Donnerstag, 12. Juli 2012

LET'S MAKE MONEY - Erwin Wagenhofer

Dienstag 17.07.2012
20.30 Uhr  
vorgestellt von Jan Krüger






Let's make Money  |  Österreich 2008  |  107 Minuten  |  mehrsprachig mit dt. Untertiteln  |   Regie und Kamera Erwin Wagenhofer  |  Regieassistenz und Ton Lisa Ganser  |  Schnitt Paul M. Sedlacek  |   Produzent Helmut Grasser


"Wenn es einen Film gibt, der eine Revolution auslösen kann, dann ist es dieser!"
(Cinema)

"Hier die Gelddruckmaschine, dort die Steineklopfer. Hier die Hochglanzwerbung der Deutschen Bank, darunter der Slum. Hier der Manager im Wagenfonds, hinter Glas keimfrei abgeschottet von den realen Folgen seiner Geschäfte, dort die Obdachlosen unter Plastikplanen. Wagenhofer setzt auf eine Ästhetik des scharfen Kontrasts, verzichtet sonst jedoch auf propagandistische Publikumsgängelei à la Michael Moore. Der Film weist lediglich Zusammenhänge auf, die man gewöhnlich nicht wahrhaben möchte: zwischen dem eigenen Geld in der Pensionskasse und der spanischen Immobilienblase zum Beispiel. Jeder Sparkassenkunde, jeder Pfandbriefbesitzer ist verstrickt ins ganz legale, globale Unrechtssystem. Es bringt Absurditäten hervor, die jeden beschämen, nicht nur selbstgefällige Manager. So gehören zu den Zigtausenden für den Leerstand gebauten Wohnungen an Spaniens Sonnenküste auch 800 Golfplätze, deren Grünflächen täglich bewässert werden. Die Wassermenge entspricht dem Tagesbedarf von 16 Millionen Menschen. Der Film zur Krise. Unbedingt gucken.
(Christiane Peitz im tagesspiegel)

"Statt etwa der spanischen Immobilienkrise mit dem Ethos einer gut recherchierten Reportage nachzugehen, wird, nachdem die attraktivsten Bilder und Statements abgegrast worden sind, munter der Schauplatz gewechselt. Das Ergebnis produziert keine Einsichten in die faktische Komplexität und Vernetztheit des Weltwirtschaftssystems und seiner Player, sondern eher eine Art geopolitischen Kritik-Tourismus zweiter Ordnung. Wie alles mit allem zusammenhängt, vermittelt sich nicht.
Auch deshalb gerät der Film immer wieder in bildsprachliche Sackgassen, die weniger mit der prinzipiellen Unanschaulichkeit der Finanzökonomie zu tun haben, als mit der Vorliebe des Regisseurs für Pittoreskes wie kreisende Geier oder andere Pointen - etwa wenn der glatzköpfige Mobius durch einen verzerrenden Spiegeleffekt im Fitnessstudio als Nosferatu inszeniert wird. Überführt man so eine "Heuschrecke"? Offensichtlich wird die schale Hilflosigkeit, wenn die Kinder von Baumwollpflückern aus Burkina Faso in Zeitlupe in die Kamera winken."
(Simon Rothöhler im FREITAG: "Wie überführt man Heuschrecken?)

"… Das ganze Filmteam besteht, wie schon bei „We Feed the World“ aus zwei Personen, aus Lisa Ganser und mir. Ich halte mich durchaus für einen politischen Menschen, aber ich bin kein Fachmann für die Themen, über die ich Filme mache. Natürlich beschäftige ich mich sehr lange mit dem Thema, aber das Interessante ist eben, dass da kein Fachmann oder keine Fachfrau am Werke ist, denn das passiert ja ununterbrochen in den Medien. Gerade in den elektronischen Medien treten dieselben Menschen auf, die auch bei uns zu Wort kommen, nur sprechen sie da eine Sprache, die kein Mensch mehr verstehen kann. Da wird von Deregulieren gesprochen, von Liberalisieren, doch in Wirklichkeit wird unter diesem Deckmantel ausgebeutet, dass es nur so kracht. Das ist es, was mich interessiert: Erst haben wir dem Lebensmittelmarkt ein wenig unter den Rock geschaut, jetzt schauen wir dem Geldmarkt ein wenig unter den Rock. Niemand hat es gern, wenn man ihm unter den Rock schaut, aber das ist genau unsere Vorgehensweise. Unser Mittel ist der kindliche Blick. Wir stellen ganz einfache Fragen: Es hat noch nie so viel Geld gegeben wie jetzt, aber wo ist es? Es ist nicht da, aber wo ist es denn hin?"
(Erwin Wagenhofer über „Let’s make money“)

"Wenn van der Keuken Jazz ist, ist dies vielleicht Pop."
(Filmclub Berlin)

Trailer:
http://www.youtube.com/watch?v=FaTyKX3Tl2k&feature=plcp

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