Sonntag, 12. Februar 2012

SLEEPLESS KNIGHTS - Stefan Butzmühlen & Cristina Diz

Dienstag 14.2.2012
22.00 Uhr
Berlinale Special





Wir freuen uns mit Stefan und Cristina und machen einen Ausflug zur Weltpremiere von:

SLEEPLESS KNIGHTS

Dienstag - 22 Uhr - Delphi Filmpalast

Online ist der Film ausverkauft, aber es gibt Restkarten an der Abendkasse.

Webseite: www.sleeplessknights-film.de

Montag, 6. Februar 2012

EXPERIMENTELLE DOKUMENTARFILME - Martin Brand, Gerhard Friedl und Volko Kamensky


Dienstag 7.2.2012
20.30 Uhr
vorgestellt von Jan Künemund


Dokument | Fiktion. Beobachten | Erzählen. Bild | Text. Nach Friedls Langfilm HAT WOLFF VON AMERONGEN KONKURSDELIKTE BEGANGEN? haben uns weitere Filme interessiert, in denen quasi registrierender Blick auf eine wilde Texterzählung trifft, dokumentarisches Material durch die Spezialeffekte des Mediums geformt und manipuliert wird.




I. BREAKDANCE von Martin Brand (Idee, Buch, Realisierung, Montage, Produktion) | DE 2004 | 7 Minuten | Aufführungen u.a.: Kassel, Rencontres Paris/Berlin, Viennale, Cinéma du Réel | Auszeichnungen u.a. beim Int. Videofestival Bochum und blicke.

Montage von dokumentarischem Rohmaterial des «Breakdance Nr.2». Der Blick bleibt auf den Jugendlichen hängen, die sich in Gruppen um das ansammelten. Die zufällige Entdeckung wird zur detaillierten Studie. Das Video wird schließlich von einer Erzählung in der ersten Person aus dem Off ergänzt.

„Ich bin auf eine Kirmes gegangen und habe experimentelle Videoaufnahmen gemacht, begeistert von den Lichtern und Farben dort. Bei Aufnahmen an einem besonders farbenprächtigen Fahrgeschäft waren ständig die herumstehenden Jugendlichen in meinem Bild, was mich zunächst ärgerte, ich aber auch nicht ganz vermeiden konnte. Doch mehr und mehr begann mich dieses Bild zu faszinieren und ich merkte, dass ich da in eine Welt schaue, die mir einerseits total fremd, irgendwie aber auch sehr bekannt vorkam und von der ich mehr wissen wollte. Das war so ein spezielles Fahrgeschäft, ein Szenetreffpunkt für Jugendliche, einer, na ja, etwas härter ausgerichteten Jugendszene. Es gab ständig Schlägereien und die Stimmung war angespannt und aggressiv.
Der auf diese Weise entstandene Film BREAKDANCE wurde schließlich für mich sehr wichtig, da er mir recht viel Aufmerksamkeit und positive Resonanz eingebracht hat, aber für mich wusste ich, dass ich die sichere Position des distanzierten Betrachters aufgeben und mit den Leuten direkt in Kontakt treten musste.“ (Martin Brand)

Martin Brand, geboren 1975 in Bochum, ist Video- und Fotokünstler, arbeitet installativ, zeigt seine Arbeiten aber auch auf Film- und Medienkunstfestivals. Diverse Auszeichnungen und Stipendien seit 2000. Lebt in Köln. www.martinbrand.net.





II. KNITTELFELD von Gerhard Friedl (Regie, Buch, Schnitt)| DE 1997, 35 Minuten | Kamera: Rudolf Barmettler | Förderpreis der Deutschen Filmkritik (Bester Dokumentarfilm 1997)


Knittelfeld ist eine typisch österreichische Kleinstadt in der Steiermark, bis sich 1977 hier die Familie Pritz niederlässt, denn kurze Zeit später werden Hugo, Herbert, Dieter, Peter, Hannah und Karl Pritz alle wegen verschiedener Tötungsdelikten verurteilt.

„Die tatsächlichen Tatbestände und die öffentliche Meinung darüber beginnen sich zu überlagern, faktische Wahrheit und deren Gehalt fallen auseinander, und so verhält es sich mit diesem Film, der nicht die Geschichte der Stadt Knittelfeld schreibt, sondern die Geschichte einer Stadt wie Knittelfeld: Das Historische findet auf den Seiten des Chronik-Ressorts statt.“ (Bert Rebhandl)

Gerhard Friedl (1967-2009) hat Filmregie an der HFF München studiert. Abschlussfilm war der vielfach ausgezeichnete HAT WOLFF VON AMERONGEN KONKURSDELIKTE BEGANGEN? (2004), neben KNITTELFELD die einzige abgeschlossene Filmarbeit Friedls.



III. ALLES WAS WIR HABEN von Volko Kamensky (Idee, Realisierung, Produktion, Sprecher) | DE 2004, 22 Minuten | Real-Sound-Synthesis: Julian Rohrhuber


13 Flächenbrände hat es in Rotenburg an der Wümme seit 1195 gegeben. Die Stimmen des Stadtarchivars und der Heimatmuseumsleiterin gehen auf der Tonspur die Brandhistorie noch einmal durch. Eine kleine Geschichte über die Entstehung von Mythen und den Ausmalungen der Vorstellungskraft.

„Der Verlust von Historie, die Unzufriedenheit mit dem Zeitgenössischen und die reale Ödnis auf den Straßen und Plätzen Rotenburgs sorgen dafür, dass auf dem 8mm-Film ein Ort zu sehen ist, der Schwierigkeiten hat, Raum zu werden. Kamensky weiß das und er leidet mit Rotenburg. Mittels 5-Kanal-Ton, über den am Computer komplett synthetisch erzeugte Atmos und Hintergrundgeräusche über den Film gelegt werden, wird den Panoramaschwenks der Kamera jenes Leben eingehaucht, das in der Realität nicht zu filmen war. Die Geräusche sind von Julian Rohrhuber ohne Samples oder Soundsoftware am Computer generiert und beschreiben, was Kamensky glaubt, gehört zu haben. Wie ein Herzschrittmacher hauchen die Computersounds den Bildern aus Rotenburg das durch Brand verlorene Leben wieder ein.“ (Kai Hoelzner)

Zwischenfrage aus dem Publikum: Ist die „Story“ vom mehrfach abgebrannten Heimatmuseum, die erzählt wird, da nicht eher eine unnötige Ablenkung vom komplexen Tonkonzept? Aber nein, so Kamensky – „Anliegen“ sei ja gewesen, auf die Not der Rotenburger hinzuweisen... Diese „Not“ besteht darin, dass das Heimatmuseum und mit ihm vermeintlich Geschichte und Linearität immer wieder verschwinden, sich auflösen. Der Ton solle die Problematik auf den Dokumentarfilm übertragen. So wie ein Heimatmuseum letztlich keinen direkten Zugang zur Geschichte hat, hat auch der Dokumentarfilm keinen direkten bzw. verlässlichen Zugang zur Wirklichkeit. (Diskussionsprotokoll Duisburger Filmwoche 2004)

Volko Kamensky, geboren 1972, lebt und arbeitet als Filmemacher, bildender Künstler und Szenenbildner (u.a. MONTAG KOMMEN DIE FENSTER, ALLE ANDEREN) in Hamburg. Begründer des „cinéma hyper-vérité“ (was das ist, ist im Internet nicht zu recherchieren).

Dienstag, 31. Januar 2012

HAT WOLFF VON AMERONGEN KONKURSDELIKTE BEGANGEN? - Gerhart Friedl


Dienstag 31.1.2012
20.30 Uhr
vorgestellt von Stefan Butzmühlen




HAT WOLFF VON AMERONGEN KONKURSDELIKTE BEGANGEN? | DE 2004, 73 Minuten, deutsche Fassung | Buch, Regie, Kamera, Schnitt: Gerhard Benedikt Friedl | Ton: Marcelo Busse | Tonschnitt: Klaus Barm | Produktionsleitung: Laura Einmahl, Ivette Löcker | Co-Produzent: Werner Dütsch/WDR | Entstanden mit Mitteln des FFW/Wien, FFF/ München, Filmbüro NRW, WDR

AUSZEICHNUNGEN: Deutscher Kurzfilmpreis 2005 (Sonderpreis) | DIAGONALE-Preis Innovatives Kino 2005 | ARTE-Dokumentarfilmpreis 2004 | Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts 2004



Das Langfilmdebüt von Gerhard Friedl ist ein hypnotisches Vexierspiel an der Schnittstelle zwischen Dokument, Essay und "pulp fiction facts". Auf der Tonspur eine in gnadenlos objektivem Sprechduktus vorgetragene Erzählung von den labyrinthischen Genealogien, verbrecherischen Verstrickungen und Gebrechen deutscher Wirtschaftsdynastien im 20. Jahrhundert. Im Bild: bestechend kadrierte Aufnahmen, meist Schwenks und Fahrten durch europäische Finanzzentren, Produktionsstätten und Landschaften. Manchmal kommen Bild und Ton zur Deckung, manchmal verfehlen sie sich knapp. Stets legen sie Zusammenhänge nahe. Aber alleine im peniblen Kommentar, der nicht gewichtet zwischen einschneidenden Ereignissen und absurden Details (schon die epischen Finanzadelsnamen!) ist keine Übersicht zu bewahren. Paranoia? Ironie? Lassen sich die trockenen und verbrecherischen Verhältnisse der modernen Ökonomie überhaupt abbilden? Friedl: „Hat Wolff von Amerongen Konkursdelikte begangen?“ Hat er also nicht? Der Film schwindet. Seine Erfahrbarkeit ist sein Argument.“
(Katalogtext, Filmmuseum Wien 2005)

Immer wieder auch der Versuch des Publikums, Sinn aus dem Verhältnis von Text und Bild zu stiften. Friedl selbst sagt, es gäbe unterschiedliche Verhältnisse im Film zwischen distanzierten Bildern und einer dem Text entsprechenden Ästhetik der Aufnahmen (Wenn er etwa von den Hösch-Werken in den 80er Jahren die Rede ist, kombiniert er das Bild einer Stahlfabrik in Belgien, deren aktuelle Ästhetik der Erscheinung einer Hösch-Fabrik von vor 20 Jahren eher entsprechen könnte.)

Schöner Kommentar aus dem Publikum: man nimmt es irgendwie hin, dass es keine unmittelbare Anschlüsse zwischen Text und Bild gibt. „Da wir ja ohnehin schon von den Bilder aus den Medien erschlagen werden, von denen wir trotzdem nichts erfahren“, überzieht der Film dies Verhältnis konsequent. (...)

Filmsehen als Äquivalent zur Drogenerfahrung. Einer beschrieb es so: der Film komme ihm vor wie ein Karussell mit Haken und wenn man nah genug drankommt, nimmt es einen mit.
(Diskussionsprotokoll der Duisburger Filmwoche)


Samstag, 21. Januar 2012

POETRY - Lee Chang-Dong

Dienstag 24.1.2012
20.30 Uhr
vorgestellt von Stefan Butzmühlen




POETRY | Südkorea 2010 | Regie: Lee Chang-Dong |Koreanisch mit englischen Untertiteln | Länge 139min.


"Das nicht eben geruhsame Dasein von Mija, deren Erinnerung durch eine beginnende Alzheimer-Erkrankung schwindet, wird unmerklich zum Auslöser ihrer Inspiration, die sich an den unvermutetsten Stellen versteckt. Nicht zuletzt Yun Jeong-hie, eine bekannte koreanische Schauspielerin, die hier in ihrer ersten Rolle seit 15 Jahren agiert, macht den leicht parabelhaften Film mit ihrem scheuen Lächeln und unvoreingenommem Blick auf ein ungnädiges Umfeld zu einer bewegenden Erfahrung." (Dominik Kamalzadeh)

Poetry ist der fünfte und neueste Film von Chang-dong Lee. Der Film lief im Dezember 2011 auf dem Festival "14Films around the world" im Babylon. Ich selbst habe den Film noch nicht gesehen, aber nach dem Erlebnis vom letzten Dienstag mit Secret Sunshine bin ich guter Dinge, wieder einen unvorhersehbaren und beeindruckenden Clubabend mit euch zu verbringen. Jöns hat geasagt, der Film wäre gerade toll, wenn man nicht wüsste um was der Film geht und so will ich an dieser Stelle auch nicht mehr preisgeben.

Kritiken müssen in diesem Fall bei Interesse selbst recherchiert werden...


Sonntag, 15. Januar 2012

SECRET SUNSHINE - Lee Chang-Dong

Dienstag 17.1.2012
20.30 Uhr
vorgestellt von Stefan Butzmühlen




SECRET SUNSHINE | Südkorea 2007 | Regie: Lee Chang-Dong |Koreanisch mit deutschen Untertiteln | Länge 142min.


"Das erste, was wir sehen, ist ein Blick. Ein Kind wirft ihn auf den strahlendblauen Himmel, durch das Autofenster des Wagens seiner Mutter. Die steht draußen und telefoniert. Nur dumpf hört man ihre Stimme, und durch das leicht verzerrende Fensterglas bekommt auch die Natur da draußen etwas seltsam Künstliches, Entrücktes, auch eine ganz subtil bedrohliche Note. Man kann diese ersten Augenblicke in mehrfachem Sinn als Vorwegnahme dessen begreifen, was folgen wird. Jun, der kleine Junge im Auto, ist bereits nicht mehr ganz von dieser Welt..."
(Rüdiger Suchsland)

Nach dem Tod ihres Mannes zieht Shin-ae mit ihrem Sohn Jun von Seoul in die Kleinstadt Miryang. Trotz ihrer ehrlichen Versuche, in der ungewohnten Umgebung Fuß zu fassen, fühlt sie sich einsam und fremd. Nur Junggeselle Jong-chan sucht ihre Nähe. Als Jun eines Tages kaltblütig ermordet wird, schließt sich Shin-ae in ihrer Verzweiflung gläubigen Nachbarn an, um Trost bei Gott zu finden. Doch auf der Suche nach Vergebung und Frieden werden ihre Zweifel und Wut stärker als der Glaube.

Ich habe den Film selbst noch nicht gesehen, bin aber durch Freunde immer wieder auf die Filme von Lee Chang-dong hingewiesen worden. Im letzten Jahr, lief sein aktueller Film POETRY im Babylon auf dem Festival 14Films around the world. SECRET SUNSHINE ist laut imdb sein 4. Featurefilm von fünf. Dies mag ein Anfang sein, sich mit dem Werk eines mir noch vollkommen unbekannten Künstlers zu beschäftigen.

Hier noch ein paar Kritiken:
http://www.artechock.de/film/text/kritik/s/sesuns.htm
http://www.perlentaucher.de/artikel/5398.html

Sonntag, 8. Januar 2012

DREI DOKUMENTARFILME - Antje Engelmann


Dienstag 10.1.2012
20.30 Uhr
in Anwesenheit der Regisseurin




Die Künstlerin und Filmemeacherin Antje Engelmann zeigt drei Filme:

WIE? WANN? WO WARUM (15min.), 2007
RENATE (35 min.), 2005
EINE ANLEITUNG, UM DIE VERGANGENHEIT ZU ÄNDERN (40min.), 2011


WIE? WANN? WO WARUM

Die 12-jährige Laurin wird zum Tierarzt begleitet, wo sie ihren kranken Hamster einschläfern lassen muss. Die anschließende Verbrennung des Hamsters im Dorfwald zeigt Laurins Trauerarbeit.
(Textauszug aus dem Festivalkatalog der 54. Internationale Kurzfilmtage Oberhausen)

RENATE
Antje Engelmann rekonstruiert das bisherige Leben der nun über 50jährigen Renate anhand alter Fotografien und vollzieht mit der Kamera vor Ort das Erlebte nach. Nur in Randbemerkungen über die heiter-pragmatischen Geschichten vom Hurenalltag, die Renate auf der Fahrt erzählt, schimmern Macht und Willkür der Zuhälter und die Existenzängste der alternden Prostituierten auf.

Statt die Fakten zu verklären, durchmischen sich die Gesichter und Stimmen der alten Zeiten zu einem Erinnerungschor, der die Zermarterung der Seele, „die jeden Tag ein Stück stirbt“ zu Gunsten der Selbstermächtigung zu gelebter Freiheit und Gerechtigkeit akzeptieren lässt. Ganz en passant entwickelt sich eine zweite Ebene: sichtbar wird die kleinbürgerliche Enge, die Flucht aus der labilen Harmonie der Familie, in der ständig väterliche Gewalt drohte, in die brutale Welt des Sexgeschäfts, in der es galt, für die Kunden in leicht schmuddeliger Athmosphäre stundenweise spießige Idyllen mit Plüsch und Kitsch zu rekonstruieren.

Ohne Verbitterung gibt Renate dabei der käuflichen Liebe ein Gesicht. Sie ist eine Überlebende. Ihre Präsenz und Sprache machen die Vergangenheit gegenwärtig und reißen uns ins Jetzt, in die Realität. Stefan Hentschel, ein alter Bekannter und Zuhälter von St. Pauli findet Worte für diese Realität: sie ist „messerscharf – wie die Liebe und der Hass“.
(Text: Hannes Loichinger)

EINE ANLEITUNG, UM DIE VERGANGENHEIT ZU ÄNDERN
Schon als kleines Mädchen merkte die Filmemacherin, dass ihre Familie ein bisschen anders ist als die der übrigen Kinder im Dorf. Zum Beispiel dann, wenn sie mit hochgesteckten Zöpfen im Trachtenkleid über die Tanzfläche hüpfte. Geboren 1980 in Ulm, wuchs Antje Engelmann in der traditionsbewussten Kultur der Donauschwaben auf. Ihre Urgroßeltern wurden als Ungarndeutsche nach Kriegsende aus der Heimat vertrieben. Heimat ist für Engelmann daher kein Ort, sondern eine Handlung. Und so führt die Spurensuche nach dem donauschwäbischen Heimatgefühl die Berliner Künstlerin nicht nur nach Ulm, Ungarn und Brasilien, sondern verlangt ihr einen Kraftakt der Auseinandersetzung mit Bräuchen, Werten und Erinnerungsmustern ab. Im dringenden Bedürfnis nach einem eigenen Standpunkt oszilliert die Suchende zwischen Anziehung und Abstoßung und fand dafür eine adäquate Erzählform. Engelmann vermixt in wilder Montage familiäres Found Footage und Spielfilmausschnitte, Reiseimpressionen und inszenierte Szenen, Familieninterviews und Expertenstatement. Darüber legt sie donauschwäbische Volksmusik und kommentiert und philosophiert. Ein Film, so grüblerisch wie amüsant.

(Katalogtext des 54. INTERNATIONALES LEIPZIGER FESTIVAL FÜR DOKUMENTAR- UND ANIMATIONSFILM von Jörn Seidel)

Festivals:

54. Internationales Leipziger Festival für Dokumentarfilm, Deutscher Wettbewerb
28. Kasseler Dokumentarfilm und Videofest, Nominierung: Goldener Schlüssel
22. Bamberger Kurzfilmtage, Wettbewerb Dokumentarfilm


LINK zur Webseite der Regisseurin:

http://www.antjeengelmann.net/

Montag, 2. Januar 2012

Double-Feature: ANSIKTET und RITEN - Ingmar Bergman


Dienstag 03.1.2012
20.30 Uhr
vorgestellt von Jan Künemund




ANSIKTET – DAS GESICHT. Schweden, 1958. 100 Minuten. Spezialpreis der Jury, Venedig 1959.


Regie & Buch: Ingmar Bergman | Kamera: Gunnar Fischer | Montage: Oscar Rosander | Musik: Erik Nordgren.

Darsteller: Max von Sydow (Albert Emanuel Vogler), Ingrid Thulin (Manda Vogler / Aman), Ake Fridell (Tubal), Naima Wifstrand (Voglers Großmutter, Lars Ekborg (Simson), Gunnar Björnstrand (Medizinalrat Vergérus), Erland Josephson (Konsul Egerman), Bibi Andersson (Sara).


RITEN – DER RITUS. Schweden 1969. 72 Minuten.

Regie & Buch: Ingmar Bergman | Kamera: Sven Nykvist | Montage: Siv Kanälv

Darsteller:
Ingrid Thulin (Thea / Claudia), Anders Ek (Sebastian), Gunnar Björnstrand (Hans), Erik Hell (der Richter), Ingmar Bergman (ein Priester).



DAS GESICHT. Mitte des 19. Jahrhunderts: Der Jahrmarktsmagier Dr. Vogler kehrt auf dem Weg nach Stockholm mit seiner Gauklergruppe in das Haus von Konsul Egermann ein. Dieser hatte zuvor mit dem überzeugten Naturwissenschaftler Dr. Vergérus gewettet, dass Magie tatsächlich existiert. Sie drängen Dr. Vogler, seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Verärgert über ihr biederes Verhalten inszeniert der Magier übersinnliche Erscheinungen, die Hausherren und Dienerschaft in tiefe Verwirrung stürzen


DER RITUS. Aufgrund einer obszönen Pantomimendarstellung müssen sich die Schauspieler Sebastian, Thea und Hans wegen des Verstoßes gegen das Sittengesetz vor Gericht verantworten. Gemeinsam und einzeln werden die angeklagten Künstler vom ermittelnden Richter befragt.


2x Bergman, eine Geschichte. Künstler verzaubern, verstören ihr Publikum mit obskuren Vorführungen. Wissenschaftliche und staatliche Institutionen fühlen sich berufen, den „Schwindel“ aufklären, zumindest zu beurteilen, wenn nötig zu zensieren. Aber wie üblich sind Bergmans Künstler alles andere als Übermenschen, nämlich leidende, schwache Kreaturen, die ihre angeblich magischen Fähigkeiten mühsam vortäuschen. Oder? Natürlich sind es Bergmans Filme selbst, die dem Geheimnisvollen, dem Gefährlichen, dem Nicht-Aufzuklärenden der Kunst Recht verschaffen.

Allerdings mit zwei komplett verschiedenen ästhetischen Programmen. ANISKTET ist während einer ersten Höhepunkt-Werkreihe entstanden, nach den WILDEN ERDBEEREN, vor der JUNGFRAUENQUELLE – und durchaus leicht inszeniert, mit gekonnten Drehbuchtwists, derbem Schauspiel, großen philosophischen Fragen und einer eleganten Balance zwischen Komik und Verzweiflung. RITEN dagegen ist ein radikales Experiment, in neun Tagen und nur einem Studioraum mit fünf Schauspielern für das Fernsehen gedreht, die Konflikte bis zum Äußersten auf Spannung gesetzt, in hellstem Weiß und tiefstem Schwarz, mitleidlos, präzise und klaustrophobisch. Da die Frage nach dem Wesen der Kunst viele Menschen nicht interessiert und beide Filme im hohen Maße Selbstreflexionen eines Künstlers sind, sind sie wohl relativ unbekannt geblieben.

„Wenn der Interpret den Zuschauer totschlägt, haben wir ja den Höhepunkt des engagierten Theaters erreicht, könnte man sagen. Der Ritus ist nicht das, was sie [die Figuren in RITEN] da am Schluss machen. Das ist ja eine Art Pappmachéspiel mit Spielmarken und Zeugs und Hokuspokus. Der Ritus ist das Spiel zwischen dem Künstler und seinem Publikum und der Gesellschaft. Diese beiderseitige Mischung von Demütigung und gemeinsamem Bedürfnis. Das ist das Rituelle.“ (Ingmar Bergman)