Dienstag 15.12.09 | 20.30 Uhr
vorgestellt von Gregor Stadlober und Sebastian Markt

THE HURT LOCKER | USA 2008 | Regie Kathryn Bigelow |Buch: Mark Boal | Darsteller/inn/en: Jeremy Renner, Anthony Mackie, Brian Geraghty, Guy Pearce, Ralph Fiennes, David Morse, Evangeline Lilly, Connie James, Christian Camargo, Suhail Aldabbach u.a. | Kamera: Barry Ackroyd | Montage: Chris Innis | Szenographie: Karl Júlíusson, David Bryan | Musik: Marco Beltrami, Buck Sanders | Produzent: Tony Mark, Kathryn Bigelow, Mark Boal, Nicolas Chartier, Greg Shapiro u.a. | Sprache: Engl. m. U. | 131 min |
Der Kriegsfilm ist ein Sonderfall des Kinos. Seine Besonderheit ist nicht einem vermeintlichen Wesen des Kinos geschuldet, von dem er in seinen Erscheinungsformen, Regeln, Erzählweisen, abweichen würde, sondern dem, was er imaginiert: den Krieg. Aus ihm, als scheinbarem Grenzfall aller Sozialität, werden besondere Ansprüche an ein Kino abgeleitet, das ihn darzustellen sucht. Das Reden über den Kriegsfilm ist geprägt von einer spezifisch moralischen Dimension: erwartet wird nichts weniger, als dass er die Wahrheit über den Krieg zu sagen vermöge, eine Wahrheit die eine schreckliche zu sein hat, weniger Darstellung als Urteil über Wirklichkeit, die zuallererst eine außerfilmische ist.
Für THE HURT LOCKER gilt nichts anderes. Ob er die Wahrheit über den Krieg zu sagen imstande ist, zeichnet ihn , je nach Blickwinkel und Vergleichsmatrix, aus oder macht ihn problematisch. THE HURT LOCKER will weniger und mehr, also anderes. Kathryn Bigelows Thriller, der auf einer Reportage des Journalisten und Drehbuchautors Mark Boal beruht, fokussiert in enger Konzentration auf ein Team der US Army, das im Irak des gegenwärtigen Krieges mit der Entschärfung von Bomben, Sprengfallen und IEDs betraut ist. Auf ihren Erfahrungs- und Handlungsraum beschränkt sich der Film, alles andere, der Kontext und die Politik des Krieges, dieses spezifischen Krieges, bleiben ebenso außen vor, wie die Gesellschaft in der er wütet. Feinde und Gegner sind weniger greifbar als ein permanenter Zustand der Bedrohung und Anfeindung. Ein Rest von Plot löst sich auf in eine Abfolge von Einsatzsituationen, unterbrochen von wenigen Sequenzen die in knappen aber genauen Skizzen die Beziehungen zwischen den zwei bis drei im Zentrum stehen Soldaten umreißen. Und die einzige Szene zivilen Lebens gibt keinen Hintergrund sondern ein Gegenbild der Orientierungslosigkeit.
THE HURT LOCKER erschafft damit kein Bild vom Irakkrieg, das als Kommentar missverstanden werden könnte, sondern modelliert in handwerklicher Meisterschaft eine aus Räumen, Bewegung, Blicken konstruierte Wahrnehmungssituation, zeichnet keinen spezifischen geopolitischen Konflikt, sondern einen spezifischen Ausnahmezustand (männlicher) Körper.
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