Mittwoch, 8. August 2012

LAST DAYS - Gus Van Sant


Dienstag 14.8.2012 
20.30 Uhr
vorgestellt von Jan K.



LAST DAYS  |  USA 2005  |  97 Minuten  |  35mm   |   1:1.37  |  Regie, Drehbuch, Schnitt   Gus Van Sant  |   Kamera   Harris Savides  |  Produktion    Dany Wolf  |   Musik   Rodrigo Lopresti   |  mit   Michael Pitt, Lukas Haas, Asia Argento, Scott Patrick Green, Nicole Vicius, Ricky Jay, Ryan Orion
 


Synopsis: Der introvertierte Rockmusiker Blake (Michael Pitt) schlafwandelt durch die letzten Tage seines Lebens. Immer wieder zieht es ihn aus seinem großen, massiven Steinhaus in die Natur. Er flüchtet vor dem immensen Druck, der von seinem Manager, seinen Freunden, eigentlich von jedem auf ihn ausgeübt wird.

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Der junge Mann, der zu Beginn durch den Wald irrt, in einem kalten Fluss badet, am Lagerfeuer übernachtet und schließlich bei einem geräumigen alten Haus ankommt, heißt Blake. Er sieht Kurt Cobain ähnlich, schon der blonden Haare wegen. Aber es geht in „Last Days“ nicht um die Wahrheit über den Tod des Grunge-Idols (dazu gibt es die Berichte der Polizei und die Verschwörungstheorien der Fans), sondern um eine Wahrheit im Inneren der Rock-'n'-Roll-Klischees.

(…)

Ein Drehbuch im herkömmlichen Sinn lag nicht vor, als „Last Days“ in den herbstlichen Wäldern um Garrison im Bundesstaat New York gedreht wurde. Stattdessen konnten die Schauspieler ihre Ideen einbringen. Ein Vertreter, der Anzeigen für die Gelben Seiten verkauft, bekam kurzerhand eine Szene. Zwei Mormonen dürfen ihre religiösen Botschaft darlegen, ohne dabei lächerlich zu wirken.

Scheinbar mühelos erzielte Gus Van Sant in seinen letzten drei Filmen, die jeweils von Jugendkultur und Tod handelten, immer wieder Momente größter Luzidität. In „Gerry“ (2002) verloren zwei junge Männer in den Salzwüsten von Nevada die Orientierung, am Ende fand nur einer in die Zivilisation zurück. In „Elephant“ (2003) versuchte Van Sant, das Schulmassaker, das sich 1999 in Littleton, Colorado, ereignet hatte, aus der Perspektive von Opfern wie Tätern nachzuempfinden. Schon damals entwickelte er eine eigenartige Mischform, die zugleich historisch korrekt und poetisch frei erschien. Die amerikanische Kritikerin Amy Taubin hat die Filme von Gus Van Sant als „homöopathisch“ bezeichnet - sie verabreichen ein Gift in heilsamer Dosis. Man könnte auch sagen: Sie erzählen auf friedliche Weise von Gewalt.

Bert Rebhandl, FAZ


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"Last Days" ist vermutlich das Maximum an erreichbarer Kino-Langeweile. Wer einen Beweis für die Relativität des Zeitempfindens braucht, bekommt ihn: Noch nie schienen 96 Minuten so endlos lang.

abendblatt.de


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Sehr deutlich und bewußt setzt der Regisseur dabei auf Anti-Psychologisierung. Er glaubt nicht daran, dass sich alle Handlungen erklären, aus Gründen oder Vorgeschichten ableiten lassen. Genau darum schildern seine Filme Zustände. Van Sant stellt sich und uns die Frage, wie sich Atmosphären, in denen der Tod schon präsent ist, wie sich Atmosphären überhaupt erzählen lassen.

Rüdiger Suchsland, artechock film


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Ist dies ein Film über einen Jugendlichen, der sich nicht mehr zurechtfindet, oder macht er einen Abstecher ins Abenteuer, „a walk on the wild side“, wie in dem berühmten Song von Lou Reed?

In meinen Augen geht es um einen, der nach Hause zurückkehrt, weil er einen Ort sucht, an dem er allein sein kann. Aber dort, wohin er zurückkehrt, sind andere Menschen; es wird nichts mit dem Alleinsein. Um wegzukommen, geht er zu dem anderen Häuschen. Er bemüht sich, Menschen aus dem Weg zu gehen, aber es gelingt ihm nicht, allein zu sein. Allerdings gehört das Haus ihm, er lässt sich also nicht wirklich auf ein Abenteuer ein. Er kehrt einfach nur nach Hause zurück.


Ist das gleichbedeutend mit seinem Ende?
Ja. Er sucht ein Zuhause, aber das ist nicht leicht zu finden.


Gilt das für jeden?

Es gilt für viele Menschen.
 

Auch für Sie?

Ich glaube schon.

Interview mit Gus van Sant auf arte.tv


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