Sonntag, 8. Januar 2012

DREI DOKUMENTARFILME - Antje Engelmann


Dienstag 10.1.2012
20.30 Uhr
in Anwesenheit der Regisseurin




Die Künstlerin und Filmemeacherin Antje Engelmann zeigt drei Filme:

WIE? WANN? WO WARUM (15min.), 2007
RENATE (35 min.), 2005
EINE ANLEITUNG, UM DIE VERGANGENHEIT ZU ÄNDERN (40min.), 2011


WIE? WANN? WO WARUM

Die 12-jährige Laurin wird zum Tierarzt begleitet, wo sie ihren kranken Hamster einschläfern lassen muss. Die anschließende Verbrennung des Hamsters im Dorfwald zeigt Laurins Trauerarbeit.
(Textauszug aus dem Festivalkatalog der 54. Internationale Kurzfilmtage Oberhausen)

RENATE
Antje Engelmann rekonstruiert das bisherige Leben der nun über 50jährigen Renate anhand alter Fotografien und vollzieht mit der Kamera vor Ort das Erlebte nach. Nur in Randbemerkungen über die heiter-pragmatischen Geschichten vom Hurenalltag, die Renate auf der Fahrt erzählt, schimmern Macht und Willkür der Zuhälter und die Existenzängste der alternden Prostituierten auf.

Statt die Fakten zu verklären, durchmischen sich die Gesichter und Stimmen der alten Zeiten zu einem Erinnerungschor, der die Zermarterung der Seele, „die jeden Tag ein Stück stirbt“ zu Gunsten der Selbstermächtigung zu gelebter Freiheit und Gerechtigkeit akzeptieren lässt. Ganz en passant entwickelt sich eine zweite Ebene: sichtbar wird die kleinbürgerliche Enge, die Flucht aus der labilen Harmonie der Familie, in der ständig väterliche Gewalt drohte, in die brutale Welt des Sexgeschäfts, in der es galt, für die Kunden in leicht schmuddeliger Athmosphäre stundenweise spießige Idyllen mit Plüsch und Kitsch zu rekonstruieren.

Ohne Verbitterung gibt Renate dabei der käuflichen Liebe ein Gesicht. Sie ist eine Überlebende. Ihre Präsenz und Sprache machen die Vergangenheit gegenwärtig und reißen uns ins Jetzt, in die Realität. Stefan Hentschel, ein alter Bekannter und Zuhälter von St. Pauli findet Worte für diese Realität: sie ist „messerscharf – wie die Liebe und der Hass“.
(Text: Hannes Loichinger)

EINE ANLEITUNG, UM DIE VERGANGENHEIT ZU ÄNDERN
Schon als kleines Mädchen merkte die Filmemacherin, dass ihre Familie ein bisschen anders ist als die der übrigen Kinder im Dorf. Zum Beispiel dann, wenn sie mit hochgesteckten Zöpfen im Trachtenkleid über die Tanzfläche hüpfte. Geboren 1980 in Ulm, wuchs Antje Engelmann in der traditionsbewussten Kultur der Donauschwaben auf. Ihre Urgroßeltern wurden als Ungarndeutsche nach Kriegsende aus der Heimat vertrieben. Heimat ist für Engelmann daher kein Ort, sondern eine Handlung. Und so führt die Spurensuche nach dem donauschwäbischen Heimatgefühl die Berliner Künstlerin nicht nur nach Ulm, Ungarn und Brasilien, sondern verlangt ihr einen Kraftakt der Auseinandersetzung mit Bräuchen, Werten und Erinnerungsmustern ab. Im dringenden Bedürfnis nach einem eigenen Standpunkt oszilliert die Suchende zwischen Anziehung und Abstoßung und fand dafür eine adäquate Erzählform. Engelmann vermixt in wilder Montage familiäres Found Footage und Spielfilmausschnitte, Reiseimpressionen und inszenierte Szenen, Familieninterviews und Expertenstatement. Darüber legt sie donauschwäbische Volksmusik und kommentiert und philosophiert. Ein Film, so grüblerisch wie amüsant.

(Katalogtext des 54. INTERNATIONALES LEIPZIGER FESTIVAL FÜR DOKUMENTAR- UND ANIMATIONSFILM von Jörn Seidel)

Festivals:

54. Internationales Leipziger Festival für Dokumentarfilm, Deutscher Wettbewerb
28. Kasseler Dokumentarfilm und Videofest, Nominierung: Goldener Schlüssel
22. Bamberger Kurzfilmtage, Wettbewerb Dokumentarfilm


LINK zur Webseite der Regisseurin:

http://www.antjeengelmann.net/

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