibt hauptsächlich an der Oberfläche, gibt Hinweise aber es fehlen Bezugsquellen, wie die Art von glatter Illustrierten-Literatur, zu der er gehört."
(New York Times)

Montag, 17. Oktober 2011

LES CHOSES DE LA VIE - Claude Sautet

Dienstag 18.10.2011
20.30 Uhr
vorgestellt von Gerd Galonska




LES CHOSES DE LA VIE | Frankreich/Italien/Schweiz 1970 | Regie: Claude Sautet | Drehbuch: Jean-Loup Dabadie, Paul Guimard, Claude Sautet | Produktion: Jean Bolvary, Raymond Danon, Roland Girard | Musik: Philippe Sarde | Kamera: Jean Boffety | Schnitt: Jacqueline Thiédot | Darsteller: Michel Piccoli, Romy Schneider, Gérard Lartigau, Jean Bouise, Boby Lapointe, Lea Massari | Französisch mit dt. Untertiteln | 82 Min.



Ein Mann kann sich nicht zwischen zwei Frauen entscheiden, die ihn lieben. So droht er auch seine zweite Chance auf das Glück zu verpassen. Endlich ringt er sich zu einer Entscheidung durch. Doch in der nächsten Minute verunglückt er. Im Sterben erinnert er sich an die schönen Stunden mit seiner Ehefrau und wie er seine Geliebte kennen lernte.

Claude Sautet hat diesen traurigen Film Stil sicher inszeniert. Er beginnt mit der Unfallszene, und man sieht den schleudernden und sich überschlagenden Wagen noch weitere dreimal in Zeitlupe, bis das Unglück – nun als Bestandteil der Handlung – noch einmal detailliert gezeigt wird. Das wirkt nicht aufgesetzt, sondern wie selbstverständlich.

Inzwischen gilt "Die Dinge des Lebens" als Klassiker des französischen Kinos. Das verdankt der Film nicht zuletzt den großartigen Schauspielern Michel Piccoli, Romy Schneider und Lea Massari.


Mittwoch, 5. Oktober 2011

UNTERWEGS - Jan Krüger

Dienstag 11.10.2011
20.00 Uhr
vorgestellt von Jan Krüger





UNTERWEGS / EN ROUTE | Deutschland 2004 | Buch und Regie: Jan Krüger | Kamera: Bernadette Paassen | Montage: Natali Barrey | Musik: Max Müller | Produktion: Schramm Film Körner & Weber | Darsteller: Anabelle Lachatte, Florian Panzner, Martin Kiefer, Lena Beyerling | gedreht 2003 in Brandenburg und Polen, für ZDF / Kleines Fernsehspiel | 81min | DV/35mm | mit englischen Untertiteln - English subtitled



ACHTUNG: Es wird eine 35mm Kopie gezeigt!
Beginn deshalb absolut pünktlich um 20:00 im Saal!


Im Anschluss Gespräch mit Regisseur Jan Krüger und Cutterin Natali Barrey.


Die junge Mutter Sandra verbringt mit Tochter Jule und Freund Benni den Sommerurlaub auf einem abgelegenen Campingplatz in Brandenburg. Dort begegnet sie dem 19-jährigen Herumtreiber Marco. Marco fordert nicht nur ihre Verwegenheit und Spontaneität heraus, sondern stellt sich auch noch mit Freund und Tochter gut. Er überredet Benni und Sandra zu einer Fahrt an die polnische Ostsee. Langeweile, mysteriöse Bekanntschaften und erotische Spielchen begleiten die Freunde in ihrer Zeit am Meer und vertiefen die Beziehungen untereinander: wie weit geht das gegenseitige Vertrauen? Wie viel Nähe ist möglich?

"In markanten Momentaufnahmen zeigt der Film, wie das zerbrechliche Beziehungsgeflecht allmählich eskaliert - doch das große Drama bleibt aus. Diese lakonische Osten-Ballade taucht die Kamera von Bernadette Paassen in verblasste grau-weiß-blaue Töne. Mit großüer Intensität verbindet Krüger seine psychologische Studie mit einer nie überladenen filmischen Optik. Sie glättet das Raue nicht, lässt aber hier und da kurze Glücksmomente aufblitzen. Einfach und zugleich raffiniert, echt und eigenwillig kommt der Film daher - und das ist schon viel im jungen deutschen Film." (Alexandra Wach, Kölner Stadt-Anzeiger)

"Writer-director Krüger tests our perceptions, since we begin the film seeing Marco through the suspicious couple's eyes, but increasingly wonder about their own characters and the state of their relationship; their view of Marco and his Polish friends also casts light on their insularity and xenophobia. Meanwhile we see Marco's enigmas and contradictions in a more nuanced light, although the young man's true nature and motivations remain elusive. With both partners influenced driven by an erotic connection to Marco, whether attraction or rivalry, a party in a deserted house ends with Benni's own unrest expressing itself."
(Jonathan Romney in 'screen daily')


mehr info:
http://jank-home.de/unterwegs_aktuell.html

link zum Trailer:
http://gayclassics.tv/trailer/214_unterwegs_trailer.mp4

Dienstag, 4. Oktober 2011

OLD JOY - Kelly Reichardt

Dienstag 4.10.2011
20.30 Uhr
vorgestellt von Jan Krüger





OLD JOY | | USA 2005 | 73 | Super-16 auf 35mm | 1:1,66 | Regie: Kelly Reichardt | Drehbuch: Jonathan Raymond, Kelly Reichardt | Kamera: Peter Sillen | Schnitt: Kelly Reichardt | Musik: Yo La Tengo | Hauptdarsteller: Daniel London, Will Oldham, Tanya Smith, Robin Rosenberg, Keri Moran




Ein Old Joy is the story of two friends, Kurt (Will Oldham) and Mark (Daniel London), who re-unite for a weekend camping trip in a forest near Portland, Oregon. For Mark, the trip is a last hurrah before the looming responsibility of fatherhood. Kurt, for his part, considers it yet another of his many youthful adventures. As the trip unfolds, the two friends attempt to connect with each other the way they did years ago. (reverseshot.com)

Minutenlang folgt man den beiden auf ihrem Weg zu einer heißen Quelle, ohne dass dabei etwas Nennenswertes passiert, fast meint man, den Weg mitzugehen. Old Joy ist mit einer Handkamera und ohne künstliches Licht aufgenommen. Doch anders als bei den Dogma Filmen bleibt einem das Handkameragewackele erspart. Ruhig und unaufgeregt nimmt Kameramann Peter Sillen die beiden Wanderer in den Blick und setzt im Vorbeigehen die eigentlichen Stars des Films in Szene: die dichte Waldlandschaft, einen plätschernden Bach, eine Schnecke, die übers Moos kriecht. Manchmal erklingen dazu Gitarrensoli von Yo La Tengo, die die meditative Stimmung des Films noch verstärken. (Tagesspiegel)

"I definitely didn't want to go into the movie with some definitive idea." (Kelly Reichardt über 'Old Joy')


Kino-Trailer auf youtube
http://www.youtube.com/watch?v=tL1X_7jIcIM

"An Interview with Kelly Reichardt"
http://www.reverseshot.com/article/reichardt_interview

Kritiken:

NYTimes: "A Journey Through Forests and a Sense of Regret"
http://movies.nytimes.com/2006/09/20/movies/20joy.html

Ekkehard Knörer im Perlentaucher
http://www.perlentaucher.de/artikel/5015.html