Samstag, 22. Januar 2011

A WOMAN UNDER THE INFLUENCE - John Cassavetes

Dienstag 25.10.2010
20.30 Uhr
vorgestellt von Cristina Diz





A WOMAN UNDER THE INFLUENCE | USA | Regie: John Cassavetes | Buch: John Cassavetes | Kamera: Mitch Breit | Montage: David Armstrong, Sheila Viseltaer, Elizabeth Bergeron | Produzent: Faces Int. Films| Musik: Bo Harwood | Darsteller: Peter Falk, Gena Rowlands, Matthew Cassel | 146 Minuten | Farbe | Englisch

Der einzige Film von Cassavetes, mit dem er zu Lebzeiten in seiner Heimat einen kleinen Erfolg verbuchen konnte: Gena Rowlands und Peter Falk als Ehepaar der unteren Mittelklasse, deren Temperamente hochexplosiv sind. Er kann den Dampf bei der Arbeit ablassen, sie versucht es daheim. Was die eigenen vier Wänden zu einem unermesslichen Spielgrund der seelischen Verwerfungen macht.
„Mabel Longhetti in A Woman under the Influence begeht dieselbe ebenso unverzeihliche wie unabwendbare Sünde. Immer wieder sagt sie, wie sehr sie die Menschen liebe, und verrät damit doch, dass sie nicht weiß, wie das geht. Um ihrem Mann zu zeigen, dass sie ihn liebt, drückt sie sich in so allgemeinen (und dabei ,übertriebenen‘) Zeichen von Freundlichkeit, Glück und Wohlbefinden aus, dass ihre ,Krankheit‘ nur umso deutlicher werden muss. Auch hier ist die Mitte des Geschehens ein Zeichen des Todes: Mabel unternimmt einen symbolischen Selbsttötungsversuch; danach, sollte man meinen, müsste doch alles ganz anders werden. Aber es kommt nur eine erschöpfte Ruhe über die beiden Menschen, deren Liebe aneinander vorbeiströmt. Man macht den Abwasch, man räumt auf, man wird zu Bett gehen: All diese kleinen, unerträglichen Dinge des Alltags erscheinen plötzlich auch wie ein kleiner Trost. Es gibt etwas, was noch schlimmer ist als das Leben, das ist der Tod.“ (Georg Seeßlen, Stadtkino Zeitung 441, Sommer 2007)

Gena Rowlands ist die Frau unter Einfluss – in einer darstellerischen tour de force von irritierender Körperlichkeit kanalisiert sie neurotische Schübe, aufgestaute Aggressionen und erdrückende mütterliche Fürsorge. Sie lacht und weint, zittert und schreit, Spuren des keimenden Wahnsinns bestimmen jede ihre Bewegungen. Ihre nervöse Aufgewühltheit überträgt sich nicht nur auf ihr filmisches Umfeld, sondern auf den anwesenden Zuschauer, der zweieinhalb Stunden später als "spectator under the influence" den Kinosaal verlässt (Heft Kino Arsenal November 2009)

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