Mittwoch, 25. November 2009

OBSERVE AND REPORT - Jody Hill


01.12.09 | 20.30 Uhr
vorgestellt von Gregor Stadlober und Sebastian Markt

OBSERVE AND REPORT | USA 2006 | Regie & Drehbuch: Jody Hill | Darsteller/inn/en: Seth Rogen, Anna Faris, Ray Liotta, Michael Peña, Aziz Ansari, Collette Wolfe, Celia Weston, Danny McBride, Dan Bakkedahl u.a.| Kamera: Tim Orr | Montage: Zene Baker | Produzent: Donald De Line | Musik: Joseph Stephens | Sprache: Engl. m. U. | 86 min |

Ronnie Barnhardt (Seth Rogen) ist Mall Cop, das heißt, er ist nicht wirklich Cop und seine Befugnisse beschränken sich denn auch weitgehend, wie der Titel angibt, auf’s Observieren und Bericht erstatten. Monument einer krisengebeutelten Männlichkeit (einer Krise, die man, wie wir bald feststellen, in ihrer spezifischen Form auch im ICD-10 nachschlagen kann), gibt ihm das Auftauchen eines Exhibitionisten, der wiederholt auf dem Parkplatz der Mall Angst und Schrecken verbreitet, die Gelegenheit seinem kompensatorischen Größenwahn freien Lauf zu lassen. Wobei ihm, mehr noch als die tatsächlich zu vermeidenden Verstöße und Devianzen, ein tatsächlicher Polizist (Ray Liotta) in die Quere kommt.

"Rancid and unpleasant" urteilte David Denby im New Yorker, was zweifelsohne richtig, aber so wie von Denby gemeint doch zu einfach ist. OBSERVE AND REPORT verfügt über einer Hauptfigur, für die Sympathien zu mobilisieren schwierig bis unmöglich ist und deren schrittweisen Amoklauf der Film in seiner Form in gewisser Weise nachvollzieht: Um Konventionen allerart (ethische, politische, dramaturgische) schert der Film sich gerade soweit, als er recht genau um all das Bescheid weiß, wogegen zu verstoßen er wild entschlossen ist. Wild entschlossen, wenn auch nicht immer auf dem direktesten Weg: denn OBSERVE AND REPORT befindet sich an dem eigenwilligen Ort, von dem aus eine Koketterie mit dem Guten möglich ist.

Wenn es einen spezifischen Realismus der zeitgenössischen jugendunfreien Hollywood-Komödie gibt, dann ist OBSERVE AND REPORT dessen extremistische Variante. Welches Kino das ergibt und was davon zu halten ist, darüber wird zu sprechen sein.

Jody Hill besuchte, ebenso wie sein Freund David Gordon Green die Filmschule in Winston-Salem, NC. Danny McBride (hier und in Gordon Greens ALL THE REAL GIRLS in einer Nebenrolle zu sehen und der Star von Hill’s Debut als auch EASTBOUND & DOWN) sowie der mit Green als auch Hill arbeitende Kameramann Tim Orr waren weitere Kommilitonen. Hills erste große Regiearbeit "The Foot Fist Way" über einen Taekwondo Lehrer, der nicht viel mehr Tassen im Schrank hat als Ronnie Banhardt, fand einflussreiche Fans in Will Farell und Adam McKay, den nunmehrigen Executive Producers von Hills Serie EASTBOUND & DOWN auf HBO.

FILMOGRAPHIE:

The Foot Fist Way (2006)
Observe and Report (2009)
Eastbound and Down (2009, konzipiert und geschrieben mit Ben Best und Danny McBride, Regie bei zwei Episoden)

LINKS:

Interviews mit Jody Hill hier, hier und hier zum Beispiel;
Eine scharfsichtige Würdigung von Ekkehard Knörer beim Perlentaucher;
Außerdem in der aktuellen Printausgabe von Cargo: ein langes Interview mit David Gordon Green, in dem es unter anderem auch um OBSERVE AND REPORT, nebst allerlei Marginalien zu Jody Hill, Eastbound & Down und anderem.

Freitag, 20. November 2009

ENDSTATION DER SEHNSÜCHTE - Sung-Hyung Cho


24.11.09 | 20.00 Uhr
vorgestellt von der Filmemacherin


Endstation der Sehnsüchte
von Sung-Hyung Cho

In Anwesenheit der Filmemacherin




ENDSTATION DER SEHNSÜCHTE | Deutschland 2009 | Regie, Buch, Schnitt: Sung- Hyung Cho | Protagonist/inn/en: Yong-Sook, Armin Theis, Chun-Ya, Willi Engelfried, Woo-Za, Ludwig Strauss-Kim | Produzent/inn/en | Ton: Bernd von Bassewitz | Kamera: Ralf Netzer, Axel Schneppat, Stefan Grandinetti | Sprache: Koreanisch/ Deutsch mdU | 95min |

Drei Frauen auf der Suche nach Heimat kehren nach über dreißig Jahren zurück in ein Südkorea, das nicht mehr ihres ist. Sie haben in den Siebzieger Jahren alles zurückgelassen, auch ihre Kinder, um als Gastarbeiterinnen nach Deutschland zu gehen.Sie haben sich perfekt assimiliert in dem neuen Land und sich doch immer nach dem alten gesehnt. Jetzt haben sie ihren Traum wahr gemacht und ihre deutschen Ehemänner mitgenommen nach Dogil Maeul, das "Deutsche Dorf", das eigens für Leute wie sie errichtet wurde: Yong-Sook, Woo-Za und Chun-Ja sind als gut situierte Rentnerinnen zurückgekehrt und zur Touristenattraktion geworden.

Denn das Dorf in der malerischen Bucht mit den roten Ziegeldächern und den sauberen Vorgärten ist tatsächlich deutscher als deutsch, es gibt sogar Vollkornbrot und Bockwürste. Eine skurrile Kulisse, in der Touristen durch ihre Vorgärten trampeln und die Ehemänner als "Langnasen-Opas" belachen, bis die Polizei eingreift.

Es ist ihre neue, alte Heimat, in die ihnen Willi, Ludwig und Armin mit über sechzig Jahren in der Hoffnung auf einen beschaulichen Lebensabend gefolgt sind. Und doch fehlt den Frauen etwas. Denn "Am Abend, wenn die Sonne untergeht, kommt das Heimweh. Egal, ob du 40, 50 oder 60 bist." Das war in Deutschland so, wo sie die Hälfte ihres Lebens verbracht haben und doch immer fremd blieben. Und das ist jetzt in Südkorea so, wo sie nicht mehr nahtlos an ihre alten Wurzeln anknüpfen können.

Sie tragen traditionelle, koreanische Trachten in Wohnzimmern mit Schrankwänden aus deutscher Eiche. Wenn ihre Ehemänner über mangelnde Ordnung und Disziplin der Koreaner schimpfen, können sie das gut nachvollziehen. Und doch macht es sie glücklich, wenn der Gatte mit Hingabe koreanische Volkstänze erlernt.Mit diesem kulturellen Spagat ist die Regisseurin Sung-Hyung Cho aus eigener, biografischer Erfahrung vertraut. Ihre humorvolle, einfühlsame Beobachtung der drei Ehepaare spürt mit gemischten Gefühlen der Frage nach, was Heimat eigentlich ist und ob man sie wieder finden kann.

Quelle: Zorro Film

weitere Infos zum Film auf der Homepage von Sung-Hyung Cho

Samstag, 14. November 2009

FULL METAL VILLAGE - Sung-Hyung Cho

17.11.09 | 20.30 Uhr
FULL METAL VILLAGE | D 2006 | Regie: Sung-Hyung Cho | Drehbuch: Sung-Hyung Cho | Protgonist/inn/en: Uwe Träde, Lore Träde, Klaus H. Plähn, Irma Schaack, Eva Waldow, Ann-Kathrin Schaack, Malena Schaack, Norbert Venohr, Birte Venohr, Henning Halver | Kamera: Marcus Winterbauer | Produzent/inn/en: Helge Albers, Roshanak Behesht Nedjad, Konstantin Kröning | Musik: Peyman Yazadanin | Montage: Sung-Hyung Cho | Sprache: Deutsch m. Engl. UT | 90 min |

Wacken in Schleswig-Holstein hat 1800 Einwoher, einen froschförmigen Topf als Wappen und eine solide CDU-Mehrheit im Gemeinderat. Einmal im Jahr, wenn zehntausende Metal-Fans anlässlich des Wacken Open Airs über diese heile Welt herfallen, kommt es zum spektakulären Culture Clash. Dieses Aufeinandertreffen hat die aus Korea stammende Cutterin und Regisseurin Sung-Hyung Cho zu ihrem Debütfilm angeregt.

Ursprünglich hatte sie einen mörderischen Twist in der Mitte Films geplant (als Referenz erwähnt sie From Dusk Till Dawn). Im Lauf der Arbeit sei sie aber drauf gekommen, dass der Kontrast der Welten zwar fünf Minuten beste Unterhaltung hergeben, in einem Feature Film aber auf Dauer zu einer nichtssagenden Redundanz verkommen würde. Deshalb habe sie sich mit der Zeit immer mehr auf die Perspektive der Dorfbevölkerung zu konzentrieren begonnen. Festival und Todesmetaller sind Aufhänger für ein katastrophenfilmähnliches Szenario und Kontrastmittel für die Ambivalenzen im Landidyll.

Sung-Hyung Cho wendet sich ihrem Objekt mit viel Sympathie zu. Sie zeigt sich fasziniert von dieser Welt (die Outtakes legen nahe, dass sie aus ihrem Material auch einen Film über Milchkuhhaltung im 21. Jahrhundert machen hätte können), ohne dabei die Grenze zur Romantisierung zu überschreiten oder das skurrile Potential der Figuren auszubeuten. Methodisch orientiert sie sich an Jean Rouch, dem Ethnografen, der die teilnehmende Beobachtung für den Dokumentarfilm nutzbar gemacht hat. Stilistisch hält sie sich an Robert Altman, in dessen Montagetechnik sie versucht, das vielstimmig verschachtelte Porträt einer Dorfgesellschaft zu zeichnen, in dessen Zentrum die Leitmotive Fremdheit und Entfremdung stehen.

Dienstag, 10. November 2009

GEORGE WASHINGTON - David Gordon Green


10.11.09 | 20.30 Uhr
vorgestellt von Sebastian Markt



GEORGE WASHINGTON | USA 2000 | Regie: David Gordon Green | Drehbuch: David Gordon Green | Darsteller/inn/en: Candace Evanofski, Donald Holden, Damien Jewan Lee, Curtis Cotton III, Rachael Handy, Paul Schneider, Eddie Rouse | Kamera: Tim Orr | Produzent/inn/en: David Gordon Green, Sacha W. Mueller, Lisa Muskat | Musik: Michael Linnen, David Wingo | Montage: Steven Gonzales and Zene Baker | Sprache: Englisch | 89 min |

Ein Ort: eine heruntergekommene Kleinstadt im Süden der USA, wo genau das wird nie ganz klar, ist vielleicht auch nicht so wichtig. Ein alter Güterbahnhof, ein letzter Rest von Industriearbeit. Ein paar Häuser, die Heime sind, obwohl viele nicht mehr danach aussehen. Es gibt wohl ein Zentrum, jedenfalls etwas, an dem sich eine Parade abhalten lässt, aber der Film verweilt die längste Zeit an der Peripherie.

Ein Ort: Kindheit. Freundschaft und Rivalität, erste Beziehungen. Möglichkeiten die Zeit totzuschlagen, was manchmal auch einfach leben heißt. Die erwachsene Welt lauert immer am Rand, und manchmal bricht sie herein.

GEORGE WASHINGTON ist die elliptische Erzählung eines Sommers, wie er von einem halbes Dutzend Kinder gelebt wird, die meisten von ihnen schwarz, wobei die Differenz keine große Bedeutung zu haben scheint. Nasia trennt sich von Buddy, will lieber mit George zusammen sein. Buddy weiß nicht recht wie damit umgehen, es war gut jemand zu haben "to talk about what you feel n’stuff". George hat ein merkwürdiges Problem an der Fontanelle, er muss einen Helm tragen und sein Kopf darf nicht nass werden.

Der Film nimmt sich viel Zeit dafür, auf nichts besonderes hinauszuwollen, Alltag und Umwelt der Kinder nachzuzeichen, wie sie sprechen, ihre Ängste und Träume. Bis eine Tragödie passiert, mit der eine Handlung im konventiellen Sinn einsetzt, eine Tragödie in der auch die coming-of-age Geschichte, die der Film in seiner Eigenwilligkeit auch ist, ihr Zentrum hat.

Das Territorium das GEORGE WASHINGTON in ruhigen, epischen Einstellung, gedreht auf Breitwand 35mm Film konstruiert verschmilzt die konkrete soziale Landschaft eines postindustriellen North Carolinas mit der emotionalen Geographie von Kindheit, die eingebettet in erste, auch darüber hinausragt.

Der historische George Washington, der dem Film den Titel leiht, ist keine Figur darin, sondern ein symbolischer Horizont, der die Restbestände des politischen Pathos der Vereinigten Staaten verzeichnet. Eine konkrete Utopie.

GEORGE WASHINGTON ist das Spielfilmdebut von David Gordon Green, entstanden nach Studienabschluss, vorwiegend in der Gesellschaft von Freunden und Kollegen aus der Filmhochschule (der University of North Carolina School of Arts in Winston-Salem, wo auch der Film gedreht wurde). Der Film hatte eine komplizierte Karriere, wurde von Sundance abgelehnt, im Forum der Berlinale gefeiert, schließlich auch in USA aufmerksam wahrgenommen und begründete so eine recht ungewöhnliche Karriere, die Green inzwischen unter anderem zu Judd Apatow und Terrence Malick als Produzenten brachte, und zu einer Serie auf HBO.

Filmographie:

Pleasant Grove (1998)
Physical Pinball (1999)
George Washington (2000)
All the Real Girls (2003)
Undertow (2004)
Snow Angels (2008)
Pineapple Express (2008)
Eastbound and Down (Fernsehserie von Jody Hill, Danny McBride und Ben Best, Regie bei drei Episoden, 2008)

Dienstag, 27. Oktober 2009

ROBERT FRANK | FLORIAN BARON



27.10.09 | 20.30 Uhr

Ein Abend zwei Teilen


I.TEIL | 20:30 Uhr
ABOUT ME: A MUSICAL von ROBERT FRANK

USA 1971 | Regie: Robert Frank | Kamera: Danny Seymour, Robert Frank | Ton: Robert McNamara | Darsteller: Lynn Reyner | Sprache: Englisch| 30 min |

II.TEIL | 21:30 Uhr
THE VIDEO MARKET von FLORIAN BARON
Anschließend Gespräch

Japan 2009 | Regie, Kamera, Schnitt: Florian Baron| Sprache: Japanisch mit Englischen Untertiteln | 30 min |


ABOUT ME: A MUSICAL:

Es gibt Filme, die nicht auf das Spiel ihres Gegenstandes eingehen. Robert Frank hatte den Auftrag, eine Studie über die Musik in den Vereinigten Staaten zu drehen, doch schon nach ein paar Minuten meinte er kurz und bündig: «fuck the music». Damit wird sein Leben mit seinen Reisen, Leidenschaften, Erinnerungen und Fragen zum roten Faden dieses Films. Sein Leben, eine Ansammlung von Ideen, Zweifeln und Suchen, setzt sich endgültig als Thema durch. Um seine eigene Figur zu verkörpern, wählt Frank eine junge Frau. Eine Gruppe von fünf Jugendlichen befragt sie in der Art eines antiken Chors in einer klassischen Tragödie, fordert zu Bekenntnis und Gewissenser forschung auf. Über dieses andere Ich stellt Frank seine Vergangenheit, sowohl auf persönlicher wie auch auf beruflicher Ebene, sehr heftig in Frage. Doch das Leben gewinnt wieder Oberhand, und auf die schamlose Selbstinszenierung folgen mit grossem Talent gefilmte Dokumentarsequenzen. about me ist ein Film mit einer scheinbar total durchlässigen Struktur, und in dieser Durchlässigkeit liegt die ganze Kraft dieses Projektes, das zwischen Oberflächlichkeit und Tiefgründigkeit, zwischen dem Ich und der Welt hin- und herpendelt. (yow) - Quelle: www.visionsdureel.ch

Biografie Robert Frank:

Robert Frank wird 1924 in Zürich geboren. Er macht eine Photographenlehre und beginnt in der Schweiz als Photograph zu arbeiten, bevor er 1947 nach New York auswandert. Dort heiratet er 1950 und hat zwei Kinder. Zwischen 1955 und 1957 verwirklicht er, dank einem Guggenheim Stipendium,
den berühmten Bildband Les Américains, der 1958 in Paris bei Delpire erscheint. 1970 lässt er sich in Mabou in Kanada nieder und entscheidet sich dem Film zu widmen. 1972 kommt er aber wieder zur Einzelaufnahme zurück und veröffentlicht das Retrospektivwerk The lines of my hands. In der Zwischenzeit vollendete er namentlich den Film pull my daisy, dem eine Erzählung von Kerouac zugrunde liegt, me and my brother und conversations in vermont, seinen ersten autobiographischen Film. Es folgen life dances on..., der Dokumentarfilm This song for jack und der Roadmovie Candy mountain. Sein introspektives, formal freies und persönliches Werk wird Anfang der 90er Jahre durch die Videofilme c’est vrai, Last supper und the present ergänzt. (lb) - Quelle: www.visionsdureel.ch

Filmografie:

Pull My Daisy, 1959/ The Sin of Jesus, 1961/ O.K. End Here, 1963/ Chappaqua, 1967/ Me and My Brother, 1968/ Liferaft Earth, 1969/ Conversation in Vermont, 1969/ About Me: a Musical, 1971/ Cocksucker Blues, 1972/ Keep Busy, 1975/ Life Dances On..., 1980/ Energy and How to Get It, 1981/ This Song for Jack, 1983/ Home Improvements, 1985/ Candy Mountain, 1987/ Hunter, 1989/ Run, 1989/ C'est Vrai !, 1990/ Last Supper, 1992/ Moving Pictures, 1994/ The Present, 1996/ Summer Cannibals, 1996


THE VIDEO MARKET

'The Video Market entstand November 2008 im Rahmen der Ausstellung 'WANAKIO - Art in the City' in Okinawa, Japan. Mein Vorhaben war, einen Monat lang auf dem ältesten Großmarkt der Insel einen Dokumentarfilm zu drehen und zu schneiden. Meine Arbeit wurde gleichzeitig jeden Tag als work-in-progress auf dem Markt gezeigt. Der Film ist für mich das Ausprobieren einer neuen dokumentarischen Form, eine Art 'first-person-documentary'. Es ging mir um die Herausforderung meiner Rolle als Filmemacher ebenso wie um die Herausforderung der Protagonisten, aus den festgefahrenen Strukturen des Marktes auszubrechen."

(Florian Baron)

Samstag, 24. Oktober 2009

AURAEUS SOLITO zu Gast

25.10.09 | 21.00 Uhr
in Anwesenheit des Regisseurs


ACHTUNG SONDERPROGRAMM!!!

FÜR SONNTAG DEN 25.10.09

TULI VON AURAEUS SOLITO

ANSCHLIEßEND GESPRÄCH MIT DEM REGISSEUR

TULI | Philippinen 2007 | Regie: Auraeus Solito | Buch: Jimmy Flores | Produzent: Vincent del Rosario | Ton: Tad Ermitano | Kamera: Nap Jamir, Mark Gary, Regiben Romana | Montage: Jeremiah Domingo, Kanakan Balintago | Musik: Pepe Smith | Darsteller: Desiree del Valle (Daisy), Vanna Garcia (Botchok), Carlo Aquino (Nanding), Bembol Roco (Ka Malteng), Eugene Domingo (Purita), Luis Alandy (Beneng) | Sprache: Tagalog with English subtitles | 113min


TULI spielt in einem entlegenen Dorf auf den Philippinen, wo bis heute traditionelle Beschneidungsriten an Jungen durchgeführt werden. Malteng, der im Dorf für die Beschneidungen zuständig ist, verlangt von seiner Tochter Daisy, von klein auf bei den Zeremonien zu helfen. Als junge Frau stellt sich Daisy gegen ihren Vater und das Patriarchat des Dorfes, als sie eine Liebesbeziehung mit einer anderen Frau beginnt. Schlimmer noch, sie entschließt sich, vom einzigen unbeschnittenen Jungen des Dorfes schwanger zu werden.


Erste internationale Aufmerksamkeit in Filmkreisen erlangte Auraeus Solito mit 'Ang Pagdadalaga ni Maximo Oliveros' (The Blossoming of Maximo Oliveros), einem Film über einen Jungen, der lernt, seine Homosexualität zu akzeptieren. Als das Drehbuch zu TULI verfilmt werden sollte, dachte Viva-Produzent Vincent del Rosario sofort an Auraeus Solito: „Er hat ein einmaliges Gespür für das Thema Homosexualität bei den Philippinos“, sagt Vincent. „Ich war mir absolut sicher, dass es ihm gelingen würde, das alltägliche Leid der Homosexuellen zu zeigen. Vor allem in den ländlichen Regionen der Philippinen wird ihnen das Leben schwer gemacht: Üblicherweise dreht sich in Familien auf dem Land alles um einen diktatorischen

Patriarchen – Männer wie Ka Malteng in TULI. Da erfordert es sehr viel Mut, für die eigenen Rechte zu kämpfen, so wie Daisy das tut, die sich entschließt, schwanger zu werden, oder wie Nanding, der ablehnt, sich um der Tradition willen beschneiden zu lassen.“


TULI konnte in den Philippinen nur in einer stark zensierten Fassung in die Kinos kommen. Obwohl es im Film keine expliziten Sex- oder Nacktszenen gibt, war den Zensoren die Geschichte von Daisy, die sich gegen die traditionellen, patriarchalen Strukturen eines Dorfes auflehnt, zu brisant.


English Synopsis:

In remote barrios of the Philippines, traditional circumcision rites are still carried out on young boys. Daisy‘s father, specialized in these procedures, often takes out his unhappiness with his life on his daughter by forcing her to remove the little boys’ foreskins. In order to get back at her father, Daisy flaunts her love affair with another woman. Worse, she decides to get pregnant by the only boy in town who is not circumcised.


Biofilmografie:

Auraeus Solito wurde in Manila geboren. Er studierte Theaterwissenschaft an der Universität der Philippinen und nahm an einem Filmworkshop des Mowelfund Film Instituts teil, der zum Ausgangspunkt seiner Karriere als Filmemacher wurde. Sein erster Langfilm, 'The Blossoming of Maximo Oliveros', ist bis heute der erfolgreichste independent-Film auf den Philippinen, und gewann Preise auf zahlreichen internationalen Festivals, u.a. bei Sundance und der Berlinale.


Filme:

1995: Ang Maikling Buhay ng Apoy; Act 2, Scene 2; Suring at ang Kuk-ok (The Brief Lifespan of Fire, Act 2, Scene 2: Suring and the Kuk-ok). 1997: Ang Huling El Bimbo (The Last El-Bimbo Dance). 1998: Impeng Negro. 2002: Basal Banar (The Sacred Ritual of Truth). 2005: Ang Pagdadalaga ni Maximo Oliveros (The Blossoming of Maximo Oliveros). 2007: TULI. 2008: Pisay (Philippine Science). 2009: BOY

Montag, 19. Oktober 2009

MYSTERIOUS OBJECT AT NOON - Apichatpong Weerasethakul


20.10.09 | 20.30 Uhr
vorgestellt von Gregor Stadlober



MYSTERIOUS OBJECT AT NOON; DOGFAHR NAI MEU MARN | Thailand 2000 | Regie: Apichatpong Weerasethakul | Autoren: The Villagers of Thailand | Besetzung: Somsri Pinyopol, Duangjai Hiransri, To Hanudomlapr, Kannikar Narong, Kongkiert Komsiri, Mee Madmoon, Chakree Duangklao, Jaruwan Techasatiern, Jarunee Jandang, u.a. | Produzent: | Musik: | Ton: | Kamera: Apichatpong Weerasethakul, Prasong, Klinborrom | Montage: Mingmongkol Sonakul, Apichatpong Weerasethakul | Sprache: | Minuten | Farbe

Zunächst ist da das Porträt einer Frau. Sie wird bei der Arbeit gezeigt, Stück für Stück erzählt sie ihr Geschichte, einen Teil davon, jedenfalls: ihr Vater hat sie als Kind verkauft. Am Ende ihrer Erzählung fragt Weerasethakul ob sie nicht noch eine Geschichte erzählen möchte, irgendeine, sie kann erfunden sein, gelesene, gehört. Die Frau beginnt von neuem.

Und dann wird der Film diese Geschichte.

Erzählt, Stück für Stück von immer wieder neuen Menschen, denen die Filmemacher/innen auf einer Reise durch Landstriche Thailands begegnen, und die Geschichte fortspinnen, wie es ihnen gefällt. Manchmal wird ein Stück der Handlung inszeniert, wir sehen es als Film im Film. Einmal spielt eine Theatergruppe die Geschichte weiter.

Dass Weersethakuls Film selber ein "Mysterious Object" sei (so wie alle seine anderen) ist mittlerweile ein Kalauer der Filmkritik. Aber man hat tasächlich erstmal keinen Namen für die Art und Weise wie dieser Filme sich einer handhabbaren Kategoriesierung entziehen.

Ein Film über das Erzählen von Geschichten, vielleicht.

>>Thai filmmaker Apichatpong Weerasethakul likes to say that Mysterious Object at Noon is really about "nothing at all." [...] Far from an empty vessel, the film encourages an ever increasing proliferation of odd topics and perspectives. [...]
"I'm interested in the possibilities of involving both fact and fiction in one film," Joe said at the Rotterdam Film Festival, where his film debuted a year and a half ago. "But I wasn't thinking much about revolutionizing the narrative method when I started making this film. In some ways, I think the movie turned out to be really rather old-fashioned." Spiraling out from Bangkok across a variety of sandy southern and rural northern extremes, Mysterious Object at Noon searches out everyday people—fish sauce vendors, wizened grannies, video-game-saturated schoolchildren—who are willing to reveal bits of themselves for the camera, and to contribute a fragment to the film's evolving story about a paraplegic boy and his unpredictable tutor, a woman named Dogfar. Initially observing his subjects at a modest verité remove, Joe then steps in to direct and intercut dramatic re-creations of the freely associated narrative strokes they've supplied.
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LINKS

Chuck Stephens, Village Voice, June 26, 2001
http://www.villagevoice.com/2001-06-19/film/that-obscure-object/1