Montag, 22. Februar 2010

FACES - John Cassavetes


23.02.2010| 20.30 Uhr
vorgestellt von Stefan Neuberger



FACES
| USA 1968 | Regie & Buch: John Cassavetes | Kamera: Al Ruban | Schnitt: Maurice McEndree and Al Ruban | Produzent: Maurice McEndree | Darsteller/innen: John Marley, Gena Rowlands, Lynn Carlin, Seymour Cassel, Val Avery, Fred Draper | 130 min

[…] Man fängt mit Nichts an. Das hat mich immer fasziniert. Es ist nichts da. Man fängt mit ein paar Leuten an. Man trinkt, redet, lacht, ist glücklich oder unglücklich und denkt:" Okay, das machen wir." Und dann passiert etwas. Man kann zwei oder drei Jahre weiterleben. Der Prozess ist sehr schwierig. Die meisten arbeiten nicht gerne so, weil Ihnen Ihr Leben wichtig ist. Vor allem muss man sich von den Erfahrungen mit der Filmindustrie, der Vorstellung vom
kommerziellen Filmemachen trennen. Man entdeckt, dass jede Idee- so sie vergleichsweise originär ist - plötzlich eine mutige wird. Sie trägt sich selbst; es gibt immer Leute, die Hoffnung haben. Wir waren alle etwas älter und reifer geworden, aber manchmal muss man, um bei Verstand zu bleiben, zu den Anfängen zurück und herausfinden, ob es wirklich etwas zu sagen gibt oder nicht. Wir haben uns für das, was wir zum Ausdruck bringen wollten, aufs Spiel gesetzt:" Hier sind wir, wir haben unser Bestes gegeben".
[…]

aus Cassavetes über Cassavetes, Verlag der Autoren

Freitag, 12. Februar 2010

Berlinalepause

Nächster Termin 23.2.2010

Freitag, 5. Februar 2010

PAUL - Klaus Lemke


09.02.2010| 20.30 Uhr
vorgestellt von Sabine Herpich




PAUL | Deutschland 1974 | Regie & Buch: Klaus Lemke | Kamera: Lothar E. Stickelbrucks | Schnitt: Peter Przygodda | Szenographie: George Mühleisen-Phipps, Isolde Nist | Ton: Werner Vittiglio | Darsteller/innen: Paul Lys, Sylvie Winter, Friedhelm Lehmann, Jimmy Braker, Elke Föry, Babs Ossenkopp u.a | Produzent: Helmut Rasp | 75 min

[…] Schon in der Erstbegegnung der Milieus, bei Pauls Eindringen in die Vernissage-Gesellschaft weiß man nicht, wo hier die Grenzen verlaufen zwischen drinnen und draußen, Ernst und Spiel. Das gilt für die Szene als Szene im Film, aber es gilt auch für den Rahmen dieser Performance. Denn darum handelt es sich hier: Nicht um das Ausfüllen einer Rolle, das Spielen einer Figur namens "Paul", sondern um Pauls Performance, in der die Grenze zwischen "Paul", der Figur, und Paul, dem Darsteller, nicht mehr zu bestimmen ist. Die Handkamera und der Schnitt sorgen im Wechsel von Draufhalten und Wegschneiden und wieder Draufhalten und wieder Wegschneiden dafür, dass die Orientierung in Raum und Zeit verloren geht. Die Performance als Film gelingt nur durch Zerstörung einer stabilen Ordnung der Repräsentation. Erst in diesem Zerreißen, in diesem Verwischen der Grenze, wird das Geschehen zur Performance, zur virtuosen Abbildung eines Geschehenlassens. Es gibt einen Rahmen und es gibt Improvisation, aber wer könnte sagen, wo das eine endet, das andere beginnt. Pauls Performance macht diese Szene zum Happening. In den Worten Allen Kaprows, des Erfinders des Happenings: "The line between art and life should be kept as fluid, and perhaps indistinct, as possible." […]

Ekkehard Knörer: "Pauls Performance"
in: Inside Lemke. Ein Klaus Lemke Lesebuch, hrsg. von Brigitte Werneburg (Schnitt, 2006)

Donnerstag, 28. Januar 2010

PREUSSISCH GANGSTAR - BARTOSZ WERNER und MARC HOFMEISTER zu Gast


02.02.2010| 20.30 Uhr
in Anwesenheit von Bartosz Werner und Marc Hofmeister

Im Anschluß:
Gespräch mit Bartosz Werner und Marc Hofmeister


PREUSSISCH GANGSTAR | Deutschland 2007 | Regie & Buch: Irma-Kinga Stelmach, Bartosz Werner | Kamera: Andreas Bergmann, Ben Pohl | Schnitt: Marc Hofmeister | Musik: Benjamin Krbetschek, Mr. Mighty, Micpropaganda | Darsteller/innen: Robert Ohde, Mario Knofe, Benjamin Succow, Anne Helm, Ulrike Hübschmann, Lutz Blochenberger, Cathleen Succow, Kirstin Kramer u.a | Produktion: Fortuna-Film-Produktion, Berlin, und Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ | 88 min

Erzählt wird der Alltag von Nico, Oli und Tino, drei Jugendliche aus Buckow, Brandenburg. Wie in "Rocker" werden in "Preußisch Gangstar" die Jugendlichen von Laiendarstellern gespielt, gedreht wurde in dem Ort, in dem die Darsteller auch leben.


1982 geboren in der DDR, 1989 geflohen, meine Eltern wollten mehr

Über meine Zeit im gold'nen Westen: Am Anfang war's schwer

Für die war ich halt ein Ossi - nicht, weniger, nicht mehr

Ein dummer kleiner Bengel aus der ehemaligen DDR

Doch an euch ein kleiner Tipp - weniger ist mehr

Nach sieben langen Jahren endlich wieder in der Heimat

Ich stellte sofort fest, es hat sich viel verändert


Aus dem Osten in den Westen und wieder zurück

Für euch vielleicht Scheiße, doch für mich das größte Glück

Aus dem Osten in den Westen und wieder zurück

Für euch vielleicht Scheiße, doch für mich das größte Glück

Es gibt kein Ost, kein West, es gibt kein Schwarz, kein Weiß

Egal ob arm oder reich, wenn du die Wahrheit weißt


...


Raptext: "1982" von Ohde O

Quelle: Ohde O (Text und Gesang), Mr. Mighty (Beats), Preußisch Gangstar Music


Mittwoch, 20. Januar 2010

ROCKER - Klaus Lemke


26.01.2010| 20.30 Uhr
vorgestellt von Sabine Herpich


ROCKER | D 1972 | Regie & Buch: Klaus Lemke | Darsteller/inn/en: Hans-Jürgen Modschiedler, Gerd Kruskopf, Michael-Thomas Krannich, Paul Lys, Marianne Mim, Heidrun Rieckmann, u.a. | Kamera: Bernd Fiedler, Anna Harnisch | Montage: Jutta Brandstaedter | Produzent: Hans Kaden, Willi Segler | Sprache: Deutsch | 85 min |


Gerd wird aus dem Knast entlassen, draußen warten die Kumpels aus der Rocker-Gang. Aber so wie es war, ist es nicht mehr. In einer Disco freundet er sich mit Mark an, der seine Lehre hingeschmissen hat. Mark will seinen Bruder rächen, der von Zuhältern getötet wurde. Rocker gegen Zuhälter, gespielt von Laien. Denn: "Schauspieler sind schrecklich! Es macht überhaupt keinen Sinn für mich, mit Schauspielern zu arbeiten. Am Anfang meiner Karriere habe ich das ja noch getan, aber das führt zu nichts, das ist nicht authentisch. Meine Darsteller haben keine Techniken, um ihre Gefühle auf Befehl abzurufen. Deshalb müssen sie ihren eigenen Charakter einbringen. Und das ist es doch, was meinen Filmen diese Echtheit gibt. Das wirkt alles nicht gespielt, das ist real." (Galore, Volume 49)






Mittwoch, 13. Januar 2010

DIE QUEREINSTEIGERINNEN - RAINER KNEPPERGES zu Gast


19.01.10 | 20.00 Uhr
in Anwesenheit des Filmemachers

DIE QUEREINSTEIGERINNEN wird im Kinosaal gezeigt.
Im Anschluß: Gespräch mit Rainer Knepperges.
Beginn diesmal schon um 20.00 !!!


| D 2005 | Regie: Rainer Knepperges, Christian Mrasek | Buch: Rainer Knepperges | Darsteller/inn/en: Nina Proll, Claudia Basrawi, Mario Mentrup, Rainer Knepperges u.a. | Kamera: Matthias Rajmann | Montage: Kawe Vakil | Ton: Ralf Weber | Szenographie: Claudia Stock | Musik: Thomas Hermel, Die heiligen Söhne des Ackers | Produzenten: Rainer Knepperges, Christian Mrasek | Sprache: Deutsch | 81 min |

Die Freundinnen Katja und Barbara entführen aus einer Laune heraus Harald Winter, Chef eines deutschen Telefonkonzerns. Sie fordern die Wiederaufstellung der schönen alten gelben Telefonzellen. In einem abgelegenen Ferienhäuschen zwingen sie Harald zu unbeschwertem Müßiggang. Der ist zunächst empört über die Unprofessionalität der Entführung und ärgert sich, dass ihm sein freies Wochenende vermiest wird. Als aber seine zaghaften Fluchtversuche scheitern, findet er schnell Gefallen an den Abenden mit Spiel, Tanz und Eierlikör, zu denen Katja und Barbara ihn verführen. Doch das Idyll ist bedroht, denn während die ersten gelben Telefonzellen aufgestellt werden, hat im Hintergrund bereits der skrupellose Sonderermittler Korn seine Arbeit aufgenommen...

Es geht um die Entführung eines Telefonkonzern-Chefs, die auch eine Verführung ist in eine sinnliche Utopie. (...) Welch großartige Lektion: Der Boss der Telekommunikation muss die kleinen Gesten der Verständigung und Zärtlichkeit neu erlernen. Ein Film also auch, der sich nach einer anderen deutschen Wirklichkeit und einem anderen deutschen Kino sehnt.
[Hans Schifferle, Süddeutsche Zeitung]

Was DIE QUEREINSTEIGERINNEN so besonders macht, ist die Leichtigkeit, mit der es Knepperges und Mrasek gelingt, das von der Mode okkupierte Retro-Konzept zurückzuerobern und als Ausdruck einer gemächlicheren Lebensweise sichtbar zu machen, die von der Raserei der Gegenwart erdrückt zu werden droht. Aus der Rückschau folgt zwanglos der kluge Entschluss, nicht jeden Scheiß mitzumachen, nur weil der gerade "in" ist, und deswegen ist dieser im besten Sinne gspinnerte Film frei und unbeschwert, richtig lustig und besonders wertvoll.
[Alexandra Seitz, Tip Berlin]

Rainer Knepperges

Rainer Knepperges ist Mitbegründer des 1990 ins Leben gerufenen Filmclub 813 und Mitglied der "Kölner Gruppe", innerhalb der er seit 1987 als Regisseur, Autor und Darsteller an bisher über 15 meist kurzen Spielfilmen beteiligt war. Darüber hinaus ist Knepperges Herausgeber des Buches "Gdinetmao. Abweichungen vom deutschen Film", das 2000 im Maas Media Verlag erschien. DIE QUEREINSTEIGERINNEN (2005) ist sein erster abendfüllender Film als Regisseur, Darsteller, Autor und Produzent.



Mittwoch, 6. Januar 2010

KEIN SCIENCE FICTION - FRANZ MÜLLER zu Gast

12.01.10 | 20.30 Uhr
vorgestellt von und in Anwesenheit des Filmemachers

KEIN SCIENCE FICTION wird im Kinosaal gezeigt.
Im Anschluß: Gespräch mit Franz Müller.



| D 2003 | Regie und Buch Franz Müller | Darsteller/inn/en: Arved Birnbaum, Nicole Marischka, Jan Henrik Stahlberg, u.a. | Kamera: Frederick Walker | Montage:Jan Müller, Dirk Oetelshoven, Sean Coffey, Barbara Hoffmann | Ton: Sebastian Leukert | Szenographie: Claudia Stock, Claudia Bach | Musik: Tobias Ellenberg | Produzent: Franz Müller | Sprache: Deutsch |DV / 35 mm | 112 min |


Marius (Jan Henrik Stahlberg) ist von Beruf Motivationsmanager. Sein Leben besteht darin, unschuldigen Menschen Schwachsinn ins Gesicht zu brüllen. Eines Tages schließt er die Seminartür hinter sich und als er sie wieder öffnet, hat sich sein Leben verändert: Er ist in einem Raum-Zeit-Kontinuum gefangen. Sobald er jetzt eine Tür hinter sich zumacht, haben seine Mitmenschen ihn vergessen. Das hat seine Vorteile: Man kann im Restaurant für lau essen, beim Gebrauchtwagenhändler Autos abzocken und in Hotels umsonst übernachten. Probleme gibt es nur, wenn man eine Frau kennen lernen möchte. Zu allem Überfluss hat Marius aber auch noch den ungelenken Seminar-teilnehmer Jörg (Arved Birnbaum) am Hals...


Franz Müller gelang mit KEIN SCIENCE FICTION etwas, das man nicht allzu häufig im deutschen Kino findet: ein äußerst leichter, heiterer Film, dem es nicht an Tiefe und Wahrheit fehlt. Die Figuren Marius und Jörg, die hier gemeinsam in einer Parallelwelt landen, könnten unterschiedlicher nicht sein – und entsprechend unterschiedlich gehen sie um mit dieser Situation. So führt uns der Film zwei Typen vor, zwei Sichten auf dieselbe Welt, die vor allem dann, wenn es um Frauen geht, aufschlussreich werden. KEIN SCIENCE FICTION ist überdies ein perfektes Beispiel dafür, wie sehr ein inhaltlich starker Film notwendige technische Einbußen wett machen kann: der Film wurde zum Großteil frei finanziert und aus Kostengründen auf DV gedreht. Umso überzeugender aber die Darsteller, deren sämtliche Dialoge improvisiert sind. Die einzelnen Szenen wurden, auf der Grundlage eines Treatments, erst vor Ort erarbeitet, und Passanten, wenn nötig, in die Handlung mit eingebunden.

[Stefan Zierock]

Mehr Infos u.a. zu Cast & Team sowie zahlreiche Links zu Pressestimmen unter http://www.keinsciencefiction.de

Vita Franz Müller
1990 - 95Studium Freie Kunst in Düsseldorf
bei Gerhard Richter und Oswald Wiener
seit 1999Postgraduiertenstudium an der Kunsthochschule
für Medien in Köln
bei Michael Lentz und Wolfgang Becker
seit 1999Mitarbeit im Filmclub 813
Filmografie (Auswahl)
1998Madonna ist Löwe, Kurzfilm, 16 mm,19 Min.
in Zusammenarbeit mit Tom Uhlenbruck
2001Freitagnacht, Episode "Vater und Sohn", Spielfilm,
DV auf 35 mm, 72 Min., Koproduktion Kunsthochschule
für Medien Köln und WDR
2003kein Science Fiction, Spielfilm, 112 Min.
2006DLDK - Die Liebe der Kinder, Spielfilm