Montag, 14. Mai 2012

NO QUARTO DA VANDA - Pedro Costa

Dienstag 15.05.2012
20.30 Uhr
vorgestellt von Sebastian Markt



NO QUARTO DA VANDA | Portugal 2000 | 170 Min. | Regie & Kamera: Pedro Costa | Schnitt: Dominique Auvray | Darsteller: Vanda Duarte, Lena Duarte, Zita Duarte uvm.


ACHTUNG: 
Wegen Überlänge fangen wir heute absolut pünktlich um 20:00 Uhr an !!!

In Vandas Zimmer sitzt Vanda mit ihrer Schwester, oder allein und raucht Heroin. Sie sitzt meist auf ihrem Bett, der Film wird die Räumlichkeit des Zimmers nie vollständig auflösen, aber man hat den Eindruck, viel mehr als ein Bett hat hier nicht Platz. Sie rauchen und reden und streiten und Vanda hustet ihren schrecklichen, asthmatischen Husten.

In Vandas Zimmer kommt ein reger Strom an Besucher/inne/n. Probleme werden besprochen, manchmal gelöst und manchmal nicht, Nachrichten ausgetauscht, und Neuigkeiten verbreitet, Verhandlungen geführt. Erinnerungen und Erzählungen beschwören die Abwesenden: die Toten und die Weggegangen, die im Gefängnis sitzen, verblichene Entwürfe von sich selbst, und entwischte, und die, zu denen das Leben auf andere Weise die Verbindungen verschüttet hat.

Dazwischen verlässt der Film das Zimmer, unternimmt Exkursionen durch die unmittelbare Umgebung, begleitet Vanda auf ihrer Runde beim Gemüseverkauf, stattet dem Nachbar Besuche ab, wo das Heroin gespritzt wird und Versuche unternommen werden, aus der Behausung eine Wohnung zu machen, sieht zu wie wand für Wohnung für  Haus der Slum abgerissen wird und Platz gemacht wird, ja wofür eigentlich?

In Vandas Zimmer drängen die Geräusche von draußen, Musik und Stimmen, der Krach den die Leute machen und der Krach den die Abbruchmaschinen machen. Still ist es selten. So sehr die enge Kammer das Bild einer Zelle heraufbeschwört, so durchlässig sind die Wände für die Umrisse einer brüchigen Welt, im Off des Soundtrack ständig präsent, während im On des Bildes und des Dialogs ein nicht endender Reigen von Gesprächen und Unterhandlungen eine prekäre Sozialität evoziert, Ausrisse aus einer Morphologie des Lebens und Überlebens in Fontainhas.

In Vandas Zimmer hat Pedro Costa ein Jahr lang gedreht, mit einer kleinen DV Kamera, ohne zusätzliches Licht, meist ohne zusätzliches Team. In TOUT REFLEURIT: PEDRO COSTA, CINÉASTE begleitet Aurélien Gerbault den Regisseur bei der Arbeit an JUVENTUD EM MARCHA. In einer langen Szene steht Costa dort wo früher Vandas Haus war. "Ich zeig dir wie Kino geht, es ist ganz einfach," sagt er, und beschreibt wie er Tag für Tag mit dem Bus nach Fontainhas fuhr, hier einen Kaffee trank, dort in die Wohnung der Duartes ging, da bei Vanda im  Zimmer saß, rauchte, zuhörte, filmte, drüber beim Nachbar Tango vorbeischaute, während er in den Schutt die Umrisse einer Welt zeichnet, die so nicht mehr ist.

"At one point in Pedro Costa’s In Vanda’s Room, there’s a scene that plays like a Jacques Tati gag. Pango, one of the addicts the film follows, is in the house he’s just squatted. He finds an abandoned drawer, which he places horizontally on the floor, with its bottom end facing up. He takes a drag on his cigarette, and sees an improvised bench. He doesn’t like it. He lifts the drawer again, and this time he places it vertically, with the open end facing towards him. He sets off to find a piece of wood, and forces it into the middle of the drawer. He’s just made a wardrobe.

This is a mere detail in a film in which domestic chores are omnipresent and even compete with the rituals of drug consumption, both activities being part of the daily routine always taking place inside the house. In any case, Pango’s gesture is useful, both for himself and for Costa. While the bulldozers outside are reducing the streets and houses of Lisbon’s Fontainhas neighbourhood to dust, both character and film-maker reuse what they can from the debris and abandoned materials. They don’t bring them in from the outside – they are already there. Since he started filming in digital, Costa has referred to his new production model as something revitalising, freeing him both from the weight of cinema and from everything that comes between the camera and what is being filmed."

Miguel Gomes: Serenity

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