Freitag, 20. April 2012

DIE STÄMME VON KÖLN - Anja Dreschke

Dienstag 24.04.2012
19:00 Uhr
vorgestellt von der Regisseurin Anja Dreschke



DIE STÄMME VON KÖLN | D 2010 | 89 Minuten |Buch & Regie Anja Dreschke| Kamera Olaf Hirschberg, Anja Dreschke, Sebastian Woithe | Montage Julia Wiegand, Gerrit Lucas, Volker Gehrke | Ton Thorsten Czart, Alex Czart, Christoph Matthiä | Dramaturgische Beratung Gesa Marten | Wissenschaftliche Beratung Erhard Schüttpelz | Produktionsleitung Julia Meyer | Produzenten Olaf Hirschberg & Tom Schreiber | Produktion 58Filme | Koproduktion WDR | Redaktion Jutta Krug | Förderung Filmstiftung NRW | Verleih & DVD Realfiction



ACHTUNG: 
Die Veranstaltung beginnt um 19:00 Uhr im Kinosaal des Sputnik Kinos !!!




Als Kölner Stämme bezeichnen sich rund 80 Vereine aus Köln, deren Mitglieder sich als Hunnen, Mongolen, Wikinger, Indianer oder Afrikaner verkleiden und einen Großteil ihrer Freizeit der Herstellung aufwendiger Kostüme, Waffen und Zelte widmen. Und das nicht nur im Karneval. Während der Sommermonate campen sie in Kölner Grünanlagen, um gemeinsam mit der Familie, Freunden oder Arbeitskollegen die Lebenswelten 'fremder' Völker und vergangener Epochen nachzuspielen. Höhepunkte dieser Zeltlager sind inszenierte Rollenspiele mit denen das Leben am Hofe Attilas oder Dschingis Khans in Szene gesetzt wird. Angeleitet werden diese Spektakel von den Vereinsschamanen, die für die anderen Mitglieder auch Initiationsrituale, Hochzeitsfeiern und manchmal sogar Beerdigungszeremonien durchführen. Dabei mischen sich Elemente verschiedener ritueller Praktiken und Traditionen – vom lokalen Karnevalsbrauchtum bis zum sibirischen Schamanismus. Um diesen kreativen Prozess der Aneignung und Transformation der 'eigenen' und 'fremden' Kultur(en) zu erforschen, hat die Ethnologin und Filmemacherin Anja Dreschke die Kölner Stämmen über mehrere Jahre begleitet.


"Die Stämme von Köln zeigen das Behagen in der Gegenkultur. Anja Dreschkes Film, der mehr ist als nur eine Ethnologie des Inlands, beschreibt und erlaubt das elementare Vergnügen sich selbst im Anderen wiederzuerkennen. Und so lassen sich vor den Toren der Stadt, wenn im Sommer die Hunnen und Mongolen ihre zahlreichen Lager aufschlagen, einige Visionen erhaschen – von dem Entstehen, der Blüte und Ausbreitung von Kultur – durch Kostümierung. Die Beschäftigung mit etwas Fremden wirkt kindlich, wenn sie spontanem Wohlgefallen folgt. Es wird stattdessen ernst genommen, wer sich nur möglichst umständlich von oben über etwas beugt. Bewunderndes Aufschauen, Imitieren und Sich-hinein-Versenken – all das gilt nicht als seriöse Erkenntnismethode, doch jede Kultur ist letztlich Schmuck und Schminke, Maskerade und Mobiliar: ein Gemisch aus Erfundenem und Erbeutetem. Eigentlich schön, sich vorzustellen, dass sich die etablierten Instanzen des deutschen Dokmentarfilmfestivalbetriebs von diesem herrlichen Film pikiert abwenden, ganz so wie die großen uniformierten Karnevalsvereine an den faszinierenden Kölner Stämmen gebannt vorbeischauen. Kino und Karneval sind lustige Geschwister der Religion. Denn auch das unbequemste Kostüm ist ein bequemes Heraus aus der nicht selbstgewählten Welt. In besonderen Fällen ein an- und ausziehbares Jenseits."

(Rainer Knepperges, new filmkritik & SigiGötz-Entertainment)


"Achtzig Stämme siedeln heute auf Kölner Grund, darunter zwar auch Wikinger, Indianer und Afrikaner – in Köln funktioniert die Multikulturalität –, aber die asiatischen Reitervölker dominieren. Jeder Stadtteil, der auf sich hält, hat seinen Hunnenclan; oft treffen mehrere Attilas aufeinander. Auch Mongolen und Awaren sind stattlich vertreten. Technisch gesehen, handelt es sich um Vereine, die schräge Sommercamps in den Grünanlagen veranstalten. Von den Kostümen bis zu den Jurten ist dabei alles liebevoll gestaltet, halb historisch, halb phantastisch. Vom Karneval hat sich das Live-Rollenspiel längst emanzipiert, zumal die Wilden vom Rhein am Rosenmontagszug, dieser preußischer als das Original gewordenen Preußenverulkung, nicht einmal teilnehmen dürfen. Fremdvölker, so hat das Festkomitee des Kölner Karnevals ganz ernsthaft dekretiert, gehörten nämlich nicht zum Brauchtum."

"Dass die Grenzen zwischen Verkleidungskult und Kultgemeinde fließend sind, zeigt sich schließlich ganz deutlich daran, dass – bei allem Humor – ein Häretiker-Bewusstsein entstanden ist: Die Urreligion haben diese exogenen Traditionalisten in sich wiedergefunden, die „Zwangsverchristlichung“ („Wat willste machen? Als Baby wirste jetauft“) abgeschüttelt. Dass ausgerechnet Karnevalisten einen solchen Überbau der Kulturreflexion errichten, ist so besonders wie dieser Film."

(Oliver Jungen, Frankfurt Allgemeine Zeitung)


Anja Dreschke ist Ethnologin und Filmemacherin. Sie studierte Ethnologie, Kunstgeschichte und Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft in Köln mit den Schwerpunkten Visuelle Anthropologie und Medienethnologie. Derzeit ist sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Siegen in einem Forschungsprojekt über »Trancemedien und Neue Medien« und arbeitet mit Martin Zillinger an einem Filmprojekt über »Islamische Performance-Kunst marokkanischer Bruderschaften: Rituelle Choreographien und ihre Medien«. Ihre gemeinsam realisierte Videoinstallation »Trance/Media. The Isawa in Morocco 1992-2011« wird gerade in der Ausstellung »Animismus« im Haus der Kulturen der Welt in Berlin gezeigt. Daneben unterrichtet sie als Lehrbeauftragte Visuelle Anthropologie und Medienethnologie an der Universität zu Köln. Seit 2000 ist sie als freie Autorin (u.a. für den WDR-Hörfunk) und Kuratorin in den Bereichen Ethnologie, Film und Kunst tätig und hat u. a. für den Filmclub 813 und das Internationale FrauenFilmFestival Feminale verschiedene Filmreihen realisiert. Die ethnografische Langzeitstudie über »Die Stämme von Köln« entstand im Rahmen ihrer Dissertation und ist ihr Debütfilm.


LINK:
www.staemmevonkoeln.de

Samstag, 14. April 2012

STERNE - Frank Wierke

Dienstag 17.04.2012
20.30 Uhr
vorgestellt von Regisseur Frank Wierke




STERNE | DE 2010 | 81 Minuten | deutsche OF | Regie, Produktion, Buch, Kamera, Ton: Frank Wierke | Montage: Frank Wierke, Beate Middeke | Produktion: Wierke Film mit ZDF/3sat | Redaktion: Udo Bremer


Der Film STERNE: Der Filmemacher Frank Wierke begleitet die Band über ein Jahr lang allein, ohne Team, ohne künstliches Licht und Stative. Direct Cinema: Einlassen auf das Unvorhersehbare, das scheinbar Nebensächliche, ohne Inszenierungen und Interviews. 2009: Proben, Konzerte, Termine. Eine neue Platte entsteht, und darin eine Neu-Ausrichtung, Definitionen, Perspektiven, Ideen. Ein DJ/Produzent aus München kommt hinzu - und die Sterne sind nur noch zu dritt. Und Frank Wierke mit der Kamera dazwischen, immer wieder: dieses Fragen, Suchen und Aufpassen, da zu sein, oder nicht. Verwebungen. Kontexte. Alltag. Wie entstehen die Texte von Frank Spilker? Wie entsteht ein Song? Wie geschieht das Zusammenspiel, und was ist die Band? Wo führt das hin? 40 Stunden Material werden zu 80 Minuten Dokumentarfilm.


"Wierkes selbstgeführte Kamera ist so nah, dass man beginnende Plauzen, Platten und Augenringe erkennt, dass man den Protagonisten tatsächlich über die Schulter schauen kann, um zu sehen, was sie sehen. Und um festzustellen, wie die Zeit für den Rock n Roll an sich zusammengeschnurrt ist, und wie viel Platz das Hocken vor Bildschirmen und die Gespräche über Vermarktung, Strategien, Geld einnehmen müssen: Die Sterne haben die neue Platte selbst herausgebracht, ein Versuch, erklärt der Bassist Thomas Wenzel, wenn es klappt, überlegt man, ob man so weitermacht, ob das System "Neue Platte/Tour" für einen noch funktioniert.

Spilker, Verhandlungsführer und Lieblingsinterviewpartner bei den Promo-Terminen für das Album, lässt sich tief in die Karten gucken, nennt Zahlen, Daten, Hintergründe für Entscheidungen. Alles andere wäre auch verlogen: Die Sterne standen und stehen bei vielen ihrer Fans vor allem für Authentizität. Und Wierkes Kamera bildet genau das ab, gleitet mal beiläufig über die Studiowände, über Löcher im Putz und Dreck auf dem Boden, mal zeigt sie die Schuhe der Musiker, die im Takt wippen. " (Jenni Zylka, TAZ)


„Vor etwa einem Jahr war ein Dokumentarfilmer bei mir zu Gast. Der Dokumentarfilmer war sehr nett, trotzdem muss man sich erstmal daran gewöhnen, wenn man einen Dokumentarfilmer in Ausübung seiner Tätigkeit in der Bude herumstehen hat. Ich schreibe das vor allem für Leute, die vielleicht auch mal einen Dokumentarfilmer bei sich zu Gast haben könnten. Der Dokumentarfilmer arbeitete an einem Film über die Band Die Sterne und wollte ein paar O-Töne von mir haben. Da sich der Dokumentarfilmer in der Tradition des Cinéma vérité sah, wies er mich an, mich möglichst meinen normalen Alltagsgewohnheiten entsprechend zu verhalten, während ich über Die Sterne plauderte. Das fiel mir nicht schwer und so machte ich erstmal einen Kaffee. Der Dokumentarfilmer filmte daraufhin in meine Küchenspüle hinein, wo sich beschmierte Nutella-Messer und anderer Dreck befanden. „Na, das macht jetzt wohl einen nicht so guten Eindruck" dachte ich zwar, plauderte aber munter weiter.
Der Dokumentarfilmer heißt Frank Wierke. Vor ein paar Tagen nun rief er mich an und berichtete, dass sein Sterne-Film nun fertig sei, allerdings seien meine Szenen komplett der Schere zum Opfer gefallen. Ich habe den Film eben gesehen und kann nicht behaupten, dass dieser Umstand dem Endergebnis sonderlich schaden würde.
Wierkes Film ist keine blöde Rockmusiker-Doku. Es ist ein wackeliger Film über eine wackelige Band. Tatsächlich passen Wierke und Die Sterne perfekt zusammen: Wie anders könnte man diese ewige Schülerband, diese etwas hüftsteife Funk-Gruppe, diese Slogan-feindlichen Slogan-Lieferanten, deren kluge Lieder sich immer wieder um Selbstausbeutung halb-selbstverwirklichter Dauerkreativer ranken, darstellen, als mit einer wackeligen Handkamera?“
(Eric Pfeil, FAZ Poptagebuch)


Trailer:

http://www.youtube.com/watch?v=rKhjkkKobfc


Montag, 9. April 2012

HANS IM GLÜCK - Peter Liechti

Dienstag 10.04.2012
20.30 Uhr
vorgestellt von Maik Teriete




HANS IM GLÜCK | Schweiz 2003 | 90 Min. | Regie: Peter Liechti | Buch: Peter Liechti | Text: Peter Liechti | Kamera: Peter Liechti| Schnitt: Tania Stöcklin | Ton: Dieter Lengacher | Musik: Norbert Möslang


«Hans im Glück» ist die Geschichte von einem, der auszieht, das Rauchen loszuwerden. Dazu unternimmt er einen Fussmarsch von Zürich, seinem jetzigen Wohnort, nach St.Gallen, der Stadt, wo er aufgewachsen ist. Er hat sich vorgenommen, diese Strecke - auf immer wieder anderen Routen - so oft zu wiederholen, bis das Ziel erreicht ist. Durch das rituelle Abschreiten der Landschaft und das strikte Rauchverbot, das er sich auferlegt unterwegs, erhofft er sich am Ende die Befreiung von seinem Laster.
Alle Bilder, «Erkenntnisse» und Erinnerungen, die er auf seinen Nichtraucher-Märschen erwandert, bilden schliesslich den Fundus zu dieser Heim-Suchung eines Rauchers: eine filmische Himmel- und Höllefahrt quer durchs Vaterland - mit gelegentlichen Abstechern weit über die Grenzen hinaus.

«Hans im Glück» ist ein Roadmovie für Fussgänger. Eine Widmung an alle Raucher und anderen Abhängigen, an alle Pechvögel und (trozdem) Anständig-Gebliebenen - und natürlich an den Hans im Glück.

«Seit das Rauchen kein Problem mehr ist, wird mir das Denken zum Problem. Kaum hör' ich auf mit dem Rauchen, fang ich schon an mit dem Denken. Wo früher das Denken gewissermassen limitiert war, da denk' ich heute völlig ungebremst drauflos. Das bedeutet nicht grössere Denkschärfe oder Denktiefe, vielmehr ist es eine Art gedankliches Hyperventilieren. Schon gegen mittag hat sich mein Denken im Grunde erschöpft bei dieser Gedankenraserei - dann geht's aber den ganzen Tag noch weiter.» Peter Liechti

(Quelle: Homepage Peter Liechti)

Off-Texte aus dem Reisetagebuch-Homepage Peter Liechti:

«Im Hotel «Ring» werde ich per Telefon zum Frühstück gerufen; es ist halb neun, und eine Frauenstimme sagt: «In zehn Minuten wird abgeräumt...». «Ja», sag’ ich vollkommen verdattert, «ich komme sofort...» - ich fand es ja von anfang an etwas seltsam hier.

«Sie sind doch der Schnarcher von Zimmer 8 ?», empfängt man mich dann unten - wer sagt da schon gerne «ja»? Auch die ganzen Spiegel machen mich nervös, das viele Glas rundum - ein schriller Ton, und der ganze Laden liegt in Scherben. Sie sammle Antiquitäten, sagt die Chefin, und es sei halt furchtbar schwer, sich wieder zu trennen von den Sachen. Mit den Gästen scheint sie diesbezüglich keine Probleme zu haben; je eher man sie los wird, umso besser...»

(Quelle: Homepage Peter Liechti)

„Da Peter Liechtis Filme zuerst und zuletzt von ihm handeln, liegt auf der Hand, dass sie den Einsatz der ganzen Person erfordern. Autorenfilm im herkömmlichen Sinn bedeutet, dass neben der Regie auch Drehbuch beziehungsweise Idee und Konzept vom Filmemacher stammen sowie, je nach den Umständen, Kamera und Montage. Liechti ist Autorenfilmer in jenem absoluten Sinn, für den Filmen stets auch das eigene Leben meint, und ist damit im landläufigen Verständnis Künstler. Seine ersten filmischen Arbeiten aus den Jahren 1983 bis 1987 hat der ehemalige Medizin- und Kunstgeschichtestudent, der das Diplom als Zeichenlehrer besitzt, als Experimentalfilme bezeichnet, die späteren gern als Essays. Liechti ist der grosse Experimentator im gegenwärtigen Schweizer Filmschaffen geblieben, einer freilich, dessen Experimente auf die eigene Existenz zielen. Filmen ist somit eine existenzielle Angelegenheit.“

(Christoph Egger bei der Verleihung des Grossen Kulturpreises der Stadt St. Gallen an Peter Liechti)

Sonntag, 1. April 2012

MICHAEL HAMBURGER – EIN ENGLISCHER DICHTER AUS DEUTSCHLAND - Frank Wierke

Dienstag 03.04.2012
20.30 Uhr
vorgestellt von Frank Wierke & Jan Künemund


MICHAEL HAMBURGER – EIN ENGLISCHER DICHTER AUS DEUTSCHLAND
| DE 2007 | 72 Minuten | deutsche OF | Regie, Produktion, Buch, Kamera, Ton: Frank Wierke | Montage: Frank Wierke, Beate Middeke | Produktion: Wierke Film mit ZDF/3sat und dem Goethe-Institut | Redaktion: Udo Bremer

*Duisburger Filmwoche 2007: Arte-Doukmentarfilmpreis | blicke 2007: Preis für Geschichtskultur | Preis der LiteraVision 2008


Der Film von Frank Wierke ist in den letzten Lebensjahren des Dichters und Übersetzers Michael Hamburger entstanden und nähert sich diesem ausgehend von der Frage: Wie entsteht ein Gedicht? Dabei lässt sich der Film auf Hamburgers Tages-Rhythmus ein, auf das Haus in Suffolk, auf den Wandel der Jahreszeiten im Garten, auf die Apfelbäume zur Blüte- und zur Erntezeit und auf den Vorgang des Schreibens. Frank Wierke hat alleine gedreht, mit kleinem Equipment aus Kamera und Ton, ohne künstliches Licht und Stative, ohne Inszenierungen und Interviews.


"Die zärtliche Kamera von Regisseur Frank Wierke folgt dem Dichter zwischen Sofa und Abstellkammer, Billard im TV und Briefkasten. Wie Hamburgers Gedichten gelingt es dabei auch dem Filmemacher, aus dem Nahblick auf die konkreten Dinge eine ganze Welt zu erschaffen. Er schafft das fast Unmögliche: Poesie ohne jeden Kitschverdacht in Dokumentarfilm zu verwandeln." (Begründung der Jury für den Arte-Dokumentarfilmpreis, Filmwoche Duisburg)


„Er sucht den Lyriker in seinem Alltag, versucht diesen nicht zu stören. So entsteht kein kohärent erzähltes Künstlerportrait, eine Reihung von Daten, Fakten und Zahlen, sondern vielmehr über die Alltagsräume eine Annäherung an ein ganzes Leben. Von kleinen Dingen ausgehend, Muscheln und Blättern z.B., entblättert sich „das ganz Große“. Das ganze 20. Jahrhundert, deutsche Geschichte, Literaturgeschichte, die Geschichte einer Zerstörung. Wierke erzählt seinen Film im Bewusstsein der Fragmentalität von Geschichte. Kleine Details, genaue Beobachtungen. Mit Klaus Wildenhahn gesprochen, dem sich Wierke nahe fühlt, es kommt auf die alltäglichen Dinge an. Also kein Film über den Alltag, sondern über einen Lyriker, bei dem der Alltag eine große Rolle spielt.“ (Protokoll der Duisburger Filmwoche 2007)


Frank Wierke:

Geboren in Unna/Westfalen, Studium an der Fachhochschule für Design in Dortmund, 2001 Abschluss Diplom/Essay-Dokumentarfilm. Freiberuflicher Filmemacher. Mitglied bei "dokumentarisch arbeiten, Hamburg" & Filmwerkstatt Düsseldorf.

Filme (Auswahl): MAN DENKT, MAN KENNT DAS LAND (ZDF/3sat 2002), DA ZWISCHEN SIND WIR (Kurzfilm 2004), MICHAEL HAMBURGER – EIN ENGLSICHER DICHTER AUS DEUTSCHLAND (ZDF/3sat 2007), STERNE (ZDF/3sat 2010).


Trailer:

http://www.youtube.com/watch?v=WWlSDYUsNLE

Montag, 26. März 2012

EIN KLEINER FILM FÜR BONN. Sommer ´99 - Klaus Wildenhahn

Dienstag 27.03.2012
20.30 Uhr
vorgestellt von Jan Künemund





EIN KLEINER FILM FÜR BONN. Sommer ´99
| D 1999/2000 | 116 Minuten | Erstsendung: 19.11.2000, 3sat

Regie, Filmerzählung, Ton: Klaus Wildenhahn | Kamera: Gisela Tuchtenhagen, Rainer Komers | Schnitt: Margot Neubert-Maric | Sprecher: Klaus Wildenhahn | Produktion: Strandfilm GmbH, Frankfurt/M. | Co-Produktion: Filmwerkstatt Dokumentarisch Arbeiten, Hamburg | Für: ZDF/3sat | Produzent: Dieter Reifahrt | Redakteurin: Inge Claassen| Drehzeit: Juni 1999, Juni 2000| Drehort: Bonn.


Klaus Wildenhahn dreht 1999 als Pensionär nach 5 Jahren Abstinenz seinen mutmaßlich letzten Dokumentarfilm – ein Porträt seiner Geburtsstadt. Die Bonner Regierung packt. Bilder werden von den Wänden genommen, Schreibtische leergeräumt; Umzugskartons werden verladen, leere Korridore, Pläne, auf denen die Einrichtung des Büros in Berlin zu sehen ist. Aus dem Fenster der Blick auf den Rhein. Bonn ist vieles, auch: die Stadt der kurzen Wege und der kurzen Kontakte. Der Presseclub — am 30. Juni wird er zugemacht. Ein Kellner geht nach 27 Jahren, 2 Monaten und 21 Tagen. Die Fahrbereitschaft des Bundestages. Die aufgereihten Fahrzeuge werden zum 30. Juni abgemeldet — die Autos verkauft. Abschiedsbriefe, auf denen man aufmunternde Reden hört und Tränen sieht; die Bonner Sommerkonzerte, immer wieder der Rhein, die Melancholie der verlassenen Räume.

„Noch einmal Augenzeuge sein, aber nicht notwendigerweise Zusammenhänge verstehen. Am Täglichen kleben, dem Unübersichtlichen, ohne Metaphysik. Etwas außer Atem, nicht selbst betroffen und doch hineinverwickelt und nicht fähig, sich zu lösen. Noch einmal die schöne Neugier, zuhören, merkwürdig Vertrautes. Oberflächen. Die kleinen Zwischenräume. Dann vorbei.“ (Klaus Wildenhahn)

Wildenhahn verwendet im Film eine Reihe von Zeitungszitaten, im ersten Teil beziehen sie sich eher auf Bonn und den "Abschied", im zweiten Teil werden frei Zitate aus Feuilletons vorgetragen. So betont er eine Subjektivität des Blicks. Das Hantieren mit Sprache im Film sei ihm immer schon ein Anliegen gewesen. Er will den analytischen Kommentar vermeiden. Wie schon in früheren Filmen kann man auch in seinem jüngsten Film die Verschränkung von Cinéma Vérité und unabhängigen Textfragmenten als Stilmittel feststellen. Diese Annäherung an den Essayfilm ermöglicht die freie Assoziation. Im Gegensatz zur Kontinuität des Konzeptuellen haben sich in Wildenhahns Filmen die Bilder gewandelt. Durch die Technik (und die günstigen Kosten) der Digitalkamera, die das Suchen nach Bildern ermöglicht und auch verlangt, erhalten diese eine "Schmutzigkeit", die gewollt belassen wird. (Protokoll der Duisburger Filmwoche 2000)


Biographie Klaus Wildenhahn
1949 Abitur;1950-1954 Studium der Soziologie, Publizistik und Politologie an der Freien Universität in Berlin und den USA (abgebrochen).
Bis 1958 in London, vorwiegend als Krankenpfleger in einer Londoner Nervenheilanstalt tätig.
Seit 1959 als Regieassistent beim NDR in Hamburg, zuerst in der "Fernsehlotterie".
1960-1964 in der Abteilung "Zeitgeschehen" (Panorama-Redaktion). Seit 1964 in der Abteilung "Fernsehspiel" als fest angestellter Dokumentarfilmer.
1968-1972 Regie-Dozent an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB). Lehraufträge an verschiedenen Filmhochschulen. Einflussreiche Publikation zur Dokumentarfilmtheorie: „Über synthetischen und dokumentarischen Film. 12 Lesestunden.“ (1975)
Seit 1981 im Bildungsprogramm (NDR III) tätig. 1995 Pensionierung.
Mitbegründer des Arbeitskreises „Dokumentarisches Arbeiten“, Hamburg

Montag, 19. März 2012

SOMETHING TO DO WITH THE WALL - Marylin Levine & Ross McElwee

Dienstag 20.03.2012
20.30 Uhr
vorgestellt von Thomas Moritz Helm





SOMETHING TO DO WITH THE WALL | USA 1990 | 88min | englische Originalversion | Buch, Regie, Kamera und Schnitt: Marilyn Levine & Ross McElwee | Mit: Ross McElwee und Marilyn Levine

Nach SHERMAN'S MARCH zeige ich heute SOMETHING TO DO WITH THE WALL. Ross McElwee drehte den Film zusammen mit seiner Freundin Marylin Levine. Die beiden begannen mit der Arbeit an dem Film im Jahr 1986, als sie zur Premiere von SHERMAN'S MARCH in Berlin waren. Insofern gibt es zwischen den beiden Filmen eine ganz praktische Verbindung. Ich kenne den Film zwar noch nicht, aber ausgehend von dem was ich gelesen habe, scheinen die Filmmemacher hier in gewisser Weise das Ende der aus SHERMAN'S MARCH bekannten "Era of Nuclear Weapons Profileration" zu dokumentieren und somit einige Themen aus dem letzten Film wieder aufzunehmen. Ich bin gespannt wie es dem "filmmaker protagonist, this character that I've created" diesmal ergeht und auf welche Weise sich die zweite Regisseurin Marylin Levine in den Film einbringt.

''A meditation on the absurd vagaries of history: Growing up in 1950s America, McElwee and Marilyn Levine were brought up on a steady diet of Cold War paranoia. So were the West Germans they began filming in 1986. But as the Berlin Wall came down three years later and hard-line Communism collapsed with it, the filmmakers and their subjects were suddenly faced with a new world order''
(Museum of Modern Art)


"The Wall had been erected in 1961, during my childhood, and was the seminal Cold War monument of the era - a flashpoint between the US and Russia which made the possibility of nuclear armageddon very real to everyone alive then. I hadn't thought much about the Wall since we had been in Berlin - I'd been to dazzled and distracted by the film festival - but when I first saw it snaking across the snow- covered cityscape, so startling with its bright spray-painted graffiti, I was quite amazed by it. What must it be like to live next to this thing, as many people obviously did? It had become the elephant in the room that everyone wanted to ignore. And the elephant had been there for almost a quarter century."
(Ross McElwee)


Our friends back in Boston became fond of telling a joke about us:

Question: Who are the only three people in the world who are sad that the wall has come down?
Answer: East German communist party boss Erich Honecker, Ross, and Marilyn.


Trailer: http://rossmcelwee.com/somethingtodowiththewall.html

Nochmal das Video-Interview auf Cargo: http://www.cargo-film.de/thema-reihe/us-indie/southern-stories-ross-mcelwee-im-gesprach/




Samstag, 10. März 2012

SHERMAN'S MARCH - Ross McElwee

Dienstag 13.03.2012
20.30 Uhr
vorgestellt von Thomas Moritz Helm




* WEGEN ÜBERLÄNGE FANGEN WIR PÜNKTLICH AN *


SHERMAN'S MARCH | USA 1986 | 157min | englische Originalversion | Regie, Kamera, Ton, Schnitt: Ross McElwee | Mit: Ross McElwee, Dede McElwee, Ann McElwee, Mary, Pat, Winnie, Charleen, Lee, Claudia, Ashley und Burt Reynolds

Ross McElwee bewegt sich auf den Spuren von General William Tecumseh Sherman, der während des Sezessionskrieges einen historischen Feldzug (Sherman's March to the Sea) anführte, durch Georgia und die Carolinas. Wie man in der ersten Szene des Films erfährt, ist der Filmemacher vor kurzem von seiner Freundin verlassen worden. Seine Schwester rät ihm daraufhin, seine Kamera als Hilfsmittel zu nutzen um Frauen kennen zu lernen. Also bereist McElwee auf der Suche nach einem "nice southern girl" den Süden der USA und trifft allerhand interessante Menschen: Die angehende Schauspielerin Pat, eine Linguistin namens Winnie, seine alte Freundin Charleen und viele andere.


"A Meditation on the Possibility Of Romantic Love in the South During An Era of Nuclear Weapons Profileration"


"I had no firm idea as to how to begin shooting Sherman's March. That is, I only knew that I wanted to make some sort of film about my homeland, the South, and I was interested in the degree to which the South was still haunted by the Civil War - Sherman's campaign in particular - but I never intended for it to be an historical documentary ... I thought I would probably narrate it with first-person voice-over, as I had done in Backyard, but I wasn't enthusiastic about stepping in front of the camera to perform monologues. I was more comfortable behind the camera. But as I finished my first month of shooting in North Carolina and realized that this film was going to be more directly autobiographical than I had anticipated, I began filming monologues. I thought it would be best at least to get them on film. I could decide whether to use them later"

"I'd never presume to make a pronouncement concerning what I think relationships between men and women are all about. I think it's abundantly clear, from Sherman's March, that I myself, haven't a clue--at least at that point in my life. I guess the one lesson I might have garnered from the experience of making Sherman's March was that true love, whatever that is, was unlikely to present itself as long as I was determined to track it down with a camera, and the audience knows this."

(Ross McElwee)


Trailer: http://rossmcelwee.com/shermansmarch.html

Interview: http://www.cargo-film.de/thema-reihe/us-indie/southern-stories-ross-mcelwee-im-gesprach/