Mittwoch, 29. Mai 2013

Sommerpause


Der Filmclub macht SOMMERPAUSE!
Nächstes reguläres Treffen ist am 16. Juli.

Bis dahin: Film gucken und Kino gehen nach Absprachen... 

Samstag, 18. Mai 2013

OTTO; OR, UP WITH DEAD PEOPLE - Bruce LaBruce

Dienstag 21.5.2013
20.30 Uhr
vorgestellt von Maik Teriete




Deutschland, Canada 2008 | 95 min | Regie & Buch: Bruce LaBruce | Kamera: James Carman | Schnitt: Jörn Hartmann | Darsteller/innen: Jey Crisfar, Marcel Schlutt, Nicholas Fox Ricciardi, Keith Boehm, Olivia Barth u.a. |



Seinen Ausgang nimmt der Film auf einer verlassenen Landstraße. Dort begegnen wir einem jungen Mann namens Otto (Jey Crisfar), der als Untoter orientierungslos durch die Gegend stolpert. Seine Kleidung ist schmutzig und er ernährt sich von herumliegenden Kaninchenkadavern. Per Anhalter gelangt er nach Berlin, wo er auf der Straße lebt und recht bald die Neugier der lesbischen Underground-Filmerin Medea Yarn (Katharina Klewinghaus) weckt. Diese arbeitet gerade an der Fertigstellung eines politischen Pornos mit schwulen Zombies mit dem Titel „Up With Dead People“; und da passt unser Otto natürlich ganz hervorragend rein. Da er selbst ein Untoter ist, was dem Filmteam erst nach und nach dämmert, kann er die ihm angedachte Rolle mit Bravour meistern. Während der Dreharbeiten blitzen in Otto allmählich Erinnerungen an sein vergangenes Leben auf, er erinnert sich an seine Anstellung bei einem Fleischer und an seinen Ex-Freund, mit dem er schließlich ein Treffen arrangiert. 


Bruce La Bruce ist ein Filmemacher, der mit jedem seiner Werke das Publikum polarisiert; zwischen Hass und Verehrung mäandern die Meinungen. Nicht zufällig zog er mit Jörg Buttgereit („Nekromantik“, „Schramm“) für den Fernsehsender arte „Durch die Nacht…“ – beide Filmemacher eint die Produktion weitab des Mainstreams und ohne Rücksicht auf den Geschmack der Masse oder gesellschaftliche Tabuthemen. Beide schaffen kontroverse, verstörende Filme, die auf den Magen schlagen und oft nur schwer erträglich sind. Im Gegensatz zu Buttgereit zählt La Bruce allerdings zu den Vertretern des „New Queer Cinema“. Daher gehören pornographische Szenen zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern ebenso selbstverständlich zu seinen Filmen wie eine schonungslose Kritik an gesellschaftlichen Gegebenheiten. Sein neuer Film, „Otto; Or Up With Dead People“, lief 2008 im Panorama der Berlinale und spaltete erwartungsgemäß auch dort das Publikum. Während die einen Parallelen zu Andy Warhol zogen, verließen die anderen frühzeitig den Kinosaal. Ein wenig unverständlich ist das ganze Aufsehen schon, denn letztlich ist Bruce La Bruces Film doch nur ein ambitionierter, hoffnungslos überladener Trashfilm, dem man sein geringes Budget deutlich ansieht. Und ein wenig langweilig ist er auch noch, trotz blutiger Gore-Effekte.

[Christian Horn auf filmstarts.de]

Bruce LaBruce, für viele ist dieser Regisseur wohl ein rotes Tuch, dreht er doch vornehmlich schwule Pornofilme mit Geschichte. Doch hier hat er etwas geschaffen, das viele überraschte. "Otto; or, up with dead people" ist einer der ästhetischsten und tiefgründigsten Filme der letzten Jahre.
Hier geht es weder um Sex noch Gewalt, beides ist in dem Film eher spärlich vorhanden. Dieser Film ist, wie die meisten Werke Bruce LaBruces, politisch, mal versteckter, mal offensichtlicher. Doch vor allem geht es auch um "Otto" und was ihn antreibt, was passierte. Wenn sich einem das Ende offenbahrt, sieht man den Film mit anderen Augen und muss ihn aus diesem Blickwinkel eigentlich gleich nocheinmal sehen.
Die Bilder und Musik des Filmes sind sehr wichtig. Beides ist überaus berührend, immer passend, wunderschön. Gesprochen wird eher weniger, doch das stört kaum. Im Gegensatz zu vielen anderen "Kunstfilmen" ist dieser nicht im Geringsten anstrengen, nein, sogar im höchsten Maße fesselnd. […] Alles in allem: Grandioses Kino, berührend, aufklärend, lustig, traurig, einfach beinahe perfekt. Die DVD schön gemacht, nur ein kleines bisschen teuer.
Dennoch gilt für jeden, dessen Geschmack sich vielleicht ein bisschen abseits des Mainstreams bewegt und der nicht zu intolerant für Homosexualität in Filmen ist: UNBEDINGT KAUFEN!

[Stefan Kuske auf Amazon.de]





Mittwoch, 8. Mai 2013

LA LEGGENDA DI KASPAR HAUSER - Davide Manuli


Dienstag 14.5.2013
20.30 Uhr
vorgestellt von Jan Künemund





I 2012 | 95 Minuten | 1:1,85 | sw | Regie und Buch: Davide Manuli | Kamera: Tarek Ben Abdallah | Montage: Rosella Mocci | Produktion: Alessandro Bonifazi, Davide Manuli, Bruno Tribbioli | Darsteller/innen: Vincent Gallo, Claudia Gerini, Elisa Sednaoui, Fabrizio Gifuni, Silvia Calderoni, Marco Lampis u.a.;

„Eine Insel, irgendwo im Meer: Kaspar Hauser wird an den Strand gespült. Der Sheriff, ein Musikliebhaber und DJ, nimmt den Jungen bei sich auf und wird sein Freund. Doch der Gräfin der Insel ist der Neuankömmling suspekt und so bittet sie den kriminellen Pusher um Hilfe: Er soll sie von Kaspar Hauser befreien.“
[Int. Filmwochenende Würzburg]

“How you respond to Davide Manuli’s wacko twist of Werner Herzog’s The Enigma of Kaspar Hauser depends on Vincent Gallo’s high-strung performance. Herzog’s 1974 film was based on a real incident of an uncommunicative teenager who mysteriously popped up in 19th century Nuremberg, origin unknown. Yet it would be a stretch to call The Legend of Kaspar Hauser a remake. It’s really a tribute to Herzog. Manuli uses the premise as a spring board for his own self-consciously oddball universe—the Old West meets techno in black and white. Set along the arid Sardinian coast, a bleached-blond young man mysteriously washes up on shore wearing headphones on his head (played by an often half-naked and boyish Silvia Calderoni.) The townspeople, all seven of them, see what they want to see in the nearly feral young man: a saint, a leader, or a rockin’ DJ. In a dual role, Gallo plays the Sheriff, looking like a member of ZZ Top, as well as the town’s Pusher, cleaned up and dressed all in white. As the lawman of the land, Gallo endlessly jabbers, talking in circles, like in an improv skit on speed. On a less tiring note, the sketchy film has the best score that Giorgio Moroder never wrote. The movie may be a bit daft and draggy, but in it, disco lives on.”

[Kent Turner, Film-Forward]

“Despite the apparent absurdity, the film follows a linear narrative – the discovery, life, and death of Hauser – and each progressive section is handily divided into clearly defined chapters. That's where the normality ends, however. Scenes vary from strange to maddeningly repetitive; one features the characters literally going around in circles. With an excellent, pounding soundtrack by electronic artist Vitalic, this hypnotic, mesmerising film has “future cult classic” written all over it. “

[Becky Bartlett, The Skinny]

“Experimental sci-fi spaghetti cowboy electro dance film.”
[José Sarmiento Hinojosa, Desistfilm]