Dienstag, 10. November 2009

GEORGE WASHINGTON - David Gordon Green


10.11.09 | 20.30 Uhr
vorgestellt von Sebastian Markt



GEORGE WASHINGTON | USA 2000 | Regie: David Gordon Green | Drehbuch: David Gordon Green | Darsteller/inn/en: Candace Evanofski, Donald Holden, Damien Jewan Lee, Curtis Cotton III, Rachael Handy, Paul Schneider, Eddie Rouse | Kamera: Tim Orr | Produzent/inn/en: David Gordon Green, Sacha W. Mueller, Lisa Muskat | Musik: Michael Linnen, David Wingo | Montage: Steven Gonzales and Zene Baker | Sprache: Englisch | 89 min |

Ein Ort: eine heruntergekommene Kleinstadt im Süden der USA, wo genau das wird nie ganz klar, ist vielleicht auch nicht so wichtig. Ein alter Güterbahnhof, ein letzter Rest von Industriearbeit. Ein paar Häuser, die Heime sind, obwohl viele nicht mehr danach aussehen. Es gibt wohl ein Zentrum, jedenfalls etwas, an dem sich eine Parade abhalten lässt, aber der Film verweilt die längste Zeit an der Peripherie.

Ein Ort: Kindheit. Freundschaft und Rivalität, erste Beziehungen. Möglichkeiten die Zeit totzuschlagen, was manchmal auch einfach leben heißt. Die erwachsene Welt lauert immer am Rand, und manchmal bricht sie herein.

GEORGE WASHINGTON ist die elliptische Erzählung eines Sommers, wie er von einem halbes Dutzend Kinder gelebt wird, die meisten von ihnen schwarz, wobei die Differenz keine große Bedeutung zu haben scheint. Nasia trennt sich von Buddy, will lieber mit George zusammen sein. Buddy weiß nicht recht wie damit umgehen, es war gut jemand zu haben "to talk about what you feel n’stuff". George hat ein merkwürdiges Problem an der Fontanelle, er muss einen Helm tragen und sein Kopf darf nicht nass werden.

Der Film nimmt sich viel Zeit dafür, auf nichts besonderes hinauszuwollen, Alltag und Umwelt der Kinder nachzuzeichen, wie sie sprechen, ihre Ängste und Träume. Bis eine Tragödie passiert, mit der eine Handlung im konventiellen Sinn einsetzt, eine Tragödie in der auch die coming-of-age Geschichte, die der Film in seiner Eigenwilligkeit auch ist, ihr Zentrum hat.

Das Territorium das GEORGE WASHINGTON in ruhigen, epischen Einstellung, gedreht auf Breitwand 35mm Film konstruiert verschmilzt die konkrete soziale Landschaft eines postindustriellen North Carolinas mit der emotionalen Geographie von Kindheit, die eingebettet in erste, auch darüber hinausragt.

Der historische George Washington, der dem Film den Titel leiht, ist keine Figur darin, sondern ein symbolischer Horizont, der die Restbestände des politischen Pathos der Vereinigten Staaten verzeichnet. Eine konkrete Utopie.

GEORGE WASHINGTON ist das Spielfilmdebut von David Gordon Green, entstanden nach Studienabschluss, vorwiegend in der Gesellschaft von Freunden und Kollegen aus der Filmhochschule (der University of North Carolina School of Arts in Winston-Salem, wo auch der Film gedreht wurde). Der Film hatte eine komplizierte Karriere, wurde von Sundance abgelehnt, im Forum der Berlinale gefeiert, schließlich auch in USA aufmerksam wahrgenommen und begründete so eine recht ungewöhnliche Karriere, die Green inzwischen unter anderem zu Judd Apatow und Terrence Malick als Produzenten brachte, und zu einer Serie auf HBO.

Filmographie:

Pleasant Grove (1998)
Physical Pinball (1999)
George Washington (2000)
All the Real Girls (2003)
Undertow (2004)
Snow Angels (2008)
Pineapple Express (2008)
Eastbound and Down (Fernsehserie von Jody Hill, Danny McBride und Ben Best, Regie bei drei Episoden, 2008)

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