Dienstag 21.5.2013
20.30 Uhr
vorgestellt von Maik Teriete
20.30 Uhr
vorgestellt von Maik Teriete
Deutschland, Canada 2008 | 95 min | Regie & Buch: Bruce LaBruce | Kamera: James Carman | Schnitt: Jörn Hartmann | Darsteller/innen: Jey Crisfar, Marcel Schlutt, Nicholas Fox Ricciardi, Keith Boehm, Olivia Barth u.a. |
Seinen Ausgang nimmt der Film auf einer verlassenen Landstraße. Dort begegnen wir einem jungen Mann namens Otto (Jey Crisfar), der als Untoter orientierungslos durch die Gegend stolpert. Seine Kleidung ist schmutzig und er ernährt sich von herumliegenden Kaninchenkadavern. Per Anhalter gelangt er nach Berlin, wo er auf der Straße lebt und recht bald die Neugier der lesbischen Underground-Filmerin Medea Yarn (Katharina Klewinghaus) weckt. Diese arbeitet gerade an der Fertigstellung eines politischen Pornos mit schwulen Zombies mit dem Titel „Up With Dead People“; und da passt unser Otto natürlich ganz hervorragend rein. Da er selbst ein Untoter ist, was dem Filmteam erst nach und nach dämmert, kann er die ihm angedachte Rolle mit Bravour meistern. Während der Dreharbeiten blitzen in Otto allmählich Erinnerungen an sein vergangenes Leben auf, er erinnert sich an seine Anstellung bei einem Fleischer und an seinen Ex-Freund, mit dem er schließlich ein Treffen arrangiert.
Bruce La Bruce ist ein Filmemacher, der mit
jedem seiner Werke das Publikum polarisiert; zwischen Hass und Verehrung
mäandern die Meinungen. Nicht zufällig zog er mit Jörg Buttgereit
(„Nekromantik“, „Schramm“) für den Fernsehsender arte „Durch die Nacht…“ –
beide Filmemacher eint die Produktion weitab des Mainstreams und ohne Rücksicht
auf den Geschmack der Masse oder gesellschaftliche Tabuthemen. Beide schaffen
kontroverse, verstörende Filme, die auf den Magen schlagen und oft nur schwer
erträglich sind. Im Gegensatz zu Buttgereit zählt La Bruce allerdings zu den
Vertretern des „New Queer Cinema“. Daher gehören pornographische Szenen
zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern ebenso selbstverständlich zu seinen
Filmen wie eine schonungslose Kritik an gesellschaftlichen Gegebenheiten. Sein
neuer Film, „Otto; Or Up With Dead People“, lief 2008 im Panorama der Berlinale
und spaltete erwartungsgemäß auch dort das Publikum. Während die einen
Parallelen zu Andy Warhol zogen, verließen die anderen frühzeitig den Kinosaal.
Ein wenig unverständlich ist das ganze Aufsehen schon, denn letztlich ist Bruce
La Bruces Film doch nur ein ambitionierter, hoffnungslos überladener Trashfilm,
dem man sein geringes Budget deutlich ansieht. Und ein wenig langweilig ist er
auch noch, trotz blutiger Gore-Effekte.
[Christian Horn auf filmstarts.de]
Bruce LaBruce, für viele ist dieser Regisseur wohl ein rotes Tuch, dreht er doch vornehmlich schwule Pornofilme mit Geschichte. Doch hier hat er etwas geschaffen, das viele überraschte. "Otto; or, up with dead people" ist einer der ästhetischsten und tiefgründigsten Filme der letzten Jahre.
Hier geht es weder um Sex noch Gewalt, beides ist in dem Film eher spärlich vorhanden. Dieser Film ist, wie die meisten Werke Bruce LaBruces, politisch, mal versteckter, mal offensichtlicher. Doch vor allem geht es auch um "Otto" und was ihn antreibt, was passierte. Wenn sich einem das Ende offenbahrt, sieht man den Film mit anderen Augen und muss ihn aus diesem Blickwinkel eigentlich gleich nocheinmal sehen.
Die Bilder und Musik des Filmes sind sehr wichtig. Beides ist überaus berührend, immer passend, wunderschön. Gesprochen wird eher weniger, doch das stört kaum. Im Gegensatz zu vielen anderen "Kunstfilmen" ist dieser nicht im Geringsten anstrengen, nein, sogar im höchsten Maße fesselnd. […] Alles in allem: Grandioses Kino, berührend, aufklärend, lustig, traurig, einfach beinahe perfekt. Die DVD schön gemacht, nur ein kleines bisschen teuer.
Dennoch gilt für jeden, dessen Geschmack sich vielleicht ein bisschen abseits des Mainstreams bewegt und der nicht zu intolerant für Homosexualität in Filmen ist: UNBEDINGT KAUFEN!
[Stefan Kuske auf Amazon.de]

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