Sonntag, 25. September 2011

DONNE-MOI LA MAIN - Pascal-Alex Vincent


Dienstag 27.9.2011
20.30 Uhr
vorgestellt von Jan Künemund






DONNE-MOI LA MAIN | FR/DE | 2008 | Regie: Pascal-Alex Vincent | Buch: Pascal-Alex Vincent & Martin Druot | Kamera: Alexis Kavychine | Schnitt: Dominique Petrot | Musik:Tarwater | Produzenten: Nicolas Brèviere, Markus Halberschmidt, Marcelo Busse | Local Films, Adam Productions, Busse & Halberschmidt | 80 Minuten | Cinemascope | Original mit deutschen Untertiteln | Darsteller: Alexandre Carril, Vincent Carril, Anais Demoustier, Samir Harrag, Kathrin Saß u.a



HEUTE MIT VORFILM: KUSTOM KAR KOMMANDOS von Kenneth Anger


Antoine (Alexandre Carril) und Quentin (Victor Carril), ein 18-jähriges Zwillingsbrüderpaar, reißen von zu Hause aus. Sie wollen zur Beerdigung der Mutter, die sie nicht gekannt haben. Ihr Weg führt sie per Anhalter, in Lastwagen versteckt und mit dem Zug vom Norden Frankreichs nach Spanien. Im Verlauf der Reise entfremden sich die vorher unzertrennlichen Brüder und werden zu Individuen.

Ein klassisches Roadmovie durch eine Landschaft, die wie ein Spiegel die Beziehung der beiden Jungs widergibt. Anime-Sequenzen und die hypnotische Musik von Tarwater bilden zusätzliche poetische Ebenen.

„Ein Roadmovie führt, der Name sagt es ber
eits, meist eine Straße entlang. Der Held befindet sich auf einer äußeren wie inneren Reise, ein gewisser Symbolismus ist dem Genre nicht fremd. Oft beschwört ein solcher Film die Geschwindigkeit. Pascal-Alex Vincent bezieht sich in seinem Langfilmdebüt Reich mir deine Hand zwar explizit auf Vorbilder wie Monte Hellman (Asphaltrennen, Two-Lane Blacktop, 1971) und Terrence Malick (Badlands, 1973), schaltet aber erst einmal mehrere Gänge zurück. Sein Film ist so langsam, wie es für ein Roadmovie gerade noch erträglich ist.“
(critic.de)

„In der Kurzgeschichte "William Wilson" zeichnete Edgar A. Poe den romantischen Doppelgänger als die bessere Ausgabe des eigenen Selbst, das verkörperte Wunsch- und Hassbild, das zu töten Selbstmord bedeutet.


Der Film gewinnt an Spannung und Kontur, zieht man diese Möglichkeit in Betracht. Die traumhaft-ätherischen Spiegelungen an der Natur und dem jeweils anderen werden etwas plausibler. Vielleicht aber ist der Weg des Zwillings zum eigenen Selbst letztlich doch schwieriger, als es sich der Einzelmensch vorzustellen vermag.“
(Berliner Zeitung)


++++++++++++++++++++VORFILM++++++++++++++++++++





KUSTOM KAR KOMMANDOS | US 1965 | Regie, Buch, Kamera, Schnitt: Kenneth Anger | Musik: The Paris Sisters | Darsteller: Sandy Trent | 3 Min., 16mm, ohne Dialog

Kustom Kar Kommandos is a 1965 experimental film by Kenneth Anger. The 3-minute short features panning shots of a young man (Sandy Trent) buffing a customized hot rod in front of an amorphous pink background, to the tune of "Dream Lover" by The Paris Sisters. Imagery and the choice of camera angles imply an intense eroticism.

“Pygmalion and his machine mistress. The Sequence evokes the “Dream Lover”, a blind for The Charioteer of the Tarot trumps. Fragment of a project originally intended as a longer film. Never completed due to the lack of funding and the death of the main actor in a drag race.”
(Kenneth Anger)

“The first thing heard in Kustom Kar Kommandos is the sound of a revving car engine and the word “Kustom” appears on screen followed by a shot of the car, with the engine exposed. Then the word “Kar” appears and the film cuts to the two boys looking at the car engine. There is a cut back to the word “Kar” and then back to a tighter shot of the boys looking at the car. The message derived from the sandwiching of the two shots of the boys with the word “Kar” is literally the idea that the car will bring this couple together. After the second shot of the boys, the film cuts to “Kommandos” which completes the title. The title is deliberately misspelled, replacing the three C’s with K’s. KKK stands for Klu Klux Klan; another group of associated with white male togetherness and the word Kommando is derived from Commando, which means members of a trained military unit. In both ways the title suggests togetherness and violence, and also implies a relationship between togetherness of two men with sadomasochism as does the film Fireworks (1947, Kenneth Anger).”
(BentClouds.com)

Sonntag, 11. September 2011

TWO LANE BLACKTOP - Monte Hellman

Dienstag 20.9.2011
20.30 Uhr
vorgestellt von Johanna Jaeger






TWO LANE BLACKTOP | USA | 1971 | Regie: Monte Hellman | Buch: Rudolph Wurlitzer, Will Corry | Kamera:Jack Deerson | Schnitt: Monte Hellman | 102 Minuten | Darsteller: Warren Oates, James Taylor, Dennis Wilson, Laurie Bird uvm.




Ein frisierter 55er Chevy ist der Hauptdarsteller in Monte Hellmans Kult-Klassiker aller Autorennfilme. Mit ihm sind der Fahrer und sein Mechaniker (Sänger James Taylor und der Beach Boy Dennis Wilson in ihrem jeweils einzigen Ausflug ins Schauspielfach) unterwegs von einem Dragsterrennen zum nächsten. Gehalten wird nur zum Tanken, Essen oder für notwenige Reparaturen. Nach einem dieser Aufenthalte gesellt sich das Mädchen zu ihnen. Von nun an sind sie zu dritt. Als sie immer wieder mit dem Fahrer eines Pontiac GTO zusammentreffen beschließen sie ihn zu einem neuen Rennen herauszufordern: ein Überlandrennen quer durch die USA – der Preis für den Gewinner: die Fahrzeugpapiere des Unterlegenen!



Trailer:


http://www.imdb.com/video/screenplay/vi2564817177/



Links:


http://www.thefader.com/2011/05/02/interview-monte-hellman-on-two-lane-blacktop-and-the-road-movie/


http://www.sensesofcinema.com/2004/book-reviews/monte_hellman/

Samstag, 10. September 2011

COCKFIGHTER - Monte Hellman

Dienstag 13.9.2011
20.30 Uhr
vorgestellt von Thomas Moritz Helm






COCKFIGHTER | USA | 1974 | Regie: Monte Hellman | Buch: Roger Corman | Kamera:Nestor ALmendros | Schnitt: Monte Hellman | 83 Minuten | Darsteller: Warren Oates, Harry Dean Stanton, Richard B.Shull, Ed Begley u.v.m.




Frank Mansfield (Warren Oates) is a game cock trainer who has taken a vow of silence; he once bragged too loudly about his cockfighting prowess and ended up losing his best fowl in a drunken, late-night match before an important tournament. To regain his pride after such hubris, Frank refuses to utter a word until he wins the coveted "Cockfighter of the Year" medal. Cockfighter follows his ups and downs as he attempts to succeed in the shadowy, barely legal sport. Frank loses his truck, trailer, and a girlfriend after trying to rig a match with fellow cocksman Jack Burke (Harry Dean Stanton), and has to sell his house to raise funds for stock. Later, Frank wins ten roosters in a private backwoods match and trains them heavily with his partner, Omar Baradinsky (Richard B. Shull), working his way back to the top of his chosen craft. He also attempts to reestablish his relationship with an old girlfriend (Patricia Pearcy) who doesn't know much about cockfighting and is repulsed when she actually witnesses one in the flesh. There is plenty of brutal footage included in Cockfighter that will dismay many animal lovers, so those with qualms about the sport should steer clear.
(Rotten Tomatoes)

Auf die Idee, ein Film über Kampfhähne könnte genau das sein, worauf das Massenpublikum gewartet hat, muss man auch erst mal kommen. Es war die Idee des Produzenten Roger Corman ... Und schon der Gedanke, dass ein Roman von Charles Willeford (von dessen vergleichsweise mildem Alterswerk um den Polizisten Hoke Moseley war noch nichts zu ahnen) eine wunderbare Filmvorlage abgibt, muss als einigermaßen abwegig betrachtet werden.
(Ekkehard Knörer)


Trailer:



http://www.imdb.com/video/screenplay/vi164954649/



Links:


http://www.rottentomatoes.com/m/cockfighter/


http://www.jump-cut.de/backlist-cockfighter.html

Samstag, 13. August 2011

SOMMER-SPECIAL: SHIT YEAR von Cam Archer


Dienstag 16.08.2011
22.30 Uhr
vorgestellt von Jan Künemund




ACHTUNG: SOMMER-SPECIAL im Kino FSK (Segitzdamm 2 - Kreuzberg)

mit kurzem, knackigen Filmgespräch anschließend im Café Obermaier


SHIT YEAR | US | 2010 | 95 Minuten | 16mm, s/w & Farbe | Regie: Cam Archer | Buch: Cam Archer | Kamera: Aaron Platt | Schnitt: Madeleine Riley | Ton: Nate Archer & Jasper Bel | Musik: Mick Turner | Songs: Sarabeth Tucek | Ausstattung: Elizabeth Birkenbuel | Setdesign: Liza Chenault | Produzenten: Larss Knudsen, Jay Van Hoy | Darsteller: Ellen Barkin, Luke Grimes, Bob Einstein, Theresa Randle, Melora Walters, Josh Blaylock und Ricky Lee Jones | Eine Produktion von Parts & Labour zusammen mit Strange Loop & Wild Invention | Weltvertrieb: Match Factory | Im Verleih der Edition Salzgeber


Cannes, Quinzaine des Réalisateurs 2010


Colleen West steht am Ende ihrer Karriere als Schauspielerin. Der letzte Vorhang des Theatertriumphs „Star Witness“ ist gefallen, ihre Affäre mit dem jugendlichen Schauspielkollegen Harvey beendet, das letzte Fernsehinterview gegeben. Ihr Agent schickt Grüße aus dem nicht mehr interessierten Hollywood. Die Diva zieht sich in eine Hütte in den Bergen zurück und versucht, von Baulärm und aufdringlichen Nachbarn gestört, das „Scheißjahr“ zu vergessen. Sie hat Angst vor der Einsamkeit und davor, nichts mehr zu verlieren zu haben.


„Über weite Strecken ist das alles, um nur das Mindeste zu sagen, rätselhaft. Immer aber ist es wunderschön. Nicht nur Colleen und Harvey füllen mit ihren wundervollen Gesichtern die Leinwand. Auch die Welt, in der sie sich begegnen und wieder verlieren, an einander erinnern und voneinander loskommen wollen, entwirft der Film als eine Welt aus großartigen Lichttexturen. Waldboden und Wasseroberfläche, Gazeschleier und Wasser-Sternenhimmel werden zu den Wänden dieser Kinowelt, auf die ihre Figuren und wir alles Mögliche projizieren können. Einmal erinnert mich diese Welt aus Licht und Schatten an Maya Derens und Alexander Hammids Meshes of the Afternoon, der nicht weit von Shit Year entfernt, ebenfalls in L. A. gedreht wurde. Was beide verbindet, ist das unnachgiebige und sehr besondere Licht, welches die amerikanische Filmproduktion kurz nach 1900 an die Westküste lockte und Hollywood erst zu dem werden ließ, was es dann wurde. Mir scheint, dass dies das eigentlich Drama dieses Films ist: In welches Licht taucht dieser Ort seine Menschen? Im Licht Hollywoods zu stehen, das heißt, jemand anderes zu werden.“

(André Wendler, Sissy)


„Es ist ein Traum vom Filmemachen, den "Shit Year" sich gestattet: West, die nie damit aufhört, ihre Person hinter stetem Schauspiel zum Verschwinden zu bringen, hängt einer zur Lebensperlenschnur geronnenen Filmografie von 35 Filmen nach. Archer wiederum erträumt sich einen Filmkosmos, in dem sich teils subversive, teils persönliche Formen des Filmemachens miteinander verschränken. "Irgendwann wird man süchtig danach, eine andere Person zu sein", sagt West mit ihrer wunderbar papierenen Stimme an einer Stelle. Genauso ist Archers Film süchtig danach, ein anderer Film zu sein.

Mitunter grenzt seine Methode an das narzisstische Vergnügen, das andere beim Pflegen ihrer Schmetterlingssammlung empfinden mögen - und doch schiebt sich dabei neben Manieriertes immer auch Geglücktes, neben brav erfüllte auteuristische Konventionen treten wunderschöne Filmpartikel, in denen sich mitunter ein lakonisch-absurder Humor ausdrückt.

Vor allem aber ist "Shit Year" ein Film, der gehört sein will: Wie lange kein zweiter Film mehr ist "Shit Year" an den Rändern seinen Bilder akustisch offen und holt damit die Textur einer ganzen Welt ins klanglich Erfahrbare: Es rumort und hämmert aus der Baustelle neben dem Haus, es raschelt und weht im Wald, mitunter hört man die Filmkamera still surren, dann wieder wägt Ellen Barkin im Voiceover jeden Konsonanten auf selten gehörte, körperliche Weise ab. Was dabei im Verbund mit den assoziativen Bildern, mit den sachten Kamerabewegungen entsteht, ist reiner, sinnlicher Ambient - nicht so sehr die Geschichte eines Psychodramas, sondern dessen Aufschichtung.“ (Thomas Groh, Taz)


Trailer: http://www.youtube.com/watch?v=zgDOvcWLJzY

Mittwoch, 22. Juni 2011

SOMMERPAUSE



Wir gehen ab sofort in die Sommerpause!


Erst am 13. September wird es regulär weitergehen.

Einladungen zu spontanen "Sommer-Specials" werden wir nicht hier bekanntgeben, sondern über unseren Emailverteiler.

Wer gerne in unseren Verteiler aufgenommen werden will, der schreibt uns einfach eine Email.



Mittwoch, 15. Juni 2011

I DON'T WANT TO SLEEP ALONE - Tsai Ming-Liang

Dienstag 21.06.2011
20.30 Uhr
vorgestellt von Jan Krüger



I DON'T WANT TO SLEEP ALONE
| Malaysia/Taiwan 2006 | Regie und Buch: Ming-liang Tsai | Kamera: Pen-jung Liao, Ming-liang Tsai | Schnitt: Sheng-Chang Chen | Darsteller: Kang-sheng Lee, Shiang-chyi Chen, Norman Atun … | 115 min


Eröffnung: Venedig 2006

Shooting for the first time in Malaysia after seven features set primarily in Taipei, director Tsai Ming-Liang returns to his birthplace with a film unlike any of his prior works. Different in texture, mood and feel, and featuring a cast of multi-cultural and multi-lingual characters, the vivid, crowded, neon-lit streets of Kuala Lumpur come alive as only master director Tsai Ming-Liang can capture...

(Text des Verleihs axiomfilms)


A group of immigrants from Bangladesh find a rotten old mattress abandoned in the street, then a Chinese man left for dead by a band of local villains. Rawang is Malaysian and lives with them in an apartment block, which is only half-built due to the economic crisis. He nurses Hsiao Kang and gets him back on his feet again. In the same building lives Chyi, a Chinese girl employed by a restaurant owner to look after her son, who is the man in the coma from the opening scene. Hsiao Kang becomes the object of desire of Rawang, Chyi and her boss, and the circulation of the mattress accompanies the flow of affections.

(Cyril Neyrat: http://www.cahiersducinema.com/Critique-I-don-t-want-to-sleep,1169.html )


Wie eine ironische Anspielung auf den Mozart-Auftrag wirkt es, wenn der Taiwanese Tsai Ming-liang in einer Einstellung seines Films einen im Wachkoma liegenden jungen Mann zeigt, während aus dem Radio recht penetrant die Koloraturen der Königin der Nacht kieksen. I Don’t Want to Sleep Alone spielt in einem abgerissenen Viertel in Kuala Lumpur. Ein junger Chinese wird zusammengeschlagen, von einem Bauarbeiter aufgenommen und gesund gepflegt. In aller Ausführlichkeit filmt Tsai Ming-liang diese Fürsorge und ihre verhaltene Zärtlichkeit. Rwang, der Illegale aus Bangladesch, füttert und wäscht seinen Gast, bringt ihn auf die Toilette, kühlt ihm die Blutergüsse und kremt ihn ein. Berührungen scheinen in diesem Film nur unter dem Signum des Pflegens, Kümmerns, Helfens möglich. So wie bei der jungen Kellnerin Chyi, die den reglos im Krankenbett liegenden Sohn ihrer Chefin betreut und befriedigt.

In Tsai Ming-liangs enger düsterer Stadtlandschaft gibt es keinen privaten Raum. Seine Helden wohnen in Zimmerwinkeln, auf rumpeligen Dachböden, teilen sich Matratzen und treffen sich in den gigantischen Zementruinen des abgeflauten Wirtschaftsbooms. Und doch ist I Don’t Want to Sleep Alone alles andere als ein Sozialdrama der malaysischen Unterschicht. Es ist ein wunderbar zarter Film über die Sehnsucht nach Berührung und womöglich auch ein freies Spiel mit den Liebesmotiven der Zauberflöte. Ihre Wasser- und Feuerproben erleben die Paare dieses Films an den schwarz glänzenden Seen der still gelegten Baugruben und im Qualm der unterirdischen Müllbrände. Sie küssen sich hustend unter Rauchmasken und angeln friedlich an toten Gewässern.

(Katja Nicodemus: http://www.zeit.de/2006/37/Venedig-Zwischenbericht )


Mittwoch, 8. Juni 2011

LES TEMPS QUI CHANGENT - André Téchiné

Dienstag 14.06.2011
20.30 Uhr
vorgestellt von Jan Künemund




LES TEMPS QUI CHANGENT - CHANGING TIMES
| FR | 2004 | Regie: André Téchiné | Buch: André Téchiné, Pascal Bonitzer, Laurent Guyot | Kamera: Julienn Hirsch | Schnitt: Martine Giordano | Musik: Juliette Garrigues | Ton: Jean-Paul Muguel, Francis Wargnier | gedreht 2004 in Marokko | 90 Minuten | Darsteller: Catherine Deneuve (Cécile), Gerard Depardieu (Antoine), Gilbert Melki (Nathan), Malik Zidi (Sami), Lubna Azabal (Nadia / Aïcha), Tanya Lopert (Rachel), Nadem Rachati (Bilal)


Berlinale Wettbewerb 2005


Antoine kommt nach Tanger, um die Bauarbeiten eines Medienzentrums voranzutreiben. Der heimliche und eigentliche Grund seiner Anreise ist allerdings Cécile, seine Ex-Geliebte, die er nun nach über 30 Jahren der Suche in Marokko ausfindig gemacht hat und die er für sich zurückgewinnen will. Cécile ist verheiratet mit dem Arzt Nathan. Gemeinsam haben sie einen Sohn, Sami, der zur Zeit mit Freundin Nadia und deren Sohn Said in Paris lebt, nun aber über die Sommerferien zu Besuch kommt. Beide haben jedoch noch einen weiteren Grund, ihre Ferien ausgerechnet in Tanger zu verbringen. Nadia ist auf der Suche nach ihrer Zwillingsschwester Aicha, einer traditionsbewusst lebenden Muslimin, die sie seit vielen Jahren nicht mehr gesehen hat. Und Sami lässt seine Affäre mit Bilal wieder aufleben, den er dazu überreden will, ihn zurück nach Paris zu begleiten. Eine Zeit der Veränderung hat begonnen.


Das Kino von André Téchiné ist eine feste Arthouse-Größe, findet aber nur ab und zu auf deutschen Leinwänden statt. Téchiné macht ein ausgesprochen experimentelles Kino mit großen Stars (hier mit Deneuve und Depardieu in ihrem siebten gemeinsamen Film), das passt für viele nicht zusammen. Er hat eine sehr eigenständige Melodram-Konzeption, die nicht über psychologische Konflikte funktioniert, sondern im empfindlichen, physischen Sinn in Bewegung begriffen ist: den Filmen ist ein ungeheurer Drive eigen, die Protagonisten handeln obsessiv, die Montage (fast immer: Martine Giordano) ist hysterisch, dem Zuschauer stockt der Atem. Téchinés Kino geht von solchen Figuren aus, die außer sich sind – und lagert um sie herum Geschichten, Konflikte, Gesellschaft, Welt an. Menschen bewegen sich (im Kleinen) voneinander weg oder verlassen (im Großen) Kontinente.


“In CHANGING TIMES, Mr. Téchiné, the great French director, is near the peak of his form. Weaving a half dozen subplots, he creates a set of variations on the theme of divided sensibilities tugging one another into states of perpetual unrest and possible happiness. This microcosm of a world in transition might seem painfully schematic had it been conceived by a less subtle filmmaker. But for the most part Mr. Téchiné carries it off without its seeming heavy-handed. When it’s time to end the movie after a swift, compact 95 minutes, he refuses to wind his stories into a tight knot and lets most of the threads dangle.

Much of the movie’s charm lies in its sheer vitality.” (Stephen Holden, The New York Times)


„Das ist das Zittern des Lebens. Das verführt mich, weil es am meisten von den Schauspielern und den Figuren offenbart. Es interessiert mich, mit der Kamera lebendige Materie einzufangen. Diese lebendige Materie befindet sich in permanenter, unaufhörlicher Bewegung. Diese Bewegung möchte ich einfangen: was die Figuren, die Menschen und auch die Schauspieler voneinander entfernt und annähert. Dieses Zittern des Lebens in den menschlichen Beziehungen versuche ich mit meiner Kamera einzufangen. (...)

Man kann so tun - das ist ein wenig meine Idealvorstellung von Regie - , als sei die Kamera überall gleichzeitig. Das ist nicht sehr akademisch. Ich glaube, auf der Filmschule lernt man, zunächst einen Schauplatz mit einer Totalen einzuführen und sich dann immer mehr anzunähern. Der Anfang einer Szene muss immer eine Einleitung sein. Ich mache das nicht so gern. Mir ist es lieber, unvermittelt und augenblicklich ins Herz, ins Fleisch einer Szene vorzudringen. Oft beginne ich mit sehr nahen Einstellungen und erweitere nach und nach den Horizont.“ (André Téchiné im Gespräch mit Gerhard Midding)


„Und wie es oft geht, wenn einem zur eigentlichen Geschichte nichts einfällt: Man lässt sich weitere Geschichten einfallen, zu denen einem auch nichts einfällt, aber man kriegt die Zeit herum. So kommen die übrigen Figuren ins Bild, leblos, ziellos, keiner Notwendigkeit geschuldet, es wäre genauso gut, es gäbe sie nicht, vielmehr: es wäre besser, keiner hätte sie sich je ausgedacht. Was für eine Verschwendung der Schauspielerlegenden Deneuve und Depardieu.“ (Ekkehard Knörer, perlentaucher.de)