Montag, 9. April 2012

HANS IM GLÜCK - Peter Liechti

Dienstag 10.04.2012
20.30 Uhr
vorgestellt von Maik Teriete




HANS IM GLÜCK | Schweiz 2003 | 90 Min. | Regie: Peter Liechti | Buch: Peter Liechti | Text: Peter Liechti | Kamera: Peter Liechti| Schnitt: Tania Stöcklin | Ton: Dieter Lengacher | Musik: Norbert Möslang


«Hans im Glück» ist die Geschichte von einem, der auszieht, das Rauchen loszuwerden. Dazu unternimmt er einen Fussmarsch von Zürich, seinem jetzigen Wohnort, nach St.Gallen, der Stadt, wo er aufgewachsen ist. Er hat sich vorgenommen, diese Strecke - auf immer wieder anderen Routen - so oft zu wiederholen, bis das Ziel erreicht ist. Durch das rituelle Abschreiten der Landschaft und das strikte Rauchverbot, das er sich auferlegt unterwegs, erhofft er sich am Ende die Befreiung von seinem Laster.
Alle Bilder, «Erkenntnisse» und Erinnerungen, die er auf seinen Nichtraucher-Märschen erwandert, bilden schliesslich den Fundus zu dieser Heim-Suchung eines Rauchers: eine filmische Himmel- und Höllefahrt quer durchs Vaterland - mit gelegentlichen Abstechern weit über die Grenzen hinaus.

«Hans im Glück» ist ein Roadmovie für Fussgänger. Eine Widmung an alle Raucher und anderen Abhängigen, an alle Pechvögel und (trozdem) Anständig-Gebliebenen - und natürlich an den Hans im Glück.

«Seit das Rauchen kein Problem mehr ist, wird mir das Denken zum Problem. Kaum hör' ich auf mit dem Rauchen, fang ich schon an mit dem Denken. Wo früher das Denken gewissermassen limitiert war, da denk' ich heute völlig ungebremst drauflos. Das bedeutet nicht grössere Denkschärfe oder Denktiefe, vielmehr ist es eine Art gedankliches Hyperventilieren. Schon gegen mittag hat sich mein Denken im Grunde erschöpft bei dieser Gedankenraserei - dann geht's aber den ganzen Tag noch weiter.» Peter Liechti

(Quelle: Homepage Peter Liechti)

Off-Texte aus dem Reisetagebuch-Homepage Peter Liechti:

«Im Hotel «Ring» werde ich per Telefon zum Frühstück gerufen; es ist halb neun, und eine Frauenstimme sagt: «In zehn Minuten wird abgeräumt...». «Ja», sag’ ich vollkommen verdattert, «ich komme sofort...» - ich fand es ja von anfang an etwas seltsam hier.

«Sie sind doch der Schnarcher von Zimmer 8 ?», empfängt man mich dann unten - wer sagt da schon gerne «ja»? Auch die ganzen Spiegel machen mich nervös, das viele Glas rundum - ein schriller Ton, und der ganze Laden liegt in Scherben. Sie sammle Antiquitäten, sagt die Chefin, und es sei halt furchtbar schwer, sich wieder zu trennen von den Sachen. Mit den Gästen scheint sie diesbezüglich keine Probleme zu haben; je eher man sie los wird, umso besser...»

(Quelle: Homepage Peter Liechti)

„Da Peter Liechtis Filme zuerst und zuletzt von ihm handeln, liegt auf der Hand, dass sie den Einsatz der ganzen Person erfordern. Autorenfilm im herkömmlichen Sinn bedeutet, dass neben der Regie auch Drehbuch beziehungsweise Idee und Konzept vom Filmemacher stammen sowie, je nach den Umständen, Kamera und Montage. Liechti ist Autorenfilmer in jenem absoluten Sinn, für den Filmen stets auch das eigene Leben meint, und ist damit im landläufigen Verständnis Künstler. Seine ersten filmischen Arbeiten aus den Jahren 1983 bis 1987 hat der ehemalige Medizin- und Kunstgeschichtestudent, der das Diplom als Zeichenlehrer besitzt, als Experimentalfilme bezeichnet, die späteren gern als Essays. Liechti ist der grosse Experimentator im gegenwärtigen Schweizer Filmschaffen geblieben, einer freilich, dessen Experimente auf die eigene Existenz zielen. Filmen ist somit eine existenzielle Angelegenheit.“

(Christoph Egger bei der Verleihung des Grossen Kulturpreises der Stadt St. Gallen an Peter Liechti)

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