Donnerstag, 11. Oktober 2012

LAURA - Otto Preminger

Dienstag 16.10.2012
20.30 Uhr
vorgestellt von Jan K.



LAURA | US 1944 | 88 Minuten | 35mm, 1.37:1 | Regie: Otto Preminger | Produktion: Otto Preminger | Buch: Vera Caspary (novel) Jay Dratler, Samuel Hoffenstein, and Elizabeth Reinhardt (screenplay) | Musik: David Raksin | Kamera: Joseph La Shelle | Studio: 20th Century Fox | mit: Gene Tierney (Laura Hunt), Dana Andrews (Det. Lt. Mark McPherson), Clifton Webb (Waldo Lydecker), Vincent Price (Shelby Carpenter), Judith Anderson (Ann Treadwell)


Lovers of 1940s Hollywood – and of course movie-lovers in general – should savour every last drop of this rerelease, directed by Otto Preminger, made in 1944 and coming complete with an ad for US war bonds in the closing credits. It's a fascinating whodunnit-noir with a superb coup de cinéma halfway through. Dana Andrews is the rugged Detective Mark McPherson; on account of heroic gunshot wounds in the leg, the press have dubbed him "Detective with the silver shinbone". (Something, perhaps, to set aside Preminger's 1955 movie The Man With the Golden Arm.) McPherson is investigating the gruesome murder of Laura Hunt, played by the exquisitely beautiful Gene Tierney. In flashbacks, we see how she was swept up into fashionable cafe society by her infatuated but platonic bachelor admirer, the waspish newspaper columnist Waldo Lydecker (Clifton Webb) – the equal, surely, of George Sanders's elegant Addison DeWitt in All About Eve. Which of Laura's wide circle of acquaintance holds the key to the mystery? And how will McPherson's growing obsession with Laura's memory affect his handling of the case? Laura is still every bit as gripping in 2012.

Peter Bradshaw, The Guardian


At the cynical heart of Otto Preminger's Laura is a murder, yet labeling this elegant 1944 noir classic a whodunit is to ignore its masterfully complex—and frequently campy—portrait of all-consuming romantic self-delusion. Laura (Gene Tierney) is a wealthy, mysterious beauty whose death-by-shotgun instigates an investigation by hard-nosed detective Mark McPherson (Dana Andrews). McPherson discovers that the victim inspired rabid, near-incomprehensible devotion from both cerebral newspaper columnist Waldo Lydecker (Clifton Webb)—who, in a truly bizarre moment, greets the cop by exiting his bathtub in the buff—and shallow, gold-digging two-timer Shelby Carpenter (Vincent Price), whom Laura was considering marrying in a week's time. Either man, as well as Carpenter's caustic, jealous girlfriend Ann Treadwell (Judith Anderson), might have been the executioner, or, in the film's surprise twist (spoiler alert), Laura might not be dead at all. It doesn't really matter, because the who, what, when, where, and why are merely the exquisitely constructed genre trappings of Preminger's critique of high society and examination of man's penchant for projecting their fanciful visions of idealized femininity onto women. (…)

(Nick Schager, slantmagazine)


Vincent Price berichtete davon, wie er Otto Preminger gefragt habe, warum er so viel besser mit dem Stoff zurechtkam als Rouben Mamoulian (der ursprünglich vom Studio vorgesehene Regisseur). Preminger entgegnete ihm, dass Mamoulian nur schöne und angenehme Menschen kenne, er aber die Charaktere in Laura besser verstanden habe, da sie Mistkerle wären, genauso wie Premingers Freunde.
(wikipedia)


Waldo Lydecker: "How singularly innocent I look this morning."
(Memorable quotes)

 

Montag, 8. Oktober 2012

ANATOMIE EINES MORDES - Otto Preminger


Dienstag 09.10.2012
20.30 Uhr
(pünktlich wegen Überlänge)
vorgestellt von Jan Künemund





ANATOMIE EINES MORDES | US 1959 | 160 Minuten | Originaltitel: Anatomy of a Murder | Regie: Otto Preminger | Produktion: Otto Preminger | Buch: Wendell Mayes nach einer Vorlage von John D. Voelker (Pseudonym: Robert Traver) | Musik: Duke Ellington | Kamera: Sam Leavitt | Titelvorspann: Saul Bass | Columbia Pictures | mit: James Stewart (Paul Biegler), Lee Remick (Laura Manion), Ben Gazzara (Lt. Frederick Manion), Arthur O'Connell (Parnell Emmett McCarthy), Eve Arden (Maida Rutledge), Kathryn Grant (Mary Pilant), George C. Scott (Claude Dancer, Staatsanwaltschaft), Duke Ellington



Preise: Golden Globes für Preminger, Remick und Mayes, diverse Academy-Award-Nominierungen, Copa Volpi in Venedig für James Stewart, Grammy für Duke Ellington, 7. bestes Gerichtsdrama auf der Top-10-Liste des American Film Institutes.


Der selbstständige Anwalt Paul Biegler, der seinen Posten bei der Staatsanwaltschaft schon vor längerer Zeit verlor, hat mit großen Fällen wenig am Hut. Er vertreibt sich seine Zeit mit Angeln und der Betreuung seines väterlichen Freundes, dem versoffenen Ex-Juristen Parnell. Nun wird ihm zugetragen, einen großen Prozess als Verteidiger zu führen - einen Mordprozess. Sein Klient, Lt. Manion, der den Vergewaltiger seiner Frau erschoss, verhält sich sperrig und unkooperativ, seine hübsche Frau Laura zieht es vor, mit Biegler zu flirten, statt Sinnvolles zum Fall beizutragen. Außerdem verzwickt sie sich in widersprüchliche Aussagen. Trotz aller Widrigkeiten nimmt Biegler die Verteidigung Manions an. Ein scheinbar aussichtsloses Unterfangen...


„Der Titel von Premingers Gerichtsdrama aus dem Jahre 1959 suggeriert, dass im Laufe seiner Handlung ein Verbrechen und dessen Motive klinisch seziert werden. Tatsächlich stehen jedoch die Unschlüssigkeiten und Grauzonen eines Mordfalls im Vordergrund von Anatomie eines Mordes, derer sich zudem jeder Beteiligte im Film bewusst ist. James Stewart spielt Paul Biegler, den Verteidiger eines Mannes, der im Affekt den vermeintlichen Vergewaltiger seiner Frau erschossen hat, vielleicht entspricht dieser Tatbestand aber auch nicht der Wahrheit. Der Angeklagte und seine Angetraute mögen selbst für Biegler fragwürdig erscheinen, Preminger erhellt das Ganze aber weder durch Flashbacks noch sonstige Beweisführungen auf der optischen Ebene. Es bleibt die Momentaufnahme und das Schauspiel, und Biegler verwandelt den Gerichtssaal in eine Bühne, auf der seine Verteidigung kalkuliert und meisterhaft ausgefochten wird. Premingers zynischer Film ist ein Klassiker seines Genres und gleichzeitig einer seiner ungewöhnlichsten Vertreter. Der Jazz-Soundtrack stammt von Duke Ellington, dem auch ein kleiner Cameoauftritt zugestanden wird.“ (critic.de)


Der Film dient aufgrund seiner geschlossenen Darstellung des US-amerikanischen Prozessvorgangs als Lehrfilm in juristischen Fakultäten.


Die Juroren werden bis auf wenige Ausnahmen von den historischen Vorbildern dargestellt.


„Im Hollywood der 50er- und 60er-Jahre war ein Otto-Preminger-Film ein fester Begriff, eine Art eingetragenes Markenzeichen. Als Produzenten-Regisseur kontrollierte Preminger jedes Detail seiner Projekte, von der Stoffauswahl bis zur Drehbuchkonzeption, von der Besetzung bis zur Werbekampagne, vom Dekor bis zum Titelschriftzug.

Schaut man sich Fotos seiner Dreharbeiten an, bildet sein skulpturaler runder Schädel stets das Zentrum des Geschehens. Etwas Bestimmendes, Beherrschendes geht von dem kahlen Kopf mit den wachen Augen aus, die keinen Widerspruch zu kennen scheinen. Nannte man ihn nicht ‚Otto the terrible’? Am Set muss Preminger, der sein Regiehandwerk um 1930 bei Max Reinhardt am Theater in der Wiener Josefstadt erlernte, die Schauspieler mit extrem vielen Takes regelrecht provoziert und zerschreddert haben. Zudem bestand er auf der für Studio-Schauspieler ungewohnten Praxis mehrwöchiger Proben vor Drehbeginn. ‚Schauspieler müssen sich der Rolle anpassen und nicht umgekehrt’ war eine seiner Devisen. Und: ‚Wiederholungen schaden nichts, denn eine Emotion nutzt sich nicht ab.’

Wie diese Emotionen auszuschauen hatten, davon hatte Preminger eine präzise Idee. Man denke nur an Jean Simmons in ‚Angel Face’ (1953): Lange schwarze Haare umschmiegen ihre unschuldigen Gesichtszüge, doch manchmal, wenn sich ihre Augen zu einem Schlitz zusammenziehen, spürt man den Hass, der die junge Frau mehr und mehr in Besitz nimmt, sie zerfrisst und zu mörderischen Taten treibt. Oder Marilyn Monroe, die in dem Western ‚River of no Return’ (1954) in ihrem fast ikonischen karierten Hemd und den engen Jeans zu einer gebrochenen Figur wurde. Der Weg zu dieser Vorstellung muss die Hölle gewesen sein. Preminger, der kaum je freundliche Worte für seine Schauspieler hatte, verglich Monroe mit Lassie. ‚Man muss jede Einstellung vierzehnmal wiederholen, bis sie an der richtigen Stelle bellt.’ Oder, noch schlimmer: ‚Sie ist nichts anderes als ein Vakuum mit zwei Brustwarzen.’

Sosehr er die Darsteller einerseits beschimpfte und tyrannisierte, so sehr kämpfte er andererseits auch um sie, setzte seine Wahl und seine Vorstellung mit eisenharter Vehemenz durch. Oftmals auch ohne Rücksicht auf Starverluste. Als sich Lana Turner in ANATOMIE EINES MORDES (1959) weigerte, einen billigen Mantel anzuziehen, um nicht wie ein Flittchen auszusehen, wurde sie kurzerhand gegen Lee Remick ausgewechselt. Eine ungeahnt spröde Erotik erschien mit dieser damals noch völlig unbekannten Schauspielerin auf der Leinwand. Eine sexuelle Ausstrahlung, die sich erst auf den zweiten, ja dritten Blick erschließt, dafür aber um so nachhaltiger wirkt. (...)

Das Kino als Wille und als Vorstellung - streitsüchtig, unnachgiebig und kompromisslos auf seinen Ideen beharrend war Otto Preminger auch, wenn es um seine Stoffe ging. Der 1905 geborene Sohn aus bildungsbürgerlicher jüdischer Juristenfamilie musste, bevor er zum Theater durfte, ein Studium der Rechtswissenschaften absolvieren. In seinen Filmen wird der 1934 nach Hollywood emigrierte Preminger später denn auch immer wieder juristische Themen aufgreifen, Gerichtsprozesse und große Wortgefechte inszenieren. Auch er selbst als Regisseur scheute nicht den juristischen Konflikt mit den Autoritäten. ‚Ich bin überzeugt, wenn Zensur droht, sollte man sie bekämpfen, weil in den USA gemäß der Verfassung keine zugelassen ist’, sagte er auf seine apodiktische Art. Diesen Kampf nahm der liberal denkende Preminger immer wieder auf. Die bis dahin untersagten Worte ‚Jungfrau’ und ‚Orgasmus’ fielen zuerst in seinen Filmen. Er nannte den Namen eines Drehbuchautors von McCarthys Schwarzer Liste wieder mit vollen Namen im Abspann: Dalton Trumbo bei ‚Exodus’. In ‚Der Mann mit dem goldenen Arm’ griff er 1955 das vom Production Code verbotene Thema Drogensucht auf; bei der Bizet-Adaption ‚Carmen Jones’ (1954) besetzte er, damals für die USA eigentlich undenkbar, die Hauptrollen mit schwarzen Darstellern.

Tatsächlich errichtete sich Preminger, der große Dickschädel aus Wien, ein wahrhaft ottokratisches Universum in Hollywood. Ein Universum, das durch und durch von der liberal-subversiven europäischen Moderne geprägt war, die er mit den Mitteln des populären Kinos nach Hollywood zu holen versuchte.“ (Anke Leweke, taz)

Plakat: http://www.moviemansguide.com/images/reviews/2012/anatomyofamurder-bd.jpg

 

Montag, 1. Oktober 2012

REVISION - Philip Scheffner

Dienstag 02.10.2012
20.30 Uhr
vorgestellt von Sebastian Markt




REVISION | Deutschland 2012 | 81 min | Format: 1:1,85 | Regie: Philip Scheffner | Drehbuch: Merle Kröger, Philip Scheffner | Kamera: Bernd Meiners | Ton: Pascal Capitolin, Volker Zeigermann | Schnitt: Philip Scheffner | Produzentin: Merle Kröger |

"Der Film beginnt mit dem Ende einer Geschichte: Laut einer Statistik der NGO „Fortress Europe“ wird in der Presse zwischen 1988 und August 2009 über mindestens 14.687 Menschen berichtet, die entlang der europäischen Grenzen starben. Ihr Tod macht sie in Form einer Nachricht zu einem Teil europäischer Geschichte – und entzieht ihnen gleichzeitig das Recht auf eine eigene Stimme in der Geschichtsschreibung. Sie erscheinen als stumme Zeugen eines europäischen Sicherheitsdiskurses, der sich vor allem um sich selbst dreht – und diese Toten billigend in Kauf nimmt.

REVISION ist ein Versuch, die offenen Enden einer solchen Nachricht aufzunehmen und die filmischen Möglichkeiten auszuloten, ihre Protagonisten als Akteure einer Geschichte zu verstehen. Einer Geschichte mit vielen Anfängen.

Wo und wann beginnt diese Geschichte?
Am 29.06.1992 auf einem Getreidefeld nahe der deutsch-polnischen Grenze? Zur gleichen Zeit in einem Asylbewerberheim in Rostock? Ein paar Monate vorher in Rumänien? 19 Jahre später, wenn die Familien der Getöteten davon erfahren, dass die Angeklagten frei gesprochen wurden? Mit der Titelsequenz des Films?

Der Film rekonstruiert biografische und politische Perspektiven der Erzählung, die gleichzeitig die Bedingungen und Konventionen meiner eigenen, filmischen Narration als Teil eines politischen Gesamtzusammenhangs thematisieren und in Frage stellen.

Auf der formalen Ebene war die Auseinandersetzung mit dem Begriff der „Aussage“ wichtig: Dieser Begriff bildet die Schnittmenge zwischen einem juristischen Ermittlungsverfahren bzw. einem Prozess und der Arbeit des dokumentarischen Filmemachers. Interessanterweise ist das juristische Verfahren, das in REVISION eine Rolle spielt, genau an diesem Punkt gescheitert: der Tathergang ließ sich anhand der Aussagen nie eindeutig rekonstruieren.

Juristisch wird ein Zeuge als eine Person bezeichnet, die über „wahrgenommene Tatsachen berichten soll“. Die reine Wahrnehmung allein reicht nicht aus – sie muss gegenüber einer anderen Person oder einer Institution „berichtet“ bzw. „bezeugt“ werden. Damit eine Person zu einem Zeugen werden kann, bedarf sie immer eines Gegenübers – eines Zuhörers, der wiederum als Zeuge der eigentlichen Zeugenaussage fungiert. Die Auseinandersetzung mit diesem komplexen Spannungsverhältnis zwischen Sprechendem und Zuhörendem spielt im Film eine zentrale Rolle. Die Akteure erscheinen in unterschiedlichen Rollen: Ein Zeuge versucht sich zu erinnern – er beginnt zu sprechen. In einer weiteren Einstellung hört er seiner eigenen Erzählung zu – er kann die Erzählung anhalten, kommentieren oder berichtigen. Im Moment des Zuhörens wird er Zeuge seiner eigenen Aussage und stellt damit eine Verbindung zum Betrachter her. Dieser erlebt die REVISION des Gesagten.

Im Laufe der Dreharbeiten habe ich das gefilmte Zuhören als einen sehr aktiven Prozess erlebt. Es gibt der Person vor der Kamera ein Mittel der Kontrolle und verändert die Machtverhältnisse im Raum. Der Moment des Dokumentarischen, die scheinbare Authentizität, die entsteht wenn jemand vergisst, dass die Kamera läuft, wird bereits im Moment der Aufnahme gebrochen."

[Philip Scheffner: Director's Statement]

Freitag, 21. September 2012

APAN - Jesper Ganslandt


Dienstag 25.9.2012
20.30 Uhr
vorgestellt von Thomas Moritz Helm




APAN | Schweden 2009 | 81 min | Format: 1:1,85 | Regie: Jesper Ganslandt | Drehbuch: Jesper Ganslandt | Kamera: Frederik Wenzel | Schnitt: Jesper Ganslandt | Cast: Olle Sarri, Eva Rexed, Francoise Joyce...

Nach Ruben Östlund, machen wir am Dienstag mit einem anderen schwedischen Regisseur weiter: Jesper Ganslandt. 

APAN "is certainly one of the most talked about and critically acclaimed Swedish features of 2009 and opened internationally at the Venice Film Festival. Jesper is ... a well respected and established auteur and one of the strongest names in the new Swedish wave of young directors." (sfi.se)

Ich habe den Film noch nicht gesehen. Alles was ich dazu bis jetzt gelesen habe beschränkt sich auf eine sehr knappe Inhaltsangabe und die Informtion, dass Ganslandt seinem Hauptdarsteller, ganz in der Tradition von Robert Bresson, den gesamten Dreh über das Drehbuch nicht zu lesen gab. 

Memorable.  There’s a dangerous word in a review.  But it is exactly that – The Ape is a sustained study in alienation, guilt, male rage and psychological fracture (with a whiff of misogyny).  Though Ganslandt is reported to have drawn on Mike Leigh’s work, this piece has its roots deeply embedded in Dostoyevsky, Edvard Munch, Ibsen and Strindberg, not to mention Ingmar Bergman.  Take a male character from a Munch painting, one of the lesser known ones, like ‘Golgotha‘ (1900) or ‘Evening on Karl Johan Street’ (1893), and imagine that man now walking around modern Stockholm. Follow him with a steady-cam, and you get The Ape. (Ambrose Hogan)

Video Interview: http://vimeo.com/13536660 

Teaser (leider nur in schwedisch): http://www.youtube.com/watch?v=gsrKOTnnidk  

Montag, 17. September 2012

PLAY - Ruben Östlund


Dienstag 18.9.2012
20.30 Uhr
vorgestellt von Thomas Moritz Helm



PLAY | Schweden 2011 | 118 min | Format: 1:1,85 | Regie: Ruben Östlund | Drehbuch: Ruben Östlund, Erik Hemmensdorff | Kamera: Marius Dybwad Brandrud | Schnitt: Jakob Secher Schulsinger | Cast: Kevin Vaz, Anas Abdirahman, Yannick Diakité, Abdiaziz Hilowle, Sebastian Hegmar, Sebastian Blyckert, Johan Jonason...

Heute nun der neuste Film von Ruben Östlund. PLAY. Er lief 2011 in Cannes (Directors' Fortnight).

Ich finde der Film ist noch einmal ein ganzes Stück präziser inszeniert und gefilmt als sein Vorgänger. Außerdem ist er auch deutlich weniger humorvoll, so das man augenzwinkernd gar von einer "Hanekesierung" Östlunds sprechen kann. Es ist wirklich interessant zu sehen wie sich die filmische Sprache von Ruben Östlund entwickelt hat. Zwar wird hier, genau wie bei DE OFRIVILLIGA immer aus einer einzigen Kameraposition erzählt, aber Östlund nahm sich die Freiheit in der Postproduktion den Bildausschnitt nach belieben zu verändern, Schwenks hinzuzufügen und zu verdichten.

Der Film hat in Schweden eine ausgiebige Rasissmus-Debatte ausgelöst die sich grob so zusammenfassen läßt: “What’s the line between a provocative, no-holds-barred drama about race relations and a straight-up racist film?” (Noel Murray - AV Club)

An astute observation based on real cases of bullying. In central Gothenburg, Sweden, a group of boys, aged 12-14, robbed other children on about 40 occasions between 2006 and 2008. The thieves used an elaborate scheme called the 'little brother number' or 'brother trick', involving advanced role-play and gang rhetoric rather than physical violence. (coproduction office)  

A loaded racial incident based on events that happened in Sweden several years ago is festooned with too much formalistic baggage in Play. Writer-director Ruben Ostlund, in his third feature, after The Guitar Mongoloid and Involuntary, triggers immediate interest in this provocative drama by his use of numerous long takes and often fixed camera positions. But the ultimate effect of his studied techniques is more restricting than beneficial, which, combined with a protracted running time, faintly self-righteous air and a perplexing, misguided coda, produces a sense of letdown at the end despite the strength of much that has come before. Some trimming of the more extraneous material would help, as the confrontational drama has some sales potential. (

VIMEO INTERVIEW:  http://vimeo.com/28709723 

Sonntag, 9. September 2012

DE OFRIVILLIGA - Ruben Östlund


Dienstag 10.9.2012
20.30 Uhr
vorgestellt von Thomas Moritz Helm



DE OFRIVILLIGA | Schweden 2008 | 98 min | Format: 1,85:1 | Regie: Ruben Östlund | Drehbuch: Ruben Östlund, Erik Hemmensdorff | Kamera: Marius Dybwad Brandrud | Schnitt: Ruben Östlund

Eine ganz wunderbare Überleitung von Van Sant zu Östlund:

The influence of Gus Van Sant at his most self-indulgent is in evidence throughout this dry as dust collection of filmed scenarios. The camera doesn't move. Shots are deliberately framed in such a way that heads are cut off. The sound is ambient. The characters are shallow and uninteresting. If there were such a thing as a Swedish Dogme manifesto, Involuntary could be an example of it. As it stands, it's merely an example of how not to make a film, unless you want to limit the audience to folks who are convinced that the lack of a story and technical ineptitude are the mark of genius. It's hard to believe this was Sweden's official entry for the Academy Awards in 2010. (John Seal – imdb)

Ich habe den Film vor zwei Jahren zufällig im Internet entdeckt. Es handelt sich um einen formal recht strengen Film: Wie bei Roy Anderson, werden die Szenen immer mit statischer Kamera und von einem Standpunkt aus aufgenommen. Allerdings hat die formale Ordnung nicht wie bei Anderson einen primär artifiziellen Charakter, sondern Östlund beschreitet mit dem naturalistischen Gestus seiner (zum größten Teil) Laiendarsteller und den Originalschauplätzen einen anderen Weg. Ob die “statisch-sture“ Kamera den “Authentizitätseffekt“ nun verstärkt oder verhindert, ob sie nervt oder genial ist, darüber lässt sich streiten. Mir hat die Mise-en-scène damals aber sehr gut gefallen, da sie präzise arrangiert, das Off mit einbezieht und die Fantasie des Zuschauers anregt. Die Pein und Peinlichkeiten der einzelnen Situationen kommen in dieser Form sehr schön zu Geltung und übertragen sich auf den Zuschauer – finde ich!

It's almost summer in Sweden and minor indiscretions and misbehavior abound. Leffe likes to show off for his friends and play salacious pranks, especially when he's drinking. Meanwhile, a righteous grade-school teacher doesn't know where to draw the line: she insists her fellow educators need a bit of instruction. Then there are two young teenage girls who like to pose for sexy photos and to party, but one night in a park, one of them is found passed out drunk by a complete stranger. (Cannes Film Festival)

Ruben Östlund’s Involuntary, a chillingly precise examination of social behaviour and its boundaries, is unquestionably one of the films of the year. (Neil Young – Tribune Magazine)


Dienstag, 4. September 2012



Am Dienstag den 4. September fällt der Filmclub leider aus!

Nächste Woche geht es weiter mit Filmen von Ruben Östlund