Sonntag, 30. August 2009

MIT VERLUST IST ZU RECHNEN - Ulrich Seidl

01.09.09 | 20.30 Uhr
vorgestellt von Gregor Stadlober

MIT VERLUST IST ZU RECHNEN; LOSSES ARE TO BE EXPECTED | Österreich 1992 | Regie: Ulrich Seidl | Autor: Ulrich Seidl, Michael Glawogger | Besetzung: Paula Hutterová, Sepp Paur, Stepánká Srámkoyá, Rusena Machaloyá, Miroslav Sedlar, Alois Paur, Vladimir Kundrát | Produzent: Erich Lackner | Ton: Ekkehart Baumung | Kamera: Peter Zeitlinger | Montage: Christof Schertenleib | Sprache: Deutsch/Tschechisch | 118min | Farbe

...weil der Fragensteller den Begriff Voyeurismus ganz unschuldig als Blicklust übersetzt und leichtfertig die psycho(patho)logische Bedeutung des Wortes ausblendet, lässt sich Ulrich Seidl in einem Interview unwidersprochen als Voyeur bezeichnen – was er imho im umfassenden Sinn des Wortes ist. Dabei stellt sich die Frage, was aus dem Spanner wird, wenn er auf einen Exhibitionisten trifft, wie in der ersten Szene von MIT VERLUST IST ZU RECHNEN


Seidls zweite Kinoarbeit ist ein Film der formalen und inhaltlichen Grenzüberschreitungen. Im Zentrum steht, begleitet von den Reflexionen der sehr pragmatischen ProtagonistInnen, die Geschichte der Eheanbahnung zwischen einem alten Österreicher und einer alten Tschechin kurz nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. Wie in GOOD NEWS kontrastiert der Regisseur seine mit großer Sympathie gezeichneten Porträts von Marginalisierten scharf mit Karikaturen aus der österreichischen Spießbürgerhölle. Und wie im Vorgängerfilm produziert die drastische Montage eine Romantisierung des Randständigen.
Seidl entwickelt seinen Stil einen großen Schritt weiter in die verwirrende Grauzone zwischen Fiktion und Realität. Heraus kommt dabei eine merkwürdige Mischung aus Doku-Soap und direct cinema–Travestie.


LINKS
Über den Film: http://www.ulrichseidl.at/03KinoFilme/02Verlust/02Verlust.shtml

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