HOME | B/F/CH 2008, 97 Min., OmU. R,B: Ursula Meier. B: Antoine Jaccoud, Raphaëlle Valbrune, Gilles Taurand, Olivier Lorelle. K: Agnès Godard. S: Susana Rossberg, François Gédigier, Nelly Quettier. P: Box Productions, Archipel 35, Need Productions. D: Isabelle Huppert, Olivier Gourmet, Adélaïde Leroux, Madeleine Budd, Kacey Mottet Klein, Renaud Rivier, Kilian Torrent, Nicolas Del Sordo u.a.
Ursula Meiers Debütfilm ist eine reine Kinospekulation, wie man sie vielleicht nur von Tati oder Polanski kennt. Mit ihren Schauspielern und der Kamerafrau Agnès Godard inszeniert sie kein sur-reales, sondern ein genuin filmisches Setting: ein Haus, eine Straße, ein prekäres Zusammenleben, ohne Außen, Hintergrund, Vergangenheit, Vektoren, die aus dem Film-Raum herausführen. Und genau dieses zerbrechlich zusammenhängende Setting gerät in Gefahr, wird unter Druck gesetzt, plötzlich durch Blicke und Bewegungen kommentiert. Obwohl die Kamera genau hinsieht, was jetzt mit den Körpern und der Landschaft passiert, bleibt sie doch Teil ihrer Welt, hängt an ihnen, bleibt bei ihnen. HOME ist keine Formstudie, keine Parabel, keine Versuchsanordnung, sondern ein zitterndes Kinomoment, schwer zu klassifizieren, einzuordnen, zu verarbeiten. Er lief auf diversen Festivals und erhielt keine Preise. Er fand kein Publikum in den Kinos. Auch die Kritik tat sich schwer:
„HOME ist eine bizarre Mischung aus grotesker Komödie und Drama, aus Thriller, Öko-, Katastrophen-, Horror- und Science-Fiction-Film. Vor allem aber ist es ein Film über die Instanz der Familie – als widerständige Zelle gegen die Außenwelt, aber ebenso als destruktiver Apparat, der sich gegen sich selbst richtet, implodiert.“ (Esther Buss, jungle world)
„In beinahe jedem Bild steckt ein Widerhaken. Der verblüffendste dieser Widerhaken ist die Komik des Films. Über alles kann man, so bitter es ist, fast immer auch lachen. HOME ist ein Film, der sich nach Ansicht so ohne weiteres nicht von der Haut schrubben lässt.“ (Ekkehard Knörer, perlentaucher.de)
„Immer beklemmender wird die Atmosphäre, die der Film mit gnadenloser Konsequenz zum Höhepunkt führt. Die Befreiung haut das Heim in Stücke. Willkommen in der Wirklichkeit.“ (Christina Tilmann, Tagesspiegel)
„Die Kulisse war sehr schwer zu finden. Da der Film weder zeitlich noch örtlich einzuordnen sein durfte, suchte ich eine lange Strecke halb verwüstet mitten im Niemandsland. Wir haben zuerst in Frankreich, Belgien und der Schweiz nach verlassenen Straßen, militärischen Landebahnen oder Autobahnen im Bau gesucht. Später weiteten wir die Suche aus, bis wir die Kulisse in Bulgarien fanden. Diese Trasse war 2,3 km lang, um dann eine kleine Landstraße zu werden. Sie wurde zu der Zeit erweitert, um der Gegend als Landebahn zu dienen. Wir konnten also mit der Straße umgehen wie wir wollten: asphaltieren, weiße Streifen malen, Sicherheitsschranken anbringen, die Komparserie von Autos, Wohnwagen, Motorräder und LKWs fahren lassen. Für die Stauszenen haben wir bis zu 300 Fahrzeuge gebraucht. Das Haus aber wurde ganz neu gebaut.“ (Ursula Meier)
TEASER:
http://www.youtube.com/watch?v=OnNH_SpAaeI




