Dienstag, 24. Juli 2012

PARIS IS BURNING - Jennie Livingstone

Dienstag 24.07.2012
20.30 Uhr  
vorgestellt von Stefan Butzmühlen






Paris is burning  |  USA 1990  |  71 Minuten  |  englische OV |   Regie Jennie Livingstone 
„Jennie Livingston’s documentary about gay black and Latino men who compete in drag balls is a beautiful piece of work—lively, intelligent, exploratory. The drag queens we see here seem to be holding up a mirror to the world of the empowered as they see it in movies, TV shows, and magazines. In the ballroom, some present themselves as elegant, glamorous women in designer outfits, and walk with the hip-swinging slouch of runway models, while others adopt more mundane personas: college students (of both sexes); military men; Wall Street businessmen; aristocrats at play, dressed for yachting or riding to hounds. The criteria by which all these turns are judged is verisimilitude—“realness.” The material is almost too rich, too suggestive. Everything about the ball culture signifies so blatantly and so promiscuously that the movie induces a kind of semiotic daze. Livingston is smart enough not to reduce her subjects to the sum of their possible meanings, perhaps because she realizes that the way the drag performers manipulate image and fetishes and the iconography of popular culture is for many of them a sophisticated form of humor. The most self-aware of the gay men in this picture revel in the ironies of their social and sexual identities, and Livingston makes us appreciate the comic grace and the strange wisdom of that approach. Like all the best documentary filmmakers, she does her subjects the honor of allowing them to retain some of their mystery.“ (Terrence Rafferty im New Yorker)

Donnerstag, 12. Juli 2012

LET'S MAKE MONEY - Erwin Wagenhofer

Dienstag 17.07.2012
20.30 Uhr  
vorgestellt von Jan Krüger






Let's make Money  |  Österreich 2008  |  107 Minuten  |  mehrsprachig mit dt. Untertiteln  |   Regie und Kamera Erwin Wagenhofer  |  Regieassistenz und Ton Lisa Ganser  |  Schnitt Paul M. Sedlacek  |   Produzent Helmut Grasser


"Wenn es einen Film gibt, der eine Revolution auslösen kann, dann ist es dieser!"
(Cinema)

"Hier die Gelddruckmaschine, dort die Steineklopfer. Hier die Hochglanzwerbung der Deutschen Bank, darunter der Slum. Hier der Manager im Wagenfonds, hinter Glas keimfrei abgeschottet von den realen Folgen seiner Geschäfte, dort die Obdachlosen unter Plastikplanen. Wagenhofer setzt auf eine Ästhetik des scharfen Kontrasts, verzichtet sonst jedoch auf propagandistische Publikumsgängelei à la Michael Moore. Der Film weist lediglich Zusammenhänge auf, die man gewöhnlich nicht wahrhaben möchte: zwischen dem eigenen Geld in der Pensionskasse und der spanischen Immobilienblase zum Beispiel. Jeder Sparkassenkunde, jeder Pfandbriefbesitzer ist verstrickt ins ganz legale, globale Unrechtssystem. Es bringt Absurditäten hervor, die jeden beschämen, nicht nur selbstgefällige Manager. So gehören zu den Zigtausenden für den Leerstand gebauten Wohnungen an Spaniens Sonnenküste auch 800 Golfplätze, deren Grünflächen täglich bewässert werden. Die Wassermenge entspricht dem Tagesbedarf von 16 Millionen Menschen. Der Film zur Krise. Unbedingt gucken.
(Christiane Peitz im tagesspiegel)

"Statt etwa der spanischen Immobilienkrise mit dem Ethos einer gut recherchierten Reportage nachzugehen, wird, nachdem die attraktivsten Bilder und Statements abgegrast worden sind, munter der Schauplatz gewechselt. Das Ergebnis produziert keine Einsichten in die faktische Komplexität und Vernetztheit des Weltwirtschaftssystems und seiner Player, sondern eher eine Art geopolitischen Kritik-Tourismus zweiter Ordnung. Wie alles mit allem zusammenhängt, vermittelt sich nicht.
Auch deshalb gerät der Film immer wieder in bildsprachliche Sackgassen, die weniger mit der prinzipiellen Unanschaulichkeit der Finanzökonomie zu tun haben, als mit der Vorliebe des Regisseurs für Pittoreskes wie kreisende Geier oder andere Pointen - etwa wenn der glatzköpfige Mobius durch einen verzerrenden Spiegeleffekt im Fitnessstudio als Nosferatu inszeniert wird. Überführt man so eine "Heuschrecke"? Offensichtlich wird die schale Hilflosigkeit, wenn die Kinder von Baumwollpflückern aus Burkina Faso in Zeitlupe in die Kamera winken."
(Simon Rothöhler im FREITAG: "Wie überführt man Heuschrecken?)

"… Das ganze Filmteam besteht, wie schon bei „We Feed the World“ aus zwei Personen, aus Lisa Ganser und mir. Ich halte mich durchaus für einen politischen Menschen, aber ich bin kein Fachmann für die Themen, über die ich Filme mache. Natürlich beschäftige ich mich sehr lange mit dem Thema, aber das Interessante ist eben, dass da kein Fachmann oder keine Fachfrau am Werke ist, denn das passiert ja ununterbrochen in den Medien. Gerade in den elektronischen Medien treten dieselben Menschen auf, die auch bei uns zu Wort kommen, nur sprechen sie da eine Sprache, die kein Mensch mehr verstehen kann. Da wird von Deregulieren gesprochen, von Liberalisieren, doch in Wirklichkeit wird unter diesem Deckmantel ausgebeutet, dass es nur so kracht. Das ist es, was mich interessiert: Erst haben wir dem Lebensmittelmarkt ein wenig unter den Rock geschaut, jetzt schauen wir dem Geldmarkt ein wenig unter den Rock. Niemand hat es gern, wenn man ihm unter den Rock schaut, aber das ist genau unsere Vorgehensweise. Unser Mittel ist der kindliche Blick. Wir stellen ganz einfache Fragen: Es hat noch nie so viel Geld gegeben wie jetzt, aber wo ist es? Es ist nicht da, aber wo ist es denn hin?"
(Erwin Wagenhofer über „Let’s make money“)

"Wenn van der Keuken Jazz ist, ist dies vielleicht Pop."
(Filmclub Berlin)

Trailer:
http://www.youtube.com/watch?v=FaTyKX3Tl2k&feature=plcp

Freitag, 6. Juli 2012

I ♥ $ - Johan van der Keuken

Dienstag 10.07.2012
- ACHTUNG WEGEN ÜBERLÄNGE - 20.00 Uhr  
vorgestellt von Sebastian Markt & Stefan Neuberger


I ♥ $  |  Niederlande, 1986. 145 Minuten. Niederländisch, Englisch, Portugiesisch mit englischen Untertiteln |  Regie / Kamera : Johan van der Keuken  Musik: Willem Breuker / Montage: Jan Dop, Johan van der Keuken

Described by the filmmaker as an attempt "to film how people survive, and the money, how it flows, those who have it and those who don't," this provocative film moves through the financial centers of the world, exploring the attitudes of those on top and bottom of the social and economical pyramid. Interviews with bankers and investors are intercut with journeys into the lives of people on the margins: Puerto Ricans and African Americans in New York, a young family in Hong Kong, illegal immigrants in Geneva. According to Dominique Paini in Cahiers du Cinema, "the constant overlapping of the sound of different languages is as strikingly beautiful as the visual fascination offered by the cities he filmed."  - moma

In 1984–85, Johan van der Keuken took his camera across the globe, from Amsterdam to New York to Hong Kong, ending in Geneva. The object of his investigation was money, in particular the maniacal drive to accumulate it in the era of Thatcherite/Reaganite neoliberalism. In the resulting film, I love $, van der Keuken shows us his view of the world of money in which the Netherlands is fully integrated, and the contrasts between excess and deprivation. In addition to a succession of bankers, traders, and executives, van der Keuken also interviews the victims of economic dispossession, such as the residents of dilapidated dwellings in New York and illegal Portuguese immigrants in Switzerland (who, ironically, have a son who dreams about the promised land of New York). Flashes of the developing world (which the financiers admit is of no interest to them) appear on flickering TV monitors, indicating its remoteness from the centers of capitalist power, as embodied in the sanitized streets of Geneva. Van der Keuken lets the camera explore its environment, with attention to aesthetic detail that sets this apart from more conventional reportage. —New Museum