Dienstag 20.12.2011

AU FOND DU BOIS / DEEP IN THE WOODS – VERSCHLEPPT UND GESCHÄNDET | Frankreich / Deutschland, 2010. 98 Minuten. Eröffnungsfilm Locarno 2010 | Regie: Benoît Jacquot | Buch: Jacquot und Julien Boivent | Kamera: Julien Hirsch | Montage: Luc Barnier | Musik: Bruno Coulais | Darsteller: Isild Le Besco (Joséphine), Nahuel Pérez Biscayart (Timothée), sowie Jérôme Kircher, Bernard Rouquette, Mathieu Simonet u.a.
“Südfrankreich 1965. Der Wanderer Timothée kommt in ein verschlafenes Dorf. Er gibt sich taub und stumm und findet Unterkunft im Haus von Dr. Hughes. Seine hypnotischen Kräfte ziehen Joséphine, die junge Tochter des Hauses, magisch an und sie folgt ihm in den Wald. Freiwillig oder gewaltsam? In der Wildnis setzt Timothée sie in Trance und nutzt sie sexuell schamlos aus. Trotzdem fühlt sich Joséphine immer stärler von ihm angezogen. Ein packender Erotikthriller, spannend und voller Nervenkitzel.“
(Alamode, deutscher DVD-Vertrieb)
„Locarno, 05. August 2010: Krawall liegt in der Luft. Und das nicht nur, weil sich doch die eine oder andere Gewitterwolke über den Lago Maggiore Richtung Locarno heran schiebt. Nein: der Festivalauftakt mit der Uraufführung des französisch-deutschen Spielfilms „Au Fond du Bois“ (etwa: „In der Tiefe des Waldes“) von Regisseur Benoît Jacquot sorgte bei den weit mehr als achttausend Zuschauern auf der Piazza Grande für Irritation und schließlich heftige Streitgespräche. Die Partys in den diversen Festivalkneipen wurden von starkem Pro und Contra in Bezug auf diesen in der Tat seltsamen Film dominiert. Interessanterweise gab es kaum lauwarme Reaktionen. Wenn, dann wurde heiß gestritten. Der Grund: Benoît Jacquot bietet in dem auf Tatsachen aus dem Jahr 1865 beruhenden Film, der in seiner gruseligen Atmosphäre an die schaurigsten Märchen der Kindheit gemahnt, eine mitunter recht krude anmutende Mischung aus Sex und Gewalt.“
(Peter Claus, Getidan-Blog)
„Trotz inhaltlicher Fragwürdigkeiten – und einigen handwerklichen Holprigkeiten wie etwa dem unausgegorenen Einsatz abrupter Zooms und unmotivierter Abblenden – bleibt Deep in the Woods – Verschleppt und geschändet die gesamte Zeit über spannend. Zu verdanken ist dies vor allem dem geschickten Spiel mit Ambivalenzen: Indem Jacquot thematisch vieles anreißt, jedoch nichts eindeutig definiert oder psychologisch erklärt, erhält sich der Film eine große Offenheit, die jeder Zuschauer selbst füllen muss. Somit regt das Werk einen Diskurs über sexuelle Selbstbestimmung und Unterwerfung an, ohne das Publikum dabei in eine bestimmte Richtung steuern zu wollen. Das Lenken Fremder bleibt hier allein den Figuren überlassen – nur lässt sich eben nie eindeutig sagen, wer wen führt, verführt oder entführt.“
(Martin Gobbin, critic.de)
Trailer:


