Mittwoch, 23. November 2011

LIEBE FILMCLUBBER...



Am 29.11. werden wir keinen Film sehen & diskutieren, sondern ein paar Ideen sammeln für die nächsten Einzelprogramme, Reihen und Filmemacher_innen-Gespräche. Also kommt zahlreich, äußert Interessen und macht Vorschläge.


Wir treffen uns wie üblich um 20.30 Uhr !

Montag, 21. November 2011

DER VATER MEINER KINDER - Mia Hansen-Løve


Dienstag 22.11.2011
20.30 Uhr
vorgestellt von Crisina Diz





DER VATER MEINER KINDER | F 2009, 112 Min, Franz. mit Engl. UT, B, R: Mia Hansen-Løve, D: Chiara Caselli, Louis-Do de Lencquesaing, K: Pascal Auffray, M: Marion Monnier




Grégoire Canvel führt ein scheinbar vollkommenes Leben: Er hat eine Ehefrau, die ihn liebt, drei entzückende Kinder und einen erfüllenden Job. Doch was keiner sieht: Er geht zu viele geschäftliche Risiken ein, macht immer mehr Schulden und hat keine Kraft sich dagegen aufzubäumen. Dafür nimmt eine lähmende Müdigkeit, eine wachsende Verzweiflung von ihm Besitz und es scheint für ihn nur einen finalen Ausweg zu geben. Mit einem Schlag ändert sich für die Familie alles: Konfrontiert mit Trauer, Verzweiflung, Wut und Machtlosigkeit, nimmt seine Frau Sylvia, nach dem ersten ungläubigen Innehalten, den Kampf auf. Sie muss die marode Firma retten, kämpft sich durch das Chaos im Büro und führt die noch laufenden Projekte zu Ende. Gleichzeitig möchte sie, dass sich ihre Töchter der Realität stellen und erwachsen werden. Zum ersten Mal in ihrem Leben beginnt Sylvia hinter die Fassade ihres gemeinsamen Lebens zu blicken…

LE PÈRE DE MES ENFANTS ist der zweite Langfilm von Regisseurin
Mia Hansen-Løve, die damit dem französischen Filmproduzenten, ihrem Mentor Humbert Balsan, ein Denkmal setzt. 2009 gewann die französisch-deutsche Produktion den Spezialpreis der Jury in der Festivalreihe Un Certain Regard in Cannes.

http://www.vater-meiner-kinder.de/

Montag, 14. November 2011

TOUT EST PARDONNÉ - Mia Hansen-Løve


Dienstag 15.11.2011
20.30 Uhr
vorgestellt von Crisina Diz




TOUT EST PARDONNÉ | F 2007, 105 Min., Franz. und Deutsch mit Engl. UT, B, R: Mia Hansen-Løve, K: Pascal Auffray, M: Marion Monnier, D: Paul Blain (Victor), Marie Christine Friedrich (Annette), Constance Rousseau (Pamela, 17 Jahre), Victoire Rousseau (Pamela, 6 Jahre), Carole Franck (Martine), Olivia Ross (Gisèle), Alice Langlois (Judith), Elena Fischer-Dieskau (Nektar), Franz Buchrieser (Fritz)




Beinahe fröhlich wirkt der Auftakt in Wien, wenn die Sonne aufgeht, auf die Plätze der Innenstadt das erste Tageslicht fällt und sich Straßenbahnen vor dem Prater scheinbar lustig im Kreis drehen. Später gehen Victor, Annette und ihre gerade sechs Jahre alt gewordene Tochter über die Reichsbrücke, und der Vater erzählt, dass diese Brücke einmal eingestürzt sei. Ob das nun wieder passieren könne, will die kleine Pamela wissen, und darauf die Mutter: «Brücken sind unzerstörbar».

Das sind sie natürlich nicht, und das erkennt die Familie umso genauer, als sie einen Monat später in Victors Heimatstadt Paris eintrifft: Die Spannungen werden zunehmend unerträglich, und die österreichisch-französische Familienbande zerreißt. Victor verfällt den Drogen, Annette möchte zurück zu den Eltern nach Wien, dazwischen Pamela, die nicht weiß, was die nächsten Jahre bringen werden.

Tout est pardonné nimmt sich in der Folge auf unterschiedliche und überzeugende Weise der verschiedenen Lebensstationen Pamelas an: Nach der Wiener Ouvertüre und dem Pariser Intermezzo taucht sie im nächsten Kapitel plötzlich als 17-jährige junge Frau auf, die in der neuen Patchwork-Familie der Mutter ihren Platz gefunden hat. Doch diese hat ihr seit damals die Existenz des Vaters verschwiegen, der nun wieder den Kontakt zur Tochter sucht.
Mia Hansen-Løve, bisher vor allem als Publizistin und Filmkritikerin der «Cahiers du cinéma» in Erscheinung getreten, inszeniert ihren beeindruckenden Debütfilm mit entsprechender Sensibilität und Leichtigkeit, lässt immer genug Platz für die leisen Zwischentöne in der Erzählung und kann auf wunderbare Dialoge bauen. Tout est pardonné ist ein trauriger, aber zugleich unglaublich optimistischer Film, der auch davon berichtet, das wirklich Wichtige im Leben erkennen zu können.

«Warum sprichst du immer über die Dinge, als ob du sie nicht ändern kannst?», möchte Annette von Victor wissen, bevor sie ihn verlässt. Weil alle Dinge ihre Zeit brauchen und alles vergeben sein sollte, bevor es dafür zu spät ist.

(Text: Viennale 2007)

Donnerstag, 27. Oktober 2011

HOME - Ursula Meier

Dienstag 1.11.2011
20.30 Uhr
vorgestellt von Jan Künemund




HOME | B/F/CH 2008, 97 Min., OmU. R,B: Ursula Meier. B: Antoine Jaccoud, Raphaëlle Valbrune, Gilles Taurand, Olivier Lorelle. K: Agnès Godard. S: Susana Rossberg, François Gédigier, Nelly Quettier. P: Box Productions, Archipel 35, Need Productions. D: Isabelle Huppert, Olivier Gourmet, Adélaïde Leroux, Madeleine Budd, Kacey Mottet Klein, Renaud Rivier, Kilian Torrent, Nicolas Del Sordo u.a.


Eine Familie, Mutter (Huppert), Vater (Gourmet), drei Kinder, leben in einem Einfamilienhaus am Rande einer nicht fertig gebauten, also nicht befahrenen Autobahn nach völlig eigenen Regeln. Eines Tages erscheinen Bulldozer und Arbeiter. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann sich das Leben der Familie grundlegend verändern wird.

Ursula Meiers Debütfilm ist eine reine Kinospekulation, wie man sie vielleicht nur von Tati oder Polanski kennt. Mit ihren Schauspielern und der Kamerafrau Agnès Godard inszeniert sie kein sur-reales, sondern ein genuin filmisches Setting: ein Haus, eine Straße, ein prekäres Zusammenleben, ohne Außen, Hintergrund, Vergangenheit, Vektoren, die aus dem Film-Raum herausführen. Und genau dieses zerbrechlich zusammenhängende Setting gerät in Gefahr, wird unter Druck gesetzt, plötzlich durch Blicke und Bewegungen kommentiert. Obwohl die Kamera genau hinsieht, was jetzt mit den Körpern und der Landschaft passiert, bleibt sie doch Teil ihrer Welt, hängt an ihnen, bleibt bei ihnen. HOME ist keine Formstudie, keine Parabel, keine Versuchsanordnung, sondern ein zitterndes Kinomoment, schwer zu klassifizieren, einzuordnen, zu verarbeiten. Er lief auf diversen Festivals und erhielt keine Preise. Er fand kein Publikum in den Kinos. Auch die Kritik tat sich schwer:

„HOME ist eine bizarre Mischung aus grotesker Komödie und Drama, aus Thriller, Öko-, Katastrophen-, Horror- und Science-Fiction-Film. Vor allem aber ist es ein Film über die Instanz der Familie – als widerständige Zelle gegen die Außenwelt, aber ebenso als destruktiver Apparat, der sich gegen sich selbst richtet, implodiert.“ (Esther Buss, jungle world)

„In beinahe jedem Bild steckt ein Widerhaken. Der verblüffendste dieser Widerhaken ist die Komik des Films. Über alles kann man, so bitter es ist, fast immer auch lachen. HOME ist ein Film, der sich nach Ansicht so ohne weiteres nicht von der Haut schrubben lässt.“ (Ekkehard Knörer, perlentaucher.de)

„Immer beklemmender wird die Atmosphäre, die der Film mit gnadenloser Konsequenz zum Höhepunkt führt. Die Befreiung haut das Heim in Stücke. Willkommen in der Wirklichkeit.“ (Christina Tilmann, Tagesspiegel)

„Die Kulisse war sehr schwer zu finden. Da der Film weder zeitlich noch örtlich einzuordnen sein durfte, suchte ich eine lange Strecke halb verwüstet mitten im Niemandsland. Wir haben zuerst in Frankreich, Belgien und der Schweiz nach verlassenen Straßen, militärischen Landebahnen oder Autobahnen im Bau gesucht. Später weiteten wir die Suche aus, bis wir die Kulisse in Bulgarien fanden. Diese Trasse war 2,3 km lang, um dann eine kleine Landstraße zu werden. Sie wurde zu der Zeit erweitert, um der Gegend als Landebahn zu dienen. Wir konnten also mit der Straße umgehen wie wir wollten: asphaltieren, weiße Streifen malen, Sicherheitsschranken anbringen, die Komparserie von Autos, Wohnwagen, Motorräder und LKWs fahren lassen. Für die Stauszenen haben wir bis zu 300 Fahrzeuge gebraucht. Das Haus aber wurde ganz neu gebaut.“ (Ursula Meier)


TEASER:

http://www.youtube.com/watch?v=OnNH_SpAaeI

Montag, 24. Oktober 2011

CÉSAR ET ROSALIE - Claude Sautet

Dienstag 25.10.2011
20.30 Uhr
vorgestellt von Gerd Galonska




CÉSAR ET ROSALIE | Frankreich 1972 | Regie: Claude Sautet | Drehbuch: Claude Sautet, Jean-Loup Dabadie, Claude Néron | Kamera: Jean Boffety | Schnitt: Jacqueline Thiédot | Musik: Philippe Sarde | Darsteller: Yves Montand, Romy Schneider, Sami Frey, Bernard Le Coq, Eva Maria Meineke, Henri-Jacques Huet, Isabelle Huppert, Gisela Hahn, Betty Beckers, Hervé Sand, Jacques Dhéry, Pippo Merisi, Carlo Nell u.a. |110 Minuten | Französisch mit englischen Untertiteln



César liebt Rosalie. David liebt Rosalie. Antoine hat Rosalie einmal geliebt. Und wen liebt Rosalie? Rosalie liebt das Leben, das Meer, die Sonne, das Töchterchen und ihre Mutter Lucie. Vor allem liebt Rosalie die Liebe. César hält Rosalie für sein Eigentum, droht, tobt und lügt, damit sie bei ihm bleibt. Und David? Nach fünf Jahren der Trennung gehören er und Rosalie immer noch zueinander. Auf Lucies Hochzeit begegnet David César. Rosalie fühlt sich mal mehr von dem einen, mal mehr von dem anderen angezogen. Da erträgt César den unhaltbaren Zustand nicht länger und zerstört Davids Atelier. Die verärgerte Rosalie und David verlassen Paris und beginnen ein einfaches, glückliches Leben. Doch César findet das Paar, und Rosalie zieht nun mit ihm in ein großes, schönes Haus. Diesmal ist es David, der den Rivalen sucht, dabei aber plötzlich das Wunder der Freundschaft entdeckt.

"César und Rosalie" ist eine tragikomische Dreiecksgeschichte von Claude Sautet über eine junge Frau, die sich nach romantischer Liebe sehnt, aber auch ihren älteren Lebenspartner nicht aufgeben möchte. Neben der charismatischen Hauptdarstellerin Romy Schneider glänzt Yves Montand in der Rolle des angeberischen Partylöwen César, bei dem alles nur Fassade zu sein scheint, der jedoch, wenn es um seine große Liebe Rosalie geht, mit allen Mitteln kämpft.

Die Liebesgeschichte wird mit viel Lyrik, etwas Leidenschaft und verschiedenen Bögen zum Stil von „Jule und Jim“ und „Zwei Mädchen aus Wales und die Liebe zum Kontinent“ erzählt... Es gibt wirkliche Vorzüge in dem Film. Romy Schneider, zum Beispiel, die niemals gelassener schön war; und die aufregenden, schnellen Überlandfahrt-Sequenzen, von denen es mehrere gibt ... Die hoch gepriesene Leistung von Yves Montand scheint weniger eine Charakterisierung als ein Konstrukt zu sein, behutsam betrachtet aber sehr fremd. 'César und Rosalie' bleibt hauptsächlich an der Oberfläche, gibt Hinweise aber es fehlen Bezugsquellen, wie die Art von glatter Illustrierten-Literatur, zu der er gehört."
(New York Times)

Montag, 17. Oktober 2011

LES CHOSES DE LA VIE - Claude Sautet

Dienstag 18.10.2011
20.30 Uhr
vorgestellt von Gerd Galonska




LES CHOSES DE LA VIE | Frankreich/Italien/Schweiz 1970 | Regie: Claude Sautet | Drehbuch: Jean-Loup Dabadie, Paul Guimard, Claude Sautet | Produktion: Jean Bolvary, Raymond Danon, Roland Girard | Musik: Philippe Sarde | Kamera: Jean Boffety | Schnitt: Jacqueline Thiédot | Darsteller: Michel Piccoli, Romy Schneider, Gérard Lartigau, Jean Bouise, Boby Lapointe, Lea Massari | Französisch mit dt. Untertiteln | 82 Min.



Ein Mann kann sich nicht zwischen zwei Frauen entscheiden, die ihn lieben. So droht er auch seine zweite Chance auf das Glück zu verpassen. Endlich ringt er sich zu einer Entscheidung durch. Doch in der nächsten Minute verunglückt er. Im Sterben erinnert er sich an die schönen Stunden mit seiner Ehefrau und wie er seine Geliebte kennen lernte.

Claude Sautet hat diesen traurigen Film Stil sicher inszeniert. Er beginnt mit der Unfallszene, und man sieht den schleudernden und sich überschlagenden Wagen noch weitere dreimal in Zeitlupe, bis das Unglück – nun als Bestandteil der Handlung – noch einmal detailliert gezeigt wird. Das wirkt nicht aufgesetzt, sondern wie selbstverständlich.

Inzwischen gilt "Die Dinge des Lebens" als Klassiker des französischen Kinos. Das verdankt der Film nicht zuletzt den großartigen Schauspielern Michel Piccoli, Romy Schneider und Lea Massari.


Mittwoch, 5. Oktober 2011

UNTERWEGS - Jan Krüger

Dienstag 11.10.2011
20.00 Uhr
vorgestellt von Jan Krüger





UNTERWEGS / EN ROUTE | Deutschland 2004 | Buch und Regie: Jan Krüger | Kamera: Bernadette Paassen | Montage: Natali Barrey | Musik: Max Müller | Produktion: Schramm Film Körner & Weber | Darsteller: Anabelle Lachatte, Florian Panzner, Martin Kiefer, Lena Beyerling | gedreht 2003 in Brandenburg und Polen, für ZDF / Kleines Fernsehspiel | 81min | DV/35mm | mit englischen Untertiteln - English subtitled



ACHTUNG: Es wird eine 35mm Kopie gezeigt!
Beginn deshalb absolut pünktlich um 20:00 im Saal!


Im Anschluss Gespräch mit Regisseur Jan Krüger und Cutterin Natali Barrey.


Die junge Mutter Sandra verbringt mit Tochter Jule und Freund Benni den Sommerurlaub auf einem abgelegenen Campingplatz in Brandenburg. Dort begegnet sie dem 19-jährigen Herumtreiber Marco. Marco fordert nicht nur ihre Verwegenheit und Spontaneität heraus, sondern stellt sich auch noch mit Freund und Tochter gut. Er überredet Benni und Sandra zu einer Fahrt an die polnische Ostsee. Langeweile, mysteriöse Bekanntschaften und erotische Spielchen begleiten die Freunde in ihrer Zeit am Meer und vertiefen die Beziehungen untereinander: wie weit geht das gegenseitige Vertrauen? Wie viel Nähe ist möglich?

"In markanten Momentaufnahmen zeigt der Film, wie das zerbrechliche Beziehungsgeflecht allmählich eskaliert - doch das große Drama bleibt aus. Diese lakonische Osten-Ballade taucht die Kamera von Bernadette Paassen in verblasste grau-weiß-blaue Töne. Mit großüer Intensität verbindet Krüger seine psychologische Studie mit einer nie überladenen filmischen Optik. Sie glättet das Raue nicht, lässt aber hier und da kurze Glücksmomente aufblitzen. Einfach und zugleich raffiniert, echt und eigenwillig kommt der Film daher - und das ist schon viel im jungen deutschen Film." (Alexandra Wach, Kölner Stadt-Anzeiger)

"Writer-director Krüger tests our perceptions, since we begin the film seeing Marco through the suspicious couple's eyes, but increasingly wonder about their own characters and the state of their relationship; their view of Marco and his Polish friends also casts light on their insularity and xenophobia. Meanwhile we see Marco's enigmas and contradictions in a more nuanced light, although the young man's true nature and motivations remain elusive. With both partners influenced driven by an erotic connection to Marco, whether attraction or rivalry, a party in a deserted house ends with Benni's own unrest expressing itself."
(Jonathan Romney in 'screen daily')


mehr info:
http://jank-home.de/unterwegs_aktuell.html

link zum Trailer:
http://gayclassics.tv/trailer/214_unterwegs_trailer.mp4