Mittwoch, 17. Oktober 2012

WENN DIE ARBEIT DEUTSCHLAND VERLÄSST - Beate Middeke

Dienstag 23.10.2012
20.30 Uhr
vorgestellt von Beate Middeke

Beate Middeke zu Gast


Deutschland 2005 | 90 min | deutsche OF | Regie: Enzio Edschmid & Beate Middeke | 
Drehbuch: Enzio Edschmid | Kamera: Beate Middeke | Montage: Beate Middeke & Enzio Edschmid | Produktion: Enzio Edschmid und DGB

Die beiden Filmemacher haben im Frühjahr/Sommer 2004 sechs Wochen lang den Streik der Mitarbeiter des Fahrtreppenherstellers OTIS im Stadthagener Werk mit der Kamera begleitet. Im März des Jahres wurde vom amerikanischen Besitzer UTC (United Technologies Corporation) verkündet, dass das Werk in Stadthagen geschlossen werde und die Produktion aus Kostengründen nach Tschechien verlagert werden soll. Bei einer sehr positiven Auftragslage, schwarzen Zahlen und eingefahrenen Gewinnen ein, nicht nur für die Mitarbeiter, schwer nachvollziehbarer Entschluss.
Die Belegschaft entscheidet sich, nachdem der Entschluss des amerikanischen Konsortiums als unumstößlich gilt, für bessere Abfindungszahlungen und bezahlte Berufsqualifizierende Maßnahmen zu streiken. Ein Streikgrund, der im deutschen Streikrecht bisher keine Entsprechung findet und deswegen für die IG-Metall zum Präzendensfall wird.
„Wenn die Arbeit Deutschland verlässt“ zeichnet jedoch nicht nur die strukturellen Wege nach, welche die Streikenden gehen mussten. Neben den zahlreichen Verhandlungen in der Schlichtungskommission und vor dem Landesarbeitsgericht zeigen die beiden Filmemacher einen Streikalltag, wie er selten in der Berichterstattung der Fernsehnachrichten zu sehen ist.
Mit einer genauen Kameraführung und dem Vertrauen der Streikenden gelingt es Enzio Edschmid und Beate Middekke, nicht nur zu zeigen, welche Konflikte nach außen, gegenüber dem Management, bestanden, sondern auch, welche Spannungen innerhalb der Belegschaft während des sechswöchigen Streiks auftraten. Solidarität, so lernt man aus dem Film, ist manchmal keine einfache Forderung.

Der Film wurde vom DGB nicht ausgewertet.



Beate Middeke
 
1966 geboren. Aufgewachsen in Bad Driburg und Bad Salzuflen.
1990 Studium der Medien Pädagogik, Universität Bielefeld. 1991 Filmpraktikum an der Politec in Sheffield. 1993 Studium an der Fachhochschule für Design Dortmund, Fachrichtung Kamera/Dokumentarfilm, abgeschlossen 2000. 1997 Gründung der Camerada Filmproduktion. Seit 2000 Dozentin für Filmtechnik. Seit 2007 Lehrauftrag für Dokumentarfilm an der FH Bielefeld, Fachbereich Gestaltung. Enge Zusammenarbeit mit Frank Wierke (Schnitt bei MICHAEL HAMBURGER – EIN DEUTSCHER DICHTER IN ENGLAND und STERNE, gemeinsamer Film MAN DENKT MAN KENNT DAS LAND). Lebt in Ostwestfalen.

Filme: SPÜR’ WIE DER WIND SICH DREHT – SCHRÖDER UND DIE FRAUEN (1999), MAN DENKT MAN KENNT DAS LAND (ZDF/3sat 2003), WENN DIE ARBEIT DEUTSCHLAND VERLÄSST (2005), ZULETZT BEFREIT MICH DOCH DER TOD (ZDF/3sat 2008, Goethe-Preis der Duisburger Filmwoche, Hauptpreise bei blicke aus dem ruhrgebiet, Bochum, und Augenweide, Kiel).



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen