Dienstag, 23. Oktober 2012

ZULETZT BEFREIT MICH DOCH DER TOD - Beate Middeke

Dienstag 23.10.2012
20.30 Uhr
vorgestellt von Jan Künemund





Deutschland 2008 | 76 min | deutsche OF | Buch, Regie, Monatge: Beate Middeke | Kamera: Justyna Feicht, Frank Wierke | Sprecherin: Iris Pollmann | Produktion: Beate Middeke (Camerada Film) | Dokumentarfilmpreis des Goethe Instituts, Duisburger Filmwoche 2008, blicke Filmpreis 2008, FBW-Prädikat "Besonders Wertvoll"

„Wenn mir unfreiwillig oder freiwillig etwas zustoßen sollte, möchte ich, Gwendolin, genannt Kay, dass etwas mit den Sachen passiert, die ich erzählt und aufgeschrieben habe.”
Diese Worte sind Ausgangspunkt und Verpflichtung für eine filmische Nachforschung, nachdem sich Gwendolin-Kay am 20. September 2001 das Leben genommen hatte.
Durch zahlreiche Aussagen entsteht, exemplarisch auch für viele andere, die beklemmende Rekonstruktion eines Mädchenlebens, das durch Traumatisierung, Vernachlässigung und sexualisierte Gewalt geprägt gewesen scheint.
Der Film ringt um die Fragmente einer Wahrheit, die für die Einzelnen subjektiv bleibt. Er zeichnet nach, wie die Dinge scheinbar unausweichlich ihren Lauf nehmen - am Ende steht auch stellvertretend für andere, das Portrait einer jungen Frau, die eigentlich leben wollte.


„Ein radikales, schwer zu ertragendes Dokument, ein Zeugnis, das unter die Haut geht. Auch weil die Autorin auf jegliche Dramatisierung verzichtet, weder Szenen nachgestellt noch Gwendolin (in Fotos et cetera) sichtbar werden lässt. 
Die Tote erscheint nur in der Spiegelung ihrer eigenen schriftlichen Äußerungen und in den Erinnerungen ihrer Umwelt und ihrer „Nächsten“. Formale Askese hat das Primat in dieser intensiven Spurensuche. 
Wir hören Zeugnisse voller Wiedersprüche, angefüllt mit Unklarheiten, Vorwürfen, Verdächtigungen, auch Selbstmitleid. Eine Hölle tut sich auf. Wahnvorstellungen oder grausame Realität? Gewissheit gibt es nicht.“ (FBW-Begründung)

„Eine, wie Middeke befindet, treffende Bemerkung wird im Publikum gemacht: Die Räume wirken durch die Auswahl der Ausschnitte sehr eng, die Befragten werden zu Riesen und schieben sich so zwischen Kay und die Zuschauer. Genau wie Kay nicht aus ihrer Situation heraus kam, kann auch die Geschichte nicht unvermittelt ihren Weg finden.“ (Protokoll der Duisburger Filmwoche)

„Hallo, gestern lief auf 3Sat Ihr Film. Sehr eindrucksvoll, verwirrend… Wie konnten Sie nur den Eltern so ruhig gegenüber sitzen???
Schade nur, dass ich oft die Stimme aus dem Off in den Interviews nicht gut verstehen konnte….
Dennoch: Alle Achtung!“ (Kommentar auf Beate Middeke Webseite)

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