Sonntag, 20. Februar 2011

DREI PSYCHOLOGISCH INTERESSIERTE FOUND-FOOTAGE-AVANTGARDE-REIßER FROM AUSTRIA

Dienstag 22.2.2011
20.30 Uhr
vorgestellt von Gregor Stadlober



PASSAGE À L'ACTE
| Österreich 1993 | Regie: Martin Arnold | 12 Minuten

OUTER SPACE | Österreich 1998 | Regie: Peter Tscherkassky | 10 Minuten

MORROR MECHANICS | Österreich 2005 | Regie: Siegfried A. Fruhauf | 7 Minuten


(Das Programm ist kurz, für allfälligen Bedarf gibt es einige Bonus Tracks!)


Bei der Diagonale, dem Festival des österreichischen Films, hat es bis vor Kurzem die Sektion Avantgardefilm.gegeben. Ein Zeichen für die starke, strukturell orientierte Avantgardefilm-Tradition in Österreich, deren Säulenheilige Peter Kubelka und Kurt Kren sind. Kren ist tot, Kubelka nur mehr als strenger Hüter der reinen Lehre aktiv (während z.b. Michael Snow heute seine eigenen Klassiker auf Youtube-kompatible Längen kürzt, verbietet Kubelka eine DVD-Edition seiner Filme). Die reine Lehre beinhaltet in etwa, dass das Material Film sein muss, der Vorführort das Kino und der Inhalt eine thesengestützte, analytische Auseinandersetzung mit Kinoapparat, Wahrnehmung und Filmgeschichte. Weil das in dieser Form heutzutage kaum mehr stattfindet, gibt es bei er Diagonale nun die Kategorie Experimentalfilm, die eigentlich Experimentalvideo heißen müsste und von Leuten wie Kubelka oder dem Viennale-Leiter Hans Hurch gelinde gesagt gering geschätzt wird.

So gesehen sind Peter Tscherkassky und Martin Arnold sowas wie die letzten großen Meister des Genres. Sie haben die 90er Jahre mit aufwändigen und spektakulären Avantgarde-Blockbustern beherrscht. Martin Arnold bringt in Passage à l’acte (1993) eine heitere Familiensszene aus To Kill a Mockingbird zum Stottern und legt damit das Gewaltpotential frei, das im Idyll schlummert. In Outer Space (1998) bearbeitet Tscherkassky einen Horrorfilm mit Barbara Hershey. Im Original kämpft die Heldin gegen einen Angreifer, der in ihr Haus eindringen will. Bei Tscherkassky ist der Angreifer der Raum um den Filmstreifen, der die Kader (und in ihnen Hershey) attackiert.

Nach den großen Erfolgen mit diesen Filmen haben beide Regisseure eine Zeit lang mit imho mäßigem künstlerischen Erfolg die jeweils entwickelten Techniken gemolken und bewegten sich dabei interessanterweise fast synchron in Richtung Narration. Später ist Arnold in den Kunstkontext gewechselt, von Tscherkassky gibt es seit 2010 einen neuen Film, den ich noch nicht gesehen habe.

Während sich Tscherkasskys in den Nullerjahren im Kreis gedreht hat, hat sich sein Schüler Siegfried A. Fruhauf vom Epigonen zum Thronfolger entwickelt und mit Mirror Mechanics (2005) einen illegitimen, aber sehr schönen Tscherkassky-Film gezeugt.

Samstag, 12. Februar 2011

CONSPIRATORS OF PLEASURE - Jan Svankmajer

Dienstag 15.2.2011
20.30 Uhr
vorgestellt von Johanna Jaeger



CONSPIRATORS OF PLEASURE
| Tschechien, Großbritannien, Schweiz 1996 | Regie: Jan Svankmajer | Buch: Jan Svankmajer | Kamera: Spála, Miloslav | Montage: Zemanová, Marie | Kostüm: Švankmajerová, Eva | Musik: Jelinkova, Olga | Darsteller: Meissel, Petr, Olaf Lubaszenko/Wilhemová, Gabriela/Hrzánová, Barbora | 83 Minuten | Farbe | Englisch

Jan Svankmajer, 1934 geboren, ist ein tschechischer Filmemacher, Poet und Künstler – ein Surrealist. Der Langfilm Conspirators of Pleasure erzählt von den außergewöhnlichen Obsessionen unterschiedlicher Personen, die durch das Alltagsleben wie in ihre geheimen Kämmerchen filmisch begleitet werden. Das psychologische Innenleben der ProtagonistInnen wird bildnerisch-surreal und bildhauerisch dargestellt, und mit dem Auftreten der realen SchauspielerInnen verwoben:

Eine Nachrichtensprecherin und Karpfen, ein musikliebhabender Bastler und Bürsten, eine Postbotin und ihr besonderer Umgang mit dem “täglichen Brot”, ein Nachbar mit ausufernden Fantasien, ein alter Mann und sein ganz eigenes Vergnügungskabinett. Die Charaktere des Films begegnen sich, ohne das der eine von dem stillen und geheimen Tun des anderen weiß.

Wenn es noch Zeit gibt, schlage ich vor danach noch Kurzfilme zu schauen, die noch stärker bildhauerisch, sehr obskur und fantastisch sind.

z.B. Dimensions of Dialogue (1981)

http://www.youtube.com/watch?v=LhX1tvTgqC8


LINK:

Sonntag, 6. Februar 2011

DAS GESPENST DER FREIHEIT - Luis Buñuel

Dienstag 08.02.2011
20.30 Uhr
vorgestellt von Cristina Diz




DAS GESPENST DER FREIHEIT | Frankreich 1974 | Regie: Luis Buñuel | Buch: Luis Buñuel, Jean-Claude Carrière | Kamera: Edmond Richard | Montage: Hélène Plemiannikov | Produzent: Serge Silberman | Darsteller: Jean-Claude Brialy, Monica Vitti, Michael Piccoli, Adriana Asti, Julien Bertheau, Adolfo Ceili, Paul Franqueur, Francois Maistre, Jean Rochefort | 104 Minuten

"Coincidence is the great master of things. I feel a special tenderness toward The Phantom of Liberty, perhaps because it tackles this difficult theme". (Luis Buñuel).

Luis Buñuel reiht in seinem u.a. mit Michel Piccoli, Monica Vitti, Jean-Claude Brialy und Julien Bertheau hochkarätig besetzten, Mitte der 70er Jahre hoch provokanten Film „Das Gespenst der Freiheit“ in lockerer Weise Episoden aneinander, die das scheinbar Normale ins Absurde verkehren und vom Zuschauer wie ein Puzzle zusammengesetzt werden müssen.

Der Kommissar eines Polizeireviers ruft einen Flic herein und bittet ihn, nach einem Mädchen zu fahnden, das zusammen mit seinen Eltern neben ihm steht. Nachts wird ein Auto durch einen Panzer gestoppt und die Soldaten fragen, ob die Fahrerin zufällig Füchse gesehen hat, sie seien nämlich auf Fuchsjagd. Ein Mann zeigt zwei kleinen Mädchen offenbar anrüchige Fotos, die von ihren Eltern später geradezu schockiert zur Kenntnis genommen werden – dabei handelt es sich um völlig harmlose Ansichtskarten der touristischen Sehenswürdigkeiten von Paris. Mönche zelebrieren für den todkranken Vater eines Gastes im Hotel eine Messe, um danach auf dem Zimmer der Trauernden ein wildes Pokerspiel aufzuziehen. Ein junger, gut aussehender Mann versucht, seine wesentlich ältere Tante zu verführen – vergeblich, weil diese sich jungmädchenhaft ziert.Der absolute Höhepunkt des verrätselt-absurden Reigens: Gäste treffen sich nach dem Besuch der Oper zum Diner, lassen diskret die Hosen ’runter und sich an der völlig leeren Tafel auf Kloschüsseln nieder, um über Umweltverschmutzung zu sprechen. Zum Essen verdrücken sie sich dagegen in eine entlegene Speisekammer, nach der sie sich beim Hausmädchen nur hinter vorgehaltener Hand erkundigen...
Buñuels 31. Film, dessen Titel „Das Gespenst der Freiheit“ einem Satz aus dem Kommunistischen Manifest von Karl Marx nachempfunden ist, offenbart eine höchst eigenwillige Vorstellung des damals bereits 74jährigen Regisseurs von einer überschäumenden, komisch totalen Freiheit jenseits der (bürgerlichen) Realität, welche er geradezu auf den Kopf stellt.

Gleich zu Beginn relativiert Buñuel den Freiheitsbegriff mit dem Rückgriff auf eine historische Begebenheit: Die Spanier haben sich 1814 mit dem Ruf „Vivan las cadenas“ („Es leben die Ketten“) von der Freiheit, die ihnen die napoleonische Herrschaft brachte, befreit, indem sie sich für das Joch unter König Fernando VII. entschieden.Buñuel führt Zufälligkeiten, Formalismen und Rituale menschlicher Unzulänglichkeiten vor, aber nicht seine Figuren. Das macht seine surrealistische (Welt-) Sicht auch für ein heutiges Publikum so sehenswert: Der „französische Spanier“ ist kein moralinsauer Prediger, sondern jemand, dessen „Lehre“, einen solchen Begriff würde er naturgemäß strikt von sich weisen, unter einem Berg von Amüsement nur sehr unterschwellig sichtbar wird.

[Pitt Hermann, Filmzentrale]

LINK:

http://www.sensesofcinema.com/2002/cteq/phantom/

Montag, 31. Januar 2011

SELBSTGEMACHTES - Kurzfilmabend


Dienstag 1.2.2011
20.30 Uhr
vorgestellt von Franz Müller, José van der Schoot und Angela Christlieb


In Anwesenheit der Regisseure zeigen wir am Dienstag die folgenden Filme:


LEICHTMATROSEN | Regie: Franz Müller | Idee: Franz Müller, Rainer Knepperges | Kamera: Ralf Mendle | Montage: Stefan Olivera, Kawe Vakil | Darsteller: Rainer Knepperges, Stephan Jelkmann, Nicole Marischka, Gina d'Orio

Sie sind zwei deutsche Männer in der Midlife-Crisis. Auf der Suche nach weiblicher Beute verfallen sie auf die perfide Idee, als Matrosen in Marokko Touristinnen abzuschleppen. Es kommt zu einem deutschen Stelldichein auf marokkanischem Boden, bei dem ihre weiblichen Bekanntschaften ihnen einiges entgegenzusetzen haben.


VERBESSERUNGSPOTENTIAL | Regie: José van der Schoot | 21 Minuten

Der Film ist im Auftrag der REVOLVER-Film GmbH zu dem Thema: "Die Zukunft des Körpers" entstanden.

"Im Zentrum stehen die Sichtweisen einiger Transhumanisten, die vor allem in der Technik (und ihrer Entwicklung) die Möglichkeit sehen, den menschlichen Körper zu verbessern und eventuell neu zu gestalten:

'Es gibt Verbesserungspotential' ist die fortschrittliche Aussage, die mit diesem - für manchen Bedrohlichen - Veränderungswunsch einhergeht. - Ob man auch den Tod überwinden kann mit Hilfe der Technik ist eine Frage, die eine 'kalte' Hoffnung hervorruft, denn auch dies konnte in absehbarer Zeit möglich werden."


[José van der Schoot]


MEINE ZÄHNE IN PARIS | Regie/Kamera/Schnitt/Produktion: Angela Christlieb | Musik: Algis Antanas Kizys | 5:40 Minuten

Der Schausspieler Lou Castel, bekannt aus Werken von Wenders, Fassbinder und Haneke, Philippe Garrel, Olivier Assayas u.v.a. ist Ehrengast auf den Hofer Filmtagen. Im Hotel angekommen steht er vor einem Problem: Seine Zähne sind in Paris geblieben... Nur wo? Da hilft nur anrufen und nachforschen bei Fabienne, Edith oder Brigitte....


Samstag, 22. Januar 2011

A WOMAN UNDER THE INFLUENCE - John Cassavetes

Dienstag 25.10.2010
20.30 Uhr
vorgestellt von Cristina Diz





A WOMAN UNDER THE INFLUENCE | USA | Regie: John Cassavetes | Buch: John Cassavetes | Kamera: Mitch Breit | Montage: David Armstrong, Sheila Viseltaer, Elizabeth Bergeron | Produzent: Faces Int. Films| Musik: Bo Harwood | Darsteller: Peter Falk, Gena Rowlands, Matthew Cassel | 146 Minuten | Farbe | Englisch

Der einzige Film von Cassavetes, mit dem er zu Lebzeiten in seiner Heimat einen kleinen Erfolg verbuchen konnte: Gena Rowlands und Peter Falk als Ehepaar der unteren Mittelklasse, deren Temperamente hochexplosiv sind. Er kann den Dampf bei der Arbeit ablassen, sie versucht es daheim. Was die eigenen vier Wänden zu einem unermesslichen Spielgrund der seelischen Verwerfungen macht.
„Mabel Longhetti in A Woman under the Influence begeht dieselbe ebenso unverzeihliche wie unabwendbare Sünde. Immer wieder sagt sie, wie sehr sie die Menschen liebe, und verrät damit doch, dass sie nicht weiß, wie das geht. Um ihrem Mann zu zeigen, dass sie ihn liebt, drückt sie sich in so allgemeinen (und dabei ,übertriebenen‘) Zeichen von Freundlichkeit, Glück und Wohlbefinden aus, dass ihre ,Krankheit‘ nur umso deutlicher werden muss. Auch hier ist die Mitte des Geschehens ein Zeichen des Todes: Mabel unternimmt einen symbolischen Selbsttötungsversuch; danach, sollte man meinen, müsste doch alles ganz anders werden. Aber es kommt nur eine erschöpfte Ruhe über die beiden Menschen, deren Liebe aneinander vorbeiströmt. Man macht den Abwasch, man räumt auf, man wird zu Bett gehen: All diese kleinen, unerträglichen Dinge des Alltags erscheinen plötzlich auch wie ein kleiner Trost. Es gibt etwas, was noch schlimmer ist als das Leben, das ist der Tod.“ (Georg Seeßlen, Stadtkino Zeitung 441, Sommer 2007)

Gena Rowlands ist die Frau unter Einfluss – in einer darstellerischen tour de force von irritierender Körperlichkeit kanalisiert sie neurotische Schübe, aufgestaute Aggressionen und erdrückende mütterliche Fürsorge. Sie lacht und weint, zittert und schreit, Spuren des keimenden Wahnsinns bestimmen jede ihre Bewegungen. Ihre nervöse Aufgewühltheit überträgt sich nicht nur auf ihr filmisches Umfeld, sondern auf den anwesenden Zuschauer, der zweieinhalb Stunden später als "spectator under the influence" den Kinosaal verlässt (Heft Kino Arsenal November 2009)

Montag, 17. Januar 2011

EINE FLEXIBLE FRAU - Tatjana Turanskyj

Dienstag 18.1.2011
18.00 Uhr
Sputnik-Kino
in Anwesenheit der Regisseurin




EINE FLEXIBLE FRAU | Deuschland 2010 | Regie: Tatjana Turanskyj | Buch: Tatjana Turanskyj | Kamera: Jenny Barth | Produzent: Filmgalerie 451 | Musik: Niels Lorenz | Darsteller: Mira Partecke, Laura Tonke, Franziska Dick | 97 Minuten | Farbe | Deutsch

ACHTUNG: Die Vorstellung findet im Rahmen des regulären Programms des Sputnik-Kinos statt und beginnt daher bereits um 18:oo Uhr !

Greta, 40, Architektin, Mutter eines zwölfjährigen Sohns, getrennt lebend, verliert ihren Job. Sie beginnt in einem Callcenter zu arbeiten, wird aber schon bald wieder gekündigt. Sie versucht mit aller Kraft, sich nicht unterkriegen zu lassen, fängt an zu trinken und treibt durch die Stadt – zwischen Anpassungsdruck und Widerspruchsgeist.

[Quelle: www.film-zeit.de]

LINKS:

Trailer und diverse Kritiken auf http://www.film-zeit.de/Film/21224/EINE-FLEXIBLE-FRAU/Kritik/

Dienstag, 11. Januar 2011

THE MAD SONGS OF FERNANDA HUSSEIN - John Gianvito

Dienstag 11.1.2011
21.00 Uhr
Babylon Mitte





THE MAD SONGS OF FERNANDA HUSSEIN | USA 2001 | Regie: John Gianvito | Buch: John Gianvito | Kamera: Ulli Bonnekamp | Produzent: John Gianvito | Musik: Johannes Ammon, Jokov Jakoulov, Igor Tkachenko | Darsteller: Thia Gonzales, Dustin Scott, Robert Perea | 168 Minuten | Farbe | Englisch

Die Winterpause ist vorbei. Am Dienstag den 11. Januar geht es weiter und wir machen eine Exkursion ins Babylon Mitte:

John Gianvito ist jemand, der nicht kalkuliert, der auf alle Effekte verzichtet. Er nimmt uns bei der Hand, damit wir mit ihm etwas empfinden. Er sagt, komm, schau hin, hör zu. Und das tun wir. (...) Warum hat niemand sonst das Thema des Golfkriegs im Kino auf diese Weise aufgegriffen? Es gab doch so viele Filme über Vietnam. (...) Vielleicht deshalb, weil sich diesmal die ganze Welt im Recht glaubte. Die ganze Welt - außer John Gianvito, der durch und für das Kino lebt und denkt.

[Chantal Ackermann]

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