Donnerstag, 22. April 2010

GLUE – Alexis Dos Santos

Dienstag 27.04.2010
20.30 Uhr
vorgestellt von Diemo Kemmesies
GLUE | Argentinien, GB 2006 | Regie: Alexis Dos Santos | Buch: Alexis Dos Santos | Kamera: Natasha Braier | Montage: Ida Bregninge, Leonardo Brzezicki, Alexis Dos Santos | Produzent: Alexis Dos Santos, Soledad Gatti-Pascual | Darsteller: Nahuel Pérez Biscayart, Nahuel Viale, Inés Efron, Verónica Llinás, Héctor Díaz, Florencia Braier | 110 Minuten | Farbe | Spanisch mit UT

Eine Jugend in einem Kaff in Patagonien. Darum herum Wüste. Lucas (Nahuel Perez Biscayart) und Nacho (Nahuel Viale) und Andrea (Ines Efron) versuchen, der äußeren Ereignislosigkeit ein wenig Pubertätsdramatik abzugewinnen. Lucas liebt die Verzweiflungssongs der Violent Femmes und schreibt für seine Band selber solche. Über Russinnen und Russen, die sich ausziehen. Über Sex. Ein Thema, mit dem er jetzt nicht die ganz große Erfahrung hat. (...)

Regisseur und Drehbuchautor Alexis Dos Santos kommt aus dem patagonischen Kaff, in dem GLUE spielt. Er macht aus der Ödnis kein Drama. Er setzt auf das Improvisieren seiner Darstellerinnen und Darsteller, die sehr ausdrucksvoll sprachlos sind, in Bruchstücken und Satzfetzen reden, die fern davon sind, das ganze aufregende Elend pubertärer Verzweiflung auf Begriffe zu bringen. Mit Ausnahme von auf Super-8-Material gefilmten Sequenzen, die mit existenziellen Banalitäten unterlegt sind: Was wäre, wenn mich meine Eltern etwas früher gezeugt hätten. Wäre ich dann ich? Dann der Ausbruch in den Gesang mit seinen in ihrer Dämlichkeit sehr wahren Song-Texten.

Natasha Breier gibt mit ihrer wahnsinnig unruhigen Kamera, die immer nah dran ist, in alles andere als abgeklärter Weise dem Zittern, dem Nichtwissen um das, was mit einem passiert, eine Form. Wenn sich die drei zusammenkuscheln, kuschelt sie mit. Wenn Andrea vor dem Spiegel steht und ihre in nicht zufriedenstellender Weise wachsende Brüste betrachtet, dann ist ihre Betrachtung vollkommen solidarisch. Die Intimität, die sich zwischen Laiendarstellern und Kamera herstellt, hat die schönste Selbstverständlichkeit. In ihrem Zusammenspiel stimmt, wie im ganzen Film, einfach der Ton. Keinem, der jung war, wird dies Patagonien fremd sein. (...)

[Text von Ekkehard Knörer: http://www.filmzentrale.com/rezis/glueek.htm]

LINKS:

Zur Verbindung der beiden Filmemacher Lucrecia Martel und Alexis Dos Santos, ein Artikel der CBC: http://www.cbc.ca/arts/film/buenos_aires.html

Alexis Dos Santos: http://www.myspace.com/lazystranger

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