Montag, 3. Mai 2010

XXY - Lucía Puenzo

Dienstag 04.05.2010
20.30 Uhr
vorgestellt von Diemo Kemmesies

XXY | Argentinien, Frankreich, Spanien 2007 | Regie: Lucía Puenzo | Buch: Sergio Bizzio, Lucía Puenzo | Kamera: Natasha Braier | Montage: Hugo Primero, Alex Zito | Produzenten: José María Morales, Carla Pelligra, Luis Puenzo, Fernando Sirianni, Fabienne Vonier | Musik: Andrés Goldstein, Daniel Tarrab | Darsteller: Ricardo Darín, Valeria Bertuccelli, Germán Palacios, Carolina Pelleritti, Martín Piroyansky, Inés Efron, Guillermo Angelelli, César Troncoso, Jean Pierre Reguerraz, Ailín Salas, Luciano Nóbile, Lucas Escariz | 86 Minuten | Farbe | Spanisch mit UT

Alex (Ines Efron) ist fünfzehn und sie ist ein Hermaphrodit, ein Mädchen mit Brüsten und einem Penis. Man hat sie nicht, wie es in solchen Fällen lange Zeit üblich war und oft schlimme Folgen zeitigte, nach der Geburt operiert. Ihre Eltern haben ihr die schreckliche Freiheit gelassen, anders zu sein als die anderen, und XXY, das Debüt der Regisseurin Lucía Puenzo, erzählt von beidem: der Freiheit und dem Schrecken. Es geht Puenzo dabei nicht – wie etwa Jeffrey Eugenides' Erfolgsroman "Middlesex" – um Gender-Diskurse, nicht um Thesen zum Umgang mit Intersexuellen. Und nur im besten Sinne ist XXY ein Problemfilm, weil es ihm nämlich gelingt, das "Problem" so zu indivualisieren, dass man sich mehr für das Individuum interessiert und seine Art und Weise, das Problem zu konfrontieren. (...)

Lucía Penzo, deren Drehbuch nicht die stärkste Seite des Films ist, (...) hat, wie um für Balance zu sorgen, eine Vergewaltigungsszene eingefügt und eine Konfronation Alvaros mit seinem Vater, der ihn seiner "Unmännlichkeit" wegen verachtet. Allzu symbolisch geht es mitunter zu, von intersexuellem Meeresgetier und zerhobelten Karotten bis zum Familiennamen von Alex, der "Kraken" lautet. Diese Symbolik wird durch zweierlei immer wieder vergessen gemacht: die fiebrig-lebendige Kamera der (immer fantastischen) Natasha Braier, die den Figuren nahe kommt und nahe bleibt, ohne aufdringlich zu sein und so überzeugend daran arbeitet, dass sich nichts verfestigt, im Inneren von Alex und Alvaro und im Äußeren der erst leise, dann heftiger erschütterten Leben aller Beteiligten. Und vor allem Ines Efron, die Darstellerin von Alex, die schon im kürzlich bei uns angelaufenen Film "Glue" zu sehen war (Kamera auch da: Natasha Braier), und völlig überzeugend zwischen Furcht, Trotz, Verträumtheit und abrupt aufbrechender Entschlossenheit weniger schwankt als in abrupten Schüben gleitet. (...)

[Text von Ekkehard Knörer, zuerst erschienen am 25.06.2008 bei www.perlentaucher.de]

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Der Artikel in voller Länge: http://www.filmzentrale.com/rezis/xxyek.htm

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