Dienstag 22.2.2011
20.30 Uhr
vorgestellt von Gregor Stadlober
PASSAGE À L'ACTE | Österreich 1993 | Regie: Martin Arnold | 12 Minuten
MORROR MECHANICS | Österreich 2005 | Regie: Siegfried A. Fruhauf | 7 Minuten
(Das Programm ist kurz, für allfälligen Bedarf gibt es einige Bonus Tracks!)
Bei der Diagonale, dem Festival des österreichischen Films, hat es bis vor Kurzem die Sektion Avantgardefilm.gegeben. Ein Zeichen für die starke, strukturell orientierte Avantgardefilm-Tradition in Österreich, deren Säulenheilige Peter Kubelka und Kurt Kren sind. Kren ist tot, Kubelka nur mehr als strenger Hüter der reinen Lehre aktiv (während z.b. Michael Snow heute seine eigenen Klassiker auf Youtube-kompatible Längen kürzt, verbietet Kubelka eine DVD-Edition seiner Filme). Die reine Lehre beinhaltet in etwa, dass das Material Film sein muss, der Vorführort das Kino und der Inhalt eine thesengestützte, analytische Auseinandersetzung mit Kinoapparat, Wahrnehmung und Filmgeschichte. Weil das in dieser Form heutzutage kaum mehr stattfindet, gibt es bei er Diagonale nun die Kategorie Experimentalfilm, die eigentlich Experimentalvideo heißen müsste und von Leuten wie Kubelka oder dem Viennale-Leiter Hans Hurch gelinde gesagt gering geschätzt wird.
So gesehen sind Peter Tscherkassky und Martin Arnold sowas wie die letzten großen Meister des Genres. Sie haben die 90er Jahre mit aufwändigen und spektakulären Avantgarde-Blockbustern beherrscht. Martin Arnold bringt in Passage à l’acte (1993) eine heitere Familiensszene aus To Kill a Mockingbird zum Stottern und legt damit das Gewaltpotential frei, das im Idyll schlummert. In Outer Space (1998) bearbeitet Tscherkassky einen Horrorfilm mit Barbara Hershey. Im Original kämpft die Heldin gegen einen Angreifer, der in ihr Haus eindringen will. Bei Tscherkassky ist der Angreifer der Raum um den Filmstreifen, der die Kader (und in ihnen Hershey) attackiert.
Nach den großen Erfolgen mit diesen Filmen haben beide Regisseure eine Zeit lang mit imho mäßigem künstlerischen Erfolg die jeweils entwickelten Techniken gemolken und bewegten sich dabei interessanterweise fast synchron in Richtung Narration. Später ist Arnold in den Kunstkontext gewechselt, von Tscherkassky gibt es seit 2010 einen neuen Film, den ich noch nicht gesehen habe.
Während sich Tscherkasskys in den Nullerjahren im Kreis gedreht hat, hat sich sein Schüler Siegfried A. Fruhauf vom Epigonen zum Thronfolger entwickelt und mit Mirror Mechanics (2005) einen illegitimen, aber sehr schönen Tscherkassky-Film gezeugt.


