Montag, 16. Juni 2014

ZUWANDERN - Sabine Herpich, Diana Botescu

Dienstag 16.06.2014
20:30 Uhr
Volksbühne am Rosa Luxemburg Platz
in Anwesenheit des Filmteams


D 2014 / Dokumentarfilm, 81 Min., rumänisch und deutsch mit deutschen Untertiteln / Regie: Sabine Herpich, Diana Botescu / Kamera: Sabine Herpich, Florian Lampersberger / Montage: Maja Tennstedt / Mischung: Jan Cziharz, Niklas Kammertöns / Produktion: Sabine Herpich / Mit: Marina Carmen Badea, Nicolae George Badea, Alexandru Daniel Badea, Marian Razvan Badea, Rebeca Ana-Maria Badea
 
DOKKA-FÖRDERPREIS DOKUMENTARFILM / Dokumentarfestival Karlsruhe 2014

Als sich ihre wirtschaftliche Situation verschlechterte, beschlossen Carmen und George Badea, aus Rumänien auszuwandern. Die Frage, in welchem Land ein besseres Leben möglich wäre, war für sie zunächst zweitrangig. Mehr zufällig fiel die Wahl auf Deutschland, gemeinsam mit ihrem Sohn Daniel fuhr das Ehepaar schließlich nach Berlin. Mangels Kontakten und deutschen Sprachkenntnissen verbrachten sie dort den ersten Winter in einer verlassenen Gartenlaube. Geld für Essen verdienten sie sich durch das Sammeln von Pfandflaschen.
Der Film begleitet die Familie neun Monate lang und erzählt von der Zeit, als das Leben auf der Straße zwar vorbei, aber ihre wirtschaftliche Situation noch nicht stabil war. In den Blick kommt dabei auch die Interaktion verschiedener Behörden mit der Familie.
 
 
Viel an dem außerhalb aller Fördersysteme realisierten "Zuwandern" erinnert an "Neukölln-Aktiv", den Film, den Herpich vorher, mit einem anderen Co-Regisseur, gedreht hatte. "Zuwandern" ist wieder eine ebenso eindringliche wie unaufgeregte Langzeitbeobachtung, wieder ein vorurteilsfreier Blick auf einen Teil der deutschen Wirklichkeit, der im medialen Alltag entweder unsichtbar bleibt oder von Klischeebildern restlos zugedeckt wird; und wieder ist es ein Film geworden, der durchdrungen ist von einer zurückhaltenden Form von Empathie, die sich nicht selbst mit ausstellen muss, die keinen Voice-Over, noch nicht einmal explizite Interviewsituationen braucht; die sich stattdessen in der Geduld manifestiert, die Herpich und Botescu aufbringen, wenn sie beobachten, wie soziale Situationen sich in der Zeit entfalten. Denn genau wie die Gespräche in "Neukölln-Aktiv", wo ausführlich gezeigt wurde, wie eine Sozialarbeiterin versucht, die ihr anvertrauten Jugendlichen wenigstens zur Teilnahme an völlig voraussetzungslosen Gruppengesprächen zu bewegen, sind auch die Interaktionen der Badeas mit Sozialbehörden, aus denen "Zuwandern" zu weiten Teilen besteht, sogar aus der raumzeitlichen Distanz des Kinosessels nicht leicht zu ertragen.
 
Lukas Foerster: Die Maus im Keller

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen