ACCIDENT | USA | 1967 | Regie: Joseph Losey | Buch: Harold Pinter nach dem Roman von Nicholas Mosley | Kamera: Gerry Fisher | Schnitt: Reginald Beck | Musik: John Dankworth | Set Design: Carmen Dillon | Kostüme: Beatrice Dawson | gedreht Juli bis September 1966 in Oxford (Syon House & Twickenham Studios) | 105 Minuten, Eastmancolor | Darsteller: Dirk Bogarde (Stephen), Stanley Baker (Charley), Jacqueline Sassard (Anna), Michael York (William), Vivien Merchant (Rosalind), Delphine Seyrig (Francesca)
Cannes 1967: Großer Preis der Jury
Inhalt:
Ein junger Student, der auf dem Weg zu seinem Professor ist, kommt bei einem tragischen Autounfall ums Leben. Über ausgefeilte Rückblenden erfahren die Zuschauer, dass der Professor eine komplizierte Beziehung mit der Freundin seines Studenten unterhielt, die durch das tragische Ereignis ein unerwartetes Ende findet. Das spannungsgeladene Leben des gehobenen englischen Bürgertums in der altehrwürdigen Universitätsstadt Oxford wird von nun an für alle Beteiligten nicht mehr dasselbe sein, auch wenn sich der Professor entscheidet, in die scheinbare häusliche Idylle seiner Familie zurückzukehren.
„Dirk Bogarde, Hauptdarsteller in drei Filmen Loseys zuvor, fragte den Regisseur, welcher Art das jüngste Projekt, Accident, sein solle. Loseys Antwort: "Diesmal mache ich den perfekten Film. Ich habe das perfekte Drehbuch, die perfekte Besetzung, die perfekte Crew. Ich brauche nicht mehr als die Sonne, solange wir drehen." Das Erstaunliche daran: Accident ist dieser ganz und gar vollendete, makellose Film geworden, den Losey sich vorgenommen hat. Kaum ein anderes Werk der Filmgeschichte zeugt von einer derart entschiedenen, bis ins Kleinste gehenden Kontrolle des Regisseurs über jedes Detail seines Films, einer Bewusstheit auf den Millimeter der Einstellung, des Art Designs, der Kamerabewegung, des Schnitts, der Schauspielerführung und des Musikeinsatzes. Die Kehrseite, derentwegen der Film von Kritikern wie David Thomson verabscheut wird: nichts scheint dem Zufall überlassen, es gibt keine Lücke, in die Improvisation oder der Widerstand des Materials, ja, der Wirklichkeit stoßen könnten. Das heißt keineswegs, dass sich Accident zu einem geschlossenen, sterilen Sinn-Ganzen fügt, es heißt nur, dass seine Rätselhaftigkeit, seine Sperrigkeit auf das Kunst-Wollen und Kunst-Können seiner Macher zurückzuführen ist. Oder, wenigstens: wo etwas am Film entgleitet, falls etwas entgleitet, ist dieses Entgleiten nicht mehr sichtbar. Accident tritt auf mit dem unerhörten Anspruch, ganz und gar, restlos, determiniert zu sein. Bazins Alptraum: eine Zurichtung der gefilmten Wirklichkeit auf ein Binnenreich der Zeichen, deren Referenzseite abgeschattet wird, die stattdessen, im souveränen Zugriff auf ihre ambivalenten Bedeutungspotenziale, verwendet werden nach Regeln - äußerst strengen Regeln -, die dieser Film sich gibt, von seinem Anfang bis zu seinem Ende (das den Anfang spiegelt). Lesbar in einem über den offensichtlichen Mimetismus hinausgehenden Sinn sind diese Zeichen - so die Utopie dieses Films - nur nach der Seite ihres Ortes im Spiel, nicht nach der Seite ihrer Abbildung von Wirklichkeit.
(...)
Ein Film, der an allen Stellen glitzert und funkelt, ohne dass man der Brillanz je müde würde: sie ist so neu und natürlich zugleich, so ernst und verspielt, so formbewusst und dennoch von den Figuren fasziniert; Accident ist ein Film wie kein anderer.“
„(Wieder-) Gesehen: ACCIDENT (Joseph Losey, GB1967).
Loseys elegantester Film, ganz nahe am Nichts und damit mit Antonionis BLOW UP verwandt; genial montiert von Reginald Beck. Dirk Bogarde ist sensationell. Für mich einer der größten Schauspieler des 20. Jahrhunderts.“
„Ich wünschte, ich könnte sagen, was ich über all das meine. Es geht um zwei Sachen, erstens, dass die Menschen keine Persönlichkeiten sind sondern Dinge, die sich gelegentlich in Sprüngen und meistens in unmerklichem Tempo bewegen; und zweitens das Gegenteil, dass wir jeder von uns in gewisser Weise bekamen, was wir wollten...“


Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen