Samstag, 14. November 2009

FULL METAL VILLAGE - Sung-Hyung Cho

17.11.09 | 20.30 Uhr
FULL METAL VILLAGE | D 2006 | Regie: Sung-Hyung Cho | Drehbuch: Sung-Hyung Cho | Protgonist/inn/en: Uwe Träde, Lore Träde, Klaus H. Plähn, Irma Schaack, Eva Waldow, Ann-Kathrin Schaack, Malena Schaack, Norbert Venohr, Birte Venohr, Henning Halver | Kamera: Marcus Winterbauer | Produzent/inn/en: Helge Albers, Roshanak Behesht Nedjad, Konstantin Kröning | Musik: Peyman Yazadanin | Montage: Sung-Hyung Cho | Sprache: Deutsch m. Engl. UT | 90 min |

Wacken in Schleswig-Holstein hat 1800 Einwoher, einen froschförmigen Topf als Wappen und eine solide CDU-Mehrheit im Gemeinderat. Einmal im Jahr, wenn zehntausende Metal-Fans anlässlich des Wacken Open Airs über diese heile Welt herfallen, kommt es zum spektakulären Culture Clash. Dieses Aufeinandertreffen hat die aus Korea stammende Cutterin und Regisseurin Sung-Hyung Cho zu ihrem Debütfilm angeregt.

Ursprünglich hatte sie einen mörderischen Twist in der Mitte Films geplant (als Referenz erwähnt sie From Dusk Till Dawn). Im Lauf der Arbeit sei sie aber drauf gekommen, dass der Kontrast der Welten zwar fünf Minuten beste Unterhaltung hergeben, in einem Feature Film aber auf Dauer zu einer nichtssagenden Redundanz verkommen würde. Deshalb habe sie sich mit der Zeit immer mehr auf die Perspektive der Dorfbevölkerung zu konzentrieren begonnen. Festival und Todesmetaller sind Aufhänger für ein katastrophenfilmähnliches Szenario und Kontrastmittel für die Ambivalenzen im Landidyll.

Sung-Hyung Cho wendet sich ihrem Objekt mit viel Sympathie zu. Sie zeigt sich fasziniert von dieser Welt (die Outtakes legen nahe, dass sie aus ihrem Material auch einen Film über Milchkuhhaltung im 21. Jahrhundert machen hätte können), ohne dabei die Grenze zur Romantisierung zu überschreiten oder das skurrile Potential der Figuren auszubeuten. Methodisch orientiert sie sich an Jean Rouch, dem Ethnografen, der die teilnehmende Beobachtung für den Dokumentarfilm nutzbar gemacht hat. Stilistisch hält sie sich an Robert Altman, in dessen Montagetechnik sie versucht, das vielstimmig verschachtelte Porträt einer Dorfgesellschaft zu zeichnen, in dessen Zentrum die Leitmotive Fremdheit und Entfremdung stehen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen